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Thema des Tages Göttinger Produktionsteam für Oper „Arminio“
Thema Specials Thema des Tages Göttinger Produktionsteam für Oper „Arminio“
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12:21 28.03.2018
Das Hermannsdenkmal in Detmold.
Das Hermannsdenkmal in Detmold. Quelle: dpa
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Göttingen

Seit den Anfängen 1920 und spätestens wieder seit der Ära McGegan, also seit 1980, steht im Mittelpunkt der Göttinger Händel-Festspiele eine Opernproduktion – die zwar häufig und gern im Deutschen Theater (DT) gezeigt wurde, für die aber fast immer auswärtige Produktionsteams tätig waren. Das ist 2018 anders. Regisseur der Festspieloper „Arminio“ ist der DT-Intendant persönlich, Erich Sidler. Das Lichtkonzept hat er einem bewährten Mitarbeiter seines Hauses übertragen, nämlich Michael Lebensieg, seit 2012 Leiter der Beleuchtungsabteilung. Am Sonnabend, 12. Mai, hat Händels „Arminio“ im DT Premiere. Die Oper wird zum ersten Mal in der knapp 100-jährigen Geschichte der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen gezeigt.

Der Schweizer Regisseur Erich Sidler absolvierte von 1991 bis 1995 die Regieausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Anschließend assistierte er bis 1997 am Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Nach Regiearbeiten in Stuttgart, Hamburg, Hannover, Berlin, Weimar und Mannheim wurde er Hausregisseur am Staatstheater Stuttgart, übernahm einen Lehrauftrag an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München und war bis 2012 künstlerischer Leiter des Schauspiels am Stadttheater Bern. Seit der Spielzeit 2014/15 ist Sidler Intendant des Deutschen Theaters in Göttingen.

Zwei aus dem Produktionsteam: Michael Lebensieg und Erich Sidler (v.l.). Quelle: Michael Schäfer

Michael Lebensieg, in Göttingen geboren, arbeitet seit 1995 für das DT. Als Beleuchtungsmeister ist er verantwortlich für die Lichtgestaltung von etwa fünf bis sieben Schauspielproduktionen pro Spielzeit. Erfahrungen mit Opernproduktionen sammelte er bereits im Jahr 2006 bei der Kooperation des DT und des Göttinger Symphonie Orchesters für Mozarts „Entführung aus dem Serail“ sowie durch die Produktionen der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, für die er die aufgeführten Opern in Zusammenarbeit mit Lichtdesignern oder Bühnenbildnern begleitete. Mit seiner Arbeit für „Arminio“ möchte er, so sagt er, „mit Licht Stimmungen erzeugen, die dem Regieteam vorschweben, die Atmosphäre verstärken“.

Das Bühnenbild zu „Arminio“ gestaltet Dirk Becker. Er gehört zwar nicht zum DT-Team, aber mit ihm arbeitet Sidler schon seit über 20 Jahren zusammen. Das begann in Hannover und ging weiter in Essen, Wien, Mannheim, Stuttgart, München, Berlin und Hamburg. Die Kostüme für „Arminio“ stammen von der gebürtigen Schwedin Renée Listerdal. Sie kennt Sidler und Becker schon länger. In zwei Inszenierungen am Gorki-Theater Berlin war sie mit Sidler (Regie) und Becker (Bühnenbild) gemeinsam tätig: „Bernarda Albas Haus“ von Lorca (1999) und „Die Kassette“ von Carl Sternheim (2001). Sidler und Becker haben aktuell bei dem Stück „Beben“ von Maria Milisavljevic in Heidelberg zusammengearbeitet, das Ende Mai auch bei den Mülheimer Theatertagen gezeigt wird. Becker und Listerdal waren überdies in jüngerer Zeit bei drei Opernproduktionen für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich: 2014 in Gelsenkirchen für „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch sowie in Kassel 2014 für „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss und 2017 für „Andrea Chenier“ von Umberto Giordano.

Termine „Arminio“: Die Oper „Arminio“ hat am Sonnabend, 12. Mai, um 17 Uhr Premiere im DT. Weitere Aufführungen sind am 13. und 20. (17 Uhr) 15. und 17. (19 Uhr) sowie am 21. Mai (16 Uhr) angesetzt.

