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Thema des Tages Vierbeiner helfen bei der Kommunikation
Thema Specials Thema des Tages Vierbeiner helfen bei der Kommunikation
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20:09 15.04.2019
Die Reit- und Heilpädagogin Petra Brauers arbeitet in Therapien mit Pferden und Ponys - hier Caruso (l.), Fellow und dahinter Findus. Quelle: Niklas Richter
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Landolfshausen

Im Offenstall in Falkenhagen leben Caruso, Fellow, Findus, Sonrisa und Anastasia. Die Haltung im Offenstall erlaubt es den Tieren, sich den ganzen Tag über frei zu bewegen, so wie es ihrer Natur entspricht. Nach unruhig tänzelnden oder drängelnden Vierbeinern sucht man daher unter den Ponys von Heilpädagogin und Reittherapeutin Petra Brauers vergeblich. „Diese Form der Haltung macht die Tiere zufrieden, daher kann man mit ihnen wunderbar arbeiten“, erklärt Brauers, die alle ihre Tiere in ihre therapeutische Arbeit einbezieht. Neben den Pferden hält die gebürtige Berlinerin zwei Hunde, zwei Ziegen und zwei Minischweine.

„Es kommt auf den Menschen an“, beantwortet die Therapeutin die Frage, welches der Tiere bei welcher Thematik zum Einsatz komme. „Wenn ich merke, dass jemand sehr positiv reagiert, wenn ich von den Schweinen erzähle, dann ist die Sache schon fast klar.“ Minischwein Rudi, nach dem bekannten Rennschwein benannt, und seine Schwester Berta leben wie die Ziegen direkt bei Brauers am Haus. Der Pferdestall liegt keine 200 Meter von diesem entfernt.

Pferde, Hunde, Katze, Schweine und Ziegen hält Petra Brauers.  Quelle: r

Tierische Therapeuten in jeder Größe

Betritt man den Paddock, ist man schnell von neugierigen Pferdenasen umzingelt. Doch die Präsenz der Vierbeiner beängstigt selbst pferdeunerfahrene Menschen nicht. Neulinge begegnen aber ohnehin erst einmal nur einem Tier in einem abgetrennten Bereich. Und falls doch einmal jemand Angst haben sollte, ist da ja immer noch Caruso.

In etwa so groß wie ein Schäferhund ist das Minipony, das Besitzerin Brauers als Therapiepferd auch in Alten- und Pflegeheimen einsetzt. Dazu hat sie in ihr Auto eigens eine Box einbauen lassen, um Caruso sicher zu seinem Einsatz zu transportieren. Vor Ort werden Carusos Hufe in bunt gestreifte Kindersocken verpackt, um die empfindlichen Hufe, aber auch den Fußboden des Heims zu schützen und die Lautstärke des Ponys ein wenig zu dimmen, während es durch die Gänge spaziert.

Reit- und Heilpädagogin Petra Brauers mit einer ihrer Ziegen.  Quelle: r

Vierbeiner als Kommunikationsbrücke

Die Begegnungen mit den alten, oft kranken Menschen seien immer etwas Besonderes, berichtet Therapeutin Brauers. „Wenn das Pony im Raum ist, ist Ruhe im Raum“, erzählt sie von der wohligen Stimmung, die von Carusos Präsenz ausgeht. Immer wieder komme es zu kleinen Momenten, in denen die, oft in sich versunkenen, Demenzerkrankten aus sich herauskämen: „Einmal habe ich mit 20 alten Menschen in einem Heim ein Lied für Caruso gesungen“, erzählt sie. Musik schaffe – so wie das Tier – eine Brücke der Kommunikation.

Vertrauen aufbauen und Verantwortung übernehmen

Doch nicht nur in Pflegeheimen ist die Therapeutin tätig. Sie hat mit Kindern gearbeitet, zuletzt auch viel mit erwachsenen Klienten. Zu ihr kommen Menschen in Krisensituationen, aber auch jene, die traumatische Situationen erlebt haben und diese aufarbeiten möchten. „Ich schaue: Wo steht derjenige, der zu mir kommt?“ Oft wüssten die Patienten gar nicht, wo ihr Problem genau liegt. Dann müsse man sich herantasten. Aktuell betreut sie etwa zusammen mit ihrer Altstute Anastasia eine junge Frau.

