Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Warum winzige Mitbringsel von der ersten Mondlandung in Göttingen landeten
Thema Specials Thema des Tages Warum winzige Mitbringsel von der ersten Mondlandung in Göttingen landeten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:14 10.09.2019
Ein damaliges High-Tech-Produkt, das spezifische Messungen mit höchster Präzision ermöglichte: Mit dem Wägesystem „Gravimat“ wurden vor 50 Jahren bei Sartorius in Göttingen Proben von der ersten Mondlandung untersucht.  Quelle: sartorius
Anzeige
Göttingen

Vor genau 50 Jahren, im September 1969, erhalten deutsche Wissenschaftler Proben eines äußerst raren Materials. Das Material ist sehr kostbar, nur knapp 22 Kilogramm gibt es davon auf der Erde. Für die Forscher, die damit arbeiten dürfen, ist es völliges Neuland – und zwar im Sinne des Wortes: Das Probenmaterial befindet sich erst seit wenigen Wochen auf unserem Planeten. Im Juli 1969 haben Neil Armstrong und Edwin Aldrin bei ihrer spektakulären Mondlandung diverse Gesteins- und Staubproben vom Erdtrabanten eingesammelt. Ein winziger Teil dieser Mitbringsel vom Mond landet bei der Firma Sartorius in Göttingen. Grund: Das Unternehmen hat ein Wägesystem entwickelt, das spezifische Messungen mit höchster Präzision ermöglicht.

Die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA überließ damals nur weltweit führenden Instituten Proben von der ersten Mondlandung. Die in das Forschungsprogramm eingebundenen Wissenschaftler untersuchten das Material mit unterschiedlichsten Methoden, um unter anderem neue Erkenntnisse über die mineralische Zusammensetzung und Geomorphologie der Mondoberfläche zu gewinnen. „Leider gibt es bei uns kein Protokoll darüber“, sagt Marcel Stierand, Unternehmensarchivar bei Sartorius. Die einzige Aufzeichnung, die man bislang dazu gefunden habe, sei eine Notiz im Jahresband 1969 des Chefsekretariats.

ISS mit Technik aus Göttingen

Sartorius-Technologie auf der Internationalen Raumstation ISS

Nicht nur bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der ersten Mondlandung war Technologie von Sartorius im Einsatz. Auch die Internationale Raumstation ISS hat ein Analyseinstrument von Sartorius an Bord: Die NASA setzt dort für Forschungsprojekte den Luftkeimsammler „Airport MD8“ ein. Das akkubetriebene Gerät sammelt und analysiert Keime und Allergene, mit denen die ISS-Crew in Kontakt kommt. Die mikrobiologischen Untersuchungen sollen Aufschluss über potenzielle gesundheitliche Risiken geben, die der Aufenthalt im All mit sich bringen könnte.

Aus der Notiz geht hervor, dass in Göttingen einige Partikel Mondstaub untersucht wurden. Die Probe wog gerade mal 20,2 Milligramm (ein Milligramm ist ein tausendstel Gramm). Sie stammte leihweise aus dem Institut für Kernchemie in Köln. Das Kölner Institut war eine der wenigen deutschen Forschungseinrichtungen, die Mondproben von der NASA erhalten hatten. „Die Sartorius Vertretung im Rheinland hatte offensichtlich gute Kontakte zu dem Kölner Institut“, erzählt Stierand. Denn über diese „Schiene“ kam es zu dem Partikel-Transfer nach Göttingen. Sartorius war in Forscherkreisen als international führender Wägetechnik-Hersteller bekannt, viele wissenschaftliche Einrichtungen waren mit Laborwaagen von Sartorius ausgestattet.

Lesen Sie auch

Wie lief die Mondlandung vor 50 Jahren ab?

50 Jahre Mondlandung: War alles nur ein Fake?

Was wir heute über den Mond wissen – und was noch nicht

Akkuschrauber, iPhone, Zukunft: Was verdanken wir der Raumfahrt?

