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Thema des Tages „Fridays for Future“ auf der Theater-Bühne
Thema Specials Thema des Tages „Fridays for Future“ auf der Theater-Bühne
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18:34 06.12.2019
Fridays for Future in Göttingen: Am 29. November haben mehrere tausend Teilnehmer für mehr Klimaschutz demonstriert. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Wir schreiben gerade“, sagt Nico Dietrich, Intendant des Jungen Theaters (JT) Göttingen. Er und der Dramaturg Christian Vilmar bringen den Text für die Produktion „Fridays. Future.“ zu Papier. Uraufführung soll am Freitag, 7. Februar, sein.

Thema des Stücks – man ahnt es schon – ist die Bewegung „Fridays for Future“. Seit mehr als einem Jahr folgen auch Schüler in Südniedersachsen dem Beispiel des schwedischen Teenagers Greta Thunberg, die mit ihren freitäglichen Schulstreiks vor dem schwedischen Parlament eine weltweite Bewegung losgetreten hat. Die Kinder und Jugendlichen gehen freitags nicht zur Schule, sondern demonstrieren dafür, dass Politiker endlich gegen den Klimawandel angehen. Das JT ist das erste Haus, dass sich mit diesem Thema befasst.

Mitstreiter, die die Welt verändern

Eine junge Frau lebt in einer dystopischen Welt im Jahr 2035. Sie findet „eine Kreuzung im Raum-Zeit-Kontinuum“, erklärt Dietrich und landet in unserer Gegenwart – mitten im Theatersaal. Nun sucht sie

Kul-JT-PK Porträt Nico Dietrich (Intendant Junges Theater Göttingen) Quelle: Christina Hinzmann

Mitstreiter, die mit ihr zusammen die Welt verändern und damit die Zukunft. Den Theaterbesuchern erklärt sie, dass heute Abend sich die Möglichkeit dazu bieten würde. Das sei ein anderer Ansatz als jener „der Stuckrad-Barres dieser Welt“, die nur auf sich selbst blickten, um ihren Weg durch die Welt zu finden, meint Dietrich.

Auf drei Säulen gründe sich die Geschichte. Zum einen auf „Geschriebenes aus dem Kopf von Vilmar und Dietrich“, sagt der Intendant. Hinzu kämen der biografische Hintergrund der Schauspielerin und das, was Schüler in der Region dazu sagen.

Aktiv gegen den Klimawandel

Enden soll der Abend in einer Art Workshop, verrät Dietrich. Die Theaterbesucher sollen erarbeiten, was jeder auf den verschiedenen Ebenen gegen den Klimawandel unternehmen kann. „Was kann ich selber tun, was kann ich als Theater tun – „beispielsweise schauen, ob die Requisiten aus China kommen“, sagt Dietrich und dreht ein farbiges Kunststoffgehäuse zwischen den Fingern, in dessen Inneren es leuchtet.

Bis das Stück auf die Bühne kommt, vergehen noch einige Wochen. Geklärt werden müssten aber noch einige Fragen. „Wie erzählt man auf der Bühne vom Klimawandel? Wie können wir eine Wirkung erzielen?“

„Klima-Paketchen“

Klar ist allerdings schon, dass diesmal nicht über die Schüler und ihr Anliegen, sondern mit den Schülern gesprochen werden soll. Die sitzen laut Dietrich in einer Zwickmühle. In der Schule lernten sie in vielen Fächern, welche Ursachen zur vom Menschen gemachten Klimaerwärmung führten und warum dieser Weg bald unumkehrbar sei. „Doch draußen läuft es anders. Da demonstriert eine Million Menschen auf die Straße und heraus kommt ein Klima-Paketchen.“

Thunberg halte ihr Gesicht hin für die Bewegung, die sich mit den Mächtigen der Welt und den global playern anlegt. Dafür müsse sie erdulden, was ein junger Mensch nicht erdulden sollte, spricht Dietrich im Sinne von dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Auch wenn Schüler in Deutschland demonstrierten, würden sie bedroht und angespuckt. „Die Decke ist sehr dünn zwischen der Zivilisation und dem Rest“, sagt Dietrich.

