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Thema des Tages Architektur in Göttingen: Die Stadthalle und der Sparkassen-Neubau
Thema Specials Thema des Tages Architektur in Göttingen: Die Stadthalle und der Sparkassen-Neubau
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11:53 29.06.2019
Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, während der Stadthallen-Diskussion im Deutschen Theater. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Am Wochenende 29. und 30. Juni ist Tag der Architektur. Der Präsident der Landes-Architektenkammer, Robert Marlow, spricht im Interview über die Stadthalle, den Neubaukomplex am Groner Tor und die Apartments An der Lutter.

In Göttingen wird am Tag der Architektur das Ensemble Sparkassen-Neubau /Hotel Freigeist präsentiert. Warum? 

Die Architekten haben sich mit diesem Projekt bei uns beworben und mit ihrer qualitativ hochwertigen Architektur unser Auswahlgremium überzeugen können. Die städtischen Vorgaben ließen auf der Brachfläche eigentlich nur eine Hotelnutzung zu. Hierfür war das Gelände aber überdimensioniert. Die Architekten haben deshalb eine Kombination aus Hotel und Bürokomplex entwickelt, da hierdurch Baumassen erzeugt werden konnten, die sich in das Stadtbild gut einfügen. Wir versuchen zudem am Tag der Architektur einen guten Mix an verschiedenen Bauaufgaben zu zeigen und achten auf eine regionale Verteilung der Objekte, sodass wir den Besuchern im ganzen Land zeitgemäße Architektur, Innen- und Landschaftsarchitektur präsentieren können.

Sie haben ja eine Lanze für die Erhaltung der Stadthalle gebrochen? Warum ist sie erhaltenswert?

Bereits 2007 haben wir die Stadthalle Göttingen in unsere Vorschlagsliste schützenswerter Bauten und Anlagen der 1960er und 1970er Jahre in Niedersachsen aufgenommen. Die Kammer plädiert seit längerem für den Erhalt der Bauwerke dieser Epoche. Ich unterstützte daher auch den Städtebaubeirat Göttingen in seiner Auffassung, dass die Stadthalle eine herausragende gestalterische und funktionale Bedeutung für die Stadt hat. Es ist ein moderner Bau aus der jungen Bundesrepublik, dem wir die Chance geben sollten, ein zweites Leben in der heutigen Zeit zu führen. Zu viele dieser Bauten werden leichthin abgerissen. Wir vernichten damit immer auch ein Stück unserer eigenen Geschichte.

Was muss trotz einer grundlegenden Sanierung erhalten bleiben, damit sie ihren Charakter nicht verliert?

Sicherlich die Fassade, die saniert auch wieder frisch aussehen wird. Im Inneren kann vieles an heutige Anforderungen angepasst werden, ohne dass der Flair verloren ginge. Wir müssen uns um einen Ausgleich der Interessen bemühen. Es sind doch oft die Gebäude, die neu und alt in sich vereinen und so eine besondere Persönlichkeit entwickeln, die wir in einer offenen Stadtgesellschaft schätzen.

Neue Wohnungen sind nötig. Wie bewerten sie die Architektur beispielsweise der Neubauten An der Lutter (Wohnungsgenossenschaft) und an der Hannoverschen Straße (Städtische Wohnungsbau)?

Beim diesjährigen Tag der Architektur sind die Appartementhäuser An der Lutter für die Öffentlichkeit zugänglich, so dass sich die Leser selber einen Eindruck verschaffen können. Das Auswahlgremium hat das Projekt gerne ausgewählt. Insbesondere für Studierende ist der Wohnraum knapp und die Wohnungsgenossenschaft hat hier in einer guten Lage zum Nord Campus der Uni Abhilfe geschaffen. Die Baukörper sind nach Norden zur Straße sehr geschlossen und übernehmen dadurch eine wichtige Aufgabe auch für die dahinterliegende Wohnbebauung: Lärmschutz. Nach Süden hingegen öffnet sich der Rigel und formt drei grüne Höfe. Das Spannungsfeld zwischen geschlossenen und offenen Flächen, öffentlichen und halbprivaten Bereichen macht Architektur interessant und zeigt auf, was wir Planer leisten können.

 

Was unterscheidet gesichtslose Klötze von architektonisch guten Gebäuden?

