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Thema des Tages Am billigsten in Nachkriegsbauten
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00:20 25.11.2017
Die Mieten und Immobilienpreise im Kreis Göttingen steigen seit Jahren deutlich an. Quelle: dpa
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Göttingen

Zuletzt hatte das Geographische Institut der Universität Göttingen ermittelt, dass in den einzelnen Stadtteilen die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um bis zu 40 Prozent gestiegen sind. Allein von 2016 bis 2017 stiegen die Mieten in Göttingen um knapp vier Prozent.

Nach der jüngsten Erhebung lag der durchschnittliche Angebotsmietpreis im Sommer des Jahres 2017 bei 9,98 Euro pro Quadratmeter (Netto-Kaltmiete). Erst kürzlich hatte die Immobilien-Plattform immowelt.de den Mietanstieg in Göttingen auf nur ein Prozent beziffert. Seine Studie, erklärte Michael Mießner, Untersuchungsleiter des Geographischen Instituts, komme jedoch zu deutlich höheren Zahlen.

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Am höchsten sind die Mieten derzeit in der Nordstadt. Dort gibt es viele kleinere Wohnungen, für die pro Quadratmeter deutlich mehr bezahlt werden muss. Das spiegelt sich auch in den Statistiken des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Northeim für die Stadt Göttingen wider: Kleinere Wohnungen kosten pro Quadratmeter 20 bis 30 Cent mehr als große Wohnungen.

Die höchsten Mietsteigerungen gab es in diesem Jahr in Grone mit 8,5 Prozent (Erhebungszeitraum Juni/Juli 2016 und 2017). Dort waren die Mieten in früheren Jahren vergleichsweise niedrig. Auch in der Südstadt zogen die Mieten überdurchschnittlich an: immerhin um sieben Prozent.

In Göttingen am billigsten lässt sich in Wohnungen der Baujahre 1946 bis 1980 in einfacher Wohnlage Wohnen. Laut Gutachterausschuss kostet dort der Quadratmeter je nach Wohnungsgröße zwischen sechs und 6,30 Euro. Am teuersten sind neue, ab 1996 gebaute Wohnungen: Hier müssen zwischen 10,30 und 10,50 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden.

Untersuchungsleiter Mießner benennt ein grundsätzliches Göttinger Problem: Vermieter und Investoren nutzen offensichtlich die Wohneigenschaften der Studenten aus, um hohe Mietpreissteigerungen durchzusetzen. Außerdem wird das günstige Mietpreissegment immer knapper. So sank der Anteil der Wohnungsangebote mit einer Nettokaltmiete von maximal 7,49 Euro pro Quadratmeter von etwa 43 Prozent im Jahr 2013 auf etwa 13 Prozent im laufenden Jahr. Mießner: „Bezahlbarer, insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen erschwinglicher Wohnraum wird in der Stadt Göttingen sehr knapp. Hier gilt es dringend, Abhilfe zu schaffen.“

Bündnis sucht teuerste Studentenbude in Göttingen

In der Uni-Stadt Göttingen beklagen vor allem Studenten zu hohe Mieten für Zimmer und Wohnungen. Jetzt sucht ein „Bündnis Wohnheime gegen Mieterhöhungen“ den höchsten Mietpreis, den Göttinger Studenten zahlen. Am Donnerstag, 23. November, können sie ab 12 Uhr im Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes am Platz der Göttinger 7 ihre Mietsätze angeben. Dort will das Bündnis nach eigenen Angaben exemplarisch ein durchschnittliches Zimmer für Studenten in einem Wohnheim aufbauen.

„Gerade zu Beginn des Wintersemesters wird die Wohnungsnot in Göttingen besonders deutlich“, kommentierte ein Sprecher des Bündnisses die Aktion. Viele Studienanfänger müssten ihre ersten tage oder Wochen in Notunterkünften verbringen. Es mangele an bezahlbarem studentischen Wohnraum.

Landkreis passt Mieterstattungen an

Der Landkreis Göttingen selbst hat auf die Entwicklung der Mietpreise bereits reagiert. Zum 1. September hat er die „angemessenen Unterkunftskosten“ erhöht. Dahinter verbergen sich Höchstmieten, die Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch vom Jobcenter und anderen Behörden erstattet bekommen. Ein Gutachterbüro hatte vor allem für die Stadt Göttingen deutlich höhere angemessene Unterkunftskosten vorgeschlagen: Eine 50-Quadratmeter-Wohnung darf gemäß der neuen Sätze 452 Euro statt bisher 392 Euro kalt kosten. In den Umlandgemeinden sind die Steigerungen geringer: In Hann. Münden und Staufenberg zum Beispiel darf eine 50-Quadrameter-Wohnung 313 statt bisher 300 Euro kosten. Die Gutachter hatten zudem eine „recht seltene“ Konstellation festgestellt: Die mittlerweile sehr teure Uni-Stadt habe ein „sehr günstiges“ Umland.