Stimmengewirr mit Stimmung

Vor allem mit der IGS Bovenden haben Dietrich und Vilmar zusammengearbeitet. Mehr als 50 Fragebögen haben sie dort verteilt. „Was machen deine Mitschüler? Halten sie sich dran? Was wird aus Greta Thunberg? Die Antworten der Schüler fließen in den Text des Stücks ein. Dietrich stellt sich dabei eine Art Stimmengewirr vor, Antwort auf Antwort hintereinandergesetzt, die zusammen eine Stimmung widerspiegelt, auch wenn sie Aussagen widersprechen.

Die Sorgen dieser Generation treffen dabei auf die Generation, der Dietrich angehört. Er habe in der DDR noch Rohstoffe gesammelt, getrennt und dafür Geld bekommen. Alles richtig gemacht also? Sein Vater habe in einer Wiederverwertungsfirma gearbeitet. Der habe auf Nachfrage erzählt, dass die Kunststoffe zu Granulat zermahlen würden und über Österreich nach China exportiert würden. Beim Straßenbau sollte der Kunststoff eingesetzt werden, habe sein Vater gesagt. Alles eine große Recyclinglüge. Deutschland sei heute einer der größten Papierverbraucher weltweit. „Und woher kommt das Papier“, fragt Dietrich und antwortet selber: „aus Südamerika“. Ein Autor und ein Regisseur recherchieren ausgiebig.

Ein Stück über Greta?

Ein Ein-Frau-Stück mit Monologstruktur soll es werden, sagt Dietrich. Dafür müssen die beiden Autoren noch einiges schreiben. „Jeden Tag ein bisschen“, sagt Dietrich. Es mache ihm Spaß, so viel, dass er lieber am Stück daran arbeiten würde. Das aber geht nicht. „Ich bin Intendant, Disponent, Regisseur und bestimmt auch der Assistent von irgendjemandem.“

Interesse von Schulen ist auch schon da. Vier oder fünf hätten schon angefragt, sagt der Intendant, „sogar aus Gifhorn“. Ursprünglich habe die Idee im Raum gestanden, ein Stück über Greta selbst zu schreiben. Das aber sei aus ihrer Warte nicht interessant gewesen. Spannender sei es, zu zeigen, was es für eine Bewegung sei, was für Verwerfungen täten sich auf, und „was müssen die jungen Leute erleben, nur weil sie aussprechen, was Wissenschaftler schon veröffentlicht haben.“

„Fridays. Future“ hat am Freitag, 7. Februar, um 20 Uhr Premiere im Neuen Jungen Theater, Bürgerstraße 15 in Göttingen. Kartentelefon: 0551/495015.

Fridays for Future“ in Göttingen

Seit ziemlich genau einem Jahr ist die „Fridays for Future“-Bewegung (FfF) in Göttingen aktiv. Die Schüler demonstrierten erstmals am 14. Dezember 2018. 25 Schüler mit dem Ziel, ein globales Umdenken in der Klimapolitik zu bewirken, demonstrierten in ihrer Schulzeit vor dem neuen Rathaus. „Wer fehlt, fehlt unentschuldigt.“, stellte Georg Bartelt, Schulleiter des Hainberg-Gymnasiums, klar.

Weder durch den Jahreswechsel, noch durch ihre Schulleiter ließen sich die Kinder und Jugendlichen jedoch entmutigen. Am 18. Januar waren es schon 300 Demonstranten, die vor dem neuen Rathaus lautstark mehr Klimabewusstsein forderten. „Wir streiken, bis ihr handelt“, hieß es in einer Mitteilung der Ortsgruppe FfF Göttingen. Mit der ersten Laufdemonstration – beginnend am Bahnhofsvorplatz – geriet am 15. März erstmals Bewegung in die Protestaktionen. Zwischen 1000 und 1600 Teilnehmer zählten Polizei und Veranstalter.

