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Thema des Tages Tadashi Endo wird 70
Thema Specials Thema des Tages Tadashi Endo wird 70
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15:31 30.08.2017
Butoh-Tänzer Tadashi Endo und sein neues Werk HA DÔ.
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Göttingen

Am Donnerstag, 31. August feiert er seinen 70. Geburtstag und das von ihm in Göttingen gegründete Butoh-Centrum MAMU wird 25 Jahre alt. Seinen Geburtstag erlebt er als Tänzer auf der Bühne im Jungen Theater mit seinem neuen Tanztheater HA DÔ. Im Anschluss an die Vorstellung wird ihm die Kulturdezernentin Petra Broistedt die Ehrenmedaille der Stadt Göttingen überreichen als Würdigung für seine langjährige künstlerische Arbeit, seine Innovationskraft und dafür, dass er das Göttinger Kulturleben bereichert.

„Butoh ist Leben – der Tanz zeigt wie man sich mit dem Leben auseinandersetzt“, sagt Tadashi Endo über den Avantgarde-Tanz, zu dem er über Umwege kam und der ihn international bekannt machte. „Butoh hat mein Leben geformt – ohne Butoh wäre ich vielleicht nach Japan zurückgegangen und hätte als Reiseführer gearbeitet.“ Doch sein Leben schrieb ein anderes Drehbuch: Von Göttingen aus – praktisch aus dem Exil – wurde er einer der wichtigsten und eigenständigsten Vertreter der Kunstform Butoh, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan entstand.

„Schon in der Grundschule habe ich kleine Aufführungen gemacht und japanische Märchen interpretiert“, erinnert sich Endo. „Mit zwölf Jahren war ich im Chemieunterricht ein Clown – das steckt in mir.“ Der 1947 in Beijing geborene und in Japan aufgewachsene Künstler war dann auch Ende der 1960er Jahre an Underground-Theater und der Studentenbewegung interessiert. „Zum Theater kam ich über ein Stück von Jean-Paul Satre, das sich mit Rassismus beschäftigte. Ich selber war gegen den amerikanischen Imperialismus. So ging ich auch auf Demonstrationen.“ Er landete im Gefängnis und ihm wurde verboten, Theater zu spielen. Sein Vater empfahl ihm, ins Ausland zu gehen. Wegen Brecht und Dürrenmatt entschied sich Endo für Deutschland. Seine erste Station war 1970 Göttingen: Er hospitierte am Deutsche Theater unter Günther Fleckenstein. Ab 1973 studierte er Regie am legendären Max Reinhard-Seminar in Wien. 1976 kam er nach Göttingen zurück und hatte sein erstes Engagement am Jungen Theater. Hier inszenierte er mehrere Stücke und bekam gute Kritiken. Als Leiter der „Theater-Kooperative Northeim“ landete er mit dem Kindermusical „Freßsack und die Bremer Stadtmusikanten“ der Band „Ton Steine Scherben“ einen Erfolg und wurde auf Theater-Festivals in Deutschland, Italien und Österreich eingeladen. Doch als Künstler war er unzufrieden: „Ich bin kein Jugendpfleger, ich wollte selber etwas für mich machen.“

„Inter Sexuality“ mit Tadashi Endo Quelle: Peter Heller

1989 kam die künstlerische Wende und Neuausrichtung: „Meine Frau Gabi hatte mich zu einem Workshop von Kazuo Ohno angemeldet – einem der wichtigsten Vertreter vom Butoh.“ Der Workshop veränderte Endos Leben. Er wurde Butoh-Tänzer, choreografierte eigene Stücke, tanzte zur Musik von Freejazz-Musikern und fand seinen eigenen Stil. „Ich unterscheide mich von den japanischen Butoh-Tänzern, weil ich zeige wie man den Butoh weiter entwickelt.“ Dabei profitiert er von seinen bisherigen Erfahrungen: „In meinem Tanz habe ich immer eine klare Zielsetzung – das habe ich am Theater gelernt.“

Göttingen blieb und bleibt für Tadashi Endo stets die Heimat. Der Stadt schenkt der Tänzer mit seinem Wirken seit Jahrzehnten internationales Flair, das weit über die Stadtgrenzen strahlt. Auf Anraten seines Förderers Kazuo Ohno veranstaltete er 1992 das erste MAMU-Festival und holte in Folge berühmte Butoh-Tänzer in die Stadt. Zeitgleich gründete er das Butoh Centrum MAMU, damit mehr Menschen Butoh kennenlernen. Vor über zehn Jahren wurde Endo als Tänzer, Choreograf und Lehrer auch international immer gefragter – insbesondere in Südamerika. Projekte mit Doris Dörrie wie der Film „Kirschblüten - Hanami“ machten ihn deutschlandweit bekannt.

