Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Tango Argentino – ein Tanz wie ein Dialog
Thema Specials Thema des Tages Tango Argentino – ein Tanz wie ein Dialog
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.03.2019
TdT-Tango Sonntag, 3. März?19:00 bis 21:00 musa e.V. Hagenweg 2A, 37081 Göttingen, Deutschland Tango-Reportage Ab 19 Uhr ist der Tanzabend, zu dem jeder kommen kann. musa: Es darf Tango getanzt werden! ab 19 Uhr MILONGA - der Auftakt - am Sonntag im Tanzlokal der musa (EG) Quelle: Peter Heller
Anzeige
Göttingen

Der Tango – in Filmen gern genutzt, die Darsteller auf der Tanzfläche in Szene zu setzen. Mit weiträumigen Bewegungen gleitet das Paar durch den Raum und bietet den Umstehenden eine beeindruckende Show. Doch eigentlich ist Tango sehr viel intimer, das Paar nur auf sich fokussiert. Und getanzt werden kann auf engstem Raum.

Aus einigen Fenstern im Erdgeschoss scheint rot-orangefarbenes Licht nach draußen. Nach dem Öffnen der Eingangstür ist die Musik aus dem Tanzraum der Musa schon leise zu hören. Die ersten Paare haben sich auf der Tanzfläche eingefunden und bewegen sich zu den sehnsüchtig seufzenden Klängen traditioneller Tangolieder. Andere sitzen am Rand und unterhalten sich. Eine angenehme Caféhaus-Atmosphäre in einem Raum, der ohne das Licht und das Parkett auf dem Boden wahrscheinlich den kargen Charme einer Fabrikhalle ausstrahlen würde.

„Wir haben schon in vielen Ländern der Welt getanzt“, sagt Birgit Mann. „Im Tango ist immer viel improvisiert.“ Es sei nicht ungewöhnlich, dass man die Räume nicht so leicht finde und diese eigentlich auch selten perfekt seien. Gemeinsam mit ihrem Mann Ulli Görtz hat sie vor sechs Jahren begonnen, den Tango Argentino in der Musa zu etablieren.

Gemeinsam in der Musik versunken

Das Paar geht zu den anderen auf die Tanzfläche. Er legt den rechten Arm um ihren Rücken, nimmt sie fest in den Griff. Sie schließt die Augen, lehnt den Kopf an seinen und versinkt in der Musik. Er führt, sie folgt, lässt sich auf seine Bewegungen ein. Wie die anderen Tanzpaare scheinen sie ihre eigene musikalische Welt zu erkunden.

„Der Tango Argentino ist ein Tanz, den das Paar für sich tanzt, nicht für die Zuschauer“, sagt Mann. „Oft kommen fremde Menschen zusammen und es entsteht etwas innerhalb von dreieinhalb bis vier Minuten.“ Das Miteinander von Führen und Folgen sei ein Dialog. Den Tanz zu erlernen, sei wie eine Sprache zu erlernen. „Was auf dem Boden passiert, ist wie Smalltalk“, bleibt sie im Vergleich mit der Sprache, wobei es auch im Tango verschiedene Dialekte gebe. „Am Anfang geht man viel“, sagt sie. Denn am schwierigsten sei es, „zusammen in der Musik zu sein“.

Verständigung ohne Worte

Das Zusammensein in der Musik haben Mann und Görtz verinnerlicht. Das zeigen sie beim gemeinsamen Tanz. Sie bilden eine Einheit, fügen eine Figur ein, eine Volcada. Dabei bilden sie eine Art A, gehen beide aus ihrer Achse und sind für den Moment abhängig voneinander. Das Miteinander sei das Besondere am Tango, bestätigt Astrid Schück während einer Pause: „Dieser feine Dialog, der beim Tanzen stattfindet, ohne Worte, nur über den Körper.“ Ob mit einem Anfänger oder einem Fortgeschrittenen – jedes Paar finde eine Ebene, auf der es sich bewegen könne.

„Im Gegensatz zum Standardtango hat der argentinische keine standardisierten Schrittfolgen“, sagt Mann. „Es gibt viele, die sich finden und einen Tanz kreieren.“ Der Tango sei die schönste Form der Selbsterfahrung, ein schönes Hobby für Paare. Viele würden aber auch alleine teilnehmen. Denn während einer Milonga, wie außer einer Stilrichtung im Tango auch die Tanzveranstaltungen heißen, werde der Tanzpartner gewechselt. Die Kontaktaufnahme erfolge über Blickkontakt, erklärt Görtz.

