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Thema des Tages "Made in Germany" in Hannover
Thema Specials Thema des Tages "Made in Germany" in Hannover
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17:07 30.05.2017
Ein Standbild aus dem Video „Prophecy“ von Raphaela Vogel.  Quelle: r
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Hannover

Preise und Öffnungszeiten

Die Kunstwerke der Ausstellung „Made in Germany“ sind in drei Häusern in Hannover zu erleben: in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11, im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz, und im Kunstverein, Sophienstraße 2. Ein Zentrum gibt es nicht, alle Themen der Schau sind in allen Häusern gleichermaßen vertreten. Alle drei Institutionen haben eine gemeinsame Kernöffnungszeit: dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Ein Kombiticket kostet 14 Euro und berechtigt zum Eintritt in die drei Häuser. Weitere Infos: kunstverein-hannover.de, sprengel-museum.de und kestnergesellschaft.de. pek

Vor zehn Jahren startete in Hannover eine Ausstellungsreihe als Antwort auf die Weltkunstausstellung Documenta in Kassel. Am Sonnabend, 3. Juni, wird die dritte Ausgabe von „Made in Germany“ eröffnet. Für die große Schau kooperieren das Sprengel-Museum, die Kestnergesellschaft und der Kunstverein.

Der Titel „Made in Germany“ verweist auf ein Auswahlkriterium. Zu Beginn seien ausschließlich deutsche Künstler eingeladen worden, bei der zweiten Ausgabe sei vorwiegend Kunst zu sehen gewesen, die in Deutschland entstanden sei, erklärt Stefan Wimmer, Sprecher des Ausstellungsteams. Bei der aktuellen Schau seien Künstler vertreten, die Berührungspunkte mit Deutschland haben. Ihre Werke werden in den Häusern der drei Institutionen gezeigt. 

„Produktion. Made in Germany Drei“ lautet der komplette Titel der Ausstellung, denn es geht schwerpunktmäßig um die Produktion von Kunst. Weitere Themen sind „Raum“ und „Zeit“. „In allen Häusern werden alle Themen vertreten sein“, sagt Wimmer.

Bürokratie in der Kunstwelt

Viele Künstlern produzieren ihre Werke für die Ausstellung direkt in Hannover, darunter auch Julius von Bismarck, von dem der Kunstverein Göttingen vor zwei Jahren eine große Ausstellung im Alten Rathaus präsentierte. Im Sprengel-Museum nimmt er zwei vorgefundene Tische und Stühle, und bringt sie zum Rotieren – sein Hinweis auf die Bürokratie in der Kunstwelt.

Wimmer nennt neben diesem weitere Glanzlichter der Ausstellung. Daniel Knorr, der auch auf der Documenta vertreten ist, will mit seiner Kunst die Menschen für den Klimawandel sensibilisieren. Im Außenbereich der Kestnergesellschaft habe er einen Schneemann aus Steinen gebaut, „mit den typischen Elementen, aber dazu einen Palmwedel“, sagt Wimmer, „die Aufbauphase hatte etwas ganz Handfestes“.

  Ebenfalls auf das Klima richtet das Künstlerkollektiv „Das Numen“ ihr Augenmerk. Julian Charrière, Andreas Greiner, Markus Hoffmann und Felix Kiessling bilden das seit den 2010er-Jahren in Berlin arbeitende Kollektiv, allehaben im Institut für Raumexperimente von Olafur Eliasson studiert, dem Kaiserring-Träger des Jahres 2013. Im Sprengel-Museum installieren sie Orgelpfeifen. Luft durchströmt sie und erzeugt so Töne. Verbunden sind die Pfeifen mit 20 Wetterstationen weltweit. Deren Windaufzeichnungen steuern direkt die Windstärke, die die Töne erzeugt. „Sie setzen Wetter in Töne um“, erläutert Wimmer.

Identifikation mit Kuratoren und Künstlern

Kurtatiert wurde die Schau von einem sechsköpfigen Team, jeweils zwei von einer der beteiligten Institutionen. „Eine ungewöhnliche Konstellation“, bestätigt Wimmer – und hebt die Vorteile einer solchen kooperation hervor. Alle seien von Anfang bis zum Ende dabei. Der „aufwändige Koordinierungsprozess“ bringe aber auch ein großes Maß an Identifikation der Kuratoren mit den Künstlern und den jeweils anderen Häusern.

Ein Etat von laut Wimmer mehr als 600 000 Euro steht den Kuratoren zur Verfügung. 16 Unterstützer und Förderer wie die VGH und VW Nutzfahrzeuge sowie die Stiftung Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und andere tragen zur Finanzierung bei. Doch auch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Region und die Stadt Hannover fördern die Ausstellung. 60000 Besucher verzeichneten die Organisatoren bei „Made in Germany“ vor fünf Jahren. Wimmer: „Das ist auch unsere Zielmarke für dieses Mal.“

Von Peter Krüger-Lenz

Programm der Kooperationspartner

Schauspiel Hannover:

