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Thema des Tages „Es gibt Menschen, die ich liebe in Göttingen“
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00:18 26.11.2017
Die Cansonsängerin Barbara 1965 in Amsterdam.
Die Cansonsängerin Barbara 1965 in Amsterdam.  Quelle: r
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Göttingen

 Überredet hat sie Hans-Gunther Klein, damals Chef des Jungen Theaters. Er hörte Barbara in Paris in der Bar Ecluse. „In Deutschland zu singen kommt für mich nicht in Frage“ habe sie ihm zunächst geantwortet. So schreibt sie es in ihren Memoiren. Für Barbara, als Monique Andrée Serf 1930 in Paris geboren, war ein Auftritt in Deutschland eigentlich kaum denkbar. Erst knapp zwanzig Jahre waren nach dem Zweiten Weltkrieg mit all den Greueltaten der Nazis und der Wehrmacht vergangen. Barbaras jüdische Familie mit Wurzeln im Elsass und in der Ukraine sowie viele Freunde waren davon betroffen gewesen. Lange soll Klein auf sie eingeredet haben, nach einem Tag Bedenkzeit hat Barbara dann doch zugesagt.

Im Juli 1964 kam die Chanson-Sängerin nach Göttingen, es wurde ein Auftritt mit kleinen Schwierigkeiten. Das alte Klavier musste gegen einen schwarzen Flügel ausgetauscht werden. Dank einiger Studenten und einer mitfühlenden alten Dame konnte das Instrument herbeigeschafft werden. Der Abend sei dann wunderbar gewesen, so Barbara in ihren Erinnerungen. Am nächsten Tag schrieb sie ihr berühmtes Chanson „Göttingen“, das in Frankreich fast jeder kennt und das Trauer über den Krieg und die Hoffnung, dass so etwas nie wieder kommen möge besingt. „Was ich nun sage, das klingt freilich für manche Leute unverzeihlich: Die Kinder sind genau die gleichen in Paris, wie in Göttingen. Lasst diese Zeit nicht wiederkehren, in der Blut und Hass die Welt zerstören, denn es gibt Menschen, die ich liebe in Göttingen, in Göttingen.“ Am Haus Geismar Landstraße 19, einst Spielstätte des Jungen Theaters, erinnert eine Steintafel an Barbara.

Barbara wollte schon immer singen. Als Kind nahm sie Gesangsstunden, lernte Klavierspielen. Ein Gesangsstudium hat sie allerdings abgebrochen und schlug sich dann durch Bars in Paris und Brüssel. Erfolg hatte sie erst als sie ihre eigenen Chansons schrieb und sang.

Unter dem Titel „Es war einmal ein schwarzes Klavier... unvollendete Memoiren“ hat der Göttinger Wallstein Verlag in diesem Jahr die Autobiografie der Sängerin auf Deutsch herausgebracht, übersetzt von Annette Casasus. Ihr bewegtes, intensives Leben aufzuschreiben habe Barbara erst 1997 begonnen, so Herausgeberin Andrea Knigge in ihrem Vorwort. Mit wenigen Strichen skizziere sie komplexe Themen und Stationen ihres Lebens, erzeuge Gefühle. Ihre manchmal sehr knappen Formulierungen seien von atmosphärischer Dichte – so wie ihre Chansons, schreibt Knigge.

Am Freitag, 24. November, wird auf der Bühne des Jungen Theaters Göttingen, Hospitalstraße 6, Barbara zu Ehren eine Vorstellung von „Barbara. Gegen das Vergessen“ um 20 Uhr aufgeführt. In der Inszenierung von Peter Christoph Grünberg spielen Katharina Brehl, Jan Reinartz und Karsten Zinser die Geschichte vom Besuch der Sängerin in Göttingen.

Gewinnspiel: Fünf Exemplare des Buches „Es war einmal ein schwarzes Klavier“ zu gewinnen

Das Tageblatt verlost fünf Exemplare der unvollendete Memoiren von Barbara, die unter dem Titel „Es war einmal ein schwarzes Klavier...“ im Göttinger Wallstein-Verlag erschienen sind. Wer gewinnen will, kann am Freitag, 24. November, von 8 bis 21 Uhr unter Telefon 0137 / 9880800 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt.

Von Christiane Böhm