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Thema des Tages Party-Sänger Franz Sprit aus Göttingen will den Ballermann erobern
Thema Specials Thema des Tages Party-Sänger Franz Sprit aus Göttingen will den Ballermann erobern
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11:00 08.07.2019
Bier trinken, Spaß haben – das ist die Welt von Party-Sänger Franz Sprit. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Franz Sprit trinkt gern Bier und hört Party-Musik. Vokuhila, Rotzbremse, Pilotenbrille: so sitzt er gern in der Kneipe, zum Beispiel in „Daggi’s Biertreff“ an der Groner Straße. Noch lieber steht er aber auf der Bühne. Denn Franz Sprit ist Party-Sänger. Er träumt von einer Karriere am Ballermann.

„Ich will mein Hobby zum Beruf machen“, sagt Franz Sprit. In seinen Songs frönt er der Bierkultur. Sie heißen „Hebt die Gläser“, „Suff-Suff Hurra“ und „1000 Promille“. „Mein Traum ist es, dass irgendwann in allen schönen, urigen Kneipen Musik von Franz Sprit läuft und immer ein Bier für mich bereit steht“, sagt der Party-Sänger. Um sich diesen Traum zu erfüllen, hat er bereits viel Mut bewiesen. Ohne Bühnenerfahrung stand er Ende März bei einem Newcomer-Contest vor mehreren hundert Leuten im Bierkönig, einem der größten Party-Biergärten an der Schinkenstraße auf Mallorca. „Da hatte ich schon Schiss“, gibt er zu. Immerhin: Von der Bühne gebuht wie der Sänger, der vor ihm dran war, wurde er nicht. „Ich war gutes Mittelmaß. Einige haben mich gefeiert, andere den Daumen nach unten gezeigt.“ Noch andere hätten „Ausziehen!“ gebrüllt. „Verstehe ich gar nicht“, kommentiert das der Sänger mit einem Augenzwinkern.

Männer, die einen Vokuhila-tragenden Proll nackt sehen wollen? Das ist gar nicht so ungewöhnlich, wie es klingt. Denn eigentlich heißt Franz Sprit Franziska. Die 31-Jährige lebt mit ihrem Mann in Göttingen. Mehr Persönliches möchte sie von sich nicht preisgeben – auch nicht ihren vollen Namen. „Mir ist es lieber, die Leute kennen mich als Franz Sprit“, sagt die gebürtige Einbeckerin. Ihr Alter Ego sei aus einer klassischen Bierlaune entstanden: „Ich war mit Freunden bei einen Schlagermove, dafür haben wir uns verkleidet. Das kam so gut an, dass ich mir dachte: Daraus musst du was machen.“

Das ist kaum ein Jahr her. Seitdem ist sie musikalisch als Franz Sprit unterwegs und hat als solcher drei Songs produziert und drei Auftritte gemeistert. Die ersten Lieder hat sie mit einem befreundeten Produzenten aufgenommen. „Ich habe meine Ideen einfach vorgesungen und er hat einen Song daraus gemacht“, erzählt die Party-Sängerin. Ob sie vorher schon mal gesungen hat? „Nur im Auto ganz laut“, sagt sie.

Gerade erst hat sie einen Vertrag mit einem Produzenten unterschrieben. „Den habe ich bei eBay-Kleinanzeigen entdeckt“, erzählt die Göttingerin lachend. Aus seiner Feder stammt der aktuelle Song „1000 Promille“, der über sämtliche Musik-Streamingdienste verfügbar ist. Nach wenigen Wochen hat das Musikvideo bei YouTube etwa 2000 Klicks. Auf Facebook und Instagram versorgt sie als Franz Sprit seine Fans laufend mit neuen humorigen Clips und Fotos, die sie meist mit Freunden aufnimmt.

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„Wir wollen tausend Promille, hundert Prozent Alkohol – dann fühlen wir uns wohl. Mit exzessivem Trinken, sollte das gelingen“, Textzeile aus „1000 Promille“

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Trotz Sommerhitze: Bei jedem Posting und jedem Auftritt ist Franziska konsequent mit Perücke und Schnäuzer unterwegs. „Ich bin von Natur aus eher männlich-prollig unterwegs“, sagt sie. „Und der Style gefällt mir einfach.“ Auch weiterhin wolle sie nur als Mann auf der Bühne stehen: „Bei Party-Sängerinnen läuft das meistens über die sexy Schiene – und so bin ich nicht.“ Zuerst habe sie angezogen, was sie im Schrank gefunden habe, inzwischen kauft sie Bühnenoutfits für ihr Alter Ego ein.

Hallo Freunde! Wat war dat geil gestern! Ein ganz dickes Dankeschön an alle, die so schön mit mir gefeiert haben! Sogar...

