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21:23 13.09.2018
Viele Bürger wollen sich ehrenamtlich engagieren. Quelle: dpa-Zentralbild
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Göttingen

52 Kooperationspartner und 66 Möglichkeiten, sich in Göttingen für andere zu engagieren, bündelt eine neue Caritas-Broschüre. In der Woche des Ehrenamts (14. bis 23. September) soll sie weiträumig gestreut werden.

Kommunalpolitiker lassen keine Gelegenheit aus, ein Hohelied auf das Ehrenamt anzustimmen. Und das gilt nicht nur für die Freiwilligen Feuerwehren. Den Fokus auf die viel beschworene Bürgergesellschaft legt auch der jährliche Empfang beim Bundespräsidenten am Tag des Ehrenamtes. Ohne Ehrenamtliche würde oftmals nichts mehr laufen, das freiwilliges Engagement gilt als unverzichtbarer Schmierstoff für die Zivilgesellschaft. Zu Recht, findet auch Maria Weiss. Entsolidarisierung und einen Mangel an Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft kann die für das Göttinger Freiwilligenzentrum Bonus zuständige Caritas-Mitarbeiterin nicht erkennen. Im Gegenteil. "Viele Menschen wissen aber gar nicht, wem und wo sie helfen können", sagt Weiß.

Von Kinderbetreuung bis Seniorenbegleitung

Aktuelle Orientierungshilfe soll die Broschüre des seit 20 Jahren bestehenden Freiwilligenzentrums bieten, das als Vermittler und K

Maria Weiß Quelle: Hinzmann

ontaktbörse fungiert. Die Möglichkeiten, sich für Mitmenschen in Göttingen einzusetzen, sind mannigfaltig, die Bandbreite ist vielen gar nicht bewusst. Sie reicht von der Kinderbetreuung bis zur Seniorenbegleitung, von Umweltprojekten bis zu Flüchtlingspatenschaften, von der Igelstation bis zur Fahrradwerstatt, von Obdachlosen bis zu Strafgefangenen. Und wer den direkten Konktakt mit Menschen (oder Tieren) scheut, kann sich aufs Büro und administrative Aufgaben zurückziehen, IT-Aufgaben übernehmen, sich um Finanzplanung, Fundraising oder Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Zu den Verbänden, Vereinen, Einrichtungen und Organisationen, die mit an Bord sind, gehören die Göttinger Werkstätten, Mittagstisch St. Michael, Arbeiterwohlfahrt, Stadtbibliothek, Justizvollzugsanstalt, Naturfreunde, Brockensammlung, Universität, Bahnhofsmission, Kirchengemeinden, Migrationszentrum und viele mehr.

Ehrenamtliches Engagement ist keine Einbahnstraße. Weiss, die zurzeit Studenten für einen Imagefilm sucht, spricht von einer win-win-Situation. Als Beispiele nennt sie die Kooperation zwischen Göttinger Tafel und dem Soziologischen Seminar der Uni sowie Gartenbaustudenten, die die Außenanlage eines Seniorenheimes herrichten. Jüngste Initiative sei das "Service Learning" der Universität, das die akademische Lehre mit Einsatz für das Gemeinwesen kombiniert. In einem komprimierten Studium komme die soziale Kompetenz häufig zu kurz, meint Weiß.

Zeitlich überschaubares Engagement

Als Schwerpunkte für das Ehrenamt betrachtet die Caritas-Mitarbeiterin die Senioren- und die Flüchtlingsarbeit. Es gebe immer wieder mal einen Hype wie 2015 bei der Flüchtlingsarbeit - aber keinen Bereich, in dem Ressentiments oder Hemmschwellen dazu führen würden, keine Ehrenamtlichen zu finden. Die direkte Ansprache liege auf dem Dorf näher, in der Stadt sei mehr Vermittlungshilfe vonnöten. Der verbreiteten Sorge, den kleinen Finger zu reichen und die ganze Hand geben zu müssen, tritt Weiss entgegen. Es gebe heute viele zeitlich überschaubare Engagementmöglichkeiten. Wichtig für die passgenaue Vermittlung sei die Berücksichtigung eigener Vorlieben, Neigungen und Fähigkeiten: "Freiwilliges Engagement soll auch Freude machen und nicht zur Last werden." Beide Seiten könnten profitieren, in einigen Bereichen könnten sich Hilfsbedürftige zugleich als Hilfswillige engagieren. Das Ehrenamt dürfe allerdings nicht qualfizierte und kontinuierliche Arbeit aushebeln und das Hauptamt ersetzen, wie es manche Finanzpolitiker erhoffen würden.

