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Thema des Tages Ein Festival mit Glaube und Zweifel
Thema Specials Thema des Tages Ein Festival mit Glaube und Zweifel
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16:56 17.03.2017
Von Frank Beckenbach
Der künstlerische Leiter der Festspiele, Laurence Cummings Quelle: NR
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Göttingen

Erwartete Höhepunkte der Festspiele werden das Galakonzert, die sechs Aufführungen der Oper „Lotario“ im Deutschen Theater  sowie das Oratorium Brockes-Passion sein. „Mit dem Motto nähern wir uns dem Reformationsjubiläum an“, so Wolff. „Ein spannendes Festival liegt vor uns.“ Für die gesamte Familie, natürlich die Liebhaber von Barockmusik, aber auch für Einsteiger und Neugierige haben Cummings und Wolff ein sehr breit aufgestelltes Programm erarbeitet.

Als aufwändigste Produktion der Festspiele erweist sich die Oper „Lotario“. Diese wurde am 2. Dezember 1729 in London uraufgeführt. Sechs Mal steht das dramatische Werk um Krieg und Entführung – aber auch mit einem Happy End – auf dem Göttinger Festivalspielplan. Alle Aufführungen finden im Deutschen Theater statt.

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„Ich freue mich auf die Oper und bin gespannt, wie sie in diesem Jahr präsentiert wird.“ - Rolf-Georg Köhler, Oberbürgermeister der Stadt Göttingen Quelle: Archiv

Derzeit werden bei einem Kooperationspartner der Festspiele, dem Konzert Theater Bern, die Kostüme geschneidert. Eine Gewandmeisterin und sechs Schneiderinnen fertigen die zeitlosen Gegenwartskostüme mit historischen Attributen für die Darsteller.

Besonders von Mezzosopranistin Sophie Rennert, die den Lotario spielen wird, ist der musikalische Leiter Cummings sehr angetan. „Sie hat die für diese Partie benötigte, große Bandbreite in ihrer Stimme“, sagt der Engländer. Die Sopranistin Marie Lys wird Adelaide in der Oper singen, die vom venezolanischen Regisseur Carlos Wagner inszeniert wird.

Erstmals wird Sopranistin Dominique Labelle, beim Göttinger Festspielpublikums besonders beliebt, mit Cummings und dem Festspiel-Orchester zusammenarbeiten. Beim Galakonzert am Sonnabend, 13. Mai, werden in der Göttinger Stadthalle Werke von Telemann, C.P.E. Bach und Händel präsentiert.

„Bei den Händel-Festspielen 2017 freue ich mich vor allem auf die vielen interessanten Spielstätten in der ganzen Region und darüber, dass die Universität nicht nur mit den Spielstätten Aula und Alte Mensa, sondern auch mit ihren Sammlungen, den Sonntagsspaziergängen, der Hell-Ausstellung am Wilhelmsplatz und der Kinder-Uni im Programm vertreten ist.“ - Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Quelle: Archiv

„Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ gehört zu den meistvertonten Passionstexten. Auch Georg Friedrich Händel (1685-1759) nahm sich dieses Themas an. Brockes‘ Schilderungen des Leiden Christi inspirierte ihn zu seiner einzigen geistlichen Komposition auf einen deutschen Text. In der 14 Arien umfassenden Titelpartie wird Johannette Zomer am Donnerstag, 25. Mai, in der Göttinger Stadthalle mit dem Festspiel-Orchester zu hören sein.

Festspielorte sind im gesamten Landkreis Göttingen zu finden, mit etwa 20000 Besuchern rechnet Intendant Wolff, wie im vergangenen Jahr. „Ich freue mich ganz besonders, dass ein Konzert im Kapitelsaal des Klosters Walkenried stattfindet“, sagt Landrat Bernhard Reuter. Neben Göttingen wird auch in Scharzfeld, Gieboldehausen, Seeburg, Reinhausen, Rosdorf, Dransfeld, Hardegsen und in Einbeck „gehändelt“. Göttingens Dezernentin für Kultur und Soziales, Petra Broistedt, hat sich den Opern-Premierentag, Freitag, 19. Mai, schon fest vorgemerkt. Sie freut sich auf die Festspiele: „Sie sind ein Highlight, ein Juwel für Alte Musik“ und dankt der künstlerischen Leitung und dem Management und den zahlreichen öffentlichen und privaten Unterstützern.

