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Thema des Tages Das ist heute am Tag der Burgen und Schlösser los
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07:14 28.04.2019
Schloss Berlepsch bei Mollenfelde. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Nordhessen ist erstaunlich reich an Schlössern und Burgen. Am Sonntag, 28. April, ist in Nordhessen der Tag der Burgen und Schlösser. An den Aktionen rund um den Tag beteiligen sich auch das nahe Schloss Berlepsch und die Burg Ludwigstein.

Ins Leben gerufen wurde der Tag der Burgen und Schlösser von der Grimm-Heimat Nordhessen, die für die Region touristische Konzepte entwickelt. 30 Schlösser und Burgen beteiligen sich an diesem Tag, einige von ihnen sind auch von Göttingen aus gut zu erreichen.

Auf der Grenze von Niedersachsen und Hessen

Schloss Berlepsch etwa liegt auf der Grenze von Niedersachsen und Hessen. Das Schloss hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: 1368 erbaut, 1400 wieder zerstört, 1461 ging es an die Ritter von Berlepsch, fiel 1625 Wallensteins Truppen, 1631 Tillys Truppen zum Opfer. 1894 erhielt es seine heutige Form. Als Ausflugsziel mit Restaurant war Berlepsch bis 1980 bekannt, danach war das Schloss teilweise vermietet. Seit 2010 hat Fabian von Berlepsch das Haus renoviert, Restaurant und Cafe wieder eingerichtet und ein Konzept mit mittelalterlichen Festen und Ritterturnieren umgesetzt.

Schloss Berlepsch Quelle: Swen Pförtner

Am Sonntag gibt es hier Aktionen unter dem Motto „Lebendige Märchen“. Eltern und Kinder haben ab 11 Uhr auf Schloss Berlepsch die Gelegenheit, die Geschichten und Märchenfiguren leibhaftig zu erleben. Bekannte Gestalten aus Hänsel & Gretel, Rumpelstilzchen, Aschenbrödel, Dornröschen oder andere Figuren werden dargestellt und müssen von den Kindern erraten werden. Wer alle gefunden hat, bekommt eine Belohnung.

Jugendburg Burg Ludwigstein

Burg Ludwigstein ist vielen Göttinger Schülern bestens bekannt. Die Jugendburg ist ein beliebtes Ziel von Klassenfahrten und Workshops. Wanderer entdeckten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die verfallene Burg als romantisches Wanderziel, erwarben und restaurierten das Bauwerk. Heute gibt es auf der 600 Jahre alten Burg einen Herbergsbetrieb mit 180 Betten und 14 Tagesräumen, eine Jugendbildungsstätte sowie das Archiv der deutschen Jugendbewegung. Berühmt ist die Jugendburg Ludwigstein auch für den Zwei-Burgen-Blick, den sie gemeinsam mit der Burgruine Hanstein im Werratal bildet.

Am Burgentag nimmt Schauspieler Daniel von Trausnitz um 14 Uhr die Gäste während seines szenischen Rundgangs „Gestatten! Christoph Hülsing, Kammerdiener und Burgbesitzer“ mit auf eine humorvolle Zeitreise. Anmeldung unter ludwigstein.von-trausnitz.com. Um 15.30 Uhr haben Gäste die Möglichkeit, bei einer klassischen Burgführung den Ludwigstein kennenzulernen. Das Archiv der deutschen Jugendbewegung gewährt in der Zeit von 14-18 Uhr Einblicke in die Archivarbeit sowie die Ausstellung „Forschen zur Lebensreform“.

Burg Ludwigstein Quelle: Miriam Gerke

Trendelburg im Reinhaldswald

Ein Besuch wert ist auch die Trendelburg im Reinhardswald, durchs Niemetal und über die Weser ist sie gut erreichbar. Der Ursprung dieser historischen Ritterburg, die – schon aus der Ferne gut zu sehen – auf dem höchsten Punkt der Stadt im Weserbergland liegt, geht bis ins elfte Jahrhundert zurück. Erbaut auf einem Bergsporn hoch über der Diemel ist die trutzige Burg weithin sichtbar. Über 40 Meter ragt der Bergfried empor.  Die Burganlage beherbergt auch ein Hotel und ein Restaurant.

