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Thema des Tages Fünf Jahre Fairtrade-Region Göttingen
Thema Specials Thema des Tages Fünf Jahre Fairtrade-Region Göttingen
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18:24 17.09.2018
Kaffee ist ein beliebtes Fairtrade-Produkt Quelle: Foto: dpa
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Göttingen

Seit fünf Jahren bilden die Stadt und der Landkreis Göttingen gemeinsam mit dem Entwicklungspolitischen Informationszentrum (EPIZ), der Contigo Fairtrade GmbH, dem Weltladencafé Göttingen, dem Evangelischen Kirchenkreis Göttingen und der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen (BIGS) die „Fairtrade-Region Göttingen. Doch was genau bedeutet das?

Der Begriff Fair Tade, also fairer Handel, bezieht sich auf Produkte, die aus Übersee importiert werden. Ziel von fairem Handel ist es, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Hersteller vor Ort zu verbessern. Dafür haben sich vier internationale Dachorganisationen auf eine Definition geeinigt, die in der Charta der Prinzipien des fairen Handels wie folgt festgehalten ist: „Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair Handels-Organisationen engagieren sich – gemeinsam mit VerbraucherInnen – für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung und die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“

Um sich auf lokaler Ebene für fairen Handel einzusetzen, haben sich Stadt und Landkreis Göttingen 2013 um die Auszeichnung „Fairtrade-Town“ beworben – eine Kampagne des gemeinnützigen Vereins TransFair, der den Dachverband Fairtrade in Deutschland repräsentiert. So sollen mehr Händler und Konsumenten sowie die Verwaltungen selbst dazu bewogen werden, auf fair gehandelte Produkte zu setzen sowie Einwohner der Region dafür sensibilisiert werden, welche Auswirkungen der tägliche Konsum hier auf die Menschen vor Ort hat, heißt es in einer Informationsbroschüre der Fairtrade-Region Göttingen.

Fünf Kriterien müssen erfüllt sein

Um als Fairtrade-Town anerkannt zu werden, mussten Stadt und Landkreis Göttingen fünf Kriterien erfüllen: Kreistag und Stadtrat fassen den Beschluss, dass Göttingen Fairtrade-Town werden soll. Zudem verpflichtet sich die Verwaltung, Kaffee und ein weiteres fair gehandeltes Produkt (in diesem Fall Tee) in öffentlichen Sitzungen und im Büro des Bürgermeistermeisters auszuschenken. Um die Aktivitäten vor Ort zu koordinieren, muss eine lokale Steuerungsgruppe gebildet werden, die aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft besteht. Es muss nachgewiesen werden, dass eine bestimmte Anzahl von Gastronomien und Einzelhandelsgeschäften fair gehandelte Produkte anbieten. Bildungsarbeit an Schulen soll über das Thema fairer Handel informieren. Abschließend verpflichtet sich die jeweilige Kommune zur Medienarbeit. Die Steuerungsgruppe in Göttingen hat sieben Mitglieder: Für den Landkreis Christel Wemheuer, von der Stadt Angelika Daamen, Regina Begander vom EPIZ, Harald Böhme von Contigo, für den Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Thorsten Bothe, von der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen Holger Martens sowie Robert Buchmann vom Weltladencafé Göttingen.

Bisher hätten sich die Aktivitäten der Gruppe vor allem auf die Ausrichtung der jährlich stattfindenden Fairen Woche konzentriert, berichten Begander und Wemheuer. Allerdings wurde im April 2017 die „Koordinationsstelle kommunale Entwicklungspolitik“ für Stadt und Landkreis eingerichtet. Nach eigenen Angaben kümmert sich Joachim Berchtold seitdem darum, die Aktivitäten der Fairtrade-Town verstärkt voranzutreiben. „Die Steuerungsgruppe ist eine Interessenvertretung, die fairen Handel größer und besser machen will“, sagt er. Faire Beschaffung im kommunalen Rahmen sei ein Thema, auf das er sich im Moment konzentriere. Zum Beispiel im Bereich Arbeitskleidung könnten Einkäufer verstärkt darauf achten, fair gehandelte Textilien zu beziehen. „Wir wollen Kommunen dafür sensibilisieren, dass sie sich als entwicklungspolitische Akteure verstehen.“

