Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Südniedersachsen-Stiftung erarbeitet neue Regionalstrategie
Thema Specials Thema des Tages Südniedersachsen-Stiftung erarbeitet neue Regionalstrategie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 03.05.2019
Eine grüne Lampe leuchtet an einer programmierbaren Fertigungsstrecke für Schulungszwecke. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland investieren laut einer Studie in die Digitalisierung. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Eine neue Strategie für die Region wollen Entscheider aus Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Verwaltung am Dienstag, 28. Mai, bei der Südniedersachsen-Konferenz in Göttingen entwickeln.

Fachkräftemarketing, Digitalisierung, Unternehmensgründungen und Innovationen: Mit diesen Themen befasst sich Ende Mai die Südniedersachsen-Konferenz, die erstmals von der Stüdniedersachsen-Stiftung ausgerichtet wird. 150 bis 200 Teilnehmer sollen im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa am Wilhelmsplatz 3 Handlungsfelder benennen, Ideen für Leuchtturmprojekte entwickeln und Hinweise auf die dringlichsten Themen geben. Auf Basis dieser Vorarbeiten entsteht die neue Regionalstrategie, deren erster Entwurf im November vorliegen soll.

Anzeige

Innovationscampus und ­Welcome Center

„In Südniedersachsen hat sich viel zum Positiven verändert, seit die Landesregierung das Südniedersachsen-Programm aufgelegt hat“, sagt der Vorsitzende des Stiftungsrats, Göttingens Landrat Berhard Reuter (SPD). Heute arbeiteten Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltungen – im Gegensatz zu früher – eng zusammen. Gemeinsam seien richtungsweisende Projekte in Angriff genommen wie der 2016 gegründete Südniedersachsen-Innovationscampus, der Wissenschaft und Wirtschaft stärker vernetze und die Gründungs- und Innovationsdynamik in der Region erhöhe. Das von der Stiftung und der Universität Göttingen 2017 gestartete Welcome Centre helfe Wissenschaftlern und Fachkräften bei Fragen rund um Ankunft und Aufenthalt in der Region. Weitere Projekte seien die regionale Fachkräftekonferenz oder die Initiative Top-Arbeitgeber Südniedersachsen (Topas).

100 Millionen Euro Fördergelder

„100 Millionen Euro Fördergelder sind in den vergangenen Jahren nach Südniedersachsen geflossen“, ergänzt der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung, Matthias Wunderling-Weilbier. Nun gelte es die Regionalstrategie neu auszurichten. Das fördere Hannover mit 50 000 Euro. „Wir stellen weitere 30 000 Euro zur Verfügung“, sagt Martin Rudolph, der Vorstandsvorsitzende der Südniedersachsen-Stiftung. Eine Stärken- und Schwächen-Analyse habe das Land bereits in Auftrag gegeben, erklärt Wunderling-Weilbier.

„Schrumpfende Boomregion“

„Ein Thema bei der Konferenz wird das Fachkräftemarketing sein“, kündigt Landrat Reuter an. In Südniedersachsen herrsche eine paradoxe Situation. Obwohl die Wirtschaft überdurchschnittlich stark wachse und mehr Arbeitsplätze als anderswo entstehen, sinke die Einwohnerzahl. Von einer „schrumpfenden Boomregion“ spreche das Institut der Deutschen Wirtschaft. „Wir müssen uns besser verkaufen“, lautet Reuters Schlussfolgerung.

Digitale Transformation

„Ein anderes Thema ist die Digitaliserung“, erklärt Stiftungsvorsitzender Rudolph, Leiter der Göttinger Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer. Es gehe um die Frage, wie sich die Region auf die digitale Transformation einstelle und deren Chancen nutze. Das Land werde für den notwendigen Breitbandausbau sorgen, verspricht Landesbeauftragter Wunderling-Weilbier.

„Wir wollen Unternehmensgründungen stärker fördern, weil sie für wirtschaftliche Dynamik sorgen“, betont Rudolph. Eine Verlängerung der Förderung für den Südniedersachsen-Innovationscampus sei beantragt. Denkbar sei, bereits in den Schulen die Möglichkeit eine Firma zu gründen, zum Thema zu machen.