Interview mit Erich Sidler: „Arminio ist nicht käuflich“

Was reizt Sie an Händels „Arminio“ – eine Oper, von der zu lesen ist, sie besitze ein etwas wirres Libretto und gehöre zu Händels schwächeren Werken?

Die Oper erzählt eine sehr allgemeingültige Geschichte. Unter anderem geht es darin um die Befreiung vom Vater, also um die Ermordung des Urvaters, was Freud erst 150 Jahre nach Händel als einen notwendigen Prozess definiert hat. Davon – siehe Ödipus – wussten schon die Griechen. Der Titelheld Arminio ist nicht käuflich, nicht korrupt, er lässt sich nicht einlullen vom römischen Luxus. Das fasziniert mich an dieser Figur, die im 19. Jahrhundert im Zuge der Gründung des deutschen Reiches zu einem Mythos hochstilisiert worden ist.

Zwischen Oper und Schauspiel besteht für einen Regisseur ein großer Unterschied: Das Spieltempo in einem Sprechstück ist frei wählbar, in einer Oper aber haargenau vom Tempo der Musik bestimmt. Bedeutet das für Sie, der Sie vor allem im Sprechtheater tätig sind, eine Einschränkung oder eine Herausforderung?

Trotz der Tempofestlegung durch die Musik habe ich als Regisseur spannende Freiräume. Was im Sprechtheater durch Sprache und Spiel erst entwickelt werden muss, nämlich die Darstellung von Gefühlszuständen, leistet die Musik von sich aus. Die Arie hält die Zeit an, sie erzählt, was die Erlebnisse bedeuten. Die Rezitative vermitteln die Handlungsaktion.

Wo liegen Ihre musikalischen Vorlieben?

Ich verehre eine Vielzahl von Komponisten. Dazu zählen etwa Debussy, Haydn, Wagner, Bruckner und Mahler.

Die meisten Göttinger Händel-Fans wollen vor der Premiere der Festspieloper gern wissen, ob die Inszenierung historisch oder in Richtung Gegenwart orientiert ist. In den vergangenen Jahren hat es Beispiele sowohl für die eine als auch für die andere Herangehensweise gegeben. Können Sie schon etwas andeuten, auch wenn Sie möglicherweise noch nicht viel verraten wollen?

Für mich geht es nicht um historisch oder gegenwartsorientiert, sondern in erster Linie um die Frage: Was hat heute Gültigkeit? Mit meiner Inszenierung möchte ich nur einen Hinweis geben. Ich besitze keinesfalls eine Deutungshoheit. Jeder, der in „Arminio“ etwas anderes sehen möchte, muss das tun dürfen.

Schlüsselwerke zum Thema Krieg und Frieden

Einen weiteren Schwerpunkt der Händel-Festspiele bilden opulente Chorwerke Händels über kriegerische Auseinandersetzungen, siegreiche Schlachten und gefeierte Friedensschlüsse. Das Festspieloratorium „Judas Maccabaeus“ in der Stadthalle Göttingen am Donnerstag, 10. Mai, ist mit Kenneth Tarver in der Titelrolle prominent besetzt. Tarver ist am Mittwoch, 4. April, auch Gast des Händel-Talks in der GT Townhall. „Alexander Balus“ ist in Herzberg mit zahlreichen Preisträgern internationaler Wettbewerbe besetzt.

Mit dem Utrechter „Jubilate“ und der „Ode for the Birthday of Queen Anne“ im Konzert des NDR Chors sowie dem „Dettinger Te Deum“ im Galakonzert stehen weitere Schlüsselwerke zum Thema „Krieg und Frieden“ auf dem Programm. Ebenfalls im Galakonzert singt die international gefragte Diana Moore den Herakles in „The Choice of Hercules“. Auch auf namhafte Instrumentalisten und Ensembles sind engagiert: Midori Seiler und Christian Rieger spielen ebenso in der Aula der Universität wie Giovanni Antonini und Ottavio Dantone und die London Handel Players. Spannende Künstler aus dem Crossover-Bereich wie Laura Moody oder das Ensemble Virévolte bieten die Chance für neue Entdeckungen.

Eintrittskarten gibt es unter haendel-festspiele.de sowie in Göttingen exklusiv beim GT Ticket-Service, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, sowie beim Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11.

Von Michael Schäfer