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Thema des Tages Traditionelles Bogenschießen in Seeburg
Thema Specials Thema des Tages Traditionelles Bogenschießen in Seeburg
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01:22 19.01.2019
Das Ausüben des Sports in der freien Natur bildet einen der positiven Aspekte des traditionellen Bogenschießens. Quelle: Fotos
Seeburg, Hann. Münden

Im vergangenen Jahr beschloss eine Gruppe von Bogensportlern, ihre Sportart in Seeburg zu etablieren. Mit dem SV Seeburg, dem einige der Teilnehmer über andere Sparten bereits angehörten, fanden sie einen Verein, dem sie sich unter dem Namen Green Arrows anschlossen. „Initialzündung war das Sportfest 2017, bei dem die Seeburger Andreas Reimschüssel und Ernst Stephan das traditionelle Bogenschießen demonstriert haben“, berichtet Wüste­feld. Anders als bei der olympischen Variante des Bogenschießens werde dabei bewusst auf Technik verzichtet. „Ohne Zielhilfen, Visierung oder Stabilisatoren und mit Bögen aus natürlichem Material wie Holz und Bambus wird das Bogenschießen wieder auf seine sehr ursprüngliche Form zurückgeführt.“

Eigene Sparte im SV Seeburg

Diese Präsentation habe viel Beachtung gefunden, so Wüstefeld weiter. Schon im Frühjahr 2018 fanden sich bei kühler Witterung erste Interessenten auf dem alten Sportplatz des SV Seeburg ein, um unter Anleitung die ersten Pfeile fliegen zu lassen. Kurz darauf habe der Vorstand des SV Seeburg die Sparte „Traditionelles Bogenschießen“ eingerichtet. Der Verein förderte die Athleten, indem er die ersten Leihbögen zur Verfügung stellte und den Bogenschützen die dauerhafte Zusage für die Nutzung des alten Sportplatzes gab. Mittlerweile ist die Gruppe auf rund 20 Trainingsteilnehmer angewachsen, darunter auch Kinder und Jugendliche.

Traditionelles Bogenschießen Quelle: r

Faszination

Doch was macht die Faszination des traditionellen Bogenschießens aus? „Die Faszination liegt darin, sich ohne technische Einrichtungen ganz auf die Auge-Hand-Koordination zu verlassen“, sagt Wüstefeld. Das instinktive Schießen, die Auge-Hand-Koordination und die Fähigkeit, ein Ziel mit vollkommener Konzentration zu fokussieren, stünden im Vordergrund und führten zu erstaunlich präzisen Schießergebnissen. Darüber hinaus seien die Athleten in freier Natur unterwegs.

Kombination an Anforderungen

Das Bogenschießen beinhalte eine Kombination von verschiedenen Anforderungen, erläutert Wüste­feld. Wichtig sei die Konzentration. Hinzu komme der Bewegungsaspekt beim Auszug des Bogens. Danach gelte es, sich zu fokussieren, um dann den Ablass sauber hinzubekommen. Anschließend müsse man nachhalten und könne schauen, wie der Pfeil einschlägt. Es habe eine faszinierende Wirkung besonders auf Anfänger, dass sie 30 Meter von ihrem Standpunkt eine Fernwirkung erzielen. Für manche Bogensportler habe das Schießen auch einen mentalen Aspekt. „Sie betrachten den Ablauf zum Teil als eine Art meditativen Akt.“

Wettkampfkultur

Die Wettkampfkultur beim traditionellen Bogenschießen sei nicht auf einen so großen Leistungsdruck ausgelegt wie bei der olympischen Variante, nennt Wüstefeld einen weiteren Aspekt, der ihm an seiner Version gefällt. „Wenn wir in Gruppen über den Parcours gehen, wird gesprochen und gescherzt.“

Archaisch

Traditionelles Bogenschießen Quelle: r

Beim traditionellen Bogenschießen wird unter anderem auf Tier­figuren geschossen, die auf der Parcoursstrecke aufgebaut werden. Das klinge sicher erst einmal archaisch, doch wegen der Jagd sei das Bogenschießen entstanden. Sicherlich sei das ein Aspekt, den manche Menschen ablehnten, sagt Wüstefeld. „Doch die gesetzliche Lage ist klar: Die Bogenjagd ist in Deutschland verboten.“ Deutschland und Österreich zählen zu den wenigen europäischen Ländern, die diese Form der Jagd nicht erlauben, im Gegensatz zum Beispiel zu Dänemark, Polen, Belgien und Frankreich.

Einen eigenen Parcours einrichten

Die Mitglieder der Green Arrows hoffen, irgendwann selbst einen eigenen Parcours einrichten zu können. „Wir würden dafür gern das an unseren Schießplatz angrenzende Waldstück nutzen“, sagt Wüstefeld. Deshalb seien sie dabei, die Möglichkeiten auszuloten und Gespräche mit dem Jagdpächter und der Jagdgenossenschaft als Besitzer zu führen.

