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Thema des Tages Tanzsportteam Göttingen ist für sechs Minuten im Fokus der Tanz-Welt
Thema Specials Thema des Tages Tanzsportteam Göttingen ist für sechs Minuten im Fokus der Tanz-Welt
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21:47 05.09.2019
In Moskau tanzt die Standardformation des Tanzsportteams Göttingen am Sonnabend ihre Choreografie „Postmodern Jukebox“ Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Freitag, 6. September: Das WM-Abenteuer des Göttinger Tanzsportteams kommt ins Rollen, und nimmt immer mehr an Fahrt auf. Morgens um 6.20 Uhr hebt der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Aeroflot von Düsseldorf in Richtung Moskau ab, um nach rund 2100 Kilometern Luftlinie um 10.30 Uhr bei vorausgesagten 21 Grad Außentemperaturen und leicht bewölktem Himmel auf Russlands größten Flughafen Moskau-Sheremetyevo zu landen.

Der Zeitplan ist eng: Passkontrolle, Gepäck verladen – und dann geht es ab ins DoubleTree by Hilton Hotel Moscow Marina, wo offensichtlich alle Standard-Teams nächtigen, unter anderem auch mit dem Deutschen Meister Braunschweiger TSC der zweite deutsche WM-Teilnehmer, der von Berlin-Schönefeld kommend um 13.30 Uhr in Moskau landen soll.

Sicherlich ein anstrengender Tag, den die Tänzer durchleben. Noch am Freitag sind in der Moskauer Megasport-Arena die Stellproben mit gesamter Choreografie, Musik, Ein- und Ausmarsch. Ob die Trainerteams dann zufrieden sind? Man wird sehen. Hauptsache einen Tag später, am Sonnabend, dem Tag des WM-Turniers klappt alles.

Zwei Teams der Russischen Föderation

Erst vier Tage vor der WM ist das Teilnehmerfeld mit den zwölf Standardformationen veröffentlicht worden. Demnach starten zwei Teams aus der Russischen Föderation, unter anderem Titelverteidiger Vera Tyumen aus Westsibirien, eine Mannschaft aus Weißrussland, je zwei aus der Mongolei, Tschechischen Republik, Österreich und Deutschland sowie ein Team aus den Niederlanden. Und: Als deutscher Wertungsrichter ist Hans-Jürgen Burger nominiert worden.

Team Göttingen tanzt und feiert. Quelle: Swen Pförtner

Jedenfalls ist das Lampenfieber der Göttinger Formation in den letzten Tagen rasant gestiegen. „Ich bin so stolz, dass wir uns mit unserem Bundesliga-Sieg für die WM qualifiziert haben. Jetzt freue ich mich unglaublich darauf, dass wir Deutschland gemeinsam mit dem Braunschweiger TSC in Moskau vertreten dürfen“, gibt Alicia Konrath, 23-jährige Biologiestudentin, ein Stück ihrer Gefühle preis, ebenso wie 17jährige Schülerin Michelle Barth: „Ich freue mich gegen den Titelverteidiger Vera Tyumen tanzen zu dürfen. Dabei erwarte ich einen unvergesslichen Moment auf der Fläche, während wir als Team der ganzen Welt zeigen, was uns das Tanzen bedeutet und was wir bereit sind zu investieren und zu leisten.“

Luftsprünge, Freudentränen, grenzenloser Jubel

Was das Tanzsportteam zuletzt im März dieses Jahres bewiesen hatte: Luftsprünge, Freudentränen, grenzenloser Jubel und laut knallende Sektkorken krönten in Nürnberg nach einer aufregenden Saison das fünfte und letzte Turnier, mit dem das Team zum ersten Mal in der 1. Bundesliga Standard die Meisterschaft für sich entschieden hatte.