Alltägliches Leben literarisch einfangen

Die Allstarsband des Schauspiel Hannover gibt am Sonnabend, 10. Juni, um 20 Uhr im Kunstverein ein Konzert. Dies ist einer der Beiträge des Schauspiels zu „Made in Germany“. Weiterhin steht die Live-Performance „Sometimes I think, I can see you“ des argentinischen Regisseurs Mariano Pensotti auf dem Programm. Er hat sich einen speziellen Ort für die Umsetzung seines Projektes ausgesucht: den U-Bahnhof Kröpcke in der Innenstadt in Hannover. Am 30. August und 1. September von 20 Uhr bis 22 Uhr, und am 2. September von 16 Uhr bis 18 Uhr werden vier Autoren in der Haltestelle am Kröpcke sitzen und ihr Beobachtungen notieren. Diese Live-Performance soll ein „Archiv des alltäglichen Lebens und ein Live-Roman, der mit realen Charakteren operiert“ werden. Der Regisseur hat ein solches Projekt bereits in Berlin, Brüssel, Zürich, Buenos Aires und Warschau durchgeführt.        nho

KunstFestSpiele Hannover:

Lichterspiel im Großen Garten

„Painting the Night“ heißt das Lichtspektakel der österreichischen Künstlerin Victoria Coeln. Es ist bis Sonntag, 4. Juni, in dem Großen Garten der Herrenhäuser Gärten zu erleben. Das Open-Air-Kunstwerk ist ein Beitrag der KunstFestSpiele Hannover zu „Made In Germany“. Mehrschichtig bearbeitete Miniaturglasfilter sollen Licht in farbenfrohen Flächen sichtbar machen. Für Coeln kann das Licht Gedanken vermitteln und so nicht Sagbares sichtbar machen. Hecken, Bäume und Rasenflächen verbinden sich durch das Lichtspiel in neue Bilder und schaffen Erfahrungsräume, die Coeln „Chromotope“ nennt. Der Garten ist in dem Zeitraum täglich von 21.30 Uhr bis 23 Uhr geöffnet, ein Besuch in dem Farb- und Lichterspiel kostet 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zudem wird am Sonnabend, 10. Juni, Markus Schmickler eine Konzert-Performance präsentieren. Um 22 Uhr tritt er mit „Fortuna Robbin“ im Calder Saal des Sprengel Museums auf. nho

Festival Theaterformen:

Kapitalismuskritik im Dialog

Auch das Festival Theaterformen ist ein Kooperationspartner von „Made in Germany“. Das Berliner Kollektiv She She Pop zeigt ein konsumkritisches Stück im Ballhof Eins, Ballhofplatz 5. In Anlehnung an Bertolt Brechts Lehrstücktheorie präsentieren sie „Oratorium“. Das Kollektiv bezieht einen hannoverschen Chor und das Publikum mit ein, in einen dialogischen Theaterabend über Eigentum. Eigentum trenne Freunde und stelle Machthierarchien her. Sprechchöre sollen gebildet werden, die jede Vorstellung zu etwas einzigartigem machen. „Oratorium“ soll ein „work-in-progress“-Projekt werden. Das Kollektiv zieht nach den Auftritten in Hannover in andere europäische Städte und will Momentaufnahmen sammeln, so dass schließlich vielseitige Perspektiven zum Thema Eigentum und Besitzverhältnisse entstehen. Die Vorstellung wird am Freitag, 9. Juni, und Sonnabend, 10. Juni, um 21.30 und am Sonntag, 11. Juni, um 18 Uhr präsentiert. Tickets sind im Vorverkauf für 18 Euro beziehungsweise 9 Euro ermäßigt unter staatstheater-hannover.de erhältlich. nho

 

Viel Programm zur Ausstellung

Hannover. Um die zahlreichen klassischen Ausstellungsführungen herum, haben die Organisatoren von „Made in Germany“ – das Sprengelmuseum, der Kunstverein Hannover und die Kestnergesellschaft – ein vielfältiges Programm zusammengestellt.

Im gesamten Zeitraum wird es Kuratoren- und Direktoren-Rochaden geben. Die Besucher können so einen exklusiven Einblick in die verschiedenen Ausstellungen bekommen. Die Veranstalter präsentieren am Sonnabend, 10. Juni, gemeinsam die Nacht der Museen. In 21 Häusern können die Besucher von 18 Uhr bis 23.30 Uhr Ausstellungen und Sammlungen besuchen. Es werden auch Performance-Künstler und Kurzfilme sowie Lesungen auf dem Programm stehen. Für musikalische Unterhaltung sorgt beispielsweise das Vokal-Quartett „Now or Nellie“ ab 19.15 Uhr in der Kestnergesellschaft.

Kennenlernen und Fragen stellen

Das Berlin Program for Artists (BPA) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes fördert Künstler, die nicht aus Deutschland stammen. Das BPA vergibt Stipendien an vielversprechende Künstler im Bereich der visuellen Kunst, der Literatur, der Musik und des Films. Am Dienstag, 4. Juli, und Dienstag, 8. August, haben die internationalen Künstler die Chance, ihre Werke zu besprechen. In mehreren Künstlergesprächen können die Besucher die Kreativen näher kennenlernen und Fragen stellen.

Am Dienstag, 4. Juli, wird es im Sprengelmuseum zudem eine Diskussionsrunde geben. Ab 17 Uhr debattieren Journalist Dominikus Müller, Kunstkritiker Hans-Jürgen Hafner und Künstlerin Noemi Smolik über das Thema „Produktion. Berlin: Globaler Hinterhof der Kunst? Produktion: globale Ökonomie? Bündnisse und Kooperationen als Folge?“.

Anfang September organisiert das Studio for Propositional Cinema ein Film Festival unter dem Titel „On the Wall in Chalk is Written“. Performances, Diskussionen und Filmvorführungen erwarten die Besucher der Kestnergesellschaft und des Kunstvereins. Alle Termine, Veranstaltungen und Preise finden Interessierte unter hannover.de. nho