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Thema des Tages Photovoltaik: Da strahlt nicht nur die Sonne
Thema Specials Thema des Tages Photovoltaik: Da strahlt nicht nur die Sonne
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18:15 21.08.2018
Nutzt Sonnenenergie für Haus und E-Auto: Johannes Thiery aus Groß Lengden. Quelle: Eichner-Ramm
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„Dieses Jahr verspricht gut zu werden“, sagt Rüdiger H. mit Blick auf den sonnenreichen Sommer. H. hat im Jahr 2008 auf seinem Haus in einem Friedländer Ortsteil 26 Solarmodule zur Stromerzeugung anbringen lassen – aus Überzeugung, wie er sagt. „Ich wollte die regenerative Stromerzeugung unterstützen.“ Seine Anlage schafft eine Nennleistung, Peak genannt, von 5,1 Kilowatt. Damals seien die Photovoltaikanlagen vier- bis fünfmal so teuer gewesen wie heute, berichtet er. 300 00 Euro habe er damals investiert. Heute sei die Anlage zehn Jahre in Betrieb und seine Investition habe er raus. Allerdings, ergänzt er: „Zum Geldverdienen ist das nichts“, selbst wenn die Anlage die durchschnittliche Lebensdauer von 20 Jahren ohne größere Reparaturen in Betrieb wäre. „Die Entsorgung ist ja auch ein Kostenfaktor“, gibt H. zu bedenken.

Alteinspeisevertrag rechnet sich

Der Hausbesitzer aus dem Friedländer Ortsteil hat seinerzeit einen Vertrag mit dem Energieversorger Eon geschlossen, der ihm für die Einspeisung des von seiner Anlage produzierten Stroms 46 Eurocent je Kilowattstunde (kWh) für eine Laufzeit von 20 Jahren zusichert. Der Einspeisepreis orientierte sich damals an den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das den Erzeugern von Strom aus erneuerbaren Quellen feste Vergütungen garantierte. Rüdiger H. speist seine gesamte Solarstromausbeute ins Netz ein und kauft das, was er verbraucht, zum üblichen Marktpreis ein – bei ihm seien das zurzeit 23 Cent. Lässt man also einmal mögliche Wartungs- und Entsorgungskosten außen vor, so ist die Photovoltaikanlage auf H.s Dach ein lukratives Geschäft. Umso mehr freut sich H. über die gute Stromausbeute durch anhaltenden Sonnenschein. Im Mai produzierte seine Anlage mehr als 900 kWh, wie er berichtet, der Juli habe das mit 970 kWh noch getoppt, und auch der August verspreche überdurchschnittlich gut zu werden.

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Im Gegensatz zu H.s Altvertrag bekommen private Stromerzeuger heute etwa zwischen zehn und zwölf Cent von den Energieversorgern vergütet. Dennoch kann sich eine Photovoltaikanlage lohnen, wie Johannes Thiery aus Groß Lengden vorrechnet. Er kommt dabei mit seiner Anlage bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 20 Jahren auf eine jährliche Rendite von elf Prozent bei aktuellem Energiepreis und auf 25 Prozent bei um fünf Prozent pro Jahr steigendem Energiepreis.

Photovoltaikanlage, E-Auto und Batteriespeicher

Als sich im Jahr 2015 Groß Lengden am Wettbewerb „Unser Dorf nutzt die Sonne“ beteiligte (und gewann), berichtet der damalige Ortsbürgermeister Thiery, hätten er und seine Familie sich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 6,76 Kilowatt in der Spitze angeschafft. Es folgte im April vergangenen Jahres eine zweite Anlage mit 5,13 Kilowatt. Und gerade erst hat sich Familie Thiery noch Batterien zum Speichern der Solarenergie mit einer Kapazität von 7,2 Kilowatt zugelegt. Ziel sei, den eigenen Energieverbrauch in weiten Teilen selbst zu produzieren. Diese Eigenversorgungsquote liegt den Erfahrungen Thierys zufolge zwischen zehn Prozent an dunklen Wintertagen bis zu 77 Prozent, im Durchschnitt bei 45 Prozent. „In diesem Jahr haben wir schon so viel Strom produziert, wie im gesamten letzten Jahr“, freut sich der Hauseigentümer.

Thiery ist überzeugt, dass sich trotz der relativ niedrigen Einspeisevergütung die Investitionen in die eigene Solarstromproduktion durch eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote rentiert. Beispielsweise hat sich die Familie 2017 auch ein Elektro-Auto gekauft, das sie mit Solarstrom betankt. Das Fahrzeug verbrauche auf 100 Kilometer durchschnittlich 13,7 kWh, sagt Thiery, den Strom produziere er für etwa zehn Eurocent je kWh, so dass er unterm Strich für 100 Kilometer Kosten in Höhe von 1,40 Euro habe.

Positive Strombilanz

Zudem trügen die Batterien zum Speichern des Solarstroms zu einer positiven Strombilanz bei. Thiery hat diese anhand der Daten für die Zeit von Januar bis 11. August in einer Variante ohne und in einer Variante mit Batterie berechnet und gegenübergestellt. Im genannten Zeitraum produzierten beide Photovoltaikanlagen rund 7500 Kilowatt Strom, so Thiery. Etwa 440 Kilowattstunden Strom seien für das Auto und 726 kWh für den eigenen Haushalt verbraucht worden. Die restlichen 55 Prozent des Solarstroms vom Dach des Thiery’schen Hauses seien ins Netz eingespeist worden. Zum Vergleich die Berechnung mit Batterie und einer angenommenen 75-prozentigen Eigenversorgungsquote: Dabei kommt Thiery auf 730 kWh für das E-Mobil, einem Haushaltsverbrauch von 1210 kWh und auf 5560 kWh verkauften Strom.

Der Familienvater hat darüber hinaus auch berechnet, wie hoch die Kosteneinsparung dank des selbst produzierten Stroms ist. Unterm Strich kommt Thiery dabei für die ersten 225 Tage des laufenden Jahres auf 2440 Euro pro Jahr. Die Anschaffung der Batterien lohne sich trotz der „recht hohen Investition von etwa 7000 Euro“, ist er überzeugt, weil dadurch möglich sei, mehr eigenen Strom zu verbrauchen. So beziffert Thiery die Einsparung beim Sprit für den Pkw (bei 6,5 Litern auf 100 Kilometer mit einem Benzinpreis von 1,44 Euro) auf 490 Euro, die Kosteneinsparung für den Haushaltsstrom (bei einem Preis von 28 Cent pro kWh) auf 340 Euro und den Verkaufserlös für den eingespeisten Strom (bei 12,5 Cent pro kWh) auf 695 Euro.

Idealismus und wirtschaftliche Entscheidung

Thiery heizt übrigens mit einer Pelletheizung und erzeugt Warmwasser mit Hilfe von Sonnenkollektoren. Zusammen mit dem Elektrowagen und der im August durch die Batterien ergänzte Photovoltaikanlage auf dem Dach sei das Ganze „ein Stück weit Idealismus“, sagt Thiery, „aber auch eine durchaus wirtschaftliche Entscheidung, gerade wenn das E-Auto dazukommt“. Sie seien jetzt den Worten Thierys zufolge unabhängiger. Und sie fühlten sich noch ein bisschen wie Pioniere, sagt er mit Blick auf die Anschaffung der Batterien.

Von Britta Eichner-Ramm