Der Bergfried ist für Besichtigungen geöffnet: Es gibt ein Foltermuseum, ein Angstloch sowie eine Grimm’sche Etage. Wer die 130 Stufen nach oben steigt, hat zudem eine fantastische Aussucht über die waldreichen Hügel des Diemeltals. Kinder zahlen am Burgentag keinen Eintritt.

Schloss Wilhelmshöhe in Kassel

Auch das Schloss Wilhelmshöhe in Kassel beteiligt sich am Tag der Burgen und Schlösser. Das Schloss, das eingebunden ist in den Bergpark Wilhelmshöhe oberhalb der Stadt Kassel, entstand ab 1786. Heute beherbergt es die Gemäldegalerie Alte Meister, die Antikensammlung, die Graphische Sammlung sowie das Schlossmuseum im Weißensteinflügel und eine wissenschaftliche Präsenzbibliothek im Kirchflügel.

Schloss Wilhelmshöhel Quelle: CH:Christina_Hinzmann

23 historische Schlossräume können bei Führungen im Weißensteinflügel besichtigt werden: unter anderem ein höfischer Speisesaal mit reich gedeckter Tafel und das kurfürstliche Badezimmer aus Marmor. Am Sonntag finden von 10 bis 17 Uhr jeweils zur vollen Stunde Führungen im Weißensteinflügel statt. Um 10 Uhr gibt es einen musikalischen Rundgang mit Verena Krack, um 11 Uhr einen Vortrag zum Thema „Verliebt, verlobt, verheiratet“ mit Dr. Evelyn Lehmann.

Bergpark mit Löwenburg

Im Bergpark Wilhelmshöhe liegt auch die Löwenburg. Sie zählt auf dem europäischen Festland zu den frühesten künstlichen Burgruinen im Landschaftspark. Von weitem erscheint sie wie eine romantische, vermeintlich mittelalterliche Ritterburg, erbaut wurde sie jedoch erst zwischen 1793 und 1801 unter Landgraf Wilhelm (reg. 1785 – 1821), dem späteren Kurfürst Wilhelm I.

Löwenburg bei Kassel Quelle: MHK

Im Inneren der Anlage befinden sich fürstliche Wohnräume, deren kostbare Ausstattung mit historischen Möbeln, Gemälden, Tapisserien, Gläsern, Bronzen, einer großartigen Waffensammlung und mittelalterlichen Glasfenstern die große Sammelleidenschaft des Erbauers widerspiegelt. Am Tag der Burgen und Schlösser gibt es hier zwischen 10 und 17 Uhr stündlich Führungen.

Heiraten auf der Burg

Heiraten ist in der Region unter anderem auf folgenden Burgen und Schlössern möglich:

Schloss Berlepsch, hier können sich Paare sowohl standesamtlich als auch kirchlich in der Schlosskapelle trauen lassen. Auch Trauungen im Schlosspark werden angeboten. Burg Plesse: Im Gewölbekeller und auf dem Aussichtsturm sind Trauungen möglich. Burg Ludwigstein: Der Ludwigstein ist Außenstelle des Standesamtes in Witzenhausen. Als Trauzimmer ist das Musikzimmer zugelassen.

Trendelburg: In der historischen Burgkapelle befindet sich das Trendelburger Standesamt. Auch an Sonnabenden sind hier Trauungen möglich. Auch alle anderen Räumlichkeiten der Burg sind als Standesamt zugelassen.

Burgen und Schlösser in der Region

Rund um Göttingen gibt es verschiedene Burgen und Schlösser, die einen Besuch lohnen: die Plesse, die Burg Hanstein und das Schloss Herzberg gehören dazu.

