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Thema des Tages Trends beim Weihnachtsbaumkauf: Selbst schlagen oder online bestellen
Thema Specials Thema des Tages Trends beim Weihnachtsbaumkauf: Selbst schlagen oder online bestellen
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18:25 13.12.2019
Nachhaltigkeit beim Weihnachtsbaumgeschäft: Einige Kunden mieten online Weihnachtsbäume im Topf und lassen sie sich nach Hause liefern. Nach den Festtagen gehen die Bäumchen zurück und werden wieder eingepflanzt. Quelle: dpa
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Göttingen

Etwa 25 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in den Wohnzimmern der Deutschen aufgestellt. Ob Nordmanntanne, Fichte oder Edeltanne: Kaum einer mag zu Hause auf das duftende Grün verzichten. Zahlreiche Baumschulen und Verkaufsstände finden sich ab Anfang Dezember in der Region, aber auch das Selbstschlagen ist beliebt – besonders bei Familien. Häufig bieten Forstämter und Betreiber von Weihnachtsbaumplantagen dies zu festen Terminen an, inklusive warmer Getränke und einem kleinen Imbiss. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt:

Bei Billen Forst, An der Kultur (Eventscheune), in Waake-Bösinghausen können bis zum 24. Dezember täglich von 9 bis 16 Uhr Weihnachtsbäume geschlagen werden. An den Wochenenden 14./15. und 21./22. Dezember gibt es für Besucher Glühwein, Kinderpunsch und Wildschwein-Gulaschsuppe. Sägen werden bei Bedarf gestellt. Der Meter Nordmanntanne oder Blaufichte kostet 20 Euro.

Familien kommen gerne, um im Jaidental Weihnachtsbäume selber zu fällen. Quelle: Niklas Richter

Die Realgemeinde Weende bietet seit vielen Jahren die Möglichkeit an, sich seinen Tannenbaum selbst zu fällen. In der Trasse im Jaidental können sich Interessierte dieses Jahr am Sonnabend, 14. Dezember, von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr einen Baum aussuchen. Zu schlagen gibt es Nordtannen, Fichten und Blaufichten, teilt Vorsitzender Thomas Hänsch auf Nachfrage mit. Bis zwei Meter Länge betragen die Kosten unabhängig von der Baumart 25, bis zweieinhalb Meter 30 Euro.

Zum ersten Mal bietet die Forstgenossenschaft Badenhausen Weihnachtsbäume zum Selberschlagen an. Am Sonnabend, 14. Dezember, können von 11 bis 15 Uhr Nordmanntannen am Steinbühl (zwischen Badenhausen und Windhausen) gefällt werden. Da dies bereits am Wochenende davor möglich war, sind vorwiegend Tannen im Größenbereich 1,50 und 1,60 Meter erhältlich, sagt Beisitzer Peter Beulshausen. Es gibt Gegrilltes sowie warme und kalte Getränke.

Traditionell organisiert das Forstamt Reinhardshagen wieder einen Weihnachtsbaumverkauf. Am Sonnabend, 14. Dezember, im Revier Reinhardshagen können von 9 bis 12 Uhr Tannen selbst geschlagen werden. Treffpunkt ist ab 9 Uhr am Holzlagerplatz im Schwarzen Loch. Die Anfahrt erfolgt von der Landstraße L 3229 etwa 4 Kilometer ab Ortsausgang Reinhardshagen/Veckerhagen in Richtung Hofgeismar. Die Einfahrt in den Waldweg und die weitere Anfahrt ist beschildert. Es geht auf festen Waldwegen zu der Weihnachtsbaumfläche.

Manche Verkaufsstände bieten ebenfalls Weihnachtsbäume direkt aus dem Wald an. Quelle: dpa

Am Sonntag, 15. Dezember, können im Revier Waldhaus von 10 Uhr bis 15 Uhr Weihnachtsbäume geschlagen werden. Die Anfahrt erfolgt von der Ortschaft Hombressen aus. Innerorts der „Waldstraße“ folgen, am „Hochzeitswald“ vorbei in Richtung Revierförsterei. Auf dem Weg zum Forsthaus auf die Ausschilderung achten. Angeboten werden an beiden Terminen ausschließlich Fichten ab 8 Euro je vollen Meter.

