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Thema des Tages Närrisch werden unter Narren
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21:30 28.02.2019
Mit Witz und Fantasie gestaltet: die Umzugswagen in Hilkerode. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen/Eichsfeld

Büttenabende, Umzüge, Kinderfasching und Rathausstürme – die fünfte Jahreszeit ist in vollem Gange. Wer am Wochenende in der Region einen Karnevalsumzug besuchen möchte, sollte aber noch schnell Vokabeln für die richtigen Zurufe pauken: Das klassische „Helau“ versteht zwar jeder Karnevalist in Göttingen und der Region, doch seine Abwandlungen sind im Eichsfeld zahlreich.

Nicht nur „Helau

In Bilshausen rufen die Narren „Bilau“, in Rollshausen „Rolau“, und die Wollbrandshäuser setzen noch einen drauf mit ihrem „Klömpe Wolau“. Etwas weicher wird es in Mingerode mit einem langgezogenen „Hahlau“. Die Narren des Ballenhäuser Karnevals Clubs (BKC) rufen „Ballenhusen Helau“, und in Desingerode erklingt bei den Karnevalssitzungen „DCC Helau“. Bei den Göttinger Vereinen Szültenbürger und Rheintreue lautet der karnevalistische Ruf einfach „Helau“, bei den Mitgliedern der Rheintreue wird er traditionell dreimal gerufen.

Quelle: Grafik: Sit / © iStock.com/orsonsurf

Mit diesen Rufen begrüßt die Menge die vorbeifahrenden Mottowagen auf den Karnevalsumzügen, die im Scherze auch in der Region als „Zoch“ benannt werden, allerdings nur in Anlehnung an die Kölner Karnevalstradition. Die meisten Umzugswagen sind nicht nur dekorativ, sondern transportieren politisch-humoristische Botschaften mit Forderungen an die Kommunalpolitik, das Fußvolk dahinter trägt passende Kostüme. Wagen dafür stellen sowohl Sportvereine als auch private Gemeinschaften wie Dorfcliquen oder der Elferrat eines Ortes her – aus Pappmaché und härterem Material.

Elferrat und Prinzenpaar

Der Elferrat bildet bei den Karnevalssitzungen das Parlament und übernimmt symbolisch in der Karnevalszeit die Macht. In Wollbrandshausen hat der „Gerichtshof“ die Macht über die Bärte der jungen Männer. Beim „Piepgösselrasieren“ werden auserkorene Jungspunde öffentlich rasiert. In Hilkerode tagt das Narrengericht und löst die Politik zeitweise ab.

Quelle: Grafik: Sit / © iStock.com/orsonsurf

Oftmals, wie in Krebeck, fährt das gewählte Prinzenpaar aus Prinz und Prinzessin auf dem Elferrat-Wagen mit. Das Paar verteilt Süßigkeiten und lässt sich hochleben – in Krebeck unter lautem „Krebeck Miau“ in Anlehnung an den Orden der Krebecker Kattenköppe, den ein Katzengesicht ziert. Auch der Wagen besteht aus einem überdimensionierten Katzenkopf. Die Westeröder Uhlen fahren mit einer riesigen Eule als Prinzenwagen vor, das Symbol leitet sich vom Dorfwappen ab. Bonbons regnet es vielerorts, in Mingerode fliegen Pannekauken ins Publikum, also frisch zubereitete Pfannkuchen.

Gardetanz das ganze Jahr

Auch Gardegruppen zeigen im Karneval ihre Tänze. Der Verein Rheintreue Rot-Weiß Göttingen trifft sich beispielsweise jede Woche zu 90 Minuten Training. „Wir sind das ganze Jahr im Training, also nicht nur während der eigentlichen Karnevalszeit aktiv. Das wissen viele nicht“, erklärte die Vorsitzende Irena Malinke im vergangenen Jahr. In Göttingen ist der Karneval nicht so ausgeprägt wie im Eichsfeld, aber der Rosenmontagsumzug zieht am 4. März durch die Innenstadt. Die Route führt vom Landkreis Göttingen bis zu den Göttinger Werkstätten.

Quelle: Grafik: Sit / © iStock.com/orsonsurf

Gardetänze und Büttenreden gehören auch ins Programm der Karnevalssitzungen. In Immingerode wurde in diesem Jahr unter dem Motto Dschungel gefeiert, Mogli und Tarzan eroberten die Bühne. Viele weitere Sitzungen finden am Wochenende statt (siehe unten). Besucher dürfen meist in Alltagskleidung teilnehmen, Kostüme sind jedoch ausdrücklich erwünscht.

