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Thema des Tages Borkenkäfer, Sturm und Dürre zerstören Nadelbäume
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19:11 04.09.2018
Waldschäden an der Seulinger Warte: Axel Pampe, Arnold Kracht, Michael Rudolph und Klaus Peter Frerk (v.l.). Quelle: Christina Hinzmann
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Seulingen/Göttingen, Göttingen

Erst Sturm Friederike, dann die Trockenheit, dann der Borkenkäfer: Dem Nadelwald in der Region geht es so schlecht wie lange nicht mehr. Bis zu 40 Prozent der Bäume sind zerstört.

Borkenkäfer-Schäden an der Seulinger Warte: Fachleute begutachten die Schäden.

Die Wälder in der Region Südniedersachsen sind häufig Mischwälder, die nur zu einem Viertel aus Nadelholz bestehen. Deshalb fällt den meisten Spaziergängern gar nicht auf, wie viele Bäume abgestorben oder stark angegriffen sind. Dort, wo die Fichten und Lärchen wachsen – wie beispielsweise an der Seulinger Warte – ist es nicht zu übersehen. Braune Bäume und Flächen, auf denen nur noch die Baumstümpfe vom einstigen Wald zeugen.

Schwerpunkt Südniedersachsen

Südniedersachsen ist landesweit eine Schadens-Schwerpunktregion”, erklärt Michael Rudolf, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Landesweit, so sagt er, wird der Schaden in den Wäldern derzeit auf rund 177 Millionen Euro geschätzt.

Seit Anfang August, so beobachtet es Axel Pampe, Revierleiter im Forstamt Reinhausen, schlagen die Borkenkäfer-Schäden extrem durch. „Wärme und Trockenheit – da fühlt sich der Käfer wohl, der Baum nicht”, sagt er. Die Dürre habe dafür gesorgt, dass sich in diesem Jahr drei Generationen von Borkenkäfern entwickeln konnten, normal sind zwei Generationen. „Ein Weibchen kann so für 100000 Nachkommen sorgen”, so Rudolph.

Grüne Nadeln rieseln wie am Weihnachtsbaum

Die Schädlinge treffen also auf durch die Dürre geschwächte Bäume, die nicht genügend Harz zur Abwehr der Tiere produzieren können – ein gefundenes Fressen. „Das habe ich so noch nie erlebt. Die grünen Nadeln der Fichten rieseln in diesem Jahr herab wie von einem Weihnachtsbaum”, sagt Förster Klaus Peter Frerk. „Das Fallen kann man richtig hören.”

„Schneeballeffekt“

Ein Problem für die Fachleute ist, frühzeitig zu erkennen, ob ein Baum befallen ist. „Wenn sich der Baum braun färbt, ist es bereits zu spät”, so Rudolph. Wenn sich die Käfer erst einmal vermehrt haben, fliegen sie aus und befallen weitere Bestände. Ziel ist die sogenannte „Vor-Abflug-Behandlung”, also die Bäume rechtzeitig aus dem Bestand zu entfernen. Dazu suchen die Forstleute die Bäume nach „Bohrmehl” ab. Das ist zum einen rund um das Bohrloch der Tiere (sehr klein) am Stamm sichtbar und mit dem Fernglas auszumachen. „Ich krieche aber vor allem durch den Wald und suche Bohrmehl auf dem Boden unter dem Stamm”, erzählt Frerk. Das Problem daran ist, dass Borkenkäfer, sobald sie einen feinen Fressplatz gefunden haben, einen Duftstoff absondern, der den Artgenossen in der Umgebung signalisiert, dass es dort etwas zu holen gibt. „So setzt ein Schneeballeffekt ein”, erklärt Pampe.

„Alle Kräfte sind im Einsatz”

Zur Zeit, so die Förster, sei die Hauptaufgabe aller Mitarbeiter, gegen den Borkenkäfer vorzugehen. „Alle Kräfte sind im Einsatz”, so Rudolph. Dazu kämen noch etwa 50 Saisonkräfte die zur Zeit in den Wäldern Südniedersachsens im Kampf gegen den Käfer unterwegs sind um die Wälder auf Käferbefall zu prüfen und Bäume zu fällen.

Im Bereich der Realgemeinde Seeburg, zu der der Wald rund um die Seulinger Warte gehört, sind bis zu 40 Prozent des Nadelwaldes zerstört – zunächst durch Sturm Friederike und dann durch den Käferbefall. „Und dazu kommt, dass die Holzpreise derzeit schlecht sind”, sagt Arnold Kracht von der Realgemeinde. Er erwartet für die nächsten Jahre starke Einbußen, zumal in die Wiederaufforstung investiert werden muss.