Begander sieht die Möglichkeiten noch lange nicht erschöpft: „Es könnte noch viel mehr zu besseren Preisen nach Europa geschickt werden“, findet sie. Und Wemheuer betont: „Fair Trade ist nicht nur Kaffee und Tee.“

Dass Göttingen Fairtrade-Town sei, könne ein Anreiz für Unternehmen der Region sein, stärker auf fair gehandelte Produkte zu setzen. Allerdings sei das Angebot in Göttingen vergleichsweise hoch, sagt Begander. „Das gibt‘s hier nicht, ist keine gute Ausrede für Konsumenten.“

Am Mittwoch, 19. September, findet um 19 Uhr im Ratsaal eine Diskussion zum Thema fairer Handel statt. Dabei soll unter anderem über folgende Fragen gesprochen werden: Wie fair ist unsere Stadt wirklich und ist fair überhaupt besser?, Woran erkennen Sie fair produzierte Waren und was kann jeder einzelne tun? Wie kann die Stadt als Vorbild agieren? Welche Verantwortung kommt den großen Unternehmen der Region zu?

Veranstaltungsauswahl zur Fair-Trade-Woche

„Carrotmop – Shoppen für ein gutes Klima“: Am 22. September werden 50 Prozent vom Gewinn aus dem Verkauf im Weltladencafé, Nikolaistraße 10, in eine energieeffizientere Beleuchtung und einen neuen Kühlschrank für den Laden investiert.

„Gerechtigkeit – und die Erde blüht auf“: Am Sonntag, 23. September, um 10 Uhr gibt es in der St.-Martin-Kirche, Mitteldorfstraße 4, einen Gottesdienst zur Fairen Woche.

„Mein Müll – Meine Verantwortung: Am Freitag, 28. September, werden von 9.30 bis 11.30 Uhr bei der Finissage in der Aula der BBS 1, Arnoldi-Schule, Friedländer Weg 33, die Ergebnisse der Projektwoche rund um Müll und die globale Verantwortung bei der Müllproduktion präsentiert.

„Fair Kocht im Lokal Anstoß“: Am Samstag, 29. September, kocht das Weltladen-Team um 18 Uhr in der Stubenstraße 6 in Witzenhausen ein Menü mit Quinoa. Vorbestellung unter 05542/6198430 (Anstoß) oder 05542/71505 (Weltladen). Preis: 10 Euro (plus 2,50 Euro mit Nachtisch)

„Globale Textilindustrie – Einfluss auf Markt und Innenstädte“: Am Dienstag, 25. September, von 18.30 bis 20 Uhr gibt es eine Vorführung des Schulfilms mit anschließender Gesprächsrunde in der Kinowelt Herzberg, Hauptstraße 42 a, in Herzberg.

„Sacambaya – Bolivien im (Klima-)Wandel der Zeiten“: Am Dienstag, 18. September, gibt die Musikgruppe aus Bolivien um 19 Uhr ein Live-Konzert im Ev. Gemeindehaus Corvinushaus, Am Brauhaus 5, in Witzenhausen.

Seit 24 Jahren ausschließlich Fair Trade

Im Café Inti-Junior-Chef David Langner serviert einen Milchcafé. Quelle: Hinzmann

Vor 24 Jahren hat Ingo Herbst gemeinsam mit seiner Frau Contigo gegründet. Mittlerweile gibt es 23 Läden und 175 Mitarbeiter deutschlandweit. Damit gehört Contigo zu den größten Importeuren und Anbietern von Fair-Trade-Produkten.

