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Thema des Tages Hier sehen Radfahrer in Göttingen Probleme
Thema Specials Thema des Tages Hier sehen Radfahrer in Göttingen Probleme
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00:20 20.04.2019
Fahrradautobahn an der Berliner Straße, entlang des Bahnhofs. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Nennen Sie uns Ihre Ärgernisse in Stadt und Landkreis Göttingen, hatten wir die Radfahrer unter den Tageblatt-Lesern aufgefordert. Zahlreiche Leser sind der Aufforderung gefolgt. Aus diesen Angaben ist eine Übersicht über die verschiedenen Probleme im täglichen Radverkehr entstanden.

Die Stadt Göttingen ist im bundesweiten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in der Kategorie der Städte mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern auf Platz eins gelandet. In der Gesamtbewertung hatte die Stadt die Note 3,3 bekommen. Dafür benoteten die Teilnehmer 27 Unterpunkte. Pluspunkte sammelte Göttingen beim Punkt „Erreichbarkeit Stadtzentrum“, den die Teilnehmer mit 2,0 bewertet hatten, bei den Punkten „zügiges Radfahren“ und „Alle fahren Rad“(jeweils 2,3 ) sowie „Spaß oder Stress“ und „geöffnete Einbahnstraßen in Gegenfahrrichtung“ (jeweils 2,8). Auch die „Aktzeptanz als Verkehrsteilnehmer“ wurde mit 3,0 noch glatt befriedigend bewertet. Lediglich drei Punkte erhielten eine Note schlechter als 4,0: „Führung an Baustellen“ (4,2), „Falschparkerkontrollen auf Radwegen“ (4,3) und „Fahrraddiebstahl“ (5,4).

Unterschiedliche Gründe

Auch die Benotung der Zustände der Radwege lag noch im Bereich zwischen den Noten drei und vier. Doch wie sieht es auf den Straßen und Radwegen aus? Dazu sollten die Radler der Unistadt und des Landkreises ihr Statement abgeben. Die Rückmeldungen über den Zustand der Radwege reichten für das Stadtgebiet von hochdrückenden Baumwurzeln über tief liegende Kanaldeckel bis zu Schlaglöchern und schlechten Bodenbelägen. Aber auch schlechte Einsehbarkeit von Kreuzungen, ungünstige Ampelschaltungen und Verkehrsführungen sowie das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer wurden genannt. Entstanden ist ein Überblick über Probleme, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

„Extrem unangenehm“

„Warum ist der Fahrradweg auf der Geismar Landstraße gepflastert? Das ist beim Bergabfahren extrem unangenehm. Außerdem wölbt er sich an einigen Stellen durch Baumwurzeln stark, sodass das echt gefährlich ist“, schrieb zum Beispiel Tanja Stauffert. Die Geismar Landstraße hatten mehrere Radfahrer aufgeschrieben. Auch die Grundstückseinfahrten seien „erste Sahne“ und sorgten für Probleme, ergänzte beispielsweise Ute Schormann. Auch die Gullideckel wurden dort moniert.

Verschleiß beschleunigt

Das Thema Kanaldeckel ist aber nicht nur in Geismar aufgefallen: „Generell ist in der Stadt und im Landkreis festzustellen, dass die Fahrbahnen allgemein, selbst wenn sie neu sind, durch zum Beispiel Kanaldeckel gefährlich und technisch für Fahräder, Pkw und Motorräder in einem saumäßigen Zustand sind“, schrieb Ralf See. Wenn Löcher und Kanaldeckel vier und mehr Zentimeter tiefer als die Fahrbahn seien, würde es Schläge in Rahmen beziehungsweise Fahrwerk geben. „Wenn es vielleicht nicht sofort zu einem Unfall führt, Verschleiß an Mensch und Material wird beschleunigt.“

„Zumutung“ und „Katastrophe“

Der Radweg an der Hauptausfahrtstraße nach Grone fiel ebenfalls mehreren Lesern negativ auf. „Der komplette Radweg an der Kassler Landstraße ist eine Zumutung! Zum Glück stehen da nun auch die Baken der bald startenden Bau-Aktion!“, teilte Facebook-User Jan Ultra-Snob aus Mielenhausen mit. Andreas Dernedde nannte den Zustand sogar „eine Katastrophe! Er wurde seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr asphaltiert!“ Es sei „eine einzige holprige Fahrradstrecke“, die erneuert werden sollte, kritisiert auch Miriam Schumann den Weg.