Und nun setzt Martin Davong, der 25-jährige Tanzlehrer und selbst aktiver Teil der Formation, auf eine sehr spannende WM und verspricht: „Als Außenseiter werden wir die WM ordentlich aufmischen. Ich bin mir sicher, dass keine Mannschaft so viel Teamfähigkeiten und Energie in diese WM mitbringt wie wir.“

Was der in der ehemalige Sowjetrepublik Kasachstan geborene Göttinger Teamsprecher Anton Shukow (25) nur unterstreichen kann. Etwas russisches Blut fließt dem zukünftigen Maschinenbauingenieur noch durch die Adern. Gerne erzählt er von seinem russischen Opa und seiner griechischen Oma. Und er verrät, dass er vor nicht einmal zehn Jahren mit dem Formationstanzen seine neue Leidenschaft entdeckt hat. Kein Wunder, dass er es nicht mehr erwarten kann, sich am Sonnabend in Moskau mit den besten Teams aus der ganzen Welt messen zu dürfen. Und sich auf und den Moment freut, wenn die Halle samt der mitgereisten Göttinger Fangemeinde jubelt, „wenn wir als Team auf die Tanzfläche schreiten und für die nächsten sechs Minuten mit der traumhaften Choreografie „Postmodern Jukebox“ unsere Leidenschaft dem tanzbegeisterten Publikum präsentieren dürfen“.

Markus Zimmermann Quelle: Volker HeyVolker Hey

Formationstanz: Markus Zimmermann beantwortet die häufigsten Fragen

Die Tänzer kennen alle Regeln, der Laie eher nicht. Markus Zimmermann, Trainer des Tanzsportteams Göttingen, hat auf alle wichtigen Fragen rund um das Formationstanzen eine Antwort.

Wieso sehen die Akteure auf dem Parkett alle gleich aus? Warum tanzt ein Team mehrere Jahre lang dieselbe Choreografie? Wie ensteht die Musik für die Tänze? Und warum hält der Trainer Bernd das Brot in den Armen? Für Außenstehende sind die unterschiedlichen Facetten des Tanzsports manchmal nicht auf den ersten Blick verständlich. „Diese Fragen werden tatsächlich häufig gestellt“, sagt auch Markus Zimmermann, Trainer des Tanzsportteams Göttingen. Vor der Weltmeisterschaft in Moskau beantwortet er Fragen rund um das Formationstanzen.

Warum sehen die Tänzerinnen und Tänzer eines Teams fast identisch aus?

Grundsätzlich soll das einheitliche Aussehen dazu beitragen, dass acht Paare wie in Form gegossen auf dem Parkett stehen. Dafür sind die gleichen Bewegungsabläufe, aber auch das gleiche Outfit entscheidend: Zum Beispiel die gleichen Kleider, die gleichen Schuhe, die Haarfarbe, die Schminke oder der Schmuck. Die Vorbereitungen dafür dauern bei den Damen rund zweieinhalb Stunden, bei den Herren eineinhalb Stunden. Bestimmt wird das Outfit vom Trainerteam.

Schmieren sich die Tänzer eigentlich Schuhcreme in die Haare?

Bei uns haben alle Tänzer auf dem Parkett schwarze Haare, das ist mittlerweile aber nicht bei allen Teams so. Dazu benutzen wir klassisches schwarzes Haargel oder -spray, das es in jedem Karnevalsshop zu kaufen gibt. Einige Teams nutzen auch Schuhcreme, das haben wir früher auch. Es klingt zwar widersinnig, aber Schuhcreme ist sogar gut für die Haare. Es ist allerdings schwierig, damit eine lockere Frisur zu formen.

Wie wird die Musik ausgesucht – und wie entsteht sie?

Die Musik ist abhängig von dem Thema, das eine Formation tanzt. Es gab Zeiten, da war Musicalmusik sehr beliebt oder Musik aus bestimmten Stilrichtungen. Auch ein einzelnes Musikstück kann zur Grundlage eines Themas gemacht werden. Wir suchen in der Regel zwischen zehn und 15 Musikstücke aus, die dann auf die einzelnen Tänze gemodelt werden: Aus einem aktuellen Hit muss beispielsweise ein Tango werden. Unser Arrangeur in München schreibt eine Partitur, die nicht länger als sechs Minuten sein darf, so sehen es die Regularien vor. Die Musik wird dann für uns in einem Studio eingespielt, das ist ziemlich aufwendig und teuer.

