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Thema des Tages Partnerschaften und Schüleraustausche
Thema Specials Thema des Tages Partnerschaften und Schüleraustausche
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06:03 22.01.2019
Kanuten aus Pau im Sommer 2018 zu Gast in Göttingen. Quelle: r
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Region

Im Zuge des Élysée-Vertrages sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten auch in der Region mehrere Partnerschaften nach Frankreich entstanden. Unter anderem haben die Städte Göttingen und Hann. Münden Kontakte nach Frankreich.

Die Partnerschaft Göttingens nach Pau besteht seit 1983. Die Zusammenarbeit zwischen den Städten erfolge unter anderem durch die Freiwillige Feuerwehr Weende, die regelmäßige Begegnungen mit der Feuerwehr in Pau veranstalte, heißt es auf der Internetseite der Stadt Göttingen. Zudem haben mehrere Göttinger Schulen Schüleraustausche mit Schulen in Pau. Entstanden ist die Partnerschaft dadurch, dass der Bürgermeister Paus 1981 die Bitte einer möglichen Partnerschaft an Göttingen herangetragen hatte. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde fand am Freitag, 8. Oktober 1982, in der Halle des Alten Rathauses statt. „Für 2019 sind keine offiziellen Besuche geplant, aber unter anderem werden Erwachsene aus Pau an der Tour d’Energie teilnehmen. Und im Sommer reisen Jugendliche des Kanusport-Teams nach Pau.

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Jüngere für Partnerschaft begeistern

In Hann. Münden besteht der Kontakt in die französische Stadt Suresnes seit 1959. Die Partnerschaft wurde mit dem damaligen Landkreis Münden geschlossen und mit der Gebietsreform 1973 vom Landkreis Göttingen übernommen. Die Ausgestaltung der Partnerschaft erfolgt aber über den Stadtjugendring Hann- Münden und den dortigen Verein für Städtepartnerschaften. Nach Angaben von Frank Stryga, Vorsitzender des Stadtjugendrings und des Partnerschaftsvereins beschränkt sich der Kontakt zwischen den beiden Städten sich derzeit hauptsächlich auf die Jugendaustausche. „Zum 60-jährigen Bestehen der Partnerschaft wollen wir aber auch eine Fahrt für Erwachsene nach Suresnes anbieten“, berichtet Stryga. Leider seien in den vergangenen Jahren einige der zuvor bestehenden Verbindungen leider eingeschlafen. Nach Angaben von Andrea Riedel-Elsner, Sprecherin des Landkreises, sei einer der Gründe dafür, dass von Seiten Surenses mehrfach mitgeteilt wurde, dass kein Geld für eine aktive Partnerschaft zur Verfügung stehe.

In der Gemeinde Friedland gibt es seit 1972 einen engen Kontakt nach Houdan, in der Nähe von Paris. Begonnen hatte die Partnerschaft auf bestreben der Bürgermeister Roger Gédon auf französischer und Hermann Bonnekamp auf deutscher Seite als Partnerschaft zwischen Houdan und Groß Schneen. Nach der Gebietsreform 1973 erfolgte dann nach einem Ratsbeschluss die Erweiterung auf die entstandene Einheitsgemeinde Friedland. Nach Angaben Johann Schusteks, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, seien im Laufe der Jahre zahlreiche Freundschaften entstanden, sodass es auch außerhalb der eigentlichen Treffen Besuche gebe. „Zwischendrin waren die Besuche mal unregelmäßig, aber jetzt finden sie wieder regelmäßig statt“, sagt Schustek. Die nächste Fahrt nach Frankreich sei für Himmelfahrt geplant. „An der Fahrt werden etwa 20 bis 30 Personen teilnehmen“, sagt Schustek. Damit die Partnerschaft auch in den kommenden Jahren in der bisherigen Intensität fortgesetzt werden könne, sei es notwendig, dass auch Jüngere an den Fahrten teilnehmen. „Daher befinden wir uns gerade im Umbruch, und hoffen, dass es uns gelingt, die Partnerschaft weiterhin erfolgreich fortsetzen zu können“, sagt Schustek.