5,44 Euro in Hann.Münden

Hann.Münden. Das Onlineportal immowelt.de gibt für Hann.Münden Mietpreise von bis zu 7,20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an. Dieser Mietpreis aus dem Oktober 2017 gilt für Wohnungen bis 40 Quadratmeter. Größere Wohnungen kosten zwischen 4,99 und 5,45 Euro, im Schnitt sind das 5,44 Euro. Das Katasteramt Göttingen, Regionaldirektion Northeim, hat in seinem Grundstücksmarktbericht 2017 eine Mietübersicht veröffentlicht. Die Werte dort gelten ebenso für Duderstadt, Ebergötzen, Gieboldehausen, Gimte, Hedemünden, Landwehrhagen und in Orten im Zehn-Kilometer-Umkreis von Göttingen. Demnach liegen die Mieten dort zwischen 4,40 und 5,50 Euro. Am günstigsten sind große Wohnungen in Häusern, die vor 1945 errichtet wurden. Am teuersten sind neue, kleine Wohnungen. Die Daten basieren auf Angaben aus dem Jahr 2016. bib

5,34 Euro in Northeim

Northeim. In Northeim liegen die Mieten zwischen 8,63 und 3,72 Euro. Das sind die Angaben des Portals Immowelt.de aus dem Oktober 2017. Im Durchschnitt sind das 5,34 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in einer Mietwohnung. Auch dort gilt, am günstigsten pro Quadratmeter sind große Wohnungen mit einer Fläche von mehr als 120 Quadratmetern (3,72), kleine, bis 40 Quadratmeter, kosten 8,63 Euro im Schnitt. Das Katasteramt Göttingen/Northeim kommt zu günstigeren Werten (basierend auf Mieten im Jahr 2016). Demnach werden in den Städten Northeim, Einbeck und Bad Gandersheim maximal 5,90 Euro für kleine Wohnungen mit “guter” Ausstattung aufgerufen. In den Dörfern gibt es demnach große Wohnungen mit “einfacher” Ausstattung bereits ab einem Quadratmeterpreis von 2,70 Euro.

4,69 Euro in Osterode

Am günstigsten liegen die Mieten der Region Südniedersachsen im Bereich Osterode. Dort hat das Portal immowelt.de eine Durchschnittsmiete von 4,69 Euro ermittelt (Stand Oktober 2017). Mit Werten von 3,66 Euro pro Quadratmeter Mietpreis bei einer großen Wohnung über 120 Quadratmeter Fläche liegen die Preise deutlich unter denen in den anderen Städten. Für kleinere Wohnungen bis 40 Quadratmeter müssen demnach in Osterode 5,39 Euro ausgegeben werden. Das Katasteramt Göttingen/Northeim gibt in seinen Mietpreistabellen für die Städte Osterode, Bad Lauterberg und Herzberg Mindest-Mietpreise von 4 Euro pro Quadratmeter an, in Orten wie Bad Grund und Bad Sachsa sind es 3,60 Euro pro Quadratmeter für große und alte Wohnungen. Die Höchstmieten für kleine und neue Wohnungen in Osterode liegen demnach bei 5,60 Euro.

5,35 Euro in Duderstadt

Die Mieten in Duderstadt liegen laut dem Portal immowelt.de im Durchschnitt bei 5,35 Euro. Bei den Daten aus dem Oktober 2017 variieren die Mieten von 5,45 Euro für kleinere Wohnungen bis 5,25 Euro bei größeren. Das Katasteramt Göttingen, Regionaldirektion Northeim, hat in seinem Grundstücksmarktbericht 2017 eine Mietübersicht veröffentlicht. Demnach werden in Duderstadt Mieten zwischen 4,40 und 5,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verlangt. Am günstigsten sind große Wohnungen in Häusern, die vor 1945 errichtet wurden. Am teuersten sind neue, kleine Wohnungen. Die Daten basieren auf Angaben aus dem Jahr 2016. Allerdings gehe in dieser Statistik auch die Angaben aus Hann.Münden, Ebergötzen, Gieboldehausen, Gimte, Hedemünden, Landwehrhagen und in Orten im Zehn-Kilometer-Umkreis von Göttingen ein.

Von Matthias Heinzel