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Thema des Tages Blumiges und Deftiges aus südniedersächsischem Boden
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00:19 15.06.2018
Soumela Alrutz: „Melis Blütensalz“ ist kulinarischer Botschafter. Quelle: Christina Hinzmann
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Groß Ellershausen/Seulingen

Am Dienstag sind in Hannover wieder 53 „Kulinarische Botschafter Niedersachsens” ausgezeichnet worden. Darunter auch einige aus Südniedersachsen. Erstmals wurden unter anderem die Familie Freckmann aus Seulingen mit ihrem Kartoffelsalat, Soumela Alrutz für „Melis Blütensalz” und die Nörten-Hardenberg-Wilthen-AG für Von Hallers Gin ausgezeichnet. Zudem wurden einige „Botschafter” erneut ernannt.

In der Produktionswerkstatt von Soumela Alrutz in Groß Ellershausen duftet es wie einer Parfümerie. Oder wie in einem Blumenladen. Zurzeit haben gerade die Taglilien und Rosen Saison, die die Göttingerin in ihrem Garten und auf einem benachbarten Feld kultiviert. Rosarote Blüten der Apothekerrose und der „de-Resht-Rose” legt Alrutz in die Trockner. Dort wird ihnen bei 40 Grad das Wasser entzogen – aber nicht das Aroma. Die de-Resht-Rose verbreitet einen Duft, der an Intensität kaum zu überbieten ist. Diese Sorte verwendet Alrutz gerne für Essig oder Marmeladen. Die Apothekerrose sei vor allem für ein Blütensalz geeignet, so die Fachfrau.

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Kisten über Kisten stapeln sich im Vorratsschrank der Unternehmerin, unzählige Sorten duftender Blumen. Manche sind bereits aus dem Jahr 2018, andere, späte Sorten noch aus 2017. Von der Aussaat über die Pflanzenpflege, die Ernte und die Verarbeitung: „Ich mach alles selbst”, sagt Alrutz.

Soumela Alrutz Blütensalz wird kulinarischer Botschafter. Quelle: Christina Hinzmann

Die Taglilien, die für einen süßlichen Geschmack sorgen, warten - frisch gepflückt – noch in zwei Eimern auf ihre Verarbeitung. Vor allem Blütensalze stellt Alrutz her. Aber auch Essige, Tees und frische, essbare Blüten bietet sie an. Als „kulinarischer Botschafter” ausgezeichnet wurde ihr Monarden-Salz. Die Monarda, so erklärt sie, stammen eigentlich aus Amerika. Die violetten Blüten habe ein intensives, würziges Aroma, und strahlen einen ähnlichen Duft wie Thymian aus. „Dieses Salz schmeckt zu allem”, sagt die gebürtige Griechin – ob auf Pellkartoffeln oder dem Tomatenbrot. Nicht nur die Blüten stammen aus Göttingen, auch das Salz. Als Basis verwendet sie Produkte der Groner Saline Luisenhall. Ob Malve, Kornblume, Nelke oder Cosmea: „Ich habe noch viele Ideen für die Verarbeitung”, sagt Alrutz. Die Idee, sich als kulinarischen Botschafter zu bewerben, die hatte allerdings eine Freundin, sie dafür angemeldet hat.

Kartoffeln aus der Seulinger Scholle

Auch im Betrieb von Anja Freckmann wird ein Produkt vom heimischen Acker von Hand verarbeitet: Kartoffeln aus der Seulinger Scholle. Die baut sie mit ihren Mann Robert Krebs nicht nur an, sie verarbeitet sie auch weiter. Zum einen als geschälte Ware für Klinik-Küchen und Kantinen, zum anderen aber auch als Kartoffelsalate. Einige hundert Kilo verarbeitet der Kartoffelhof Freckmann pro Woche. Vier verschiedene Salat sind im Angebot, der niedersächsische Klassiker – mit Mayonnaise – wird nun auch in den Rang eines kulinarischen Botschafters erhoben. In die Entwicklung ihrer Rezepte habe sie „ganz viel Liebe” gesteckt, sagt Freckmann. Die 38-jährige Eichsfelderin teilt sich mit ihrem Bruder den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern. Sie hat die Kartoffelsparte übernommen, der Bruder die Fleischerei.

Hausgemachter Kartoffelsalat vom Kartoffelhof Freckmann wird verkostet von (v.l.) Stefanie Marschall, Anja Freckmann und Ulla Dejnecka. Quelle: Christina Hinzmann

Vier Kartoffelsalate, einen mit Essig und Öl, einen mediterranen, einen für Sportler mit Gemüse und Joghurt sowie den Klassiker stellt Freckmann her. Die Bewerbung, so erzählt die Seulingerin, hatte ihre Mutter vorgeschlagen. „Ich habe das Thema erst mal liegen lassen”, erzählt sie. Kurz vor Bewerbungsschluss im März habe sie sich dann doch beworben. „Ich freue mich jetzt sehr, dass wir dabei sind”, sagt sie.