Tadashi Endo entwickelt sich mit jedem Stück, mit jeder Performance weiter, definiert seinen Butoh-Tanz jedes Mal neu – und bleibt doch seinem lebenslangen Credo treu: „Künstler müssen neugierig sein und gegen den Strom schwimmen. Man darf nicht mit dem Status Quo zufrieden sein. Ich will möglichst immer mit dem Unbekannten spielen.“

Mehr Infos zu Tadashi Endo.

Stumme Schreie nach Leben

Ein anderer Blick auf das Thema Flüchtlinge: Tadashi Endo lenkt in seinem neuen Butoh-Tanztheater HA DÔ die Wahrnehmung auf Flucht und Migration weg von namenlosen „Flüchtlingsströmen“. Flucht vor Krieg ist für den Choreografen zuerst Verzweiflung, Leiden und Tod von einzelnen Menschen. Am Dienstag hatte das Stück Premiere im Jungen Theater – und zeigte eine neue Seite von Tadashi Endo.

Der theatererfahrene Endo inszeniert das Thema Flucht in lebensnahen, leicht verständlichen Bildern. Da tanzen bunt gekleidete Menschen mit orientalischer Kleidung voller Lebensfreude. Plötzlich ist in der Ferne ein Kanoneneinschlag zu hören. Menschen flüchten in Panik, Tote liegen auf dem Boden, Trauernde beugen sich über sie. Mit weit geöffnetem Mund, angsterfülltem Blick und stummen Schreien starren die Tänzer von der Bühne.

Ihre Flucht nach hinten scheitert an der Bühnenwand wie an einer unüberwindlichen Mauer. Verzweiflung liegt in den Augen der Tänzer. Dann erklingt das Geräusch von Wellen, Meeresrauschen – Symbol für die Flucht über das Meer.

In der nächsten Szene sitzen die Tänzer mit ihrer zerrissenen Kleidung dicht aneinander gedrängt auf der Bühne wie in einem Schlauchboot. Ihre Arme und Hände ringen hilfesuchend in die Luft. Vergebens. Dann eine der dramatischsten Szene: Die Tänzer liegen auf dem Boden, ihre Körper bewegen sich als würden Leichen leblos auf dem Meer treiben. Die Flucht, die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben endet im Tod. In der Schlussszene stehen die Tänzer unbekleidet auf der Bühne als stumme Tote.

Tadashi Endo Quelle: Alciro Theodoro Da Silva

Tadashi Endo choreographiert die Dramatik des Themas mit schrecklich schönen Bildern – durchdrungen von Poesie und Melancholie. Unterstützt durch die Bühnenmusik des Brasilianers Daniel Maia rhythmisiert er die Bewegungen der zwanzig Tänzer immer wieder und macht sie so noch eindringlicher. Endo ist ein Meister des Lichts: Auf der leeren Theaterbühne schafft er so dramatische wie auch ästhetische Atmosphären.

Als Tänzer erscheint Tadashi Endo nur zu Beginn und zum Schluss des Stückes. Die langsamen sich windenden Bewegungen seines Körpers, der Ausdruck seines Gesichts verkörpern eine andere Dimension: die Verzweiflung und Trauer des Außenstehenden.

Mit HA DÔ hat sich Tadashi Endo anlässlich seines 70. Geburtstags neu erfunden. In der Choreografie verbindet er mit neuen Ideen das erzählende europäische Tanztheater mit der Abstraktion des japanischen Butoh.

Dabei klagt Endos aufwühlendes Tanztheater nicht an. Es fokussiert den Blick des Zuschauers dafür auf das Wesentliche: Die Kreatur, den Menschen, seine Hoffnungen, sein Wunsch nach Leben. Die Schönheit der Choreografie und die Diskrepanz zum Schrecken der aktuellen Realität verstört. Aber Irritation hilft, um wieder zurück zu einem menschlichen Blick auf jeden einzelnen Flüchtling zu gelangen.

Weitere Vorstellungen am 30. und 31. August im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, Göttingen

Von Udo Hinz

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