Ein gutes Gebäude fügt sich in den Ort, an dem es steht, harmonisch ein. Es nimmt Strukturen auf, schafft auch in den um das Gebäude entstehenden Außenräumen Qualitäten und reagiert auf die Nutzung. Um dies zu erreichen, muss man sich mit den Gegebenheiten und den speziellen Anforderungen auseinandersetzen. Eine Investorenarchitektur, die hier ebenso stehen kann, wie dort, wird oft keine identitätsstiftende Funktion erzielen. Ein Architektenwettbewerb ist ein guter Start, um zu einer optimalen Lösung für eine Bauaufgabe zu kommen. Und: Eine gute Architektur ist auch gut für die Menschen und ihre Stadt, denn gute Architektur lebt, wird akzeptiert und wertgeschätzt.

Kennen Sie besonders gute Beispiele für günstiges und trotzdem schönes Bauen in der Region?

Der soziale Wohnungsbau am Alfred-Delp-Weg von Sergio Pascolo ist auch mit der Erweiterung nach wie vor ein äußerst gelungenes Beispiel für preiswerten Wohnungsbau, der von den Grundrissen wunderbar funktioniert, aber auch durch seine markante Architektur eine Adresse schafft und dem Viertel eine Identität verleiht.

 

Kennen Sie gute Beispiele für gelungene Nachverdichtung in Göttingen?

Hier lohnt es sich auch auf kleinere Projekte zu schauen. Letztes Jahr beispielsweise war beim Tag der Architektur der Umbau einer Scheune zum Coworking-Space von Architekt Sascha Bindseil zu besichtigen. Eine als Parkplatz genutzte Scheune wurde im Herzen der Innenstadt zu einer innovativen Arbeitsumgebung umgestaltet. Der Ort wurde wieder einer Nutzung zugeführt, die für Belebung sorgt. Es sind oft auch kleine Projekte, die begeistern können.

 

Wie gelingt der Spagat zwischen Fachwerkidylle und Moderne im Bau?

Beides hat seine Berechtigung. Wir sollten einerseits unser historisches Erbe wertschätzen und erhalten – und dazu gehören eben nicht nur Fachwerkhäuser sondern auch die Bauten der 60er, 70er oder 80er-Jahre – und andererseits dem Bauen unserer Zeit vertrauen, ihm Raum und Platz geben. Gute Architektur vermittelt zwischen den Polen und ist im besten Fall ohnehin zeitlos.

Tipps für den Tag der Architektur in der Region: Sababurg und Chipperfield

Hotel Freigeist Göttingen: Das Gebäude entstand auf der Brachfläche des ehemaligen Tierärztlichen Instituts der Universität Göttingen, in direkter Nachbarschaft zur alten Zoologie der Universität - dem künftigen Forum Wissen. Die städtischen Vorgaben für die Entwicklung des Geländes sahen lediglich die Ansiedlung eines Hotels vor. Für eine singuläre Hotelansiedlung aber war das Gelände überdimensioniert. Um das Stadtbild würdig weiterzuentwickeln, wurde eine Kombination aus Hotel und Bürokomplex im Ensemble projektiert.

Tag der Architektur: Sparkasse und Hotel Freigeist Quelle: Mehle

Adresse: 37073 Göttingen, Berliner Straße 30

Bauherr: Freigeist & Friends GmbH

Architekten: ahrens&grabenhorst architekten, bmp architekten Görres, Duhm PartG, Baujahr 2018

Führungen: 11, 13 Uhr, Treffpunkt vor dem Hotel

Apartmenthaus An der Lutter: Das Gebäude besteht aus drei aneinandergereihten u-förmigen Baukörpern. Ein sechsgeschossiger Kopfbau am östlichen Stadteingang sorgt für eine Akzentuierung innerhalb des homogenen Gefüges. Die Geschlossenheit der Baukörper Richtung Norden zur Straße hin bildet sowohl für die studentischen Apartments als auch für die bestehende Wohnbebauung nach Süden einen baulich wirksamen Lärmschutz. In Richtung Süden öffnet sich das Ensemble und formt drei grüne Höfe, die als Kommunikationsflächen dienen.

Apartments an der Lutter Quelle: r

Adresse: 37075 Göttingen, Adam-von-Trott-Weg 1-7

Bauherr: Wohnungsgenossenschaft Göttingen

Architekten: Gerber Architekten, Baujahr 2018

Führungen: 11, 14 Uhr

Amtsgericht im Welfenschloss Hann.Münden: Im Westflügel des Schlosses wurde das Amtsgericht barrierefrei umgebaut und saniert. Mit dem barrierefreien Umbau wird das Amtsgericht im denkmalgeschützten Welfenschloss heute durch eine neue Sandsteinrampe erschlossen. Der Sandsteinbelag ist im Inneren fortgeführt. Der Eingangsbereich wurde vergrößert und mit einem neuen Hebelift lassen sich nun die unterschiedlichen Höhenniveaus barrierefrei erreichen. Alte Raumstrukturen wurden wieder sichtbar gemacht. Entstanden sind zwei neue Sitzungssäle, eine barrierefreie Toilettenanlage und ein Zeugenwarteraum.