Der ehemalige Geschäftsführer der Gepa wollte das Prinzip Fair Trade, das bis dahin eher im ehrenamtlichen Bereich angesiedelt gewesen sei, professionalisieren. „Meine Frau und ich wollten ein Beispiel setzen, wie man es auch machen kann“, sagt Herbst. Von Anfang seien ausschließlich fair gehandelte Produkte angeboten worden. Nach nur einem halben Jahr habe sich das Konzept rentiert, erzählt er. „Der Zuspruch war unglaublich.“ Er habe Contigo so aufstellen wollen, dass ein breiteres Publikum angesprochen wird. „Das ist uns, glaube ich, gelungen“, bilanziert Herbst.

Die strikten Regeln, die schon damals für fairen Handel gegolten haben, wurden auch bei der Kommerzialisierung beibehalten, berichtet Herbst. Die Wichtigste sei, faire und anständige Löhne zu zahlen. Dazu gehöre auch, Bestände in Übersee anzuzahlen, damit die Hersteller überhaupt mit der Produktion beginnen könnten. Sucht Contigo neue Produkte für das Sortiment, werde zunächst überlegt, wer so etwas herstellen kann und ob es dafür bereits bestehende Produzenten gibt. Neue Hersteller durchliefen das Contigo-Fair-Trade-System, das unter anderem eine Verpflichtung zum Verzicht auf Kinderarbeit beinhaltet. Mit welchen Herstellern Contigo eine Handelspartnerschaft eingeht, kann auf der Website https://fairtrade.contigo.de/ nachverfolgt werden.

Kritik habe es bei der Ladengründung von einigen gegeben, für die fairer Handel und Gewinn nicht zusammenpassten, erzählt Herbst. „Das Gegenteil ist richtig. Wir müssen Gewinne machen, ohne Gewinne kann das System nicht wachsen“, ist er überzeugt. Dann könnten auch mehr Produzenten vom fairen Handel profitieren. Zudem könnten nur neue Läden entstehen, wenn das Kapital dafür da sei. „So banal wie das klingt, es zählt der Umsatz.“

Seinen eigenen Mitarbeitern zahle er marktübliche Löhne, sagt Herbst. Das seien zwar keine „tollen Gehälter“, aber die Beschäftigten erhielten zusätzlich noch eine finanzielle Beteiligung – 25 Prozent des Jahresgewinns gingen an die Mitarbeiter von Contigo.

Fair Gehandeltes in der Gastronomie

Contigo in der Langen-Geismar-Straße hat nur Fairtrade Produkte. Die Lieferanten sind alle persönlich bekannt, und die Produktpalette ist in den vielen Jahren weit über Kaffee hinaus gewachsen. Quelle: Hinzmann

Seitdem Albert Langner das Inti vor elf Jahren eröffnet hat, bezieht das Café auch einige fair gehandelte Produkte: So stammen Kaffee, Kakao und alle Teesorten aus fairem Handel. Auch die Getränkebeilagen wie Kekse und Schokobohnen sowie der Zucker, mit dem die Torten gebacken werden, sind fair gehandelt.

„Gute Produkte, bei denen die Erzeuger gut bezahlt werden – das gehört für mich zusammen“, sagt Langner. Er selbst habe fünf Jahre in Bolivien gearbeitet und eine Kooperation im Kaffeeanbau sowohl auf bio umgestellt als auch an den Fair-Trade-Handel angebunden. Auch hier auf regionaler Ebene seien ihm kleine Betriebe und Strukturen wichtig, sagt Langner. Das Inti beziehe beispielsweise seine Milch aus Diemarden von einem Bauern, der nur wenige Kühe hält. Damit sich das rentiert, zahle er den höheren Preis.

Viele Kunden legten Wert darauf, dass die angebotenen Produkte sowohl bio als auch Fair Trade sind, berichtet Langner. Das kann auch Luca Gleitze bestätigen, der seit Jahren im Service des Cafés tätig ist. Die Gäste fragten beispielsweise beim Kaffee, ob er fair gehandelt sei und freuten sich, wenn er dies bejahe. Einige behaupteten, das schmecke man.

Von Nora Garben

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