Rund um Göttingen gibt es verschiedene Burgen und Schlösser, die einen Besuch lohnen. Einen besonderen Platz nimmt die Burgruine Plesse ein. Sie gehört zu den bedeutendsten Höhenburgen Südniedersachsens und wird erstmals im Jahr 1015 erwähnt. Nach wechselvoller Geschichte verlassen um 1660 die Bewohner die Burg und diese verfällt langsam. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Bausubstanz beständig gesichert. Ende 2017 war beispielsweise nach zweieinhalb Jahren die Sanierung am sogenannten Dicken Turm der Plesse abgeschlossen. Die Kosten für die Arbeiten am Innen- und Außenbereich der Burg von rund 695 000 Euro hatte das Land Niedersachsen übernommen.

Burg Plesse

Seit mehr als 40 Jahren kümmert sich der Verein Freunde der Burg Plesse um die Anlage, um Restaurierungen, Sammlungen und auch um die Förderung der Erforschung der Burg. Aufgebaut wurde das Plessearchiv, das demnächst auch digitalisiert werden soll. Schirmherren der Burg sind die jeweiligen niedersächsischen Landtagspräsidenten, momentan die Göttingerin Gabriele Andretta.

Burgruine Plesse Quelle: R

Burg Hanstein

Die Burg Hanstein im nahen Thüringen lockt seit einigen Jahren Besucher durch Mittelalterfeste und Konzerte. Die erste sichere Nachricht über das Vorhandensein einer Burg Hanstein stammt aus dem Jahre 1070. Auch sie wurde im 17. Jahrhundert, ab 1683, von ihren Bewohnern verlassen und verfiel mehr und mehr. Erst von 1838 bis 1840 haben sämtliche von Hansteins in der alten Burg einen neuen Saal errichten lassen, um hier Familienkonferenzen abhalten zu können. Zwischen 1904 und 1915 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten im Hinblick auf die bevorstehende 600 Jahrfeier der Burg durchgeführt.

Burg Hanstein Quelle: r

Die Burganlage ging 1946 in das Volkseigentum der DDR, seit 1952 in Rechtsträgerschaft der Gemeinde Bornhagen über. Im Sommer 1985 Jahre wurde mit umfangreichen Sanierungsarbeiten begonnen. Seit 1990 ist die Burg Hanstein im Gemeindebesitz. Die Burg kann von März bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Schloss Herzberg

Ein Schloss kann auch Herzberg aufweisen. Hoch über der Stadt liegt eines der wenigen erhaltenen Renaissancefachwerkschlösser in Niedersachsen. Die heutige Vierflügelanlage hat ihren Ursprung im 11. Jahrhundert als mittelalterliche Burg. Nach einem Brand im Jahr 1510 wurde sie als Schloss neu aufgebaut. Das Schloss war über 700 Jahre im Besitz des Adelsgeschlechts der Welfen.

Im Stammhausflügel der 900 Jahre alten Anlage ist ein Museum untergebracht. In der Dauerausstellungen wird das Schloss als Objekt und als Schauplatz welfischer Herrschaft sowie die Wirtschaftsgeschichte dargestellt. Hier kann man den Handgriffen der Gewehrproduktion an den Werkbänken der staatlichen Manufaktur der Hannoverschen Kriegskanzlei folgen. Eine Besonderheit ist die Esperanto-Abteilung. Das Museum ist von April bis Oktober mittwochs bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Burg Scharfenstein

Bei Leinefelde steht die Burg Scharfenstein, die 1209 erstmals urkundlich erwähnt wird. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Burg ausgebaut. 1431 brannte die Burg fast vollständig nieder, wurde jedoch wieder aufgebaut. Seit 2002 ist die Burg im Besitz der Stadt Leinefelde. Die Burganlage wurde in den vergangenen Jahren umfangreich saniert. Am Innenbereich der Kernburg wird gegenwärtig noch gearbeitet. Die Burg Scharfenstein kann täglich zwischen 11 und 18 Uhr besichtigt werden.

Von Christiane Böhm