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Thema des Tages Schweißtreibende Berufe in der Region
Thema Specials Thema des Tages Schweißtreibende Berufe in der Region
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00:20 28.07.2018
Altgeselle Uwe Kleinhans von der Firma Bedachungen Stolberg bei seiner schweißtreibenden Arbeit. – Trotz Hitze möglich: Asphaltierungsarbeiten der Firma RST.
Altgeselle Uwe Kleinhans von der Firma Bedachungen Stolberg bei seiner schweißtreibenden Arbeit. – Trotz Hitze möglich: Asphaltierungsarbeiten der Firma RST. Quelle: Richter/Pförtner
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Göttingen

Bei glühender Hitze müssen sie ihre Arbeit verrichten. Allerdings haben sie mit ihrem Chef Hans-Jürgen Kahle einen sehr umsichtigen Vorgesetzten. Abnehmen kann er ihnen den Gang aufs Dach natürlich nicht, aber er versucht, die Rahmenbedingungen ein wenig angenehmer zu gestalten.

Spezielle Arbeitskleidung

„Natürlich weisen wir auf die Hitze und die Sonneneinstrahlung hin. Aber letztlich muss natürlich jeder Mitarbeiter selber entscheiden, wie er damit umgeht“, erläutert er. Kahle sorgt auf jeden Fall für ausreichend Getränke und frisches Obst. Sonnenschutz ist bei ihm ebenfalls ein Thema. Auch für den sorgt er, sowohl in Form von kosmetischen Präparaten als auch mit spezieller Arbeitskleidung. „Es stehen Mütze und Helme zur Verfügung und auch lange Arbeitsklamotten“, erzählt der Geschäftsführer, der sehr gut nachvollziehen kann, wie es seinen Kollegen bei den tropischen Temperaturen geht. „Was jeder anzieht und ob er sich eincremt, darauf habe ich natürlich keinerlei Einfluss“, sagt Kahle, der erst einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen hatte, ehe er sich für eine Ausbildung zum Dachdecker entschied, die er schließlich mit seiner Meisterprüfung abschloss.

Dachdecker der Firma Stolberg Bedachungen: v.l. Altgeselle Uwe Kleinhans und Azubi Khodabakhsh Ahmadi bei der Arbeit. Quelle: Niklas Richter

Vorher hatte er allerdings auch einen sehr schweißtreibenden Job, denn er ist gelernter Bäcker und Konditor, jeweils mit Abschluss, arbeitete auch kurzzeitig in diesem Beruf. „In Bäckereien ist es teilweise noch unerträglicher, denn auf dem Dach gibt es ja doch schon mal einen Luftzug“, berichtet er. Davon eine Menge wünscht er seinen und natürlich auch allen Menschen mit einem „Hot Job“ und auf ein Ende der extremen Hitze. Schönes Wetter ja, Regen nein, denn der steht bei seiner Branche nicht so hoch im Kurs.

Keine Einschränkungen

Doppelt warm haben es die Mitarbeiter von Baufirmen, wenn sie Asphaltierungsarbeiten vornehmen. Zur Wärme der Sonne kommt dann auch noch die Hitze des Teers dazu. Dennoch können nach Angaben von Udo Othmer, Leiter der Straßenbaubehörde in Bad Gandersheim Asphaltierungsarbeiten auch bei hohen Temperaturen vorgenommen werden. Es gebe keine Einschränkungen, dass der Teer bei den Temperaturen nicht richtig aufgetragen werden könne. Allerdings gibt Othmer zu bedenken, dass die Baufirmen auch den gesundheitlichen Aspekt für die Mitarbeiter berücksichtigen sollten. „Vielleicht ist es möglich, die Arbeiten um ein paar Tage zu verschieben. Aber das müssen die Firmen entscheiden“, sagt Othmer. Dies sei auch immer davon abhängig, wie der individuelle Zeitplan der einzelnen Firmen aussehe.

Baufirma RST, Siegfried Herr, bei Arbeiten nach der Asphaltierung am GVZ. Quelle: Swen Pförtner

Hitze schlägt aufs Gemüt

Früher Vogel fängt den Wurm – nach diesem Motto verfährt die Wäscherei Hesse in Dransfeld. „Unsere Mitarbeiter beginnen morgens um sechs Uhr, damit sie dann möglichst schnell durch kommen“, berichtet Antje Fahrenholz, zuständig für Personal- und Qualitätsmanagement. Besonders zimperlich ist das Personal angesichts der draußen herrschenden hohen Temperaturen nicht, obwohl Fahrenholz schon zugibt, „dass die Hitze ja jedem aufs Gemüt schlägt.“

In der sogenannten Hotelhalle reinigen Mitarbeiter bei Hesse Wäsche aus Gastronomiebetrieben. Quelle: Markus_Hartwig

Mit Ventilatoren und viel Wasser wird versucht, sich ein wenig Erleichterung zu schaffen. Und auch die Arbeitskleidung ist auf die Verhältnisse abgestimmt. „Wir haben auch kurze Hosen und Tops zur Verfügung“, erzählt die Managerin. Klagen über die Hitze sind ihr noch nicht zu Ohren gekommen. Und es wird der Tag kommen, an dem die Mitarbeiter im tiefsten Winter um ihren kuschelig warmen Job beneidet werden.

Alles Gewöhnung

Arnd Hartung ist hart im Nehmen, muss er auch sein, denn er steht in einem Hähnchen-Grillwagen. Die genaue Temperatur, die an seinem Arbeitsplatz herrscht, hat er noch nie gemessen. „Es ist alles Gewöhnung. Für einen, der neu anfängt, ist es wirklich hart. Aber ich merke schon eigentlich kaum noch, dass es warm ist“, erzählt Hartung. Man ist tatsächlich versucht, ihm zu glauben, denn er sieht nicht sonderlich erhitzt aus. „Es ist schon warm hier drin, aber man schwitzt gar nicht mehr so doll.“

Arnd Hartung im Hähnchen-Grillwagen von Witwe Bolte in Teistungen. Quelle: Rüdiger Franke

Kaum vorstellbar, denn vor ihm befindet sich der Bratwurstgrill, daneben die Friteuse, hinter ihm drehen sich die Strahler, die die Hähnchen in einen knusprig, braunen Zustand versetzen. „Man spart sich die Sauna“ , sagt er und grinst dabei über das ganze Gesicht.

Wie andere Arbeitgeber in der Region ihre Beschäftigten vor Hitze schützen, lesen Sie hier.

Von Vicki Schwarze, Vera Wölk und Rüdiger Franke