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Thema des Tages Der Arbeitsmarkt bietet Chancen
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20:50 01.02.2017
Landesmeisterschaften der Gastronomie: Auszubildende wie Nicholas Krengel, aber auch Fachkräfte werden in der Branche gesucht.foto: Wenzel Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Die Arbeitslosigkeit ist im Vergleich zum Dezember um 1102 auf 14 700 gestiegen. Doch hat sich die Gesamtlage für Arbeitssuchende nicht wesentlich verschlechtert. Vor allem das Angebot an offenen Stellen lässt hoffen. Der Personalbedarf der Unternehmen ist weiterhin hoch. Zum anderen setzen die Arbeitsagentur und die Jobcenter insbesondere auch im Bereich der Integration von Schutzsuchenden auf Qualifizierung, womit die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gemeint ist. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 700 arbeitslose Personen weniger. „Das ist erfreulich“, sagt Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen. Unabhängig von saisonalen Effekten sei der Arbeitsmarkt weiterhin äußerst stabil.

Rund 2 000 geflüchtete Menschen auf Arbeitssuche

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Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Januar unterschiedlich. Deutlich besser sieht es für die einheimische Bevölkerung aus. Die Spanne der Veränderungen reichte im Januar von minus 8 Prozent bei Deutschen bis zu einem Plus von 19 Prozent bei Ausländern. Auch der Anteil der ausgewählten Personengruppen am Arbeitslosenbestand ist unterschiedlich groß. Überwiegend sind Männer (8 411) arbeitslos gemeldet. Demgegenüber stehen 6289 Frauen, die sich auf Arbeitssuche befinden. 1392 oder 9,5 Prozent der Arbeitssuchenden sind 15 bis 25 Jahre alt. Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis unter 20 Jahre) ist mit 1,9 Prozent oder 279 Personen gering. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen verbesserte sich mit 5 553 Personen auf einen Wert von 37,8 Prozent. 2 645 Ausländer waren bei der Agentur für Arbeit ­registriert. Dabei wirkten sich die Förderprogramme entlastend auf die Arbeitslosenzahlen aus. Von den derzeit rund 2 000 geflüchteten Menschen, die sich im Agenturbezirk Göttingen bereits auf dem Arbeitsmarkt orientieren, nehmen derzeit rund 1000 an Qualifizierungsmaßnahmen teil, insbesondere an Angeboten der Sprachförderung.

Im Januar meldeten sich 3851 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, das waren 428 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig beendeten 2 710 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 171 weniger als im Januar 2016. Der Bestand an offenen Stellen ist gegenüber dem Vorjahresmonat weiter gestiegen. Insgesamt waren im Januar 3548 Arbeitsangebote bei der Arbeitsagentur gemeldet, 423 bzw. 13,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Besonders hoch ist derzeit der Bedarf an Mitarbeitern aus den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen sowie den medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen. Aber auch in der Logistikbranche, im Reinigungsbereich und in den Verkaufsberufen wird Personal stark nachgefragt.

Unterbeschäftigung steigt leicht

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber zum Beispiel im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Januar 19 442 Menschen (ohne Kurzarbeit). Damit stieg der Wert um 71 bzw. 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Zahlen im Bezirk der Göttinger Agenur für Arbeit

6,2 Prozent: Die Arbeitslosenquote im Januar

14700 Personen sind arbeitslos, darunter 12019 Deutsche, die Arbeit suchen

8411 Männer und 6289 Frauen sind ohne Job

4797 Menschen ohne Job sind älter als 50 Jahre

Arbeitgeber müssen zusätzliche Anreize schaffen

Der Arbeitsmarkt in Südniedersachsen ist unter anderem von einer großen Nachfrage nach Fachkräften gekennzeichnet. „In der Altenpflege kommen statistisch auf einen arbeitslosen examinierten Altenpfleger drei offene Stellen. Der Bedarf ist hier mit arbeitslosen Bewerbern längst nicht mehr zu decken“, sagt Christine Gudd von der Agentur für Arbeit in Göttingen. Im Gesundheitswesen sind 435 offene Stellen gemeldet, darunter 225 im Bereich Praxen und Kliniken und 200 in Betreuungs- und Pflegeheimen. Im Handel sind es 315 Jobs, die unbesetzt sind. Auch im Handwerk gibt es laut Gudd „große Besetzungsprobleme“. In vielen Gewerken gehe der Mangel an Fachkräften aber einher mit der Schwierigkeit, junge Menschen für die Ausbildungsberufe zu gewinnen.

Kreishandwerksmeister Christian Frölich

Im Bereich Bauinstallation beispielsweise seien 85 Stellen unbesetzt, 67 gibt es in Kfz-Werkstätten, 44 in Bäckereien, 22 im Fleischgewerbe. „Das Handwerk, gerade rund um das Bauen, geht bereits mit einem Überhang an Aufträgen in das neue Jahr“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Einige Betriebe stießen wegen des Fachkräftemangels an Kapazitätsgrenzen. Gerade im Bereich Elektro, Heizung und Sanitär sei es schwer, Fachpersonal zu finden. Gute Leute müsse man künftig auch mal übertariflich bezahlen. Frölich: „Betriebe werden sich daran gewöhnen müssen, dass sie ihren Mitarbeitern zusätzliche Vergütungen und Anreize wie Firmenwagen anbieten müssen.“ Aufstiegs- und gute Verdienstmöglichkeiten im Handwerk müsse man stärker kommunizieren, Arbeitszeitmodelle verbessern. Frölich: „Es gibt sicherlich noch Verbesserungsmöglichkeiten.“

Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes in Göttingen

Auch die Gastronomiebranche leidet unter dem Fachkräftemangel. Die Agentur für Arbeit verzeichnet 83 offene Stellen im Hotelgewerbe und 110 in der Gastronomie. „Das ist aber nichts Neues“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Göttingen, Olaf Feuerstein. „Die 20- bis 30-Jährigen setzen heute andere Prioritäten als nur Arbeit“, sagt der Hotelier. Arbeiten, das sei nur noch ein Punkt von vielen im Leben. Zudem gebe es deutlich mehr Bewerber in großen Städten als auf dem Land, wo der Fachkräftemangel noch deutlicher spürbar sei. Von allein, so Feuerstein, werde sich das Problem nicht erledigen. Das „A-und-O“ sei es, die Arbeitszeiten attraktiver und flexibler zu gestalten, beispielsweise Vier-Tage-Wochen anzubieten und auf Teildienste zu verzichten, wenn es möglich ist. Die Gastronomie habe Nachholbedarf und müsse freizeitfreundlicher werden.bib