Bogenbau

Außer dem Schießen sei für manche Bogensportler eine weitere Faszination sich eigene Bogen und Pfeile zu bauen, erzählt Wüstefeld. „Dazu werden dann aber nicht wie früher Weidenstöcke gebogen“, erläutert er. Vielmehr werde abgelagertes Holz genutzt und mit einem Ziehmesser bearbeitet, um sich einen individuellen Bogen zu kreieren. Eibenholz sei zum Beispiel ein bekanntes Holz oder auch das englische Osageholz. „So weit sind wir aber noch nicht, dass wir damit unsere Wintermonate verbringen.“

Training

Ab März werden die Bogensportler wieder regelmäßig auf dem alten Sportplatz in Seeburg üben. „Den Bogensport kann man bei jedem Wetter ausüben“, sagt Wüstefeld. Aber bei manchem Wetter mache es eben mehr Spaß als bei anderem. Die Green Arrows treffen sich sonntags um 11 Uhr. „Wer das traditionelle Bogenschießen ausprobieren möchte, ist eingeladen“, sagt Wüste­feld. Dafür habe der Verein ja die Leihgeräte zur Verfügung gestellt. Allerdings sollten sich Interessenten vorab bei Lennard Schmidt unter Telefon 0 15 11 / 08 34 023 anmelden oder sich über die Facebookseite der „Green Arrows – 3D-Bogenschützen im SV Seeburg melden.

Parcours-Möglichkeiten

Die Green Arrows in Seeburg hoffen, in der Zukunft angrenzend an ihren Schießplatz einen eigenen Parcours einrichten zu können. Im Umkreis von bis zu rund 50 Kilometern um Göttingen gibt es bislang einige Parcours-Anlagen für Bogensportler:

Shadow-Hunters Volkmarshausen, 34346 Hannoversch Münden, Industriestraße 5

Hemelmühle, 34359 Reinhardshagen, Obere Kasseler Straße 63

Feldbogen Kassel-Helsa, 34132 Helsa, Frierichsbrücker Straße

Bogensportzentrum Wanfried, 37281 Wanfried, Celler Straße 24

Speed Bow Hunters, 99974 Mühlhausen, Schützenbergstraße.

Zielen im Bogenschießkino in Hann. Münden

„Tradition trifft Moderne“ lautet das Motto im Trans World Hotel Auefeld in Hann. Münden. Dort betreibt die Firma Just­Outdoor ein Bogenschießkino. „Die Schützen schießen auf Ziele in einem Film“, erläutert Carsten Dreßler.

Bogenschießkino in Hann. Münden Quelle: r

Indoor Outdoor-Sport zu betreiben, bietet verschiedene Vorteile. Der Aktive ist unabhängig von der Witterung. Auch ist gerade beim Bogenschießen kein großes Gelände notwendig, um Distanzen und die entsprechenden Sicherheitsabstände einhalten zu können. Trotzdem erlaube die Technik den Sport realistisch auszuüben, erklärt Dreßler.

Mit blankem Bogen

„Mit einen blanken Bogen gehen die Teilnehmer im Kino auf die Jagd“, sagt Dreßler. Sie schießen dabei intuitiv auf eine zehn Quadratmeter große Bogenscheibe, auf der mit der modernen Technik die Ziele abgebildet werden. „Beim Einschlag des Pfeils stoppt der Film kurz, um den Treffer auszuwerten“, erläutert er.

Mehr als 500 Clips

„Mehr als 500 Clips sind gespeichert und werden den Teilnehmern entsprechend eingespielt“, sagt Dreßler. Dabei werde jeder gefordert – ob Anfänger oder erfahrener Bogenschütze. Bis zu vier Schützen können gleichzeitig schießen. Die Ziele werden der Gruppe entsprechend zusammengestellt. „Wir fangen bei Anfängern langsam auf stehende Ziele an.“

Schwimmende Aspirin-Tabletten

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Schützen können auf Dartscheiben schießen oder auch schwimmende Aspirin-Tabletten anvisieren. Wer möchte, kann virtuell Tiere bis hin zu Dinosauriern jagen. Auch Fantasy-Fans kommen auf ihren Geschmack und können wilde Drachen besiegen.

Ausrüstung

„Es stehen zwölf Bögen in verschiedenen Zugstärken zur Verfügung“, erzählt Dreßler. Dabei gebe es sowohl Ausrüstungen für Rechts- als auch Linkshänder. „Es kann aber auch eigenes Material mit einem Zuggewicht bis zu 45 lbs mitgebracht werden.“ Allerdings seien Compound-Bogen nicht zugelassen. Empfohlen sei der Indoor-Schießsport ab einem Alter von zehn Jahren.

Öffnungszeiten

Das Bogenschießkino im Trans World Hotel Auefeld, Hallenbadstraße 31 in 34346 Hann. Münden, zu folgenden Zeiten geöffnet: montags bis freitags von 18 bis 22 Uhr, sonnabends von 16 bis 22 Uhr sowie sonn- und feiertags von 14 bis 20 Uhr. Personal ist nur zu gebuchten Stunden vor Ort. Gebucht werden kann bis eine Stunde vor Startzeit. Andere Zeiten sind nach Vereinbarung möglich, zum Beispiel zu Geburtstagen oder Brunch im Hotel. Die Zeiten gelten nach Dreßlers Angaben zunächst bis 30. April. „Dann entscheiden wir, ob wir im Kino pausieren und nach draußen gehen und dann im Winter weitermachen.“ Bei den Shadow Hunters in Volkmarshausen gebe es zwei Parcoursstrecken, auf denen dann outdoor geschossen werden könne.

Buchungen

Buchungen sind möglich bei Carsten Dreßler unter Telefon 01 52 / 53 54 68 81 oder per Mail an justoutdoor@online.de. Weitere Informationen: justoutdoor.de.

Von Rüdiger Franke

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