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Thema des Tages Kindernachmittag in der Ethnologischen Sammlung in Göttingen
Thema Specials Thema des Tages Kindernachmittag in der Ethnologischen Sammlung in Göttingen
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00:24 02.04.2018
Isabel Pagalis zeigt den Kindern einen aus Blech hergestellten Bus.
Isabel Pagalis zeigt den Kindern einen aus Blech hergestellten Bus. Quelle: Vera Wölk
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Göttingen

Doch zunächst suchten die 14 Mädchen und Jungen gemeinsam mit Johanna Hemmersbach und Isabel Pagalies im Museum nach Spielzeugen. Das erste Spielzeug, das sie entdeckten, war eine Puppe mit der Indianerkinder spielen. „Die Puppe ist aus Bisonleder hergestellt worden. Und die Haare sind aus Fell“, erklärte Pagalis den Kindern. Vorsichtig durften die Fünf- bis Zehnjährigen die Puppe in die Hand nehmen. Besonders interessiert betrachteten sie die Glasperlen, die zur Verzierung an der Kleidung befestigt sind.

Schneegänse aus Knochen

Ebenfalls Bestandteil der Sammlung sind Spielzeuge der Inuit. Mit einem Globus zeigte Hemmersbach, wo die Inuit leben: auf Grönland und in Zentral- und Norsostkanada. Außerdem erfuhren die Kinder, dass die Inuit sich hauptsächlich von Fleisch ernähren, da sie aufgrund der niedrigen Temperaturen im Norden nicht in der Lage sind, Gemüse anzubauen. Unter anderem spielen die Kinder dort mit Tierfiguren, die aus Walrosszähnen und Knochen gefertigt worden. In der Sammlung gibt es unter anderem Schneegänse und kleine Robben zu sehen. „Auch einige der Worte, die wir benutzen stammen aus der Sprache der Inuit, beispielsweise das Wort „Anorak“, sagte Pagalis.

Das Pferd würfeln

Für einige der Kinder war die Vorstellung, mit Knochen zu spielen, merkwürdig. Dennoch probierten sie das Spiel „Pferderennen“, bei dem die Knöchelknochen von Schafen als Würfel benutzt werden, aus. Dieses Spiel hatte Hemmersbach aus der Mongolei mitgebracht. Sie hat dort ein Jahr gelebt. Den vier Seiten des Knochens ist hier jeweils ein Name zugeordnet. Sie heißen Schaf, Ziege, Kamel und Pferd. Das Pferd sei am schwersten zu würfeln, daher habe das Spiel seinen Namen bekommen. Ziel ist es im Wettstreit zweier Teams, mit seinem Pferd als Erstes die Ziellinie zu überqueren. Während des Spiels merkten die Kinder, wie schwierig es ist, ein Pferd zu würfeln. Deshalb war die Freude, wenn es ihnen doch einmal gelang, groß. Eine erfolgreiche Methode war, den Knochen mit der „Pferdseite“ nach oben zu halten, und ihn einfach fallen zu lassen. Als weitere Spiele zum Testen hatten Gemmersbach und Pagalis Geschicklichkeitsspiele dabei. Bei einem musste versucht werden, Knochen, die auf zwei Fäden waren, auf einen zu bringen. „Das ist doch nicht zu schaffen“, sagte ein Mädchen, nachdem es vergeblich versuchte das Rätsel zu lösen.

Autos aus Müll

Hemmersbach und Pagalis zeigten den Kindern aber auch, dass Spielzeuge nicht unbedingt gekauft werden müssen, sondern auch selbst hergestellt werden können. Hierzu hatten sie unter anderem Autos, die aus Blechresten gebastelt wurden, dabei. Aus alten Dosen ist ein Schiff entstanden. Die Kinder nahmen die Spielzeuge gern in die Hand und staunten, mit welcher Genauigkeit die kleinen Autos und Schiffe gefertigt worden. „Die Spielzeuge sind voll schön, obwohl sie aus Müll gebastelt sind“, sagte ein Grundschüler. Waren es zu Beginn des Nachmittags vor allem gekaufte Spiele, die sie kannten, wollen die Kinder sich jetzt auch Spielzeuge selber bauen.