Eine weitere Verkaufsstelle bietet das Forstamt direkt aus dem Forstamtsgarten an. Dort werden Nordmanntannen ab 19 Euro pro laufenden Meter in unterschiedlicher Größe angeboten. Die Bäume können ausgesucht und selber abgesägt werden. Eine Handsäge wird gestellt.

Eine Säge kann man sich oft vor Ort leihen. Quelle: dpa

In Heilbad Heiligenstadt können im Thüringer Forstamt am Sonnabend, 12. Dezember, von 8 bis 16 Uhr am ehemaligen Pflanzgarten zwischen Großtöpfer und Pfaffschwende Nordmanntannen, Blaufichten, Kiefern und Fichten gefällt werden. Der laufende Meter Fichte kostet 10 Euro, Blaufichte 13 Euro, Nordmanntannen 15 Euro und Kiefer 10 Euro. Für einen guten Zweck werden Glühwein und Gegrilltes verkauft.

Tipps zum Selberschlagen

Bevor es in den Waldoder auf die Plantage geht, empfiehl es sich, Schuhe zum Wechseln mitzunehmen oder Gummistiefel mit Profil anzuziehen, denn der Boden ist oft matschig. Arbeitshandschuhe können das Hantieren mit dem Baum nicht nur enorm erleichtern, sondern schützen auch vor ungewollten Piksern. Viele Weihnachtsbaum-Plantagen verleihen Sägen, aber bei großem Andrang kann das lange Wartezeiten bedeuten. Schneller geht es mit der eigenen Säge oder Axt. Wer nach dem Weihnachtbaumtransport keine Lust hat, den Kofferraum seines Autos auszusaugen, sollte ein paar Decken auslegen.

Weihnachtsbäume online kaufen

Etwa 10 Prozent der Weihnachtsbäume werden einer Umfrage von Bitkom Research in diesem Jahr im Internet gekauft. Zwar bleiben der Online-Bestellungen damit eher die Ausnahme, haben aber in den vergangenen Jahren zugenommen. Nicht nur geschlagene Bäume werden versandt, einige Unternehmen haben auch Weihnachtsbäume im Topf zur Miete oder zum Kauf im Sortiment. Auch die Nachfrage nach Bio-Weihnachtsbäumen, die ganz ohne Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger auskommen, nimmt zu. Aktuell liegt der Anteil an Weihnachtsbäumen aus ökologischer Bewirtschaftung bei etwa fünf Prozent, sagt Bernd Oelkers, Vorsitzender des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland.

Etwa 90 Prozent der Weihnachtsbäume in Deutschland stammen auch von hier, lediglich 10 Prozent werden importiert. Wichtigstes Anbauland im Ausland: Dänemark. Quelle: epd

Ein Klick und der Weihnachtsbaum im Topf wird geliefert, nach Weihnachten abgeholt und dann wieder eingepflanzt. So zumindest die Theorie. Oelkers hält von diesem System nicht viel. „In meinen Augen ist das Augenwischerei, weil fast keiner der Bäume wieder anwächst.“ Zu schädlich seien die zwei Wochen im warmen Wohnzimmer, die die Bäume dort durchschnittlich verbringen. Zudem koste die Produktion weitaus mehr, was das Geschäft unrentabel mache. Auch der Verkauf von Bio-Weihnachtsbäumen lohne sich nur „in der absoluten Direktvermarktung“ auf einer Fläche von ein bis drei Hektar, die beispielsweise mit Schafen bewirtschaftet werde.

Weihnachtsbaum mieten oder kaufen

Das Unternehmen Weihnachtsbaumfreunde Thomas Müller bietet auf seiner Homepage außer geschlagenen Bäumen seit drei Jahren einen deutschlandweiten Versand von Weihnachtsbäumen im Topf an. Kunden können sie mieten oder kaufen. Mitarbeiter Martin Roth rechnet damit, dass die Weihnachtsbaumfreunde dieses Jahr zwischen 700 und 1000 Exemplare vermieten werden. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gehe der Trend 2019 zum Leihen.

