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Thema des Tages Landwirte mit Einbußen bei der Ernte
Thema Specials Thema des Tages Landwirte mit Einbußen bei der Ernte
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00:19 31.08.2017
Landwirte beklagen unterdurchschnittliche Ernte. Quelle: dpa
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Göttingen, Holtensen

Beim Raps habe es durch die starken Regenfälle, insgesamt seien es im Juli rund 300 Liter pro Quadratmeter gewesen, jetzt einen Ernteverzug von bis zu vier Wochen gegeben. Doch außer der Verspätung sei auch die Qualität, insbesondere beim Weizen überraschend gewesen. „Wir haben von Anfang an Probleme mit dem Eiweißgehalt gehabt“, sagt Kellner. Anhand der Proteine werde bestimmt, ob es sich beim Weizen um Qualitäts-, Back oder Futterweizen handele. Davon abhängig sei auch welchen Preis der Landwirt für seinen Weizen erhalte. Der meiste Weizen sei diesmal nur als Futterweizen verwendbar.

Für Kellner liegt die Ursache hierfür aber weniger in der Nässe, als in den späten Frösten des Frühjahres sowie der langen Trockenphase. „Vermutlich ist dadurch irgend ein Gen im Getreide in Mitleidenschaft gezogen worden“, so Kellner. Doch zum Glück gebe es viehstarke Regionen, die den Weizen abnehmen würden. Dennoch sei die verminderte Qualität für den jeweiligen Landwirt mit einer Einnahmeeinbuße verbunden, weil der Futterweizen billiger gehandelt werde als Qualitäts- oder Backweizen. Nach Aussage des Geschäftsführers des Kreisbauernverbandes Achim Hübner sei der Ertrag im Landkreis um etwa zehn bis 15 Prozent gemindert.

Die Fröste hatten zudem aber auch einen Einfluss auf Raps und Gerste, denn diese hätten sich zur Zeit der Eisheiligen (11. bis 15. Mai) genau in der Blüte befunden und seien zum Teil erfroren. „Damit wurde da ein Grundstock für die nicht so gute Ernte gelegt“, erklärt der Kreislandwirt. Diesen Eindruck kann Hübner bestätigen. Zudem fügt er noch einen weiteren Aspekt an, denn durch die Kälte hätten auch die Bienen gefehlt, weshalb es nur eine geringe Bestäubung gegeben habe. Dies habe dazu geführt, dass der Gesamtertrag aus dem Raps um etwa ein Drittel niedriger als im Vorjahr sei.

Extreme bleiben in Erinnerung

Aus Sicht von Kellner sei das Wetter dieses Jahr besonders ernteunfreundlich gewesen, denn nach der Trockenheit sei genau in den Erntemonaten die Feuchtigkeit gekommen. Doch habe es bereits häufiger in diesen Monaten die meisten Niederschläge gegeben. „Allerdings bleiben uns die Extreme besser in Erinnerung“, sagt er. Zufrieden ist er hingegen mit der Ertrag der Gerste, denn diese konnte schon Anfang Juli gedroschen werden.

„Als Landwirte sind wir dies aber gewohnt, denn wir mussten und müssen auch weiterhin mit dem Wetter zurechtkommen“, erklärt er. Seiner Meinung nach müsse aber die Politik stärker auf die Naturereignisse eingehen. „Und auch die Verbraucher müssen wieder näher an das Produkt herangeführt werden“, sagt Kellner. Laut Hübner sei beim Ertrag der Gerste vor allem der Standort ein Faktor gewesen, der über die Ertragshöhe entschieden habe. Denn während im Leinetal die Bauern übliche Mengen ernten konnten, so seien diese im Bereich Dransfeld um bis zu 20 Prozent gemindert gewesen.

Fruchtfolge muss beachtet werden

Hübner verweist zudem darauf, dass durch die übermäßigen Regenfälle die Ernte auch technisch schwieriger gewesen sei. „Denn die Äcker waren zum Teil unbefahrbar, so dass Mähdrescher sich festgefahren haben und wieder befreit werden mussten“, berichtet Hübner. Außerdem habe die Nässe neben der schlechteren Qualität noch einen weiteren Nachteil für den Landwirt. Denn da das Getreide nur einen bestimmten Wert an Restfeuchtigkeit besitzen darf, wenn der Landwirt es abgibt, entstehen in diesem Bereich Trocknungskosten.

Einig sind sich Hübner und Kellner, dass die Landwirte nur wenig machen können, um Verlusten durch extreme Witterungsverhältnisse entgegenzusteuern. „Wir sind durch die Fruchtfolge, die es einzuhalten gilt, einer gewissen Restriktion unterworfen, so dass es nur die Möglichkeit innerhalb dieser den optimalen Mix zu finden“, so Hübner. Doch könne dieser auch nicht für alle vereinheitlicht werden, da er vom Standort und den damit verbundenen Bodenqualitäten abhänge. Allerdings hoffen die Landwirte, dass das Wetter im kommenden Jahr nicht wieder so viele Extreme bereit halte.

Während die Getreideernte aufgrund des Regens geringer ausfiel, ist Landwirtin Dörte Wentrot aus Gelliehausen mit dem Ertrag des Grünschnitts als Futter für die rund 200 Kühe des Betriebes zufrieden. „Durch den Regen ist das Gras immer gut gewachsen. Und wir haben zum Glück auch genügend trockene Tage am Stück gehabt, um die Grassilage einzufahren“, erklärt Wentrot. Dennoch hofft sie jetzt auf noch weitere warme Tage, damit auch die Maissilage in etwa sechs Wochen erfolgreich gehäckselt werden kann. „Doch damit der Mais Stärke bilden kann, braucht er unbedingt noch Sonne“, sagt sie.