Spielen ist angesagt: Knobeln im Schützenverein, Bingo im Altenheim und Würfeln für Kinder

Beim 1-2-3-Knobel winken Preise

In der „Alten Schule“ in Holzerode wird sonst geschossen. In der oberen Etage steht die Schießanlage des Schützenvereins, aber zweimal im Jahr wird unten, im Vereinsheim des „Männergesangverein Waldesgrün“, gewürfelt. Der SV Holzerode richtet dann ein Preisknobeln aus.

Für fünf Euro ist man dabei. Der Raum mit dem Waldpanorama als Wandbild ist voller Leute. Auf sechs Tische verteilt sitzen etwa 30 Dorfbewohner. Die nummerierten Sitzplätze werden ausgelost. Wer auf Platz Eins sitzt, muss die Punkte zählen.

Die Holzeröder spielen eine Variante, die auch „1-2-3-Knobel“ genannt wird. Höchstens dreimal würfelt der Spieler mit drei Würfeln. Zeigt ein Würfel zum Beispiel beim ersten oder zweiten Wurf eine Eins, wird er auf dem Tisch liegen gelassen. Der Spieler hat dann eine Wurf-Summe von Hundert erspielt. Die Augenpaare, die er nun mit zwei Würfeln erspielt, werden auf Hundert addiert. Wie oft der Spieler noch würfelt, muss er selbst entscheiden. Zeigen die beiden Würfel eine Fünf und eine Vier, dann ist die Summe 109 erreicht. Auf dem Punktezettel kann man nachschauen und sieht, dass beispielsweise der „Wurf 109“ 30 Punkte zählt. Mit drei Versuchen muss eine Summe erspielt werden, die größer als 103 ist, sonst bekommt der Spieler keine Punkte. Wer mit einem Wurf die Augenpaare Eins, Zwei und Drei hat, erhält die höchste Punktzahl von 200. Es gibt noch einige Würfe, die extra Punkte bringen: Ein Vierer-Pasch zum Beispiel, bei dem die Augenpaare mit einem Wurf drei Vieren zeigen, gibt 140 Punkte, der Sechser Pasch 160 Punkte. Die Kombination aus den Augenpaaren Vier, Fünf und Sechs bringt 190 Punkte. Wer mit einem Wurf drei Einsen würfelt bekommt 180 Punkte. Hat ein Spieler bei jedem von drei Würfen eine Eins, heißt das „eine Eins auf Raten“. Sie bringt 110 Punkte. Die Holzeröder kennen solche und ähnliche Würfe sowie ihre Punktzahl auswendig. Nach 20 Runden wird aus der Punktzahl der Gewinner errechnet. Dann werden neue Sitzplätze ausgelost und neue Runden gebildet.

Die Spieler hauen die Würfel im Lederbecher, der reihum geht, auf den Tisch. Das schlagende Geräusch dringt durch reges Stimmengewirr. Klaus Fröhlich, der zweite Vorsitzende des SV, erzählt über den Schützenverein: „Der Knobelabend ist eine Veranstaltung, mit der wir versuchen, die Leute an den Verein zu binden“. Nachwuchssorgen plagen den SV. „Der Altersdurchschnitt hier ist ziemlich hoch“. Es sei schwierig für die Turniere eine Mannschaft voll zu kriegen. Die Schützen müssten alle in einer Altersklasse sein aber die Kinder und Jugendlichen seien ja fast den ganzen Tag in der Schule. „Wenn sie nach Hause kommen, warten noch Hausarbeiten auf sie“, sagt Fröhlich. Das gehe zu Lasten von ehrenamtlichen Engagement und Vereinsarbeit. „Viele Jugendliche haben andere Hobbys.“ „Fast alle Leute kommen aus dem Dorf“, sagt Uwe Heilmann, Schatzmeister des Vereins. „Die meisten von ihnen arbeiten in Göttingen und pendeln zum Beispiel zu Sartorius.“

Die Preise, die es in Holzerode zu gewinnen gibt, sind verschieden: Eine Flasche Sekt oder Schnaps, eine Taschenlampe und auch ein Schuhregal liegen auf dem Tisch vor dem Tresen. Wer die meisten Punkte hat, der darf sich zuerst etwas aussuchen.