Die Haflingerstute ist bereits 33 Jahre alt und hat mit der Therapeutin viel erlebt. „Wenn wir mit den Tieren spazieren gehen, übergebe ich den Führstrick an den Patienten.“ So bauen die Klienten eine erste Bindung zum Tier auf und übernehmen Verantwortung – etwas, das im Alltag oft schwerfällt. Mit Fortschreiten der Therapie dürfen die Patienten dann wortwörtlich auch einmal die Perspektive wechseln und erleben die Welt vom Pferderücken aus. Sowohl die Bewegung, als auch die Nähe zum Tier seien wohltuend, berichtet Brauers, die mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen agiert. Anfang der 90er-Jahre hatte Brauers in der Schweiz die Ausbildung zur Reittherapeutin absolviert. Zu diesem Zeitpunkt war sie als Erzieherin aktiv, später kamen die Weiterbildung zur Heilpädagogin und eine Fortbildung in der systemischen Familientherapie hinzu.

Info:

Mehr Informationen und die direkte Kontaktmöglichkeit zu Petra Brauers finden Interessierte unter www.haflinger-heilreiten.de.

Besuchshunde bringen Freude und Gelächter

Lacy, Miro und Lorna sind regelmäßige Gäste in den Seniorenheimen der Region. Gemeinsam mit ihren Besitzerinnen bringen sie Freude in den Tag der alten Menschen und bauen Kontakt zu Erkrankten auf.

Seit Juni 2015 ist Hündin Lacy mit ihrer Besitzerin Irmela Clemens im Einsatz für den Besuchshundedienst der Malteser. Aktuell übernehmen 12 Tiere mit ihren Zweibeinern den ehrenamtlichen Dienst und besuchen verschiedene Pflegeheime in der Region. Doch die Gruppe sucht nach weiterer Unterstützung, um dem großen Bedarf gerecht zu werden: In einer Informationsveranstaltung Anfang des Monats haben sich 17 Hundehalter mit ihren Tieren vorgestellt, davon sechs bis acht in den tatsächlichen Einsatz zu bringen, wäre schön, berichtet die pensionierte Lehrerin Clemens.

Die Besuchshundestaffel der Malteser besucht Senioren im Heim Carpe Diem. Lothar Kokowski mit Lacy und Lorna. Rechts sitzt Elfi Ramser. Quelle: Niklas Richter

In Teams im Einsatz

Im Heim Carpe Diem in Gleichen sind Miro, Lacy und Lorna mit ihren Besitzerinnen zu Gast. Für gewöhnlich gehen immer zwei Hundeteams gemeinsam in den Einsatz, daher ist die Freude groß, als die Bewohner bemerken, dass sie an diesem Tag Besuch von gleich drei Fellnasen bekommen haben.

Das Team aus Mensch und Hund dreht eine Runde im Sitzkreis der Senioren, stellt sich vor. „Du hast so eine schöne Haarspange drin“, sagt eine Bewohnerin zu Bearded Collie Miro und fragt, ob der Hund nicht einmal zum Friseur müsse. Alle lachen, die Stimmung ist gelöst. Miros Besitzerin Silke Grewe erklärt, wie es um das rassetypische Fellkleid ihres freundlichen Hundes bestellt ist.

Erinnerungen werden geweckt

Lothar Kokowaski spielt mit den Hunden. Er habe früher selbst einen Dackel gehabt. „Mit dem konnte man sprechen, wie mit einem Menschen“, berichtet er und schaut sich um. Doch seine Suche ist nicht von Erfolg gekrönt. Sein Lieblingshund „Herr Kaloi“, ein Berner Sennenhund, ist mit seinem Frauchen nach Österreich verzogen. „Herr Kokowski hatte eine ganz besondere Beziehung zu Herrn Kaloi“, verrät Silke Grewe und tröstet damit, dass Mischlingshündin Lorna und ihre Besitzerin Elfie Ramser nun stattdessen regelmäßige Besucher seien.

Die Besuchshundestaffel der Malteser besucht Senioren im Heim Carpe Diem. Foto: Silke Grewe zeigt mit ihrem Beardet Collie Miro kleine Kunststücke. Quelle: Niklas Richter

Ramser war sonst zu anderen Zeiten im Einsatz und hatte mit Lorna die Tagesgäste, also Senioren, die nicht dauerhaft im Pflegeheim leben, besucht. „Aktuell sind wir zu wenig Leute“, berichtet sie. „Da haben die Bewohner, die immer hier sind Vorrang.“

Gelöste Stimmung

Abwechslung bringt das Hundeteam in den Alltag der Senioren, die unverbindliche Nähe, die die Tiere herstellen, zaubert den Anwesenden ein Lächeln in das Gesicht. Generell wird viel gelacht an diesem Nachmittag. Erna Tilgner beobachtet, dass Miro mit Leberwurst aus einer Tube belohnt wird. „Keine Sorge, dass ist nicht dieselbe, die Sie heute Abend auf Ihrem Brot haben“ neckt der anwesende Pfleger, während Seniorin Dora Jost befindet: „Die hat aber starke Füße“, als Mischlingshündin Lorna mit den Vorderpfoten auf ihre Knie klettert, um ein Leckerli einzuheimsen.