Gepostet von Franz Sprit am Sonntag, 9. Juni 2019

„Toll wäre es irgendwann, nach Mallorca auszuwandern und vom Singen zu leben“, sagt sie. „Aber das ist natürlich nur naives Wunschdenken.“ Ihre Karrierepläne sieht sie entspannt: „Ich habe Spaß. Wenn es nix wird, wird es eben nix. Da mache ich mir keinen Stress. Ich bin auch so glücklich.“ Noch ist das Singen ein Hobby neben einer 40-Stunden-Woche, das mehr kostet als Geld einbringt. Damit sich das ändert, will sie künftig mehr Zeit investieren – vor allem in die Vorbereitung. „Vor meinem ersten Auftritt im Bierkönig habe ich kaum geprobt. Beim zweiten Mal war es genau andersherum: Da habe ich mich drei Tage im Proberaum eingeschlossen und war am Ende heiser.“ Jetzt wolle sie es besser machen und regelmäßig Gesang und Performance üben. Nach Auftritten bei einem Stadtfest in Bünde und beim Mallorca Mania Festival in Northeim steht als nächstes das Semper Fi in Kempen an. Ein neuer Song ist auch schon in Arbeit. Der Titel: „Lallkohol“.

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„Der Sand ist heiß, mir läuft der Schweiß. Bei meinem Durst da trink ich kein Wasser, ich trink Sangria vor vier und basta!“, Textzeile aus „Hebt die Gläser“

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Mallorca-Partys liegen im Trend

Mallorca-Partys liegen voll im Trend – auch in der Region. Beim Mallorca Mania Festival haben sich Anfang Juni bereits zum zweiten Mal hunderte Feierwütige in Northeim getroffen. In Hilkerode hat das Mallorca-Sternchen Mia Julia 1100 Gäste ins Festzelt der Karnevalisten gelockt. Und auch beim diesjährigen Schützenfest in Duderstadt wird die Party am Freitagabend von Ballermann-Hits bestimmt. „Malle-Partys gehen richtig gut“, bestätigt der Hilkeröder DJ Chris Hank alias Christopher Henkel. Das liege vor allem daran, dass sich die Musik der typischen Ballermann-Künstler verändert habe.

„Hits von früher hatten Texte wie: ’Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner’“, sagt Henkel. „Heute sind die Texte zeitloser, mehr Mainstream und dabei immer positiv.“ Die Songs seien dennoch einfach gestrickt, so dass jeder mitsingen kann. „Es braucht natürlich den Ohrwurm-Effekt.“ Besonders erfolgreich seien derzeit Künstler wie Mia Julia, Lorenz Büffel oder Mickie Krause. In ihren Songs gehe es oft ums Rauskommen, Urlaub machen, Relaxen, Feiern. „Damit können sich die Menschen identifizieren“, sagt der DJ. „Das gibt ihnen ein positives Gefühl.“

„Ballermann-Hits bringen den Urlaub nach Hause“, bestätigt der Göttinger Party-Sänger Franz Sprit. Auch Leute, die sich eine Reise nicht leisten könnten, kämen so schnell in Urlaubslaune. Dazu komme die gefühlte Nähe zum Interpreten. „Durch soziale Medien sind Künstler viel greifbarer als früher“, sagt der Sänger. „Jeder hat seinen Account, auf dem er viel von sich preis gibt.“

Mallorca-Partys in der Region

All-time-Partymusik und Mallorca-Hits legen die DJs Chris Hank und JayDee bei der Mallorca-Party zum Schützenfest in Duderstadt auf. Am Freitag, 12. Juli, wollen sie die Feierstimmung um 21 Uhr von der Insel ins Festzelt auf dem Schützenplatz bringen. Bis 22 Uhr ist Happy Hour. Der Eintritt ist frei.

„Malle für alle“ lautet das Motto bei der ersten Mallorca-Party in der Musikwerkstatt Duderstadt am Sonnabend, 27. Juli. Der Hannoveraner DJ Chris de Silva spielt laut Veranstalter die größten Mallorca Hits sowie aktuelle Chartstürmer. Dazu gibt es ausgewählte Getränke für einen Euro. Los geht’s um 22 Uhr.

Ebenfalls unter dem Motto „Malle für alle“ lädt der SV Barterode für Sonnabend, 27. Juli, auf den Sportplatz Barterode ein. DJ Alex Stark spielt ab 20 Uhr Party-Hits vom Ballermann.

Aber nicht nur in der Generation Social Media haben Mallorca-Sänger ihre Fans: Anders als bei Musikrichtungen wie HipHop würden Hits vom Ballermann so ziemlich jede Altersgruppe ansprechen. „Da kommen Jung und Alt zusammen“, sagt Henkel. „Alle feiern gemeinsam.“ Anders als bei der klassischen Disko, steht das Feiern bei der Mallorca-Party im Vordergrund: „Das Publikum ist ausgelassener, die Stimmung meistens super“, sagt der DJ. Das liege natürlich auch daran, dass oft viel Alkohol getrunken werde. Denn auf vielen Partys sei der „Sangria aus Eimern“ obligatorisch.

Mia Julia im Festzelt in Hilkerode: Sie ist eine der erfolgreichsten Mallorca-Sängerinnen. Quelle: Niklas Richter

Sicher ein weiterer Grund für den Trend zur Mallorca-Party: Der Tourismus auf der Balearen-Insel boomt. „Man bekommt kaum ein Hotel auf der Insel“, sagt Henkel. Auch wenn Einheimischen das exzessive Feiern regulieren wollen: Die Szene sei noch immer groß. Das positive Gefühl aus dem Urlaub frischten die Urlauber gern zuhause mit der Musik wieder auf. Der DJ, der in verschiedenen Genres unterwegs ist, stellt sich gern darauf ein: „Es ist ein dankbares Publikum, das immer gut mitmacht.“

Von Verena Schulz

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