Roth gibt Oelkers insofern recht, dass sie im ersten Jahr der Baum-im-Topf-Produktion 30 Prozent der Bäume hinterher aussortieren mussten. Größtes Problem: Die Bäume wurden von den Mietern nicht ausreichend gewässert. Im dritten Jahr haben 70 Prozent der wiedereingepflanzten Bäume überlebt, ein Drittel mit ein paar optischen Einschränkungen. „Und das ist für uns ganz ok, ist auf jeden Fall besser als ein Schlagbaum.“

Noch sei das Vermieten „eine Spielerei, ein Hobby“, das sie populär machen wollten, sodass sich regionale Weihnachtsbaumanbieter dieser Idee anschließen. Das wäre „ökologisch am besten“, so Roth. Geld verdienten die Weihnachtsbaumfreunde damit nicht, noch subventioniere der Verkauf das Vermieten. Der Mietpreis für Weihnachtsbäume im Topf liegt je nach Größe zwischen 39,99 und 99,99 Euro, der Kaufpreis zwischen 36 und 56 Euro.

Nachfrage übersteigt Angebot

Beim Online-Versandhandel Martins Paderbäumchen geht der Trend „absolut“ zur Miete, sagt eine Mitarbeiterin. Knapp 70 Prozent der Weihnachtsbäume im Topf würden verliehen. Vor drei Jahren seien sie mit 50 Mietbäumen gestartet, dieses Jahr sei das Angebot dreistellig. Auch wenn sie das Kontingent stetig erhöht hätten, übersteige die Nachfrage derzeit noch das Angebot.

Am Anfang hätten auch sie damit zu kämpfen gehabt, dass Bäume nicht wieder angegangen seien. Mittlerweile könnten etwa 70 Prozent wieder eingepflanzt werden. Wie Roth führt sie das auf eine bessere Pflege durch die Kunden und die gestiegene Erfahrung im Unternehmen zurück. Die Kosten für einen Mietbaum im Topf liegen bei 90 Euro, 80 Euro werden beim Kauf fällig. Noch habe das Unternehmen „keinen komplett grünen Fußabdruck“, aber im Großraum Paderborn, wo Martins Paderbäumchen beheimatet ist, würden die Bäume mit Elektroautos ausgeliefert. Der Versand deutschlandweit hingegen laufe über eine Spedition, auf deren Transportart sie keinen Einfluss hätten.

Die beliebtesten Weihnachtsbäume sind Nortmanntannen. Quelle: dpa-Zentralbild

Seit 20 Jahren verkauft Konrad Schulte-Göbel geschlagene Bio-Weihnachtsbäume, seit einiger Zeit auch online. Der Umsatz von bio-weihnachtsbaum-versand.de mache allerdings nur etwa 2 bis 3 Prozent aus, der Trend zum Bio-Baum insgesamt aber habe zugenommen. Denn: „Die Leute haben ein anderes Gefühl für die Umwelt bekommen.“ Weihnachtsbäume aus Kulturen seien stark gespritzt. „Das ganze Jahr hat der Baum mit der Chemie zu tun“, sagt er. Seine 1,60 bis 1,80 Meter hohen Nordmanntannen kosten mit Porto etwa 40 Euro. Für den Online-Handel habe er sich entschieden, weil man „alle neuen Wege nutzen“ müsse.

So wird der Baum richtig gelagert und bleibt frisch

Wie kann man bei geschlagenen Bäumen erkennen, wie frisch der Baum ist?

Der Frischegrad lässt sich an der Schnittstelle erkennen: Ist sie hell, wurde der Baum erst vor Kurzem gefällt. Gibt es Verfärbungen oder dunkle Stellen, dürfte der Weihnachtsbaum schon ein paar Tage alt sein.

Wie sollte der Weihnachtsbaum gelagert werden?

Für die Lagerung eignet sich eine kühle, möglichst windgeschützte Stelle, zum Beispiel auf der Terrasse oder dem Balkon, wahlweise auch in der Garage oder dem Keller. Damit der Baum nicht austrocknet, sollte er etwa zwei Zentimeter angeschnitten und dann in einen Eimer mit Wasser gestellt werden.

Wie habe ich möglichst lange etwas von meinem Baum?

Der Weihnachtsbaum sollte erst kurz vor dem Schmücken aufgestellt werden – möglichst nicht in der Nähe von Heizung oder Kamin. Baumharz-Flecken an den Händen lassen sich mit Babyöl oder Butter leicht entfernen. Täglich sollte etwas Wasser in den Weihnachtsbaumständer nachgefüllt werden.

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Von Nora Garben

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