Gut funktioniere in Göttingen der generationsübergreifende Kontakt, freut sich Weiss. Die Bereitschaft, zu helfen, sei vor allem bei jungen Leuten und "fitten Senioren" groß. Weniger vertreten seien die mittleren Jahrgänge. Die Sandwich-Generation kann weniger Zeit entbehren, ist schon durch Familie, Beruf und zunehmende Arbeitsverdichtung gefordert.

Als positive Nebeneffekte sozialen Engagements hebt Weiss die Erweiterung des Erfahrungshorizonts sowie Weiterbildung hervor. So könne man beispielsweise bei der Duo-Seniorenbegleitung Menschen kennenlernen, die beruflich etwas ganz anderes gemacht haben.

Ansprechpartnerinnen im Bonus-Freiwilligenzentrum Göttingen sind Maria Weiss, Telefon 0551/9995914, und Heike Javernik, Telefon 0551/9995926.

Kruse engagiert sich für Spendenzentrum

Schon als Jugendliche hat Ulrike Kruse an Wochenenden in ihrer Geburtsstadt Goslar freiwillig im Krankenhaus gearbeitet. Dann war erst einmal Schicht. Als Lehrerin an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Geismar war Kruse zu sehr eingespannt und konnte über einen Mangel an sozialem Engagement nicht klagen. "Das war mir genug", sagt die 75-Jährige, die

Ulrike Kruse arbeitet ehrenamtlich bei der Göttinger Tafel in Geismar. Quelle: Hinzmann

nach 30 Jahren an der IGS 2008 in den Ruhestand gegangen ist und sich seit einigen Jahren wieder ehrenamtlich engagiert. Über die Betreuung einer alleinerziehenden Afghanin ist Kruse ins Göttinger Spendenzentrum eingestiegen. Dort freut sie sich über "Begegnungen mit Menschen aus aller Herren Länder und Möglichkeiten, sie bei Grundbedürfnissen zu unterstützen". In der ehemaligen Produktionshalle an der Robert-Bosch-Breite stehe aber auch "viel stupide Arbeit" mit Sortieren und Ordnen an. Die Spendenbereitschaft sei anfangs riesig gewesen, berichtet Kruse. Einige hätten allerdings das Spendenzentrum auch als Entsorgungsmöglichkeit für nicht mehr Brauchbares missbraucht. Als Lehrerin für Deutsch, Englisch und Französisch kommen der engagierten Seniorin ihre Sprachkenntnisse zugute - auch wenn es bei Begriffen wie Wickelauflage manchmal hapert. "Das strahlende Lächeln der Kinder und die Dankbarkeit von Eltern bei der Kleiderausgabe tut gut", sagt Kruse. Sie kann sich aber auch über Klienten ärgern, denen "nichts recht ist und die nur neue Sachen haben wollen".

An ihren Beruf als Lehrerin wollte Kruse bewusst nicht anknüpfen, sich lieber auf anderen Feldern betätigen. Dazu gehört auch der Göttinger Mittagstisch. Dort nimmt sie Ware an, sortiert sie und gibt sie aus. Pro Tag würden rund 20 Bedürftige versorgt, der Kreis sei klein, die Arbeit angenehm.