Vier Göttinger Bundestagsabgeordnete

Die Europawahl am 26. Mai 2019 wurde von FfF kurzerhand zur Klimawahl erklärt. Um die Klimapolitik im Vorfeld der Abstimmung thematisch ins Zentrum zu rücken, folgten zwei Tage vor der Abstimmung 2500 Göttinger Protestierer dem weltweiten Demonstrationsaufruf Greta Thunbergs. Die nahezu ausschließlich Zehn- bis 16-Jährigen forderten die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, dass eine Maximalerhöhung der Globaltemparatur um 1,5 Grad Celsius vorsieht.

Eine Podiumsdiskussion zwischen den vier Göttinger Bundestagsabgeordneten und Befürwortern der „Fridays for Future“-Bewegung fand am 21. August in der Alten Mensa statt. Auch Grundsatzdiskussionen wie Kapitalismuskritik wurden bei der Debatte geführt. Veranstaltet wurde diese von FfF in Kooperation mit YLAB, dem geisteswissenschaftlichen Labor der Uni Göttingen.

Aufmerksamkeit erregen

Während am 20. September in Berlin mehr als 270000 Menschen auf die Straße gingen, wurde auch in Göttingen die Innenstadt weitgehend lahmgelegt. Die Kreuzung Geismar Tor war für zwei Stunden vollständig von Aktivisten blockiert. Man wolle Aufmerksamkeit erregen, hieß es von Seiten des Ortsverbandes FfF-Göttingen. Zwischen 7000 und 10000 Demonstranten sollen bei der bislang größten Demonstration in Göttingen durch die Innenstadt gezogen sein. Mehr als 30 Göttinger Vereine und Organisationen hatten mit der Warnung „Wir haben keine Zukunft, wenn die Politik so weitermacht“, zur Kundgebung aufgerufen.

Aufsehen erregte auch das „Streikcamp“. Bei der vom 23. bis 27. September ausgerufenen Protestaktion schlug eine Gruppe Schüler ein Zeltlager vor dem Deutschen Theater Göttingen auf. Bis zu vier Tage harrten die Jugendlichen im öffentlichen Park aus – anstatt in die Schule zu gehen. Bei dem Event hätten die Schüler – nach eigener Aussage - jedoch auch ein Bildungsprogramm zu absolvieren. Zum Abschluss der Aktion verschenkten die Demonstranten ihr übrig gebliebenes Essen. Auch eine spontane Demonstration wurde organisiert.

Thomas de Maizière vor dem Alten Rathaus

Beim Göttinger Literaturherbst kamen mehrere Gastredner in die Universitätsstadt Göttingen. Angekündigt wurde von den Veranstaltern unter anderem Thomas de Maizière. Der ehemalige Innen- und Verteidigungsminister sollte am 23. November im Alten Rathaus sein neues Buch „Regieren: Innenansichten der Politik“ präsentieren. Zu der Veranstaltung kam es jedoch nicht, denn die Vorlesung wurde durch Demonstranten blockiert. Auch FfF-Mitglieder habe de Maizière in der ersten Reihe der Blockierer ausgemacht, berichtete er zwei Tage später im Bundestag.

„Wir streiken, bis ihr handelt“. Leonard-Krayer, Fridays-for-Future-Sprecher, gab sich auf der Auftaktkundgebung am Albaniplatz kämpferisch. Am 29. November, forderten 4000 Göttinger Aktivisten anlässlich der Klimakonferenz in Madrid einen Neustart der deutschen Klimapolitik. Energie-, Verkehrs- und Agrarwende sowie dem Thema Klimagerechtigkeit wurde je ein Demonstrationszug gewidmet.

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Von Peter Krüger-Lenz

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