Lange Tradition der Partnerschaften

50 Jahre hatte die Partnerschaft zwischen Combs-la-Ville und Duderstadt im vergangen Jahr Bestand. Das Jubiläum feierte eine Delegation um Bürgermeister Wolfgang Nolte und Ehrenbürgermeister Lothar Koch (beide CDU) an Pfingsten in Frankreich. „In diesem Jahr wird eine Gruppe von 30 bis 40 Personen nach Tiftlingerode zu einem Besuch kommen“, sagt Horst-Joachim Bonitz von der Duderstädter Stadtverwaltung. Während des Treffens soll das Jubiläum noch einmal aufgelebt werden lassen. Zu der Gruppe käme zudem noch eine offizielle Delegation mit etwa zehn Personen hinzu. Zum Programm der Besuche, die immer ein Jahr ein Jahr in Frankreich und ein Jahr in Deutschland absolviert werden, gehören unter anderem Besichtigungen, Ausflüge und gesellige Abend. „Wir haben beispielsweise schon eine Grenzlandtour unternommen und einmal waren wir auch im PS Speicher in Einbeck“, berichtet Bonitz.

Der Élysée-Vertrag

Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag, besser bekannt als Élysée-Vertrag wurde am 22. Januar 1963 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Élysée-Palast in Frankreich unterzeichnet. Ziel des Vertrages war 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass aus Feinden Freunde werden sollten. Der Vertrag sollte zum einen die Aussöhnung der Menschen in Deutschland und Frankreich besiegeln und zum anderen legte er den Grundstein für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern und den dauerhaften Frieden in Europa. Am 56. Jahrestag des Vertrages wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Freundschaftspakt am Dienstag in Aachen erneuern. ve

Die Stadt Northeim hat seit 1967 eine Partnerschaft mit der Stadt Tourlaville. Aus Sicht von Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) sind Städtepartnerschaften wichtig, um wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg zu verbessern. Aber auch im zwischenmenschlichen, im sportlichen, im musikalischen und im jugendpolitischen Bereich müssen Städtepartnerschaften immer wieder aufs Neue Akzente setzen, um akzeptiert zu werden und Interesse zur Mitwirkung zu wecken“, erklärt Hartmann. Für dieses Jahr planen ist in der Partnerschaft unter anderem ein Schüleraustausch, sowie der Besuch von etwa 50 Sportlern aus acht verschiedenen Northeimer Vereinen in der Partnerstadt. „Zudem wird im Herbst nach einer längeren Pause der Jugendaustausch wieder aufgenommen“, sagt Anja Lustig, zuständig für die Städtepartnerschaften in Northeim. Weitere Städtepartnerschaften nach Frankreich haben in der Region zudem Nörten-Hardenberg und die Stadt Dransfeld.

Regelmäßige Schüleraustausche

Die Schulen in Südniedersachsen heißen in jedem Jahr Schülergruppen aus Frankreich Willkommen. Einige Schulen sind Partnerschaften mit Schulen aus den Partnerstädten eingegangen, andere pflegen die Zusammenarbeit davon losgelöst. Für einen Zeitraum von sieben bis vierzehn Tagen tauschen die Schüler das Klassenzimmer und entdecken an der Seite ihrer Gastgeschwister die Besonderheiten im Schulsystem des anderen Landes. Unisono erklären die Lehrer einiger beteiligten Schulen, dass es für deutsche Schüler besonders eindrucksvoll sei, dass der Schultag in Frankreich bis zum späten Nachmittag andauere und dennoch Hausaufgaben gemacht werden müssten. Die französischen Schüler wiederum bestaunten, dass in Deutschland so viel Wert auf die mündliche Mitarbeit gelegt werde und zeigten sich verwundert über das aktive Unterrichtsgeschehen.