Geben und nehmen sei schon ihrer Familie wichtig gewesen, sagt Kruse, die mit drei Schwestern aufgewachsen ist. Unterstützung im Freundeskreis und in der Nachbarschaft sollte ohnehin selbstverständlich sein, meint die gesellige 75-Jährige. "Mir geht es gut, ich kann davon etwas abgeben", begründet sie ihr soziales Engagement: "Und ich profitiere selbst davon." Bürgerschaftliches Engagement sei ein wichtiger Baustein für gelebte Demokratie. Kruse zieht aber auch klare Grenzen: "Es muss genug Raum fürs Privatleben bleiben. Auch eine gewisse Distanz von beiden Seiten ist nicht unwichtig - schon aus Gründen des Selbstschutzes." Zudem sieht sie in vielen Bereichen den Staat in der Pflicht und fragt sich, warum er gewisse Aufgaben nicht regelt: "Wenn alle Ehrenamtlichen aufhören würden, würde vieles zusammenbrechen."

Christlicher Glaube als Motivation

Auf vielen Hochzeiten tanzt Gerdi Breuksch. Die 65-jährige Katholikin engagiert sich für für den Fairkauf-Laden im Caritas-Centrum in Duderstadt, den dortigen Heiligabendkreis ,die Lebenshilfe Eichsfeld, im Pfarrgemeinderat St. Cyriakus und für die Hilfsaktion "Keiner soll einsam sein". Schon als Jugendliche war sie Gruppenleiterin der damaligen katholischen "Mädchenjugend" in Duderstadt, hat später Kommunionen und

Gerdi Breuksch im Fairkaufladen bei der Caritas in Duderstadt. Quelle: Christina Hinzmann

Firmungen vorbereitet, war unter anderem Vorsitzende des Fördervereins für die St.-Ursula-Schule und im Kreiselternrat aktiv. Als Hausfrau und Mutter habe sie Zeit gehabt, sagt die umtriebige Duderstädterin, die auch ihre 91-jährige Schwiegermutter pflegt. Spielte der Glauben eine Rolle für ihr soziales Engagement? "Aber selbstverständlich" bestätigt Breuksch wie aus der Pistole geschossen ihre christliche Prägung.

"Es gibt ein gutes Gefühl, anderen zu helfen", sagt die Mutter von zwei Töchtern und nennt als weitere Motivation Bestätigung und Vorbildfunktion. Mit Mitstreitern hat sie den 1998 den Fairkauf-Laden aus der Taufe gehoben. Für den jährlichen Flohmarkt im Pfarrheim hätten sich immer mehr Sachen angesammelt, eine Haushaltsauflösung mit mühseliger Verteilung an Bedürftige den letzten Anstoß für den Laden gegeben. In dem Gebrauchtkaufhaus in Räumen der Caritas werden gespendeter Hausrat, Kleidung, Bücher und Spielsachen zu kleinen Preisen verkauft, an Härtefälle kostenlos abgegeben. Der Laden hat sich zu einer Fundgrube auch für Schnäppchenjäger und Trödelfans entwickelt - und zu einem Ort der Begegnung mit familiärer Atmosphäre. Manche Stammkunden kommen fast täglich, das Spektrum reicht von der Studienrätin bis zum Hartz-IV-Empfänger.

"Die schönsten Sachen sind schnell weg", sagt Breuksch. Der Ausschuss wird an eine Verwertungsfirma in Bitterfeld abgegeben. "In der Seele weh" tut ihr so manche Haushaltsauflösung: "Da werden ganze Lebensgeschichten entsorgt." Umso mehr freut sie sich, "schöne Momente der Dankbarkeit" zu erleben. Als intensive und spannende Zeit hat Breuksch den Flüchtlingsansturm vor drei Jahren erlebt, als Sonderschichten im Fairkauf-Laden geschoben wurden ("Es gab in Duderstadt keine gebrauchten Koffer mehr"). Zurzeit seien 44 ehrenamtliche Helfer im Team, sagt die für den Fairkauf-Laden zuständige Caritas-Mitarbeiterin Corinna Jacobi . Mehr als drei Viertel von ihnen sind Frauen, überwiegend im Rentenalter. Es seien immer noch größtenteils Frauen, die sich sozial engagieren, meint Breuksch. Eine Einschätzung, die auch Jacobi teilt.

Von Kuno Mahnkopf

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