Info: Laut der Polizei sollten Karnevalsbesucher verbotene und unangemessene Kostümierungen meiden. Dazu gehören verfassungsfeindliche Symbole wie „solche der Nazis oder des Ku-Klux-Klan“. Auch echte Dienstkleidung von Polizisten darf nicht getragen werden, genauso wenig täuschend echte Waffenattrappen.

Wie katholische und evangelische Kirche feiern

Superintendent Friedrich Selter und Propst Bernd Galluschke betonen den Zusammenhalt jenseits von Konfessionen. „Im Karneval mischen sich Glaube und Freizeit“, so Galluschke.

Die „fünfte Jahreszeit“, wie Karnevalsliebhaber sie nennen, ist eine katholische Tradition. In der Region feiere man aber konfessionsübergreifend, das befürwortet auch Superintendent Friedrich Selter. „Ich bin aus dem Rheinland nach Göttingen gekommen und dort ist der Karneval ein allgemeines Kulturgut“, sagt Selter. „Konfessionsgrenzen spielen keine Rolle, obwohl das ursprünglich eine katholische Tradition ist.“

Im protestantischen Glauben sei der Karneval nicht verankert, wie zum Beispiel der fleischlose Karfreitag. „Aber die Fastenzeit ab Aschermittwoch hat in den letzten Jahren als gute Tradition zugenommen“, Selter sieht das als „gutes voneinander lernen“. Der Kalender „Sieben Wochen ohne“ habe auch dazu beigetragen, dass Anhänger des evangelischen Glaubens den Verzicht vor Ostern als Impuls aufnehmen. „Letztlich ist das Fasten der Versuch, auf etwas zu verzichten, von dem man sich zu sehr beherrschen lässt“ wie zum Beispiel Alkohol oder Süßigkeiten.

Mit Witz und Fantasie gestaltet: die Umzugswagen in Hilkerode.       Quelle: Markus Hartwig

In Göttingen sei die Karnevalstradition an sich aber sehr schlecht ausgeprägt, was der Superintendent bedauert. „Das ist historisch begründet, im 16. Jahrhundert ist Südniedersachsen protestantisch geworden und 500 Jahre später spüren wir immer noch die Grenzen dieser Zeit.“

„Das Spannende am Karneval ist, in andere Rollen hinein zu schlüpfen. In den Tagen, in denen das möglich ist, muss man es schaffen, man selbst zu bleiben“, sagt er.

Konfessionen spielen kaum eine Rolle

Selter feiere keinen Karneval in diesem Jahr, Propst Bernd Galluschke hat dies aber vor: „Vielleicht gehe ich als Putzfrau verkleidet, wie zum Büttenabend“, erzählt der katholische Amtsträger. „Als Mingeröder bin ich dem Karneval vor Ort sehr verbunden.“ Konfessionen spielten kaum eine Rolle im Eichsfeld zu dieser Zeit, auch wenn erst durch die katholische Umgebung die Ausprägung des Karnevals zustande kommt. „Aufgrund des Zusammenhalts auf den Dörfern mischt sich hier Kirche und Freizeit“, sagt Galluschke. „Ich befürworte, wie das gehandhabt wird: Im Karneval gibt es Teamgeist, es ist fast ein sportliches Event und alle sorgen für die Freude miteinander“, sagt er. Sich selbst und anderen Freude zu bereiten, sei typisch christlich. Auch dass „möglichst alle Sinne“ angesprochen werden, was im Karneval mit den Umzügen, den Sitzungen und allem drumherum geschehe, sei zutiefst katholisch.

Im katholischen Glauben seien auch die Feier und die anschließende Fastenzeit eng verbunden. „Das sind zwei Beine, auf denen man läuft: Beten und Feiern schließen sich nicht aus“, sagt er lachend. „Ich sage immer mit einem Augenzwinkern: Die Katholiken haben es drauf, selbst in der Fastenzeit noch den ein oder anderen Feiertag einzubauen.“

Karneval in der Region

Duderstadt

Eine Faschingsfeier richten die Jüngere Frauengruppe Gerblingerode und die Old Stars am Freitag, 1. März, aus. Beginn ist um 19.11 Uhr in der Mehrzweckhalle, Gerblingeröder Straße 45.

Ein Programm mit Musik und Tanz erwartet die Gäste der Faschingsfeier der Lebenshilfe Eichsfeld in Duderstadt, Kutschenberg 4, am Sonnabend, 2. März. Beginn ist um 15 Uhr.

Eine Kinderfaschingsfeier mit Spielen, Musik und lustigen Attraktionen für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren organisiert das Duderstädter Kinder- und Jugendbüro für Sonnabend, 2. März. Die dreistündige Veranstaltung im JuFi, Schützenring 6, beginnt um 15 Uhr.

