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Thema des Tages Gerblinge Rodeo sucht Mittänzer
Thema Specials Thema des Tages Gerblinge Rodeo sucht Mittänzer
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00:21 26.08.2018
Die LineDance-Gruppe Gerblinge Rodeos bei der Probe in der Gaststätte Plumbohm. Quelle: Richter
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Göttingen

Wenn Jürgen Wieland von den Mountain Stars Göttingen auf Line Dance angesprochen wird, dann sprudelt es aus ihm heraus. Er ist bereits ein „alter Fuchs“ in dieser Sportart. Seit 2004 leitet er seine Gruppe, die im Landgasthaus Fricke in Lenglern trainiert. Zwischenzeitlich wollte Wiegand schon einmal aufhören, doch seine Mittänzer überredeten ihn weiterzumachen.

Der Göttinger beherrscht inzwischen 250 Choregrafien. „Es gibt über das Internet die Möglichkeit, sie sich herunterzuladen und einzustudieren“, erzählt er. Die Schrittfolge bei ihm muss sitzen, schließlich setzt sein Team auf ihn, guckt ihm genau auf die Füße.

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Es soll leicht aussehen

Es sieht nicht einfach aus und ist es auch nicht. Trotzdem erzielen auch Anfänger schnelle Erfolge, wenn die Tänze mit Bedacht ausgewählt sind. „Das Schwere beim Tanzen soll leicht aussehen“, verdeutlicht Wieland. Lagerfeuerromantik, Cowboys und Countrymusik – Begriffe, die immer wieder mit Line Dance in Verbindung gebracht werden. Doch Line Dance ist viel mehr, gerade was die Musikauswahl betrifft. „Man kann eigentlich zu jeder Art von Musik Tänze einstudieren“, erklärt der „Vortänzer“, der bei der Auswahl der Titel sehr wohl Rücksicht auf den Geschmack der Gruppe legt. Selbst klassische Musik wäre theoretisch machbar, wird aber doch eher selten verwendet.

Lust am Tanzen, mehr benötigt ein Einsteiger nicht, um sich aufs Parkett zu begeben. Nicht einmal einen Partner, denn es wird in Reihen getanzt. „Es kommen viele Frauen, deren Männer lieber auf der Coach bleiben“, hat Wieland die Erfahrung gemacht. Für ihn ist Line Dance auf jeden Fall eine Sportart, die den ganzen Körper in Anspruch nimmt. „Man lernt dadurch eine entsprechende Körperhaltung, und die unterschiedlichen Choreografien erfordern natürlich auch eine gewisse Gedächtnisleistung“, sagt er.

Jürgen Wieland. Quelle: r

Er tritt mit seiner Gruppe auch öffentlich auf, beispielsweise beim Gänselieselfest in Göttingen. „Es ist ein Highlight für die Nachwuchsarbeit“, ist Wieland stets bemüht, dem Nachwuchs Erfolgserlebnisse zu bescheren. Darüber hinaus bietet er auch sogenannte Line-Dance-Partys an. Die nächste ist am 28. September ab 19 Uhr im Landgasthaus Fricke in Lenglern mit Livemusik. Befreundete Gruppen werden dann anreisen, um gemeinsam mit den Mountain Stars „eine flotte Sohle“ aufs Parkett zu legen.

Genau das planen auch die Gerblinge Rodeos aus dem Eichsfeld. Am 26. August tritt die ausschließlich aus Frauen bestehende Line-Dance-Gruppe um die rührige Leiterin Bianca Deppener beim Dorffest in Gerblingerode auf. Eine Reha brachte Deppener auf den Geschmack, sich dieser Sportart intensiver zu widmen. Sie informierte sich in der Gegend, schnupperte hier und dort mal hinein, um dann zu beschließen, etwas Eigenes auf die Füße zu stellen. Und entgegen sonstiger Vorurteile, Vereine würden ohnehin nur die Fußball-Mannschaften unterstützen, machte Deppener eine ganz andere Erfahrung. „Ich habe den Sportverein gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, eine Hallenstunde zu bekommen, und ich habe sie bekommen.“