„Das ist das Wahnsinnige“, erzählt Clemens von ihren Erfahrungen mit den Senioren. „Es gibt einen Bewohner, der ist bereits 92 Jahre alt und macht eigentlich nichts mehr, er knetet nur noch einen Ball. Aber wenn man ihn dann anspricht und die Hand zum Hund führt, dann strahlt er über das ganze Gesicht.“ Die Effekte, die die Tiere auf Gruppen von weniger mobilen Senioren als der an diesem Tag besuchten hätten, seien enorm. „Die Menschen sind ausgeglichener, sie essen oft besser und sind mehr bei sich. Man sagt, die Hunde seien ein Türöffner.“ Clemens spricht von „Gänsehautmomenten“, es ist spürbar, wie stark ihr der ehrenamtliche Einsatz am Herzen liegt.

Info:

Wer das ehrenamtliche Team der Malteser Besuchshunde unterstützen möchte, kann unter irmela.clemens@malteser.org Kontakt aufnehmen.

„Yoda ist ein etablierter Mitarbeiter“

Golden Retriever-Labrador-Mix Yoda ist ein Therapiehund. Im Fachklinikum Asklepios kommt er regelmäßig zum Einsatz. Eine Psychologin und der Direktor des Fachklinikums berichten über die Arbeit mit dem Vierbeiner und „seinen“ Patienten.

Psychologen, Therapeuten und Spezialisten sind in der Abteilung für Psychiatrie im Asklepios Fachklinikum in Göttingen tätig. Seit fast zwei Jahren gibt es außerdem einen besonderen Mitarbeiter: Yoda. Der fünfjährige Golden Retriever-Labrador-Mix ist ein Therapiehund, der in Einzel- und Gruppensitzungen im Asklepios kommt.

Seine Halterin, Yesim Demiran, arbeitet seit 2016 als Psychotherapeutin im Fachklinikum. „Ich bin mit Hunden aufgewachsen und während meines Psychologie-Studiums hatte ich den Plan, einen Therapiehund ausbilden zu lassen“, sagt Demiran.

Der ärztliche Direktor des Fachklinikums Asklepios, Dr. Knut Schnell mit Psychologin Yesim Demiran und Therapiehund Yoda.  Quelle: Laura Giebner

Einjährige Ausbildung im Freiburger Institut

Nach einer einjährigen Ausbildung am Freiburger Institut für tiergestützte Therapie kommt Yoda nun dreimal die Woche auf der Station 5.3 mit dem Behandlungsschwerpunkt Depressionen zum Einsatz. Der ärztliche Direktor des Fachklinikums Asklepios, Dr. Knut Schnell, ist begeistert von der tiergestützten Therapie mit Yoda. „Ich kenne das Konzept der tiergestützten Intervention aus der Vergangenheit. Während der Umorganisation unseres psychotherapeutischen Fachbereichs habe ich mich dafür eingesetzt, dass dieses Konzept auch in der Asklepios Klinik etabliert wird“, berichtet Schnell.

Demiran erzählt, dass die Patienten die Anwesenheit von Yoda vornehmlich positiv bewerten. „Ich habe erwartet, dass sich einige Patienten weigern, mit dem Hund in Kontakt zu treten. Dieser Fall ist bisher nicht eingetreten.“ Yoda werde als hilfreich empfunden. Patienten, die dem Tier anfangs skeptisch entgegentraten, haben eine Verbindung zu Yoda aufgebaut. „Wenn er mal krank ist, erkunden sich die Betroffenen direkt nach seinen Wohlergehen“, fügt Demiran hinzu.

Der ärztliche Direktor des Fachklinikums Asklepios, Dr. Knut Schnell mit Psychologin Yesim Demiran und Therapiehund Yoda.  Quelle: Laura Giebner

Positiver Effekt

Trotz mangelnder Forschungsbefunde verzeichnen Demiran und Schnell einen positiven Effekt des Therapiehundes. Betroffene berichten, dass sie sich während einer Gesprächssitzung besser öffnen können, wenn Yoda anwesend sei. Bisher habe kein Erkrankter den Hund als störend empfunden.

„Manchmal ist er nur während des Gesprächs dabei und schafft eine entspannte Atmosphäre“, sagt Demiran. Für Patienten, die antriebslos seien, habe Yoda einen aktivierenden und stimmungsaufhellenden Effekt, etwa beim Spielen oder Spazierengehen.

Von Claudia Bartels und Laura Giebner

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