Ein musikalischer Vorhang

DJ Jürgen Lauke spielt eine Cortina, was auf deutsch Vorhang heißt. Aus den Boxen ertönen die Beatles. Das signalisiert eine kurze Pause. Die Paare verlassen die Tanzfläche. Nach etwa einer Minute erfüllen wieder Tangoklänge den Raum. Die Tanzwilligen nehmen Blickkontakt auf und finden sich zu neuen Paaren zusammen. Und wieder ist das Zusammenspiel der einzelnen Paare zu beobachten. Sie bewegen sich als Einheit, jeweils entsprechend der gemeinsamen Fähigkeiten.

„Es gibt eine feste Abfolge in der Musik“, erklärt der DJ. Pro Einheit werden vier Stücke gespielt. Auf zwei Einheiten Tango folge eine Vals, eine Stilrichtung im Dreivierteltakt. Dann wieder zwei Einheiten Tango und eine Milonga im Zweivierteltakt. „Meine Aufgabe ist, für gute Stimmung auf der Tanzfläche zu sorgen.“ Dazu gehöre bei einigen Veranstaltung auch, das Schema mal zu durchbrechen und eine Einheit mit modernen Tangostücken zu spielen. „Das ist nicht überall gewünscht.“ Die Tänzer in der Musa nehmen die modernen Rhythmen aber gern an.

Aufforderung mit den Augen

„Der Tango ist vermutlich die anspruchsvollste Unterhaltungsmusik der Welt“, ist Olaf Martin überzeugt. Er hatte mit seiner Frau einst hobbymäßig mit Standardtanz begonnen, bevor das Paar auf Anregung von Freunden beim Tango Argentino landete, „dem einzigen Tanz in der westlichen Kultur ohne festes Rhythmusschema“. „Wir kannten auch nicht, dass man den Partner wechselt“, sagt er. Ihm gefalle die Aufforderung zum Tanz durch Blickkontakt. Durch den Cabeceo bleibe dem Einzelnen die Schmach eines öffentlichen Korbes erspart. Danach sucht er den Blickkontakt einer Dame. Die nickt und die beiden beginnen ihren Dialog für die nächsten vier Lieder.

Hier können Tanzfreudige in der Region Tango lernen

Nicht nur in der Musa – auch auf anderen Tanzflächen in Südniedersachsen können Interessierte Tango tanzen.

Seit 2012 bietet Michael GroßTango im Landkreis“ an. Jeden Montag unterrichtet er den Tanz in Schwiegershausen, jeden Mittwoch in Leinefelde sowie donnerstags und sonntags in Göttingen. Zehn Unterrichtsstunden kosten 60 Euro. Am Samstag, 28. September, gibt es außerdem einen Tangoball in der Reihe „Kultur im Kreis“. Genauere Informationen gibt es unter Telefon 01 70 / 2 05 68 15 oder tango@herzwerk-verlag.de.

Das „Fachwerk-5Eck“, ein Netzwerk der Städte Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode am Harz, bringt den Tango in die Region. Die fünf Städte kommen zusammen auf rund 126 000 Einwohner, teilen die Vertreter des „5Ecks“ mit. „Genügend Menschen also, die wir für unseren Tango Argentino begeistern können.“

Kurse in Duderstadt, Einbeck und Northeim

In Duderstadt gibt es jeden Montag um 19.45 Uhr im AWO-Bürgertreff, Marktstraße 85, ein offenes Tangotraining. Die bunt gemischte Truppe übe die Grundlagen des Weltkulturerbe-Tango auf spielerische Art, so dass auch Menschen ohne Vorkenntnisse jederzeit gut mitmachen und neu einsteigen können, kündigt der Veranstalter an. Jeden zweiten Mittwoch um 19.30 Uhr findet zudem ein Tangoabend statt.

An jedem ersten Freitag im Monat um 19 Uhr bietet die Tangobrücke in Einbeck Livemusik, zu der „Tangueros und Tangueras“ tanzen können. „Die Welt des Tangos ist so facettenreich, intensiv und tief wie das Leben. Allzu lang sollte man nicht leben, ohne zu tanzen“, kündigt der Veranstalter an. Zwei- bis dreimal im Jahr gibt es Workshops, Tangokonzerte und das Tangofestival „Im wunderschönen Monat Mai“. Das nächste Tangokonzert, „Milonguita mit Livemusik von Flor de Lio“, findet am Freitag, 1. Februar, um 20 Uhr in der Tangobrücke, Lange Brücke 1 in Einbeck, statt.