Ein Spiel, das den Bewohnern am Herzen liegt

Im Seniorenheim „Pro Seniore Residenz Posthof“ beginnt freitags um zehn Uhr die Bingo-Runde. Die Bewohner kommen aus unterschiedlichen Wohnbereichen zusammen. Eine gute Gelegenheit, sich kennen zu lernen, sagt Lisa Kutschmann, die die Betreuung und Beschäftigung der Senioren leitet.

„Schütteln sie die Handgelenke und zücken sie die Steine“, ruft Kutschmann. Es geht laut zu, denn einige der Spieler hören schlecht. Im Veranstaltungsraum wurden die Tische zusammengerückt und eine Runde aus 16 Bewohnern hat sich eingefunden. Kutschmann schüttelt eine Brotdose, in der die Pappzettel gemischt werden. Während der Bingo-Runde zieht die Betreuerin die Lose und ruft die Zahlen aus.

Auf den Losen steht je ein Buchstabe, der sich im Wort „Bingo“ findet, und eine Zahl. Die Spieler haben eine „Din-A4“ große, schwarz-weiße Bingo-Karte. In jeder Zeile finden sich senkrecht wie waagerecht fünf Zahlen. In der Zeile B finden sich fünf Zahlen zwischen eins und 15, in der Zeile mit dem Buchstaben I gibt es fünf Zahlen von 16 bis 30 und so weiter bis zur Zeile, die mit dem Buchstaben O überschrieben ist und in deren Zellen Nummern von 61 bis 75 gedruckt sind. Jeder Spieler hat eine Karte mit anderen Zahlen. Kutschmann zieht die Lose und ruft aus: „O - wie Otto - 63“ und wer die Zahl auf der Karte hat, markiert sie mit einem blauen Stein. Bei einer Reihe von fünf Steinen auf der Karte, ob waagerecht, senkrecht oder diagonal, ruft der Spieler Bingo. Gewinner ist, wer alle Felder seiner Karte zuerst mit Steinen belegt hat.

Kutschmann freut sich, als die ersten Bingo-Rufe das Klacken der Steine auf den Karten unterbrechen „Frau Rudolph, sehr gut.“ Sie hat die Karten der Spieler im Blick und manchmal hilft sie etwas, wenn jemand nicht aufpasst oder sie scherzt mit den Senioren. „Mir gefällt die Gemeinschaft beim Spielen“, sagt Gertrude Steinmetz. Ihr falle es manchmal schwer, ein neues Spiel zu begreifen. Außerdem sehe sie schlecht. „Ich erkenne manches nicht mehr“, sagt sie. Doch beim Bingo kann sie mitspielen. Zuhause habe sie es nie gespielt. Steinmetz sei froh, wenn die Bingo-Stunde kommt. „Darüber, dass ich dann unter Leuten bin und dass gespielt wird, was jeder kann“, sagt die Seniorin.

„Das ist ein Spiel, dass den Bewohnern sehr am Herzen liegt, weil es sie an ihre Jugend erinnert“, sagt Kutschmann über das Lotteriespiel. „Bei den Spielen ist es wie mit alten Liedern, die man früher in der Schule gelernt hat: Die Leute vergessen sie nicht.“

Einfach und schnell: Bingo

Das Bingo-Spiel ist weltweit bekannt. In der Türkei wird Bingo (auf türkisch: „Tombala“) traditionell am Silvesterabend mit der ganzen Familie gespielt. Ein Spieler kann auch mit mehr als einer Karte spielen. Der Reiz des Spiels liegt zum einen im relativ einfachen Spielablauf und zum anderen in der Schnelligkeit, mit die die Zahlen gefunden werden müssen.

In der Regel wird so gespielt, dass nur gewinnt, wer als erstes „Bingo“ ruft. Der Spielname Bingo wurde 1929 von dem amerikanischen Spielwarenhändler Edwin Lowe eingeführt. Auf einem Jahrmarkt in Georgia hatt er eine Gruppe von spanischen Spielern beobachtet, die die gezogenen Zahlen mit getrockneten Bohnen abdeckten und bei Gewinn „Beano“ riefen. Als Lowe seine ersten Beano-Runden in New York veranstaltete, rief ein Mädchen beim Gewinnen im Eifer des Gefechtes „Bingo“ - und Lowe hatte einen neuen Namen.

Von Vera Wölk