Messungen mit hoher Genauigkeit

Die Untersuchungen wurden im anwendungstechnischen Labor mit dem Wägesystem Gravimat vorgenommen. Das damalige „High-Tech-Produkt“ ermöglichte Messungen von einer solch hohen Genauigkeit, wie sie nur in Göttingen erreichbar war. Ziel war es, die absolute Oberfläche des Mondstaubs zu bestimmen. Und was ist damals dabei herausgekommen? Die Notiz in dem Jahresband gibt darüber nur wenig Aufschluss: „Die sorgsam gehüteten kleinen Proben ergaben leider keine besondere Überraschung“, heißt es dort lapidar. „Da wir bislang keine weiteren Unterlagen zu dem Projekt gefunden haben, kennen wir das exakte Ergebnis nicht“, bedauert Stierand.

Möglicherweise könnte die Lücke aber irgendwann geschlossen werden: Über die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte ist der Archivar seit drei Jahren mit der Mammutaufgabe befasst, die in unzähligen Kisten verwahrten Dokumente aus der knapp 150-jährigen Unternehmensgeschichte von Sartorius zu sichten und ein systematisches Firmenarchiv aufzubauen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass beim Durchforsten der noch unerschlossenen Bestände auch Details über die damalige Mondstaub-Untersuchung ans Licht kommen.

Der Astronaut Buzz Aldrin geht auf der Mondoberfläche spazieren. Am 20. Juli 2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Quelle: NASA/AP

Marketingaktion

Ein „Mondbrief“ für die Kunden

Da die Mondlandung„das“ Ereignis des Jahres 1969 gewesen war, nutzte Sartorius die Gelegenheit zu einer besonderen Marketingaktion: „Besonders wichtige Kunden erhielten zu Weihnachten einen Mondbrief“, erzählt Unternehmensarchivar Marcel Stierand. Darin wurde auch erläutert, was es mit diesem Brief auf sich hat. Demnach hatten Neil Armstrong und Edwin Aldrin an Bord von Apollo 11 einen Brief abgestempelt, der mit einem Probedruck der Mondbriefmarke „frankiert“ war. „Von dem Druckstock, der in der Mondlandefähre auf dem Mond war, wurden nach Ablauf der Quarantäne die Druckplatten für die Marke hergestellt, die auf diesem Ersttagsbrief klebt und am Ausgabetag mit einem Ersttagsstempel abgestempelt wurde, der auch den Mondlandestempel enthält“, hieß es in dem Begleitschreiben. Während der eigentliche Mondbrief im amerikanischen Postmuseum bleibe, „halten Sie jetzt ein indirektes Mitbringsel vom Mond in Ihren Händen von einem einmaligen historischen Wert.“ Der „Mondbrief“ kam ausgesprochen gut an, erzählt Stierand. Sartorius habe zahlreiche Dankesbriefe von begeisterten Kunden erhalten.

Von Heidi Niemann

Radio-Sendungen, Lesungen, „Heute Show“ – jetzt hat sich Dietmar Wischmeyer ein Live-Hörspiel vorgenommen, das er mit Oliver Kalkofe inszeniert. Damit sind die „Arschkrampen“ wieder unterwegs.

07.09.2019

Sie haben viele Stunden zusätzlich trainiert und nehmen eine lange Anreise auf sich, um sich mit Teams aus der ganzen Welt zu messen: In Moskau tritt die Standardformation des Tanzsportteams Göttingen bei der Weltmeisterschaft an. Wie die Tänzer der WM entgegen sehen und was Trainer Markus Zimmermann im Interview sagt.

05.09.2019

Lassen sich Studium und Kinder in Göttingen unter einen Hut bringen? Welche Hilfen können Eltern in Anspruch nehmen? Wir haben bei einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern nachgefragt.

05.09.2019