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Thema des Tages Das Rad neu erfinden
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17:14 15.02.2017
Der Volkmarshäuser Chor Flaxtöne Quelle: r
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Göttingen

Hann. Münden / Volkmarshausen. Mit einer ungewöhnlichen Plakataktion hat der Volkmarshäuser Chor Flaxtöne in den letzten Tagen auf sich aufmerksam gemacht. Mit einer Stellenanzeige werben sie um neue musikalische Mitglieder, denn der Chor hat Nachwuchssorgen.

„Wir versuchen manchmal, das Rad neu zu erfinden“, berichtet der Chorleiter der Flaxtöne Lars Bücker. Auf der Suche nach neuen Sängern gehe er schon mal unkonventionelle Wege. So habe man in den letzten Jahren ein Mondscheinkonzert gegeben oder mit einem Selfieaufruf eine Collage von singenden Mündenern erstellt.

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Seit sechs Jahren leitet Bücker den Volkmarshäuser Chor. Er hat es mit seinen ungewöhnlichen Marketingmaßnahmen geschafft, die Mitgliederzahl von 18 auf 38 zu erhöhen. Dabei sei nach eigenen Angaben vor allem wichtig, das musikalische Repertoire breit zu fächern. „Wir müssen das verstaubte Chor-Image aufpolieren.“ Das Vorurteil, dass dort alte Menschen nur mittelmäßig singen, müüse vom Tisch. Dabei habe er immer im Blick, dass man sowohl im Seniorenheim als auch auf einer Abiparty auftreten kann.

Auch wenn die Mitgliederzahlen vieler Chöre stark zurück gehen, Bücker glaubt an die aufkeimende Gegenbewegung. Überall gibt es Rudelsingen, bei denen sich Menschen zum Musizieren in großen Gruppen treffen. Auch die vielen Flashmobs deuten auf ein grundsätzliches Interesse am gemeinsamen Singen hin. Dieses Potenzial gelte es neu zu bündeln.

Die Flaxtöne sind vorrangig auf der Suche nach neuen Herrenstimmen. Zur Zeit singen nur sechs Männer im Chor. Dies seien „zu wenig, um am Wertungssingen im kommenden Jahr teilzunehmen“, meint Bücker. Geübt wird jeden Montag von 20 bis 21.30 im Dorfgemeinschaftshaus.

Andere Chöre der Region haben in den vergangenen Jahren ihren Betrieb gänzlich eingestellt. „Wir haben ein ganz großes Nachwuchsproblem“, bestätigt Dieter Mergard, Vorstandsvorsitzender des Sängerkreises Fulda-Werra-Weser. Einen Rückgang von 150 Mitgliedern von 2015 auf das Folgejahr hatte man zu verkraften. Die gemischten Chöre aus Lutterberg und Escherode gaben vor einigen Jahren bereits auf. Für den Rückgang der Zahlen hat Mergard eine einfache Erklärung: „Der Fernseher macht uns alle kaputt. Keiner geht mehr vor die Tür, keiner schließt sich mehr einem Verein an.“