Amtsgericht Hann.Münden Quelle: Lucas Melzer

Adresse: 34346 Hann. Münden, Schlossplatz 3

Bauherr: Land Niedersachsen

Architekten: Architekturbüro Volkmer, Baujahr 2019

Führungen: 12, 14 Uhr, Treffpunkt Eingang

Wohnhaus in Staufenberg: In der idyllischen Landschaft der Kasseler Berge liegt dieses Eckgrundstück am Dorfrand der Gemeinde Staufenberg. Umgeben von Wohnhäusern aus der Nachkriegszeit bildet dieses in monolithischer Massivbauweise errichtete Einfamilienhaus mit seiner klaren Formensprache einen modernen Kontrast. Der großzügige, nach Süden zum Garten ausgerichtete Wohnraum ist der wichtigste Raum des Erdgeschosses. Er vereint mit der halboffenen Küche und dem Kamin im Wohnbereich zwei zentrale Anker familiären Lebens.

Wohnhaus in Staufenberg Quelle: Tillmann Fuchs

Adresse: 34355 Staufenberg, Am Teichplatz 7

Bauherr: Familie Vogel

Architekten: Scholz&Fuchs Architekten, Baujahr 2018

Führungen: 10, 12 Uhr, Treffpunkt vor dem Gebäude

Rathaus Dassel: Bewusst wurde die Stadtmitte, umschlossen von Ratskeller und St. Laurentiuskirche, als Standort für das neue Rathaus gewählt. Es ist ein kompaktes und wirtschaftliches Gebäude, das neue Impulse für die Altstadt setzt. Dachform und Kubatur lehnen sich an die vorherigen, abgebrochenen, baufälligen Häuser am Kirchplatz an. Die Dacheindeckung erfolgt im ortstypischen Tonziegel. Für die Fassade sind Sandstein und sandsteinfarbige Putzstrukturen vorgesehen. Das Rathaus erhält einen Personenaufzug und ist barrierefrei zugänglich.

Rathaus in Dassel Quelle: r

Adresse: 37586 Dassel, Am Kirchplatz

Bauherr: Stadt Dassel

Architekten: K17 Steingräber-Architektur , Baujahr 2018

Führungen: 11, 13, 15 Uhr, Treffpunkt: Haupteingang

Sanatorium Braunlage: Das 1900 von Friedrich Barner gegründete Sanatorium wird heute als Fachkrankenhaus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie genutzt und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Jugendstilbauten Deutschlands. David Chipperfield Architects wurde mit der Umsetzung eines Masterplans zur Instandsetzung und Restaurierung beauftragt. Das Projekt wurde in das “Förderprogramm zur Erhaltung national bedeutender Kulturdenkmäler” aufgenommen und erhielt 2018 den Europäischen Kulturerbepreis “Europa Nostra” mit einem Grand Prix.

Klinikgebäude in Braunlage Quelle: r

Adresse: 38700 Braunlage, Dr.-Barner-Straße 1

Bauherr: Stiftung Sanatorium Dr. Barner

Architekten: David Chipperfield Architects Berlin, Baujahr 2018

Tierpark Sababurg: Im Tierpark Sababurg wird mit einem neuen Empfangsgebäude auf jährlich wachsende Besucherzahlen reagiert und eine, für diesen besonderen Ort, angemessene Eingangssituation geschaffen. Durch die vorherrschend regionalen Materialen Holz und Sandstein fügt sich das Gebäude zurückhaltend in die historische Anlage ein. Das Flugdach wird von geschälten Eichenstämmen aus dem Reinhardswald getragen. Ein Imbiss im Westen komplettiert mit seinem terrassiert gestalteten Außengelände den Ausgangsbereich.

Tag der Architektur: Neuer Eingangsbereich des Tierparks Sababurg. Quelle: Ben Brix

Adresse: Sababurg, 34369 Hofgeismar

Bauherr: Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtung Landkreis Kassel

Architekten: Baufrösche Architekten und Stadtplaner

Führungen: Sonnabend, 11, 13 Uhr. Sonntag: 11, 13 Uhr. Treffpunkt: vor dem Eingang

Von Britta Bielefeld

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