Warum tanzt ein Team teilweise über mehrere Jahre dieselbe Choreografie?

Einerseits ist das ein finanzieller Aspekt. Es dauert mindestens ein Jahr, um die hohen Kosten für ein neues Konzept wieder reinzuspielen. Es kann auch zwei oder drei Jahre dauern, bis sich eine Produktion selbst trägt. Andererseits dauert das Training rund sechs Monate mit bis zu fünf Einheiten die Woche, bis eine Performance turniergerecht einstudiert ist. Ohnehin werden Höchstleistungen auch meistens erst im zweiten Jahr mit einem Thema erzielt.

Wie funktioniert das Wertungssystem der Kampfrichter?

Es gibt zwei verschiedene Systeme. Das klassische System ist vergleichend: Die Kampfrichter bilden eine Reihenfolge der Mannschaften in den Kategorien tänzerische Qualität, Musik, Ausführung der Choreografie, Durchgängigkeit und Charakteristik. Die beste Mannschaft bekommt dann die Note eins, die schlechteste die Note sechs. Im anderen System, das auch bei der Weltmeisterschaft angewendet wird, wird absolut in verschiedenen Kategorien bewertet. Das bedeutet, zwei Mannschaften können in derselben Kategorie auch die gleiche Wertung erhalten. Für jede Kategorie gibt es drei Kampfrichter. Wer letztlich die höchste Punktzahl hat, gewinnt.

Warum hat jedes Team ein besonderes Maskottchen?

Wie alle Leistungssportler, sind auch wir abergläubig: Im Tanzsport gibt es das Ritual, das die Maskottchen Glück bringen. Unser Maskottchen ist Bernd das Brot. Als die Mannschaft gegründet wurde, haben die Tanzschüler diese Wahl getroffen, seitdem ist Bernd dabei. Bei der Europameisterschaft in Sotschi im vergangenen Jahr berichtete sogar das russische Fernsehen über unser Maskottchen.

Wer tanzt mit wem – und wer entscheidet das?

Die Trainer stellen die Paare zusammen. Wir gehen dabei so vor, dass im Training Paare zusammen tanzen, die sich gut ergänzen. Die Größe spielt natürlich auch eine Rolle: Der kleinste Herr tanzt nicht mit der größten Dame. Am Abend vor dem Wettkampf entscheidet sich im Abschlusstraining, wer miteinander tanzen wird. Die Trainer wählen jeweils die besten acht Herren und Damen aus. Im Abschlusstraining werden in der Regel zwei Durchgänge simuliert, ehe wir bekanntgeben, wer beim Wettkampf tanzen wird.

Junges Braunschweiger Team ist auch dabei

Die Mannschaft des amtierenden Deutschen Meisters Braunschweiger TSC ist als weiterer deutscher WM-Teilnehmer völlig neu aufgestellt worden. Das Team um Weltklassetrainer Rüdiger Knaack ist um viele junge, teilweise noch minderjährige Tänzerinnen und Tänzer ergänzt worden, die allerdings trotz des jungen Alters reichlich Parketterfahrung haben und unter anderem bereits WM-Finalisten im Einzeltanzen waren.

Das Thema der Braunschweiger Choreografie bleibt „Light & Darkness“, eine Symbiose aus Metal und Symphonic. Derzeit stehen elf Paare im BTSC-Kader, die alle mit nach Moskau fliegen. Ein Trainingslager über fünf Tage in der ersten Augustwoche hat die Mannschaft ein großes Stück vorangebracht, und alle freuen sich auf die WM-Teilnahme. Auch die beiden Ex-Göttinger Ana Lena Kubitschke (22), Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens Energie/Umwelt, und Philipp Wortmann (30), Entwicklungsingenieur bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

Von Ferdinand Jacksch

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