Leises Läuten der Alarmglocken

Noch läuten die Alarmglocken bei den Handballern nicht allzu laut, allerdings ist auch in dieser Sportart, die bei den Herren den amtierenden Europameister stellt, ein Rückgang im Nachwuchsbereich zu verzeichnen. „Verschiedene Faktoren“ gibt Uwe Viebrans, Vorstandsmitglied Jugend in der Handball-Region Süd-Niedersachsen (HRSN), dafür an, dass immer weniger Teams am Punktspielbetrieb teilnehmen. „In den vergangenen Jahren hatten wir einen stetigen Rückgang zu verzeichnen, dieser konnte in dieser Saison erstmals gestoppt werden.“ Ein Grund dafür, dass vor allem bei den Jüngsten im Minibereich längst nicht mehr so viele Vereine Teams zu den Spielfesten entsenden wie in der Vergangenheit, sei zum einen der demografische Wandel, zum anderen aber auch die Veränderungen in der Schulorganisation: „Durch die verlässliche Grundschule sind viele Kinder bis 15.30 Uhr in der Schule, auch die Hallen stehen den Vereinen erst danach zur Verfügung. Kaum ein Kind kommt nachmittags nach Hause und geht eine halbe Stunde später wieder los“, hat Viebrans beobachtet. In der ältesten Jahrgangsstufe hat das Abitur nach zwölf Schuljahren vieles durcheinandergewirbelt. Der ältere A-Jugend-Jahrgang fällt oft komplett weg, weil viele junge Handballer schon früher studienbedingt weggehen oder durch ein Freiwilliges Soziales Jahr anderweitig gebunden sind. Dadurch müssen Teams aus der Region in den leistungsschwachen Spielklassen Auswärtsfahrten bis nach Helmstedt oder in die Region Hannover antreten, um überhaupt am Spielbetrieb teilnehmen zu können. „Das, was wir in dieser Altersstufe verloren haben, holen wir auch nicht mehr auf“, sagt Viebrans. kal

Lange gekämpft und am Ende aufgegeben

Der Karate-Club Duderstadt hat alles versucht, musste aber letztlich erkennen, dass an einer Vereinsauflösung kein Weg mehr vorbeiführte. Seit dem 31. Dezember 2016 gibt es den Club, der seit dem 19. Oktober 1976 bestand, nicht mehr. Dabei hakte es an mehreren Stellen. Vorsitzender Hartmut Kehrel hatte bereits seit längerer Zeit angekündigt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Nachfolger gab es trotz intensiver Suche keine. Und mit dem Nachwuchs war es auch alles andere als gut bestellt. An Wettkämpfen nahmen die Duderstädter schon längere Zeit nicht mehr teil, lediglich Lehrgänge wurden noch absolviert. Was allerdings noch viel entscheidender war, es fand sich kein Nachwuchs, der für den Sport begeistert werden konnte. Vor allem verändertes Freizeitverhalten und auch eine immer größer werdende Arbeitsbelastung machte der Vorsitzende dafür verantwortlich. „Wenn ich noch eine Hoffnung gehabt hätte, dann hätten wir nicht aufgegeben, aber so macht es keinen Sinn mehr“, sagte Kehrel. vw

Rückzug, weil das Studium vorgeht

Ein Radpolo-Team besteht nun einmal nur aus zwei Spielerinnen. Und wenn sich eine von ihnen, aus welchen Gründen auch immer, entschließt, nicht mehr am Spielbetrieb teilzunehmen, dann ist meist guter Rat teuer. In einem solchen Fall spielt auch die Klasse, in der ein solches Duo unterwegs ist, keine Rolle. Wie im Fall des RV Stahlross Obernfeld. Die zweite Mannschaft mit Luisa Artmann und Victoria Morick wäre in der 1. Radpolo-Bundesliga startberechtigt gewesen. Doch Morick musste aus studienbedingten Gründen passen. Der zeitliche Aufwand war einfach zu viel für die Obernfelderin. So sahen die Obernfelder Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als die Mannschaft abzumelden. Und da es innerhalb des Vereins keinen Nachwuchs gibt, der auf diesem Niveau spielen kann, bleibt Luisa Artmann nur die Rolle der Ersatzspielerin, falls sich innerhalb der ersten Obernfelder Vertretung (Jennifer Kopp/Sandra Rakebrand) jemand verletzen sollte oder aber verhindert ist. „Es gibt ein halbes Dutzend Mädchen in Obernfeld, die zum Radpolo-Training kommen, aber die sind natürlich noch sehr jung“, berichtet Berthold Kopp vom RV Stahlross. Ein Tandem, nämlich Johanna und Jette Kopp, nimmt bereits an Punktspielen teil. „Wenn die dabei bleiben, dann können sie sicherlich einmal sehr erfolgreich spielen“, ist Kopp der Ansicht.vw