„Wir wollen auf der Konferenz diskutieren, wie sich technische, organisatorische oder soziale Innovationen in Unternehmen, in den Hochschulen, aber auch in den Vereinen und Kommunen unterstützen lassen“, erklärt Landrat Reuter. Innovationen sicherten die Wettbewerbsfähigkeit und schafften Arbeitsplätze. Die Konferenz sei außerdem offen für weitere Themen.

Ablauf der Konferenz

Die Südniedersachsen-Stiftung richtet am Dienstag 28. Mai im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa, Wilhelmsplatz 3, die erste Südniedersachsen-Konferenz aus. Sie löst den bisherigen Stiftertag ab und soll künftig mindestens einmal im Jahr stattfinden.

Teilnehmer können sich ab 13.30 Uhr akkreditieren. Um 14 Uhr begrüßen Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen, und Martin Rudolph, Vorsitzender der Südniedersachsen-Stiftung, die Gäste.

Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Bernd Althusmann (CDU), eröffnet die Veranstaltung um 14.15 Uhr. Ein Grußwort spricht um 14.30 Uhr Jutta Kremer, die Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung.

Marie Ting, Leiterin Regionalmarketing, Südwestfalen Agentur GmbH, hält um 14.35 Uhr den Impulsvortrag „Südwestfalen – Alles echt“. Um 14.50 Uhr führt Kilian Bizer von der Universität Göttingen, der Professor ist auch Chefkoordinator bei der Erstellung der neuen Regionalstrategie, in den weiteren Programmablauf ein.

Fünf Themeninseln

Die Teilnehmer werden von 15 Uhr an Bausteine der Strategie in fünf sogenannten Themeninseln erarbeiten. Es moderieren Jonas Brunnert von Innoki Design Thinking und Innovationsberatung, Bernd Fritz-Kolle, Andrea Stöber und Katja Hennemuth von der Teneo Organisationsberatung sowie Managerberater Wolfgang König. Diskutiert wird über Fachkräftemarketing, Digitalisierung, Innovation und Unternehmensgründungen. Eine fünfte Themeninsel erörtert weitere Themen, die für die Entwicklung der Region von Bedeutung sind. Die Gruppen treffen sich teils im Tagungszentrum, teils im nahegelegenen Co-Working-Space Start-Raum Göttingen.

Bizer wird um 17.30 Uhr erste Ergebnisse präsentieren. Das Abschlussstatement gibt um 17.55 Uhr Matthias Wunderling-Weilbier, der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung in Braunschweig.

Anmeldungen sind bis 14. Mai unter Angabe von zwei Themeninseln unter www.suedniedersachsenstiftung.de/anmeldung-snsk/ sowie per E-Mail, nicole.denecke@suedniedersachsenstiftung.de möglich. Die Teilnahme ist kostenlos, die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.

Infos zur Stiftung

Die Südniedersachsen Stiftung ist 2004 von den Landkreisen Eichsfeld, Göttingen, Northeim und Osterode (heute mit dem Landkreis Göttingen fusioniert), dem Oberzentrum Göttingen, Unternehmern, regionalen Wirtschaftsverbänden sowie den Hochschulen gegründet worden. Sie arbeitet an der strategischen Entwicklung der Region. Das will sie nun unter anderem durch die jährliche Südniedersachsen-Konferenz intensivieren, die Ende Mai erstmals stattfindet.

130 Stifter

Die Konferenz bildet den Auftakt für einen regionalen Strategieprozess. Unterstützt vom Land Niedersachsen und dem Amt für Regionale Landesentwicklung Braunschweig erarbeitet die Stiftung bis März 2020 ein Strategiepapier. 50 Prozent der Kosten tragen dabei künftig regionale Unternehmen durch Förderbeiträge, 30 Prozent die Kommunen und 20 Prozent die Hochschulen. Der Stiftungsrat hat im Oktober 2018 eine verbindliche Beitragsstaffelung für Förderpartner aus der Wirtschaft verabschiedet, der sich an der Mitarbeiterzahl orientiert. Derzeit gibt es 57 solcher Partner. Die Zahl der Stifter beläuft sich auf 130. Geleitet wird die Stiftung von einem vierköpfigen Vorstand und einer Geschäftsführung. Ein 25-köpfiger Stiftungsrat, dem die Spitzen von Kommunen, Hochschulen und Verbänden sowie Unternehmer angehören, unterstützt den Vorstand.

Von Michael Caspar