In Northeim kann zwei- bis dreimal im Jahr Tango getanzt werden – „aber dann richtig“, teilt das „5Eck“ mit. Geleitet werden die Milonga-Abende von Evelin Ludolph. Sie unterrichtet in ihrem Fachwerkhaus in Denkershausen. In Osterode kommen Tangofreudige in der Schachtruppvilla aus dem Jahr 1819 zusammen. Bei Martin Keil und Patricia Kenar organisieren die unregelmäßigen Treffen der Tangogruppe. Wer Interesse hat teilzunehmen, kann sich bei ihnen per E-Mail an tango@5eck.de melden.

Tango in Hann. Münden lernen

Auch in Hann. Münden findet unregelmäßig ein Tangounterricht statt. Die Gruppe um Lore Puntigam trifft sich im Klanghaus. „Die Tangoszene Hann. Münden ist bestens vernetzt mit Tangotänzern aus Kassel, Göttingen und natürlich inzwischen auch aus den vier weiteren ’5Eck’-Städten“, heißt es in der Ankündigung. Interessierte können sich per E-Mail an lore.puntigam@web.de wenden.

In Göttingen kann außer in der Musa im KAZ in der Hospitalstraße 6 Tango getanzt werden. Dort legen jeden Dienstag um 21 Uhr DJs für einen offenen Tangoabend Musik auf. Sich anzumelden, ist nicht notwendig. Das KAZ bietet außerdem am Sonntag, 10. März, einen Anfänger-Workshop an, der 50 Euro pro Person, ermäßigt 40 Euro kostet. Interessierte können sich bei Klaus Güß per E-Mail an info@tangoundmehr.de anmelden.

Diese Regeln müssen Tango-Tänzer beachten

Wer neu beim Tango-Tanzen ist, muss nicht nur die Tanzschritte lernen: Es gibt einige Regeln, die auf der Tanzfläche beachtet werden müssen, damit kein Fuß zur Stolperfalle wird. Dafür hat die Osnabrücker Tanzschule „tango fuego“ einen „Milonga-Knigge“ herausgegeben. Der „Milonga“ ist eine Tango-Tanzveranstaltung.

Vier zentrale Regeln gibt es demnach für den Tanzspaß. Auf der Tanzfläche laufen zwei Spuren nebeneinander im Kreis, eine äußere und eine innere. Die Tango-Tänzer sollen in ihrer Spur bleiben und nur in eine Richtung tanzen. Außerdem sollen sie nicht auf dem Mittelstreifen zwischen zwei Spuren verweilen.

Blickkontakt und Kopfnicken

Die dritte Regel lautet: „Wenn vor euch Platz ist, geht weiter, sonst staut es sich hinter euch.“ Nicht zuletzt sollen Paare darauf achten, dass ausreichend Platz vorhanden ist. Diejenigen, die schon auf der Bahn tanzen, haben immer „Vorfahrt“.

Einen Tanzpartner zu finden, scheint nach den Regeln einfach: Um jemanden auf „buenosairische“ Art aufzufordern, werde Blickkontakt eingesetzt oder sich mit einem kleinen Nicken zur Bestätigung zum Tanz verabredet. Dafür bleibt genügend Zeit während der „Cortinas“, zu deutsch Vorhänge, bei denen für 30 Sekunden eine Zwischenmusik gespielt wird. So können die Tänzer für das nächste Tango-Stück einen neuen Partner finden.

„Die Milongas sind offen und für alle da“, steht im „Milonga-Knigge“. „Beachtet die Verkehrsregeln und die ’alten Hasen’ werden sich über ’die Neuen’ freuen.“ Sie würden die Szene bereichern.

Von Rüdiger Franke und Norma Jean Böger

Das Tageblatt hat anlässlich des Internationalen Frauentages mit der Präsidentin des Niedersächsischen Landtags und Abgeordneten für den Wahlkreis Göttingen, Gabriele Andretta (SPD) über Frauen in der Politik gesprochen.

08.03.2019

Tierischen Nachwuchs gibt es derzeit in den Ställen und Tierparks der Region. Wir haben die niedlichen Tierbabies fotografiert.

07.03.2019

In jedem Jahr landen Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel im Müll. „Foodsharer“ wollen das verhindern. Ihre Strategie: „Fairteiler“ an immer mehr Standorten in der Stadt.

04.03.2019