„Die Händel-Festspiele begeistern mich, weil sie die wunderbare Musik Händels mit der Magie besonderer Orte verbinden und so zugleich Festspiele von internationaler Ausstrahlung in der Region verankern.“ - Bernard Reuter, Landrat des Landkreises Göttingen Quelle: Archiv

Zwei Sonderkonzerte stehen am Sonnabend, 27., und Sonntag, 28. Mai, in der Göttinger Stadthalle auf dem Programm: Das Göttinger Symphonie Orchester spielt unter Leitung von Christoph-Mathias Mueller die Oper „Orfeo ed Euridice“ von Joseph Haydn.

Die Karten für die Internationalen Händel-Festspiele sind beim GT-Ticketservice in Göttingen, Weender Straße 44, und in Duderstadt, Marktstraße 9. Mehr zu den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen unter  www.haendel-festspiele.de.

Die Highlights

Händel-Talk

Am Mittwoch, 29. März, findet in der GT-Townhall in der Dransfelder Straße 1 der zweite Händel-Talk statt. Das Motto „Händel-Talk trifft GT“. Mit dabei Flötistin Dorothee Oberlinger und Slam-Poet Pierre Jarawan. Die Moderation übernehmen Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Festspiele,  und  Angela Brünjes, Tageblatt-Redakteurin.

Festspieleröffnung

Am Sonnabend, 13. Mai, werden die Festpiele um 14.30 Uhr auf dem Göttinger Marktplatz von Laurence Cummings und Tobias Wolff eröffnet. Dann werden sie auch den Gewinner der „Göttingen Händel Competition“ 2017 verkünden.

Die Oper

Die spannungsreiche Handlung der Oper „Lotario“ inszeniert der venezolanische Regisseur Carlos Wagner als Kammerspiel um Liebe, Macht und Intrige. Nach einer halbszenischen Aufführung im Jahr 2004 präsentieren die Festspiele erstmals eine Inszenierung von Georg Friedrich Händels Oper Lotario auf der Bühne des Deutschen Theaters Göttingen.

„Die Oper, die Oper, die Oper“ - Sigrid Jacobi, Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Internationale Händel-Festspiele Göttingen

Premiere: 19.Mai um 18 Uhr; weitere Aufführungen: 21.Mai, 17 Uhr; 22.Mai; 15 Uhr; 24.Mai, 19 Uhr; 26.Mai, 19 Uhr; 28.Mai, 15 Uhr

Brockes - Passion

Der Bericht des Evangelisten Matthäus bildet den Rahmen von Barthold Heinrich Brockes’ Passionstext aus dem Jahre 1712. Mit bildmächtiger und dramatischer Sprache spannt die Geschichte den Bogen vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung und zum Tod Jesu. Brockes’ überdeutliche Schilderungen der Leiden Christi inspirierten Händel 1716 zu seiner einzigen geistlichen Komposition auf einen deutschen Text und zu vielfältigen Affekten und Instrumentalfarben. Die Aufführung in der Göttinger Stadthalle am 25. Mai dauert etwa dreieinhalb Stunden. Es spielt das Festspielorchester unter Leitung von Laurence Cummings, Solisten sind die Sopranistinnen Johannette Zomer und Ana Maria Labin und Tenor Rupert Charlesworth .

Orfeo und Euridice

Zum Ausklang der Festspiele steht nicht nur Händels Lotario auf dem Programm, sondern am 27. und 28. Mai auch die eher unbekannte Haydn-Oper L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice. Ein innovatives Opernprojekt in der Göttinger Stadthalle mit Simone Kermes, Simon Bode und Jochen Kupfer, dem Göttinger Symphonie Orchester und dem Norddeutschen Figuralchor unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller. Begleitet wird die Opernproduktion von einer Sonderausstellung mit Gemälden des Malers Jochen Hein.

