Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Händel-Festspiele – Frust beim Kartenvorverkauf
Thema Specials Thema des Tages Händel-Festspiele – Frust beim Kartenvorverkauf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:01 13.03.2019
Tobias Wolff bei einem Besuch in London neben der bekannten Statue, die Georg Friedrich Händel zeigt und von Louis Roubiliac stammt. Quelle: Oppermann
Göttingen

Der Vorverkauf für die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2019 hat begonnen – und der bringt Ärger mit sich. „Wir haben mit extrem viel Frust zu kämpfen“, erläutert Intendant Tobias Wolff die Folgen des reduzierten Platzangebotes.

Tageblatt: Der Ticketvorverkauf für die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2019 hat begonnen, und offenbar sind zahlreiche Veranstaltungen fast ausverkauft. Hat das mit dem Angebot oder den Veranstaltungsräumen zu tun?

Tobias
Wolff: Die Sanierung der Stadthalle führt zu einer Reduzierung des Angebots um mehr als 2.000 Plätze. Mit vielen zusätzlichen Konzerten hätten wir das vielleicht auffangen können. Im Hinblick auf die laufenden Vorbereitungen für unser Jubiläumsjahr 2020 war das aber keine Option.

Für welche Termine gibt es noch Tickets?

In der Oper gibt es noch Karten, sogar für die Premiere haben wir gerade einige nicht genutzte Sponsorenkontingente freigegeben. Schöne Plätze gibt es auch noch in den Konzerten mit den Echo-Klassik-Preisträgern Dieter Ilg, Dorothee Oberlinger und Stefan Temmingh.

Gibt es wegen des im Vergleich zu den Vorjahren offenbar knapperen Kartenangebotes Ärger mit Mitgliedern der Göttinger Händel-Gesellschaft und anderen Besuchern?

Wir haben mit extrem viel Frust zu kämpfen. Einige auswärtige Besucher werden sich zum Teil nach Halle umorientieren. Wir hoffen, dass sie 2020 wiederkommen…

Haben die neuen Spielstätten Auswirkungen künstlerischer Art auf die Festspiele?

Zunächst vor allem organisatorische: In Hann. Münden kümmern wir uns um Toiletten-Container und mieten Räume im Umfeld an für Einführungen oder als Künstlergarderoben. Ohne unsere Partner vom Mündener Kulturring und der Stadt Hann. Münden hätten wir keine Chance, diese Herausforderungen zu meistern. Künstlerisch? Wir werden sehen, ob die Akustik der Räume unsere großen Besetzungen aushält. Eventuell müssen die Dirigenten die Dynamik etwas drosseln.

Wie groß ist das finanzielle Problem, das in diesem Jahr aus dem knapperen Ticketangebot herrührt?

Noch nicht sechsstellig, aber nicht weit davon entfernt.

Rat und Verwaltung der Stadt Göttingen haben Hilfe bei der Kompensation der Stadthalle, die Ihnen nicht als Spielstätte zur Verfügung steht, zugesagt. Wie sieht diese Unterstützung aus?

Einen möglichen Image-Schaden kann man nicht kompensieren. Wir haben aber die Zusage, dass nachgewiesene Mindereinnahmen gedeckt werden. Das ist nicht selbstverständlich und dafür sind wir dankbar.

Zur Person

Tobias Wolff, Jahrgang 1975, studierte Musikwissenschaft, Bratsche und Betriebswirtschaft in Cambridge, Essen und Leipzig. Nach beruflichen Stationen als Kulturmanager und Musikjournalist wurde er 2011 zum Geschäftsführenden Intendanten der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen berufen. In seiner Amtszeit erhielten die Festspiele unter anderem den Förderpreis Musikvermittlung, eine Förderung der Europäischen Union für das Stipendiennetzwerk „eeemerging“, eine Einladung zur EXPO 2015 sowie 2015 und 2016 in mehreren Kategorien den renommierten australischen Helpmann Award. r

Was sagen Sie: Stadthalle sanieren oder neu bauen?

Die alte Stadthalle war in vielerlei Hinsicht besser als ihr Ruf. Trotzdem schlägt mein Herz eindeutig für einen Neubau.

Die Stadthalle wird Ihnen auch nicht beim 100-Jahre-Jubiläum zur Verfügung stehen. Was bedeutet das für die Festspiel-Planung?

