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Thema des Tages Zeitreise zum Geburtstag
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11:00 25.05.2017
Franz Herzog Quelle: r
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Göttingen

Franz Herzog fiel schon in der Elsterberger Volksschule durch seine schöne Singstimme auf; bald darauf konnte er seine Fähigkeiten als Sängerknabe bei einer Weihnachtsmesse unter Beweis stellen. Das Talent des jungen Herzog fiel nicht nur den Lehrern auf: Pfarrer und Kantor vermittelten ihn an die Dresdner Kreuzschule. Seine Aufnahme in den renommierten Dresdner Kreuzschor erfolgte außerhalb üblicher Aufnahmefristen – so sehr überzeugte die Stimme des damals Elfjährigen.

Die musikalische Ausbildung Franz Herzogs erfolgte sowohl im stimmlichen als auch im instrumentellen Bereich. So lernte er, Klavier und Geige zu spielen. Unter Kreuzkantor Rudolf Mauersberger mauserte er sich zum Chorpräfekten des Dresdner Kreuzchores und somit zum ersten Stellvertreter Mauersbergers. Nach seinem Abitur nahm er ein Musikstudium auf, das er als examinierter Chorleiter und Kapellmeister abschloss. Danach trat Franz Herzog mit eigenen Kompositionen in Erscheinung.

Der Knabenchor heute / Festakt und Konzert

Seit 2003 wird der Göttinger Knabenchor von Michael Krause geleitet, der seit 1995 am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) Musik und Physik unterrichtet und den dortigen Musikzweig leitet. Der Göttinger Knabenchor lädt in diesem Jahr zu einer Veranstaltungsreihe zu Ehren seines Gründers. Am Sonnabend, 23. September, soll es ab 11 Uhr eine Feierstunde mit Empfang im Felix-Klein-Gymnasium geben. Ab 18 Uhr sollen dann der Knabenchor und weitere Chöre jeweils ein Werk von Franz Herzog aufführen; auch ein Männerchor aus ehemaligen Mitgliedern des Göttinger Knabenchors soll an diesem Abend mitwirken. Das Jubiläumsjahr wird Anfang Dezember mit dem traditionellen Weihnachtskonzert beschlossen – diesmal mit einem Herzog-Schwerpunkt. Zudem wurde eine Herzog-Gedenktafel beantragt, die sein Werk als „Musikerzieher und Komponist“ würdigen und am Felix-Klein-Gymnasium angebracht werden soll. 

Nach dem Kriegsdienst – nur wenige Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er vom Militär eingezogen – fand er sich mit einer Kriegsverletzung in einem Lazarett in Peine wieder; in der Nähe der Stadt ließen er und seine Familie sich dann auch nieder. Zunächst als privater Klavierlehrer tätig, konnte er als Musiklehrer in der Peiner Oberschule für Jungen Fuß fassen. Die Leitung des Städtischen Chors in Peine folgte. Unter der Leitung Franz Herzogs genoss der Städtische Chor zunehmende Aufmerksamkeit beim Publikum, aber auch bei Funk und Fernsehen. So entstanden einige Rundfunkproduktionen beim Nordwestdeutschen Rundfunk.

Der Wechsel nach Göttingen

Auf der Suche nach einem soliden, festen Einkommen und der Möglichkeit der Weiterentwicklung – er wäre hierfür auch ausgewandert - stieß Herzog auf die Stellenanzeige der Göttinger Oberschule für Jungen (später: Felix-Klein-Gymnasium, FKG), die sowohl einen Musiklehrer  als auch eine Person suchte, die den Schulchor aufbauen würde. Die Rahmenbedingungen hierfür passten: Die Oberschule überzeugte durch eine große Aula mit guter Akustik und einen ausreichend großen Musikraum mit Klavier im fünften Stock („Der Turm“).

Neben diesem Musikraum richtete sich Herzog für drei Jahre auch häuslich ein. Auf wenigen Quadratmetern schmiedete er seine Pläne für die Arbeit mit dem Schulchor.  Erste Proben konnten 1953 stattfinden, nachdem er sich erfolgreich darum bemühte, neue Sänger für den Chor zu gewinnen.  Als erfolgreich ist auch die weitere Entwicklung des Chores zu bezeichnen – im Februar 1957 schaffte er es, das Publikum in der bis zu dem Zeitpunkt nie überfüllten Aula des FKG zu begeistern.

Franz Herzog: Die Biografie

Zum 100. Geburtstag Franz Herzogs erscheint die Biografie „Franz Herzog: Ein Kruzianer in Göttingen“, die der Dresdner Musikwissenschaftler Dr. Vitus Froesch erarbeitet hat. Das Buch erscheint im Rahmen der Schriftenreihe „Dresdner Schriften zur Musik“. Neben der Lebensbeschreibung des Gründers des Göttinger Knabenchors soll auch umfassend auf die dirigentische und künstlerische Leistung aus musikwissenschaftlicher Sicht eingegangen werden. Zudem hat Froesch ein Werkverzeichnis der über 150 existierenden Kompositionen Herzogs erstellt. „Franz Herzog: Ein Kruzianer in Göttingen“ ist ab sofort im Handel erhältlich:
ISBN-Nummer: 978-3-8288-3954-0.

Die Leistung der jungen Sänger sprach sich mehr und mehr herum – und am 26. September 1962 hatte sich der Göttinger Knabenchor herausgebildet, der an diesem Tag sein erstes Konzert in der Jacobi-Kirche hatte. Geistliche Musik, technisch und musikalisch auf hohem Niveau vorgetragen, begeisterte die Zuhörer. So kam es, dass der Knabenchor zwischen 1967 und 1978 als Oratorienchor bei den Händel-Festspielen fungierte. Aber auch zur Eröffnung der Stadthalle Göttingen im September 1964 konnten die Sänger des Knabenchors einen musikalischen Beitrag leisten.

1968 führte der Knabenchor „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf – eine Kinderoper, die Franz Herzog komponiert hatte. Generell fiel der Göttinger Knabenchor früh durch die große Bandbreite im Repertoire auf. Bei den Händel-Festspielen im Jahr 1971 beispielsweise führte der Chor das von Herzog komponierte „Händel Historical“ auf, das eine Parodie auf die konservative Händel-Szene in Göttingen darstellte. Ungeachtet einiger negativer Kritiken etablierten sich internationale Konzertreisen des Göttinger Knabenchores; und auch die Weihnachtskonzerte sowie musikalische Beiträge bei städtischen Veranstaltungen stellten eine feste Säule im Jahr dar. Schallplatten-, Fernseh- und Rundfunkproduktionen konnten ebenfalls umgesetzt werden.

1980 – Franz Herzog hatte sich in den Ruhestand verabschiedet – konnte der Dresdner Kreuzchor, nach langen Telefonaten mit der DDR-Botschaft, in der St. Jacobi-Kirche ein Konzert geben. Im Herbst zog sich Franz Herzog komplett aus dem Knabenchor zurück. Am 18. Februar 1986 verstarb der Gründer des Göttinger Knabenchors.

Von Maren Iben