Radler beklagen sich vor allem über die Gefahren an den Bushaltestellen und Einmündungen in der Kiesseestraße. Quelle: Christina Hinzmann

Schlaglochversuchsgebiet

Als besonders extremes Beispiel nannte Michael J. Weider die „Bismarckstraße rauf zum Kehr. Das ist ein Schlaglochversuchsgebiet.“ Eine ähnlich schlechte Bewertung gab es von Twitter-User Sumisu für den Papendiek: „Jedes Mal halbes Schleudertrauma nach Durchfahrt“ lautete der Kommentar.

„Arg durchgerüttelt“

Matthias Börger gehört zu den Lesern, die gleich eine eine ganze Mängelliste geschickt haben. Er fährt seit Jahren täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. „Ich musste über die Zeit leider feststellen, dass die Qualität der Fahrradwege, trotz der Einführung sogenannter ,Fahrrad-Autobahnen’, sehr stark schwankt. Meiner Meinung nach sind viele dieser Fahrradwege nicht mit höheren Geschwindigkeiten befahrbar.“ So werde man zum Beispiel auf dem Schnellweg vor den Säulen am Bahnhof durch die Pflasterung, welche den Radweg quert, „arg durchgerüttelt“. Er schreibt auch von „Flicken“ entlang des Kreuzberrings und einer „Buckelpiste“ an der Weender Landstraße. „Viele Schlaglöcher“ gebe es auch in der Marienstraße.

„Gut, dass etwas getan wird“

Patrick Jobke erklärte, dass er am Klimatest des ADFC teilgenommen habe. Jobke pendelt täglich mit seinem Fahrrad etwa zehn Kilometer vom oberen Geismar nach Weende. Dabei seien rücksichtslose Verkehrsteilnehmer das Hauptärgernis – besonders die Gefährdung von Radfahrern durch Autofahrer, die zu wenig Abstand halten. Aber auch an der Infrastruktur gebe es einige Mängelpunkte. „Leider sind die aufgezeichneten Fahrradwege wie mehrfach im Ostviertel, Grone und auf der Von-Ossietzky-Straße völlig irreführend“, so Jobke. Er schreibt auch von endenden Radwegen und gefährlichen Straßenübergängen. Und der leicht schräge Belag der Fahrradstraße an der Robert-Koch-Straße sorge im Winter für glatte Stellen, wenn Regenwasser über den Radweg fließt und gefriert. Jobke begrüßt aber, dass in Göttingen etwas für den Radverkehr getan werde. „Oft würde ich mir aber wünschen, dass Radfahrer die neuen Wege planen können und Autofahrer aufgeklärt werden über neue Regelungen.“

Alle Störpunkte unserer Leser. Quelle: Reyer

„Auf einem guten Weg“

„In Sachen Radverkehr ist die Stadt auf einem sprichwörtlich guten Weg“, erklärt Dominik Kimyon, Pressesprecher der Stadt Göttingen auf Anfrage. „Der Radschnellweg wird aktuell weiter ausgebaut. In unseren Fahrradstraßen haben Zweiräder Vorrang, im jüngsten ADFC-Fahrradklima-Test liegen wir bundesweit auf Platz eins in unserer Einwohnerklasse. Trixie-Spiegel sorgen für mehr Sicherheit beim Abbiegen für Radfahrerinnen und Radfahrer, gefährliche Kreuzungen wie in der nördlichen Robert-Koch-Straße werden wir entschärfen. Die Kreuzung Hannoversche Straße / Grüner Weg wird aktuell radfahrgerecht umgebaut, ebenso die Sternstraße. Das heißt nicht, dass die Situation überall perfekt ist, aber allein in den nächsten drei Jahren stehen im städtischen Haushalt sechs Millionen Euro für Radverkehrsmaßnahmen bereit. Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben und müssen bei der Sanierung von Radwegen entsprechende Prioritäten setzen.“

Im Landkreis Göttingen fehlen Radwege

Nicht nur in der Stadt, sondern auch im Landkreis sind unseren Lesern Routen und Stellen aufgefallen, an denen sie sich auf dem Rad nicht sicher fühlen. Tageblatt-Leser berichten von fehlenden Radwegen, beispielsweise zwischen Emmenhausen und Harste oder die Verbindung zwischen Lenglern und Göttingen.