Ich musste die fertige Planung über den Haufen werfen und war zunächst total frustriert. Jetzt haben wir aber gemeinsam mit der GWG ein großartiges Konzept für die Lokhalle entworfen: Mit der Hilfe hochkarätiger Experten werden wir eine exzellente Raumakustik erschaffen, eine preisgekrönte Licht-Designerin kreiert eine ganz neue Atmosphäre! Nun freue ich mich wieder wahnsinnig auf unser Jahrhundertereignis und baue auf alte und neue Unterstützer, dass wir selbst mit dem kurzen Vorlauf die zusätzlichen Mittel für das Jubiläumjahr aufbringen.

Können Sie schon etwas verraten, was Göttinger und Gäste bei den Jubiläums-Festspielen erwartet?

Alle 42 Operntitel Händels in einem Programm! Internationale Top-Stars, spannende Formate, ein Riesenfeuerwerk - im eigentlichen und im übertragenen Sinn.

Sie erreichen den Autor unter

Mailto:c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Konzerte: Almiras Songbook und Händels erste Sängerin

Die Göttinger Händel-Festspiele lassen sich schon vor dem Beginn am 17. Mai sehen und vor allen Dingen von sich hören. In Hardegsen wird am Freitag, 3. Mai, das Auftaktkonzert gegeben. Cembalist Laurence Cummings und Sopranistin Ruby Hughes treten im Muthaussaal auf: Es geht um Giulia Frasi, Händels letzte Primadonna.

Frasi kam 1742 nach London und galt fortan als Händels „erste Sängerin“. Sie hatte Titelpartien in den Uraufführungen von Susanna, Theodora und Jephta, sie sang auch Partien in Hercules und Solomon. Einige der Arien sind im Auftaktkonzert zu hören, dazu Werke von Thomas Arne und John Christopher Smith. Sopranistin Hughes wird den Part übernehmen, an Händels „erste Sängerin“ zu erinnern

Erstmals Händel-Konzert in der PS.Halle

Die PS.Halle in Einbeck ist immer häufiger auch ein ausgezeichneter Konzertsaal. Der wird 2019 erstmals auch für die Händel-Festspiele als Spielstätte genutzt. Am Dienstag, 21. Mai, ab 19.30 Uhr werden dort Cummings, Künstlerischer Leiter der Festspiele, und Dorothee Oberlinger Sonaten für Blockflöte und Cembalo erklingen lassen. Beide Musiker sind Experten für Alte Musik. Ihre Werkinterpretationen sind feinster Hörgenuss. Neben Werken von Händel haben Flötistin Oberlinger und Cembalist Cummings für das Konzert in der PS.Halle auch welche von Corelli, Telemann und Purcell ausgewählt. Ihr Programm nennen sie „Händel & Co.“.

Ruby Hughes, Sopranistin Quelle: r

Im Konzert „Lieder ohne Worte“ wird der Flötist Stefan Temmingh mit Harfenistin Margret Köll auftreten. Die bekannten Musiker sind am Sonntag, 26. Mai, in der Aula der Universität Göttingen, Wilhelmsplatz 1, ab 11 Uhr zu erleben. Arien und Lieder vom italienischen Früh- und Hochbarock haben Köll und Temmingh für das Konzert ausgewählt, das von der Stiftung Internationale Händel-Festspiele ausgerichtet wird.

Tickets für die Göttinger Händel-Festspiele

Die Göttinger Händel-Festspiele 2019 haben das Motto „Magische Saiten“. Sie finden vom 17. bis 26. Mai in Göttingen und Umgebung statt. Eintrittskarten sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich oder im Internet unter gt-ticketservice.de. Weitere Informationen zu den Göttinger Händel-Festspielen 2019 unter haendel-festspiele.de.

Ebenfalls in der Aula der Universität wird „Almiras Songbook“ am Donnerstag, 23. Mai, ab 19 Uhr aufgeschlagen. Das Ensemble Seconda Prat!ca hat sich für dieses Konzert mit der spanischen Königin beschäftigt, die Heldin der ersten Oper von Georg Friedrich Händel war. Neben Händel haben auch Durón und Correa die spanische Königin musikalisch porträtiert. Seconda Prat!ca ist ein ehemaliges eeemerging-Ensemble und hat nach Angaben der Festspiel-Veranstalter einst die Förderungshöchstdauer des Stipendienprogramms von drei Jahren erhalten. 2015 war das Ensemble schon einmal bei den Festspielen zu erleben. Und noch ein eeemerging-Ensemble gastiert bei den Händel-Festspielen: Concerto di Margherita spielt am Sonnabend, 25. Mai, Werke von Kapsberger, Caccini, Monteverdi und de Wert in der Albani-Kirche in Göttingen ab 22.15 Uhr.