Schnupperabende

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda fanden sich nach und nach tanzwillige Frauen ein, die genauso viel Spaß hatten wie die Initiatorin selber. Studien- bzw. berufsbedingt verließen einige Mitglieder die Gruppe aber auch wieder, sodass die Gerblingeröder über Nachwuchs sehr glücklich wären. „Man kann erst einmal ein paar Abende kommen, um zu sehen, ob es überhaupt etwas für einen wäre. Man muss nicht gleich eintreten“, erläutert Deppener. Wobei in dem Falle einer Mitgliedschaft natürlich auch alle anderen Angebote genutzt werden könnten. Und davon hat der SV Viktoria Gerblingerode eine ganze Menge.

Ihre Auftritte genießen die Gerblinge Rodeos auch, wenn es einige auch ein wenig Überwindung kostet. „Aber dafür machen wir das ja auch, um uns zu präsentieren“, erzählt die 47-jährige Deppener. Selbst ihr Mann kam schon anlässlich seines Geburtstages in den Genuss einer Darbietung.

Wer also Lust hat, sich der lustigen und lernwilligen Eichsfelder Truppe anzuschließen, der kann Kontakt zu Bianca Deppener unter Tel.: 05527-73444 oder unter 0171-2211098 aufnehmen.

Rundherum zufrieden und glücklich mit ihrer Zusammensetzung sind die Crazy Angels Barterode. Obwohl die Mitglieder überwiegend aus Adelebsen kommen, haben sie sich bei der Namensgebung auf ihren Übungsort, das Gasthaus Plumbohm in Barterode, bezogen. Die Crazy Angels sind der beste Beweis dafür, dass Sport auch in höherem Alter noch möglich ist. Die älteste Tänzerin ist die 80-jährige Ursel Kosok, die versucht, keinen Übungsabend zu verpassen. „Wir sind eine private Gruppe, die sich nur zu Übungszwecken im Gasthaus Plumbohm trifft“, erzählt Leiterin Karin Lehmann, die zum Line Dance gekommen ist, weil sie selber ungern Ausdauersportarten wie Joggen betreibt, dafür aber sehr gern tanzt. „Und man braucht eben auch keinen Tanzpartner, sondern kann allein kommen.“

Sehr demokratisch geht es bei den „Engeln“ zu, die sich die meiste Zeit auch so verhalten, wobei schon ein ums andere Mal diskutiert wird. „Bei uns geht es schon sehr demokratisch zu“, sagt Lehmann, die sich die unterschiedlichen Tänze auf You Tube anschaut, fleißig übt, ehe sie dann ihr Wissen weitergibt.

Auftritte nehmen die Line Dancerinnen auch wahr. „Bei Veranstaltungen im Umkreis von 60 Kilometern sind wir dabei. Einheitlich gekleidet, versteht sich. An den Übungsabenden ist „Marsch Erleichterung“ angesagt, da kann jeder in dem Outfit kommen, in dem er sich am wohlsten fühlt. Auch die Stiefel, die für die meisten dazugehören, dürfen bis zu den Auftritten im Schrank bleiben. Wobei es auch durchaus anderes Schuhwerk gibt: Karin Lehmann ist der beste Beweis dafür. Nicht nur für den Freizeitbereich sind Sneakers derzeit total angesagt. Es gibt auch Dance-Sneakers, die extra mit einer speziellen Sohle ausgestattet sind. Bei den derzeit herrschenden Temperaturen deutlich leichter und lockerer. Denn bei dem Wetter tanzen sie nicht nur zu Helene Fischers Hit „Atemlos“ – sie sind es auch häufig nach einer schweißtreibenden Übungsstunde.

Von Vicki Schwarze