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Thema des Tages Osterkränze im Landhaus-Stil
Thema Specials Thema des Tages Osterkränze im Landhaus-Stil
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21:52 27.03.2017
Von Katrin Westphal
Osterdeko für Haus und Garten: Die Gartenfreundinnen winden, wickeln und binden natürliche Kränze Quelle: Niklas Richter
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Ebergötzen

Österliches Dekorieren von Haus und Garten hat eine lange Tradition. Man nehme frisch geschnittene Birkenzweige, etwas Buchs und jede Menge Efeu. In den Osterkranz kann außerdem alles gebunden werden, was gefällt: Knorrige Äste und rötliche Zweige passen genauso hinein wie frisches Moos und getrocknete Gräser.

Siegrun Siemann leitet den Kurs „Osterfloristik“. Auf dem Luisenhof in Ebergötzen, den sie mit ihrem Mann Jörg bewirtschaftet, hat sie vor dem Eingang eine große Sammlung unterschiedlicher Zweige ausgebreitet. Ihre Auswahl fiel auf alles, was der heimische Garten zu bieten hat und was sich gut binden lässt.

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Zehn Frauen trudeln nacheinander ein, aus ihren Körben ragen noch mehr Werkstoffe aus der Natur. Sie nehmen die Zweige genau unter die Lupe und winden unter Anleitung ihrer kreativen Gartenfreundin erste Kränze.

Wer seinen Kranz mit frischen Blüten dekorieren möchte, kann einfach kleine Reagenzgläser, gefüllt mit frischem Wasser, befestigen. Dadurch haben die Blüten nicht nur eine wesentlich längere Lebensdauer, sondern können nach Belieben ausgetauscht und erneuert werden.

Einen Tipp für eilige Kranzbinder hat eine Gartenfreundin: Wenn es schnell gehen muss, legt sie einfach einige Zweige in einen runden Mörtelkübel. Dadurch bekommen sie bereits nach kurzer Zeit eine runde Form. Dann müssen sie nur noch an einzelnen Stellen zusammengebunden werden und fertig ist der grobe Kranz, der verziert, mit Efeuranken umwickelt oder einfach in seiner ursprünglichen Art aufgehängt oder hingelegt werden kann.

Im österlichen Kreativrausch vertieft, werkeln die Frauen anschließend an unterschiedlichen Tischdekorationen. Sie verzieren Metallgerüste, kreieren Tischgestecke und bestücken Glasbehälter mit Moos und Tulpen.

Die Gartenfreundinnen arbeiten konzentriert und wissen genau, was gerade an den Nachbartischen entsteht. Sie inspirieren sich gegenseitig, geben Tipps und helfen einander mit Zweigen aus. „Wenn ihr in die Berge fahrt, fragt mal einen Bauern nach Bergheu“, rät Siemann. „Da sind viele Blüten drin, die das ganze Jahr duften.“ Einmal habe sie Heu zur Dekoration unter einen Baum gelegt. Aus den Samen rankte eine Ackerwinde den Baum hinauf - Naturdeko in seiner ursprünglichsten Form.

110 Mitglieder zählt ihr Verein „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur“, dessen „Zweig Mitte Fulda-Werra-Leine“ erst vor sechs Jahren im Luisenhof durch Siegrun und Jörg Siemann gegründet wurde. Die Gartenfreunde kommen nicht nur aus dem Göttinger Raum, sondern auch aus Kassel, Eschwege und Homberg. Ihre Verbundenheit reicht über die Leidenschaft des Gärtnerns hinaus. Einige basteln gerne, andere bauen Steinmauern. Bei ihren Treffen befassen sie sich vor allem mit Naturschutz und Biologie. Das diskutieren sie auch beim Kränzewinden, in Vorfreude auf die Gartensaison mit einem dekorativen Osterfest.

Informationen zur „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur“ mit aktuellem Programm gibt es im Internet auf www.gartengesellschaft.de.