Im Bett mit…

Am Mittwoch, 17. Mai, heißt es um 16 Uhr bei Betten Heller am Kornmarkt „Im Bett mit…“. Tobias Wolff wird sich mit dem  israelischen Mandolinisten und Echo-Klassik-Preisträger Avi Avital über Göttingen, Händel und auch Privates unterhalten.

Am Sonnabend, 20. Mai, wird die österreichische Mezzosopranistin Sophie Rennert, die die Titelrolle in der Oper Lotario singt, im Bett Platz nehmen.

Rupert Charlesworth, er singt den Petrus in der Brockes-Passion, ist am Dienstag, 23. Mai, im Bett im Schaufenster von Betten Heller zu Gast und wird Wolff Rede und Antwort stehen.

Voll wird das Bett wohl am Mittwoch, 24. Mai. Dann haben sich die Mitwirkenden der Jugendopernproduktion „Beyond Doubt: Lotario“ um 16 Uhr bei Tobias Wolff angesagt.

Den Abschluss der Reihe „Im Bett mit…“ machen „Cello of Hell“ am Sonnabend, 27. Mai. Die Musiker, die am Abend neben Arrangements von Händel und Vivaldi auch Metallica und Eigenkompositionen auf die Ohren bringen, sind ab 14.30 Uhr die Gesprächspartner von Tobias Wolff.

Händel4Kids!

Auch die „Alte Musik“ benötigt neue Gesichter – um diese bemühen sich die Internationalen Händel-Festspiele mit viel Engagement.

Jugendoper

Am Sonnabend, 6. Mai, feiert die Jugendoper „Beyond Doubt: Lotario“ im Jungen Theater Premiere, die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen mit dem boat people projekt präsentieren. Nina de la Chevalerie hat die künstlerische Gesamtleitung übernommen und führt auch Regie, Hans Kaul hat die musikalische Leitung  übernommen, Johanna Ziemer zeichnet für Textbearbeitung und Dramaturgie verantwortlich. Das Projekt ist ausgelegt für Jugendliche ab 14 Jahren, soll ihnen klassische Musik näher- und unterschiedliche Gruppen zusammenbringen.

Weitere Aufführungen: 7. Mai, 15 Uhr; 11.Mai; 18 Uhr; 12.Mai, 18 Uhr; 27.Mai, 16  Uhr und 28. Mai, 15 Uhr

Familientag

Ideenreiche Mitmachaktionen, Konzerte und Workshops verwandeln am Sonnabend, 20. Mai, von 10 bis 15 Uhr beim großen Familientag die Innenstadt in eine Bühne für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Kreatives Zentrum ist dieses Jahr die Burgstraße.

Kinder-Uni

In Kooperation mit der Kinder-Uni Göttingen und der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen heißt es am Mittwoch, 24. Mai, ab 17 Uhr Himmel und Hölle – auf den Spuren des Glaubens in Händels Neun deutschen Arien. Es wird, wie bei Händel, gesungen und getextet.

Anmeldungen unter: www.kinder-uni.uni-göttingen.de

Familienfassung Lotario

Matilde will den Thron Italiens. Dafür soll ihr Sohn Idelberto Adelaide heiraten. Doch die hat sich Lotario versprochen…  Auch in diesem Jahr führt Moderator Juri Tetzlaff kindgerecht durch die Vorstellung am Sonnabend, 27. Mai, die um 12 Uhr beginnt. Mit dabei das Festspiel-Orchester Göttingen unter der Leitung von Laurence Cummings.

Public Viewing

„Lotario für alle“ heißt es am Dienstag, 23. Mai. In der Göttinger Lokhalle gibt es die Opernproduktion „Lotario“ auf der ganz großen Leinwand. Hier kann das etwa vierstündige Event in lockerer Atmosphäre genossen werden ab 18 Uhr.

 

 

„Die Townhall mit einer Weltklasseflötistin – erstmal kommt Händel zu uns ins Haus, darüber freuen wir uns sehr.“ - Uwe Graells, Chefredakteur Göttinger Tageblatt Quelle: Archiv