Auf eine gute Mais- und Rübenernte hoffen Hübner und Kellner, damit das Erntejahr 2017 doch noch einigermaßen gut für die Landwirte der Region verlaufe.

Erdbeersaison war speziell

„Die Erdbeersaison dieses Jahr war speziell“, ist das Fazit von Kay Mecke, der gemeinsam mit seiner Frau Mareike eine Erdbeerplantage bei Holtensen bewirtschaftet. Zwei Faktoren hätten aus seiner Sicht in die Erntebilanz mit hinein gespielt.

„Zunächst hatten wir im Frühjahr deutlich zu wenig Niederschlag, so dass wir die Erdbeerpflanzen zusätzlich beregnen mussten“, erklärt er. Dies sei notwendig gewesen, damit die Erdbeeren überhaupt wachsen konnten. Zudem habe es noch genau zur Blütezeit im April und Mai eine längere Frostperiode gegeben, die dazu geführt habe, dass die Blüten der früheren Sorten größtenteils erfroren seien. Dadurch habe es entweder keine oder nur deformierte Früchte gegeben. „Bei den früheren Sorten kann man durchaus von einem Totalausfall sprechen“, so Mecke. Dies sei besonders ärgerlich gewesen, da gerade die ersten Erdbeeren bei den Kunden begehrt seien. Doch durch den Ausfall, von dem auch seine Kollegen betroffen gewesen wären, habe die Ernte erst eine Woche später beginnen können. Durch den Ertrag der mittleren und späteren Sorten sei er aber mit dem Saisonverlauf noch zufrieden. „Auf alle Sorten gesehen liegt der Ausfall auf unseren Feldern zwischen 20 und 30 Prozent“, berichtet Mecke.

Für Mecke, der neben Erdbeeren auch Getreide anbaut, sind die roten Früchte etwas Besonderes, denn anders als Getreide habe er hier als Landwirt einen direkten Kontakt zum Kunden. „Die Menschen, die zu uns kommen, um Erdbeeren zu pflücken oder zu kaufen, lassen sich gern etwas erklären“, so Mecke.

Die Veränderungen beim Wetter in den vergangenen Jahren würden die Landwirte, die der Witterung ausgesetzt seien, merken. „Dieses Jahr war vor allem die Verteilung der Niederschläge unnormal“, sagt Mecke. Doch gebe es nur wenig Möglichkeiten, um die Pflanzen davor zu schützen. „Es ist und bleibt Natur. Und für mich steht eine gesunde Pflanze und nicht unbedingt der Ertrag im Mittelpunkt“, sagt er. Lediglich gegen den Spätfrost könnten die Pflanzen durch ein Vlies geschützt werden, allerdings helfe dies nur gegen leichte Minustemperaturen. Doch sei dies auf seinen Plantagen nicht vorgesehen. Aus seiner Sicht wäre eine Möglichkeit, Ernteausfälle zu verhindern, die Züchtung neuer Pflanzen, die mit der veränderten Witterung besser zurechtkommen. „So lange es diese aber noch nicht gibt, müssen wir aus der jeweiligen Situation das Beste machen“, blickt Mecke optimistisch auf das nächste Erdbeerjahr.

Keine Einbußen beim Gemüse

Göttingen/Westerode. Für Thomas Diedrich vom Gemüse-Garten-Diedrich in Westerode ist 2017 trotz seiner Wetterkapriolen ein gutes Jahr für sein Gemüse. Denn der Wetterwechsel würde diesem zugutekommen.

„Zwar verlief das Jahr derzeit wettertechnisch recht inhomogen, wir sind aber mit unserer Ernte zufrieden“, erklärt Diedrich. Zwar sei während der Tage, an denen der Starkregen herrschte, eine mehrtägige Erntepause notwendig gewesen, doch habe dies keinen Einfluss auf die Qualität gehabt. „Für Zwiebelgewächse ist unsere Witterung allerdings weniger geeignet“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Doch für Kohl, Blattsalat und Wurzelgewächse sei es ideal gewesen.

Die von Diedrich gemachten Erfahrungen kann auch Bio-Bauer Michael Boyer aus Göttingen bestätigen. „Obwohl wir ein trockenes Frühjahr und einen übermäßig nassen Sommer hatten, gab es beim Gemüse, im Vergleich zu den Vorjahren, keine Ernteeinbußen“, berichtet Boyer. Allerdings gebe es beim Gemüse auch standardmäßig immer eine Bewässerung. „Dies ist für die Pflanzen gut, denn so können sich in ihr gut die Nährstoffe bilden“, sagt Boyer. Denn für ihn zähle vor allem, dass eine Pflanze sich gesund entwickeln könne: „Wenn uns das gelingt, dann bin ich zufrieden.“

Doch auch, wenn die bisherige Gemüseernte nicht unter dem Einfluss des Wetters gelitten habe, sehe dies bei den Kartoffeln anders aus. Denn hier habe etwa ein Drittel der Ernte zwei Wochen lang unter Wasser gestanden und faule daher jetzt. „Dies stellt bereits vor der eigentlichen Ernte bei uns einen Ausfall dar“, so Boyer. Allerdings betont er, dass dies bei Landwirten etwas sei, mit dem sie rechnen müssen, denn schließlich seien sie dem Wetter ausgesetzt. „Es gibt kaum Möglichkeit sich vor witterungsbedingten Ausfällen zu schützen, denn diese hängen damit zusammen, dass wir in der Natur arbeiten“, so Boyer. Dennoch hoffe er, dass es bei den noch nicht gefaulten Kartoffeln zu keinen weiteren Ausfällen mehr kommt.

Von Vera Wölk

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