Anleitung zum Selberbinden

Für das Gerüst werden Birkenzweige unterschiedlicher Dicke übereinander gelegt und zu einem Kranz geformt. Dazu müssen die Zweige gebogen und geknickt werden – sie halten mehr aus als auf den ersten Blick vermutet. Wenn die Form stimmt, wird das Kranzgerüst mit Wickeldraht fixiert.

Quelle: Richter

Als Nächstes folgt der Feinschliff. Dazu werden die Zweige, mit denen der Kranz gestaltet werden soll, eingebunden. Die Floristik-Expertin setzt vor allem auf den immergrünen Buchs. Sie empfiehlt, vorab alles zuzuschneiden und bereitzulegen, denn gebunden wird mit festem Zug. Die ersten Zweige werden in Büscheln auf dem Kranz drapiert. Dabei ist es wichtig, auch die Innen- und Außenseiten mit frischem Grün zu bestücken. Wenn der fertige Kranz frei hängen oder eine Glastür schmücken soll, muss die Rückseite ebenfalls verschönert werden. Ein wichtiger Tipp von der Expertin: Gewickelt wird immer gegen den Uhrzeigersinn. Dazu muss der Wickeldraht fest um die Zweige gezogen werden. Das nächste Zweigenbüschel sollte so angelegt werden, dass es den Draht versteckt.

Quelle: Niklas Richter

Mit einer Schleife kann der fertig gebundene Kranz bereits in all seiner Natürlichkeit Tisch oder Tür zieren. Oder weiter veredelt werden: Einige Gartenfreundinnen erstellen Miniaturkränze, die sie auf ihrem Kranz befestigen. Andere arbeiten weiches Moos, Stroh oder Heu ein und verzieren es mit Blüten. Außerdem sind bei den Frauen kleine Astkreationen beliebt, die sie an Draht befestigt auf den Kranz stecken.

Quelle: Richter

Fast alle verzieren ihren Kranz abschließend mit Band und Schleife – zur Dekoration, und um ihn befestigen zu können. Wie eine perfekte Floristenschleife geht, weiß Siemann, die das von ihrer Schwester, einer Floristikmeisterin, gelernt hat.

Ideal sei Schleifenband, das an den Seiten mit Draht verstärkt sei. Das könne besonders gut modelliert werden. Doch mit der richtigen Technik geht das auch mit normalem Schleifenband. Siemann bildet damit beliebig viele Schlaufen. Um eine weitere Farbe ins Spiel zu bringen, formt sie mit einem weiteren Band zwei kleinere Schlaufen und fixiert alles am unteren Ende mit Draht.

Lenz auf dem Tisch

Einen vorösterlichen Deko-Tipp hat auch Tageblatt-Leser Heinz-Joachim Hartmann. Er empfiehlt, Blüten der Lenzrose in einer mit Wasser gefüllten Glasschale schwimmen zu lassen. „Sie sind die großen Schwestern der Christrose, blühen aber erst etwas später“, erklärt Hartmann. Bei ihm stünden gerade mehrere Züchtungen der Lenzrose in voller Blüte, die allerdings nicht besonders gut erkennbar ist.

Weil die Blüten nach unten gebogen sind, ist die attraktive Blüteninnenseite der Lenzrose nicht sichtbar. Mit dem Trick mit der Glasschale, in die er mehrere Lenzrosenblüten mit ein bis zwei Zentimeter kurzen Stilresten legt, erzielt Hartmann den Effekt, „dass die Blüten jetzt wie Seerosen auf dem Wasser schwimmen und die wunderbaren Nuancen ihrer Farben, Zeichnungen und Formen zeigen.“ Das Arrangement wirke auf grünem Untergrund besonders natürlich und halte auf diese Weise mindestens eine Woche. „Meine Gäste sind immer wieder verwundert und begeistert“, sagt Hartmann.