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Thema des Tages Sparkassen prüfen Fusion
Thema Specials Thema des Tages Sparkassen prüfen Fusion
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20:17 04.12.2018
Die Sparkassenvorstände bei ihrem Treffen.  Quelle: Oppermann
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Göttingen

Läuft alles nach dem Plan, den Landrat Bernhard Reuter, die Vertreter der betroffenen Kommunen sowie die Sparkassenchefs aus Duderstadt, Osterode, Münden und Bad Sachsa am Freitag gemeinsam in Göttingen skizziert haben, ist ein Ergebnis noch in diesem Jahr zu erwarten. Das zweite Quartal 2018 gilt als Prüfungsphase, im dritten und vierten Quartal stünden dann Verhandlungen der Sparkassenträger an. Diese könnten sich sogar noch ins erste Quartal 2019 ziehen. Das Ziel dieser ungewöhnlichen Initiative fasste Landrat Reuter zusammen: „Wir müssen es wetterfest kriegen für die Zukunft.“

„Es“, das ist das Geschäftsmodell der Sparkassen, in diesem Fall der ländlichen Sparkassen im Kreis Göttingen. Fünf gibt es dort insgesamt, vier machen sich gerade auf den Weg zum Zusammenschluss. In einer schriftlichen Stellungnahme des Landkreises heißt es dazu: „Die möglichen Vorteile eines Zusammenschlusses der Sparkassen Osterode am Harz, Duderstadt, Münden sowie der Stadtsparkasse Bad Sachsa werden untersucht. Das haben die Verwaltungsräte der vier Institute beschlossen.“ Weiter heißt es in der Notiz: „Die Vorstände wurden von den Verwaltungsräten beauftragt, den möglichen Mehrwert einer Fusion transparent zu machen und Handlungsoptionen aufzuzeigen.“

In diesem Zusammenhang formulierte Reuter: „Es gibt ein Sparkassen-Gen.“ Das bedeute, vor Ort präsent zu sein und eine hohe Beratungsqualität und -intensität zu zeigen. Das bedeute auch Verbundenheit mit der Region, denn die Sparkassen seien dem öffentlichen Wohl verpflichtet und insgesamt größter Sponsor in Sachen Kultur, Sport und Vereinsleben. Für den Stadtsparkassenchef aus Bad Sachsa, Ralf Müller, gibt es hierbei einen zentralen Punkt: „Unser Kunde.“ Und so formulierte der Bürgermeister Bad Sachsas, Axel Hartmann: „Wir haben die Initiative begrüßt.“ Für kleinere Institute werde das Handeln immer schwieriger.

„Mittlere Sparkasse“ als Ergebnis einer Fusion

Eine fusioniertes Kreditinstitut, hervorgegangen aus den Sparkassen Osterode, Duderstadt, Münden und Bad Sachsa, käme nach aktuellem Stand auf eine Bilanzsumme von 2,3 Mrd Euro. Das wäre „eine mittlere Sparkasse“ ordnete Reuter die zu erwartende Größe im Verbandsranking ein. Zwar äußerten alle Vorstände der vier Akteure, auch in fünf Jahren noch am Markt sein zu können, doch räumten auch alle ein, dass das Geschäft eben nicht leichter werde. Eine größere Bank mache auch größere Projekte möglich, fasste der Duderstädter Sparkassenchef Uwe Hacke das mögliche Szenario positiv zusammen. Zu kämpfen haben alle Beteiligten derzeit mit denselben Problemen. Das sind die anhaltende Niedrigzinsphase, die Regulatorik sowie die Digitalisierung. Dass die Sparkasse Göttingen in all diesen Überlegungen keine Rolle spielt und nicht zu den möglichen Fusionspartnern zählt, liegt nach Reuters Ausführungen daran, dass diese eine „sehr andere Unternehmenskultur“ habe als die Sparkassen im ländlichen Raum. „Man wird auch irgendwann mal über eine weitere Fusion reden müssen“, wagte der Landrat einen Ausblick, aber im Moment gehe es darum, die Sparkassen im ländlichen Raum zu stärken.
In der ersten Phase bis Sommerbeginn ist es nun Aufgabe der vier Sparkassenvorstände, den möglichen Partnern die Karten auf den Tisch zu legen und zu prüfen, ob und welche deckungsgleichen Ansätze es beispielsweise in Fragen des Vertriebs und der Mitarbeiterführung gibt. Dass das auch positive Effekte haben könne , äußerte der Duderstädter Uwe Hacke: „Sparkassen können voneinander lernen.“ Bekannt sind untereinander derzeit nur die ohnehin offenlegungspflichtigen Angaben aus den Bilanzen. Nun müssen die vier Parteien ihre Perspektiven und Arbeitsansätze miteinander vergleichen und übereinanderbringen. Mehrfach allerdings betonte Reuter: „Der Prozess ist ergebnisoffen.“ Es sei ein Vierer-Zusammenschluss denkbar, auch eine Dreier- und eine Zweier-Fusion.

Fusion zum 1. Januar 2019?

Eine „kleine Lösung“, also weniger als eine Vierer-Fusion, scheint allerdings nach diesem Auftakt nur schwer vorstellbar. Interessant allerdings waren die unterschiedlichen Herangehensweisen und Äußerungen der Akteure. Während die Sparkassen Osterode, Duderstadt, Münden und Bad Sachsa bei dem Pressetermin jeweils von ihren Vorstandsvorsitzenden vertreten waren, fehlten in der Reihe der Hauptverwaltungsbeamten die Bürgermeister Klaus Becker (Osterode) und Wolfgang Nolte (Duderstadt). Letztgenannter musste zu „einer wichtigen Konferenz der Sielmann-Stiftung nach München“. Konsens herrscht zwischen den Sparkassenchefs offenbar über die notwenige Form von Kollegialität im anstehenden Prozess, und auch die anwesenden Bürgermeister ließen erkennen, dass eine Vierer-Fusion in absehbarer Zeit möglich ist. Diese könnte bereits in der ersten Jahreshälfte 2019 rückwirkend zum 1. Januar 2019 beschlossen und im Laufe des folgenden Jahres tatsächlich vollzogen werden. Zu den Unwägbarkeiten in diesem Prozess gehören allerdings zusätzlich zur politischen Willensbildung in Kreistag, Räten und Verwaltungsräten auch technische Fragen. Eine Blaupause für eine Vierer-Fusion gibt es in dieser Form offenbar nicht.