Wer Händels Musik weniger barock und mehr modern hören möchte, kann das beim Nachtkonzert am Freitag, 24. Mai. Dann ist nach einer längeren Pause „Händel jazzt!“ angesagt. Dafür konnte in diesem Jahr das Dieter Ilg Trio engagiert werden. Das hat von den Festspielen in Halle und Göttingen den Auftrag erhalten, Werke von Händel und Bach in Jazzmanier zu spielen. „Händel jazzt!“ ab 21 Uhr an einem ungewöhnlichen Ort: Im Distribo Logistikzentrum der Firma Zufall, wo es bereits im Jahr 2017 ein Konzert der Händel-Festspiele gab.

Händel-Talks geben Einblick in die Festival-Produktionen

Die Händel-Talks sind eine unterhaltsame Gelegenheit, sich auf die Händel-Festspiele vorzubereiten. Zwei Gesprächsrunden stehen noch auf dem Programm.

Walter Sutcliffe, Regisseur der Oper der Händel-Festspiele 2019 Quelle: Copyright: Wolfgang Runkel

An einem neuen Ort kommt der Händel-Talk am Montag, 6. Mai, zustande: Im Restaurant der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Robert-Koch-Straße 40. Vorgestellt wird ab 20 Uhr ein besonderes Kooperationsobjekt bei dem es um „Die Musik und das Hören geht“. Hörforscher der UMG um Tobias Moser und Festspielmusiker arbeiten zusammen, um den spannenden Kosmos des Hörsinns für die Musik, für das Publikum, aber auch für sich selbst zu erschließen.

Rodrigo: Karten für die Oper erhältlich

Für die Vorstellung der Oper der Händel-Festspiele 2019 sind die Aussichten gut, Eintrittskarten zu erhalten: Für jede der Aufführungen von „Rodrigo“ in der Zeit vom 17. bis 26. Mai sind noch Plätze frei. Für die Premiere am 17. Mai seien es nur noch wenige Restkarten, teilte die Festivalleitung am Mittwoch mit.

Anna Dennis Quelle: r

Anfang April beginnen die Proben für „Rodrigo“ in Göttingen. Anders als angekündigt wird für die Rolle der Florinda die Sopranistin Anna Dennis kommen. Zuletzt begeisterte sie als Metella in der halbszenischen Produktion „Lucio Cornelio Silla“ bei den Festspielen 2017. Auch in der Festspieloper „Imeneo“ 2016 war die Sopranistin auf der Bühne des Deutschen Theaters Göttingen zu erleben. Und das sind nur die letzten zwei Engagements. 2015 sang sie auch in „Deborah“ und hatte weitere Engagements bei den Göttinger Händel-Festspielen in den Jahren zuvor.

Fflur Wyn war im vergangenen Jahr im Galakonzert an der Seite von Diana Moore zu hören. Sie sang die Rolle der Lust in „The Choice of Hercules“. Dieses Jahr singt sie Esilena, die Frau Rodrigos. Außerdem kommt Jorge Navarro Colorado zurück auf die Bühne des DT. Der Tenor sang 2017 in der Festspieloper „Lotario“ den Berengario. Auch Leandro Marziotte ist nicht zum ersten Mal bei den Festspielen. Er sang 2015 in „Deborah“ und gewann mit seinem Ensemble Radio Antiqua 2014 den Wettbewerb „Göttinger Reihe Historischer Musik“.

„Neulinge“ bei den Festspielen sind Erica Eloff , die die Hauptrolle übernimmt und Rodrigo spielt, und Russell Harcourt (Evanco). Die Oper inszeniert Walter Sutcliffe.

Von Christoph Oppermann

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Thema des Tages Workshops und Tanzabende in der Musa - Tango Argentino – ein Tanz wie ein Dialog

Der Tango Argentino, in seinem Ursprungsland nur Tango genannt, ist ein inniger Dialog zweier Personen auf der Tanzfläche. Dabei hat der Tanz keine feste Schrittfolge, sondern lässt viele Freiheiten zur Improvisation.

12.03.2019

Das Tageblatt hat anlässlich des Internationalen Frauentages mit der Präsidentin des Niedersächsischen Landtags und Abgeordneten für den Wahlkreis Göttingen, Gabriele Andretta (SPD) über Frauen in der Politik gesprochen.

08.03.2019

Tierischen Nachwuchs gibt es derzeit in den Ställen und Tierparks der Region. Wir haben die niedlichen Tierbabies fotografiert.

07.03.2019