Die Ortsdurchfahrt in Groß Lengden sei „eine Zumutung“, was nicht weiter klassifiziert wurde. Nahe dem Sartorius-Standort soll die Auffahrt von der Hermann-Kolbe-Straße auf die Holtenser Landstraße / L554 hochgefährlich sein, weil Pkws die Fahrradfahrer in der engen Kurve schneiden.

Der Landkreis ist für die L554 aber nicht zuständig, nur die Kreisstraßen fallen in seinen Aufgabenbereich, so Ulrich Lottmann, Sprecher der Kreisverwaltung. Seit 2017 setzt der Landkreis für diesen Bereich den Masterplan Zukunftsfähiger Radverkehr um. Sebastian Schulze von der Kreis- und Regionalplanung des Landkreises hat vorher das rund 1500 Kilometer lange Streckennetz im Landkreis erfasst und dokumentiert, wo Handlungsbedarf bestehe.

Der Ausbau von Kreisstraßen ist in Arbeit. Die Planungsübersicht zu Straßenausbau und Brückenbau sowie der Sanierung von Ortsdurchfahrten ist öffentlich auf den Seiten des Landkreises in den Sitzungsunterlagen des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Bauen, Planen und Energie vom 18. Juni 2018 abrufbar.

Bis 2023 will der Landkreis Göttingen in Zusammenarbeit mit Bund, Land und Gemeinden eine Gesamtstrategie für ein durchgängiges Radfahrnetz mit Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr entwickeln. Zur Sanierung sollen neue Wege hinzukommen. Mehrere hundert Abschnitte sind in Planung.

Seit Jahren ist der Nikolausberger Weg als wichtige östliche Einfallsstraße in sehr schlechtem Zustand, und der Kreuzungsbereich mit Kreuzbergring und Nonnenstieg ist besonders zu Stoßzeiten dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Der Kreuzbergring im Kreuzungsbereich zum Nikolausberger Weg zur Feierabendzeit. Quelle: Christina Hinzmann

Kein Unfall an Gefahrstellen

Die Polizei Göttingen hat Stellen, die unsere Rad fahrenden Leser als „gefährlich“ eingestuft haben, mit den Unfällen seit 2016 verglichen. Weder an der Kreuzung Groner Landstraße / Jheringstraße, noch an der Verkehrsinsel an der Roedererstraße / Plesseweg, noch an der Kiesseestraße, auf der Radfahrer vom Radweg auf die Straße für Autofahrer geleitet werden, kam es in diesem Zeitraum zu Unfällen mit beteiligten Radfahrern. Auch die Überquerung des Düstere-Eichen-Wegs sei als unfallfrei vermerkt, so Jasmin Kaatz, Pressesprecherin der Polizei Göttingen.

In der Verkehrsunfallstatistk 2018 für Stadt und Landkreis Göttingen ist von 364 verletzten Radfahrern die Rede, im Jahr davor waren es 335. Eine Radfahrerin verlor 2018 durch einen Unfall im Straßenverkehr ihr Leben.

Im Stadtgebiet verzeichnete die Polizei 351 Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung im Jahr 2018. Hinzu kamen acht Unfälle mit Pedelec-Fahrern und zwei mit E-Bike-Beteiligung.

Tipps der Verkehrswacht

„Leider gibt es in Göttingen keinen Übungsplatz, auf dem Radfahrer eine sichere Fahrweise üben können“, sagt Peter Hüttenmeister, Vorsitzender der Verkehrswacht Göttingen. Die Verkehrswacht werbe dafür, solche Plätze in den Masterplan Zukunftsfähiger Radverkehr zu integrieren. Für sicheres Radfahren sei aber vor allem das faire Miteinander im Straßenverkehr wichtig. „Das sollte auch für Radfahrer bedeuten: eine rote Ampel heißt Stopp, und Fußgängerzonen oder Fußwege sind keine Radwege“, so Hüttenmeister.

Von Rüdiger Franke und Lea Lang

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