Nicht nur kleine Betriebe wie der Kartoffelhof Freckmann und Melis Blütensalz zählen zu den landesweiten Preisträgern, auch die Hardenberg-Wilthen-AG ist in diesem Jahr erstmals dabei – mit ihrem Göttinger Gin „Von Haller”. Das Besondere daran: Die Spirituose aus Nörten-Hardenberg wird mit Kräutern aus dem Botanischen Garten in Göttingen aromatisiert.

„Hand Picked“ – „Handgepflückt“ ist die Seele des Produkts, das den Namen eines berühmten Göttingers trägt. „Von Hallers Gin“ verweist auf den Wissenschaftler Albrecht von Haller, der 1736 den Botanischen Garten in Göttingen gründete. Dort wachsen die für die Destillation des Gins verwendeten Kräuter und Pflanzen. Zitronenverbene sorgt für eine Citrus-Note, die nach Haller benannte Baumfuchsie „Halleria lucida“ und die Wasserpflanze Kalmus sind weitere der zehn Kräuter, die dem Gin Geschmack verleihen.

Von Hallers Gin Quelle: Swen Pförtner

53 Hersteller ausgezeichnet

Zum neunten Mal zeichnete der niedersächsische Ministerpräsident herausragende Lebensmittel von Herstellern aus dem ganzen Land aus. 53 Lebensmittelhersteller erhielten am Dienstag aus der Hand von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Urkunden für ein Erzeugnis oder mehrere ihrer Produkte. Diese dürfen ab sofort das Label „Kulinarischer Botschafter Niedersachsen 2018“ tragen. „Die Auszeichnung steht für die herausragende Vielfalt regionaltypischer Spezialitäten und für Genuss aus unserem Land“, sagte Weil vor gut 250 Gästen in Hannover.

Alle Kulinarischen Botschafter sind Lebensmittel, die von einer Jury in Geschmack, Aussehen, Geruch und Haptik deutlich überdurchschnittlich in der jeweiligen Produktkategorie bewertet wurden. Sie dürfen keine schönenden oder verbilligenden Zusatzstoffe, Hilfs-. oder Füllstoffe enthalten. Die Inhaltsstoffe sollten, so weit möglich, aus Niedersachsen stammen und die Produkte müssen in Niedersachsen hergestellt werden.

19 Preisträger aus Südniedersachen

Linzer Tarte, Mandelfein und Mandelinchen der Göttinger Backmanufaktur „Aufgetischt”. Das Eheepaar Mattlin war bereits in den Vorjahren für ihr Mandelgebäck ausgezeichnet worden.

Die Löwenkruste der Bäckerei Braun aus Langelsheim im Landkreis Goslar

Der Boskoop-, und Holsteiner Cox- naturtrüber Apfelsaft der Firma beckers Bester in Nörten-Hardenberg. Auch diese Firma zählte bereits zu den Preisträgern.

Von Hallers Gin der Hardenberg-Wilthen AG in Nörten-Hardenberg

Schierker Feuerstein Likör aus Bad Lauterberg im Landkreis Göttingen

Schwiegershäuser Streuobst Apfelsaft vom Interessensverein Streuobst in Osterode

Harzer Eierkranz der Bäckerei Brieske in Seesen im Landkreis Goslar

Monardensalz von Melis Blütensalz aus Göttingen

Harzer Schmorwurst der Fleischerei Lambertz aus Zorge im Landkreis Göttingen

Freckmanns Pellkartoffelsalat vom Kartoffelhof Freckmann in Seulingen

Leinöl von der Ölmühle Solling in Boffzen

Ingwer Curry der Firma Mühlenfeld in Holzminden

Weserbergland Rapsöl von der Ölmühle Ottensteiner Hochmühle im Landkreis Holzminden

Henrys Echter und der Küchenmeister-Senf von der erneut ausgezeichneten Einbecker Senfmühle

Bio-Rotwild-Burger vom Gut Voldagsen in Einbeck

„Wir wollen Lebensmittel auszeichnen, die im besten Sinne regionale Botschafter für die niedersächsische Lebensmittelwirtschaft sind“, sagte Christian Schmidt, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft, die den Wettbewerb seit 2010 jährlich ausschreibt. „Es sieht so aus, als gebe es davon in Niedersachsen noch eine große Zahl“, so Schmidt. Jedes Jahr sei die unabhängige Fachjury begeistert von der Vielfalt und Qualität der Botschafter-Kandidaten.

Insgesamt vergab Weil die Auszeichnung an 67 verschiedene Produkte, vom „Altländer Apfelketchup“ bis zum Osnabrücker „Springbrot“. Beworben hatten sich in diesem Jahr insgesamt 95 niedersächsische Unternehmen mit 170 verschiedenen Produkten. Zu den Preisträgern zählen 19 Produkte aus Südniedersachsen.

Von Britta Bielefeld

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