Holzrücker im Dauereinsatz

Allein im Forstamt Reinhausen, so Pampe, sind 400000 Festmeter Schadensholz angefallen. Die Holzrücker, so Rudolph, seien fast rund um die Uhr im Einsatz. An der Seulinger Warte sind es sowohl große, alte Stämme als auch junge Fichten, die befallen sind. Und: „Erstmals überhaupt sind in diesem Jahr auch die Lärchen befallen”, so Rudolph. Drei Borkenkäfer-Arten sind für die Schäden verantwortlich. Zum einen der Buchdrucker, der seine Larven in lange Gänge unter der Borke ablegt. Von dort aus verbreitet sich der Nachwuchs seitwärts über den Stamm. Die kleinen Nachwuchs-Nadelbäume werden vor allem vom Kupferstecher befallen, einer kleineren Käferart, die sich eher sternförmig unter der Borke ausbreitet. Der Lärchen-Borkenkäfer zerstört in diesem Jahr erstmals in der Region die gleichnamigen Bäume.

Klimawandel in der Region

„Das alles ist vom Klimawandel nicht mehr zu trennen”, meint Pape. Ein viel zu nasser Herbst und Winter, der die Böden so durchweichte, dass der Sturm große Schäden anrichten konnte. Dann der andauernd warme Dürre-Sommer: Die Forstleute müssen sich auf solche klimatischen Bedingungen einstellen. Beispielsweise durch gemischte Baumkulturen, die in Südniedersachsen bereits verbreitet sind. Und: „Kiefern werden künftig in der Region eine größere Rolle spielen”, sagt Pampe.

Interview mit Dr. Rainer Hurling von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt

Mit dem Wald in vier Bundesländern - und in Südniedersachsen - beschäftigen sich die Experten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA). Wie steht es um den Wald in der Region? Dr. Rainer Hurling von der NW-FVA antwortet.

Rainer Hurling Quelle: r

Wie groß sind die Schäden in Süd­niedersachsen?

Wir haben darüber noch keine exakten Zahlen. Nur soviel: Bislang hatten wir die größten Borkenkäferschäden nach dem Hitzesommer 2003 und nach Sturm Kyrill im Jahr 2007. In diesem Jahr sind sie voraussichtlich höher als den beiden Jahren, genauere Zahlen gibt es allerdings erst im Verlauf des kommenden Winters.

Wie kommt das?

Erstens gab es nach dem Sturm Friederike im Januar große Windwurf-Schäden. Diese Stämme konnten die Borkenkäfer im Frühling leicht besiedeln. Zweitens sind die Fichten in diesem Jahr durch die Dürre geschwächt und leisten kaum Widerstand. Und drittens mögen die Käfer warmes, trockenes Wetter. Sie hatten also optimale Vermehrungsbedingungen.

Was meinen sie mit Widerstand?

Die unter der Trockenheit leidenden Bäume produzieren weniger Harz. Deshalb reichte eine Hand voll Käfer, um sie anzubohren und sich dort auszubreiten. In anderen Jahren brauchte es dafür mehr als 100 Käfer. Wenn sich die Tiere erst einmal in den Stamm gebohrt haben, schütten sie einen Duftstoff aus und es folgt eine Massenattacke.

Es gibt in diesem Jahr drei Generationen an Käfer-Nachwuchs?

Dazu haben wir bislang keine Hinweise. Die erste Käfergeneration konnte bereits ab Ende April im Windwurfholz angelegt werden, das zu diesem Zeitpunkt keinen Widerstand mehr leistete. Aufgrund verzettelter Brutentwicklungen wurde nach etwa acht bis zehn Wochen von den Jungkäfern dieser Generation über Wochen hinweg die zweite Generation in stehenden Fichten angelegt. Käfer der zweiten Generation sind zum Teil jetzt fertig, zum Teil aber noch als Larven oder Puppen unter der Fichtenrinde. Bei anhaltend guter Witterung besteht die Möglichkeit, dass in wärmeren Bereichen noch eine dritte Generation entsteht.

Wie wird gegen die Tiere vorgegangen?

In der Bekämpfung von Borkenkäfern hat sich ein Integriertes Bekämpfungskonzept durchgesetzt, mit dem gute Erfolge erzielt werden. Zunächst ist es wichtig, die befallenen Fichten zeitnah zu finden, solange die Borkenkäfer noch unter der Rinde stecken. Diese Fichten werden gefällt und im besten Fall rechtzeitig abtransportiert. Ist das nicht möglich, muss der Förster das Holz meist entlang der Waldwege ablegen. Damit die Borkenkäfer dieses Holz nicht mehr verlassen und wieder neue Fichten befallen kann, wird mit einem dafür zugelassenen Insektizid der Ausschlupf der Tiere verhindert.

Wie bewerten sie die Situation und wann ist die Gefahr gebannt?

Die Situation ist sehr angespannt. In ein paar Wochen ist der Zyklus der Borkenkäfer beendet, sie gehen in die Winterruhe. Aber: Die, die jetzt nicht erwischt werden, machen im nächsten Jahr viel Ärger. Daher unternehmen die Förster und Waldbesitzer große Anstrengungen, um möglichst viele Borkenkäfer noch vor der Überwinterung mit dem Holz aus dem Wald zu bekommen.

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