Max Planck Gymnasium Göttingen

Am Max Planck Gymnasium Göttingen (MPGG) obliegt die Koordination des Austauschprogramms zwei Lehrerinnen, Tina Strobauch und Frau Cornelia Göbel. Für die deutsch-französische Freundschaft setzt sich die Fachgruppe gemeinsam ein. Zum Jahrestag des Élysée-Vertrags ist für die Schüler der fünften und siebten Klassen eine besondere Veranstaltung entwickelt worden. Für den Élyséetag wurde das Schulgebäude schon am Montag in den französischen Farben geschmückt, berichtet Göbel. Zudem gäbe es eine Ausstellung. „Die Schüler haben Plakate gemalt, die die deutsch-französische Freundschaft darstellen. Außerdem gibt es kleine Sketche und Lieder, die vorgeführt werden.“ Fast alle Lerngruppen seien an dem Projekt beteiligt, einige Schüler backen Crêpes. „Es geht auch kulinarisch zu“, berichtet Göbel. „Wir haben jetzt seit längerer Zeit das erste Mal wieder etwas geplant, zum 50. Jahrestag gab es an vielen Schulen Programm, jetzt mit der Wiederunterzeichnung bietet sich das an, mal wieder etwas zu machen.“ Die Lehrerin betont die Bedeutung, die Sonderrolle, die die Beziehung zwischen den beiden Ländern in Europa einnimmt und die den Schülern aber wenig präsent sei. Sie selbst hätte von der früheren Feindschaft noch von ihrem Opa gehört: „Aber für die Schüler heute ist das unendlich weit weg.“ Seit 10 Jahren fahren Schüler der 8.-10. Klassen des MPGG in das französische Amiens. Die Schule dort habe ein breites Deutschangebot.

„Französisches Leben nach Göttingen bringen“

Christa Neifeind ist als Vorsitzende der Deutsch-Französisches-Gesellschaft nach eigenen Angaben darum bemüht, Teile des Élysée-Vertrags mit Leben zu füllen. „Ich bin damals mit dem Wunsch angetreten, französisches Leben nach Göttingen zu bringen“, erklärt Neifeind. Dazu gehöre für sie, dass den Menschen nicht nur die französische Politik, sondern auch die französische Kultur näher gebracht werde. Hierzu organisiere die Deutsch-Französische Gesellschaft unter anderem Lesungen französischer Autoren im literarischen Zentrum. „Hierzu holen wir die Preisträger eines Jahres nach Göttingen“, sagt die Vorsitzende. Außerdem werde einmal im Jahr unter Anleitung von Franzosen gemeinsam französisch gekocht. Zum Programm der Gesellschaft gehörten darüber hinaus noch jährliche Exkursionen, die sich entweder mit der Historie Frankreichs oder mit der französischen Kunst beschäftigen. In diesem Jahr sollen beispielsweise die französischen Bestände eines Hamburger Museums besichtigt werden. Schade findet Neifeind, dass es in Göttingens Partnerstadt Pau, seit der Auflösung des Deutsch-französisches Clubs, keinen Ansprechpartner mehr für die Gesellschaft gebe. „Das erschwert uns die Organisation des Austausches“, sagt Neifeind. ve

Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt

Am Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt zeichnet Sonja Lehmeier für den Frankreichaustausch verantwortlich. Seit bestimmt 20 Jahren, so Lehmeier, reist in jedem Jahr eine Schülergruppe in die Partnerstadt Duderstadts, nach Combs La Ville in der Nähe von Paris. Der aufregendste Moment für die Schüler sei stets die Gastfamilien kennenzulernen. „Die gucken erst mal, bei wem bin ich denn, wenn wir vor Ort eintreffen. Das Leben direkt vor Ort kennenzulernen, ist bereichernd, besser als nur eine Reise in das Land.“ Zentral seien gemeinsame Aktionen. Für den Besuch der Franzosen im März sei geplant mit den Schülern eine GPS-Schatzsuche zu machen und das Grenzlandmuseum zu besuchen. „Wir versuchen die regionalen Besonderheiten kennenzulernen“, erklärt Lehmann. In Frankreich sei es schwieriger geworden, weil weniger Schüler Deutsch lernen und die Unterrichtsstunden dazu gekürzt worden seien. Dadurch stand auch der Austausch eine Zeit lang „auf der Kippe. Wir hoffen immer sehr, dass sich genug Franzosen finden, um mit uns den Austausch zu machen.“

Von Vera Wölk und Claudia Bartels