Der Karnevalsumzug des Westeröder Carnevals Clubs durch Westerode ist am Sonntag, 3. März. Beginn ist um 14.11 Uhr.

Der Karnevalsumzug des Desingeröder Carnevalsclubs ist für Sonntag, 3. März, geplant. Start ist um 13 Uhr an der Desingeröder Straße.

Der Karnevalsumzug mit anschließendem Rathaussturm des Westeröder Carneval Clubs (WCC) startet am Montag, 4. März, am Bahnhof in Duderstadt. Um 15 Uhr beginnt in der Mehrzweckhalle Westerode der Kinderkarneval.

Kinderelferrat, Garden, Tanz, Sketche und Spiel stehen auf dem Programm beim Kinderkarneval des Hilkeröder Karnevals Vereins am Montag, 4. März. Beginn im Prinz im Holztal, Im Holztal 6 in Hilkerode, ist um 15 Uhr. Zum Katerfrühstück mit Narrengericht und Narrentaufe treffen sich Karnevalsgänger am Dienstag, 5. März. Beginn im Prinz ist um 10 Uhr.

Die Kolpingsfamilie Duderstadt lässt am Dienstag, 5. März, den Fasching mit einem Beisammensein im Pfarrheim St. Cyriakus, Bei der Oberkirche, ausklingen. Beginn ist um 17 Uhr, Anmeldung bis 2. März unter Telefon 0 55 27 / 53 25 oder 0 55 27 /  94 31 48.

Zur Faschingsfeier im Pfarrheim St. Cyriakus trifft sich die Seniorenturngruppe am Dienstag, 5. März. Beginn ist um 9.45 Uhr, Speisen und Getränke sind mitzubringen.  

Gieboldehausen:

Kinderfasching feiert die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg Stamm St. Laurentius Gieboldehausen am Sonnabend, 2. März. Beginn ist um 14.30 Uhr im Pfarrheim, Mittelstraße 1.

Karneval feiert der Rüdershäuser Carneval Club von Sonnabend bis Montag, 2. bis 4. März, in der Mehrzweckhalle. Auf dem Programm stehen die Faschingsparty am Sonnabend ab 20 Uhr, Kinderkarneval am Sonntag ab 14 Uhr und der Rosenmontagsumzug am Montag ab 10.30 Uhr, der an der Mehrzweckhalle startet.

Der Carneval Club Wollershausen feiert am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. März, Karneval im Dorfgemeinschaftshaus. Auf dem Programm stehen am Sonnabend der Kinderkarneval um 14 Uhr und der Karnevalsball um 20 Uhr, am Sonntag der Karnevalsumzug ab 11.30 Uhr mit anschießendem Mettwurstessen.  

Radolfshausen: 

Der ökumenische Karnevalsgottesdienst für Kinder wird am Sonntag, 3. März, in der Kirche St. Peter und Paul in Bernshausen gefeiert. Beginn ist um 11.45 Uhr.  

Kinderfasching feiert die Kolpingsfamilie Seulingen gemeinsam mit dem Förderverein VergissMeinNicht am Sonntag, 3. März. Beginn ist um 14.30 Uhr im Bürgerhaus.  

Rosenmontag feiern die KFD und die Faschingsfrauen in Seulingen am Montag, 4. März, im Pfarrheim. Die Feier beginnt um 18.59 Uhr, Karten sind bei der Bäckerei Habenicht erhältlich.

 Dransfeld

Karneval wird am Sonnabend, 2. März, im Dorfgemeinschaftshaus in Ellershausen gefeiert. Beginn ist um 20 Uhr, Karten unter Telefon 01 70 / 2 73 26 96.

Kinderkarneval feiert der TSV Jühnde 1920 am Sonntag, 3. März, in der Friedrich-Spielmann-Halle. Beginn ist um 15 Uhr.  

Eine Faschingsfeier zusammen mit dem örtlichen Kindergarten richtet der Seniorenkreis in Bühren am Dienstag, 5. März, aus. Das Treffen beginnt um 14.30 Uhr im Lokal „Zum Weißen Ross“, Unterdorfstraße.  

 Harste:

Ein Kinderkarneval wird am Rosenmontag, 4. März, in der Sporthalle, Am Gladeberg 5 in Hardegsen, gefeiert. Die zweistündige Veranstaltung beginnt um 15 Uhr, Besucher sollen Turnschuhe mitbringen.

 Bovenden:

Karneval unter dem Motto „Wasserwelten“ feiern die Göttinger Werkstätten am Freitag, 1. März, im Bürgerhaus in Bovenden, Rathausplatz 3. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Von Lea Lang

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