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Thema des Tages Warum sterben immer mehr Gaststätten im Raum Göttingen, Herr Feuerstein?
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09:52 11.12.2019
Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Dehoga im Kreisverband Göttingen-Duderstadt. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Gasthaus Wienecke in Reinhausen, Gasthaus Berge in Elliehausen, Zum Löwen in Bilshausenund jetzt Jünemann in Landolfshausen. Immer mehr alte und traditionsreiche Gasthöfe in den Dörfern rund um Göttingen geben auf. In vielen Ortschaften gibt es schon lange gar keine Gastwirtschaft mehr – von Lebensmittelgeschäften und anderen Dienstleistern ganz abgesehen. Für das Gasthöfe-Sterben gibt es „eine ganze Palette von Gründen“, sagt Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreisverband Göttingen-Duderstadt, im Interview.

Tageblatt: Immer mehr Kneipen und Gasthäuser auf dem Land machen dicht – woran liegt das?

Feuerstein: Da gibt es einen bunten Strauß von Problemen, mit denen die Gastwirte kämpfen. Ein wesentliches ist die Nachfolge, wenn Gastronomen aus Altersgründen aufhören, aber aus der Familie keiner den Betrieb übernehmen will. Die junge Generation hat heute keinen Bock mehr, ein Landgasthaus zu führen. Da waren die Alten eine ganz andere Generation. Die fanden es toll und waren die Richtigen dafür.

Das war ein Grund – welche gibt es noch?

Ganz sicher der Fachkräftemangel und der Trend, dass alle in die Städte ziehen. Das hat doppelte Folgen: In Dörfern ohne junge Leute finden Gastwirte immer schwerer Personal, ob für die Küche oder den Service. Und es bleiben die Gäste aus, die abends einfach mal auf ein Bier rumkommen.

Was bei jungen Leuten heute generell nicht unbedingt zur Freizeitgestaltung gehört...

Das ist richtig. Junge Leute bleiben heute zu Haus und hängen vor dem Bildschirm rum. Oder es zieht sie in die Burger-Restaurants und ähnliche Systemgastronomie-Betriebe. Das ist ein Phänomen. Für viele ist es quasi das Wohnzimmer, sie fühlen sich in Gesellschaft, schauen aber doch nur auf ihr Handy. Das beobachten wir auch abends an der Hotelbar. Man wähnt sich ’mitten drin’ , zieht sich aber mit Blick auf das Smartphone oder den Laptop zurück.

Und wer tatsächlich Geselligkeit sucht – wo geht der hin?

Jedenfalls nicht ins Dorfgasthaus. Früher hat man da auch noch Skat und Doppelkopf gekloppt oder gekegelt. Heute hat sich das Freizeitverhalten geändert – man geht eher in Escape Rooms und sucht in der Gruppe andere, neue, aufregende Angebote. Und das trifft zunehmend auch auf die Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren zu.

Was hat das für Folgen für die traditionellen Gasthöfe?

Sie werden erst einmal weiter sterben, wenn sie nichts Neues oder etwas Besonderes anbieten. Ich schätze, dass ihre Krise noch eine Dekade anhalten wird, sich die Branche dann aber wieder fängt.

Sie sprachen zu Beginn von vielen Problemen. Welche gibt es noch?

Die hohen Auflagen für die Gastronomie und ein ständig zunehmender bürokratischer Aufwand, um den Betrieb weiter genehmigt zu bekommen. Viele Landgasthäuser kommen grad so über die Runden. Wenn sie umbauen oder in die Zukunft investieren wollen, sind die Bauauflagen oft so hoch und teuer, dass sie aufgeben müssen. Und der zeitliche Aufwand für Belege und Buchhaltung ist inzwischen extrem hoch.

Von Ulrich Schubert

Es sind Geschichte wie das Drama ums Hochwasser und 250 fertige Rouladen, die dieses Haus geprägt haben – und die Menschen, die Jahrzehnte hier gearbeitet haben. Jetzt ist Schluss. Das Landgasthaus „Jünemann“ in Landolfshausen schließt (fast). Ein Rückblick.   

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