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07:09 12.11.2019
In der mittelalterlichen St.-Aegidien-Kirche in Hann. Münden ist ein Café eingerichtet worden. Quelle: Foto: Hinzmann
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Hann. Münden / Westerode

Es ist ein Problem, das sowohl die katholische, als auch die evangelische Kirche angeht – bundesweit, aber auch in der Region. Gotteshäuser werden kaum oder gar nicht mehr genutzt. Die Folge: sie werden erst entwidmet und dann verkauft. So geschehen bei der Aegidienkirche in Hann. Münden oder der Kapelle in Westerode.

Bereits 2006 wurde die St.-Aegidien-Kirche in Hann. Münden entwidmet. Die Stadt Hann. Münden als Eigentümerin des historischen Sakralgebäudes verkaufte 2008 das Gebäude an den Mündener Hotelbetreiber Bernd Demandt. Die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde, der das Inventar der Kirche gehörte, veräußerte die Kirchenbänke an den Hotelier, die Orgel kaufte eine katholische Kirchengemeinde am Bodensee, und der historische Flügelaltar fand in der Blasiuskirche einen neuen Platz. 2014 wurden schließlich auch die drei Bronze-Glocken von 1973 nach Mecklenburg-Vorpommern veräußert, wo sie seither im Geläut der evangelischen Kirche Stolzenburg bilden.

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Zunächst hatte Demandt in der früheren Kirche das „Café Aegidius“ bewirtschaftet, 2010 stieg Christiane Langlotz in Demandts Hotelbetrieb mit ein und übernahm 2014 das Café als Inhaberin. Geöffnet war von April bis Oktober, doch obwohl das Café Aegidius gut ankam, war ein wirtschaftlicher Betrieb mit nur sieben Monaten Öffnung nicht zu stemmen. Daher schloss Langlotz das Café Anfang November 2018.

Trägerkreis St.-Aegidien-Kirche gegründet

Immobilien-Eigentümer Demandt verkündete am Jahresende, dass das Kirchengebäude resakralisiert werden solle. Die Idee: eine Kombination von Kirche und Café. Auf Anregung von Pastor Henning Dobers hatte sich eine Gruppe von evangelisch-lutherisch orientierten Bürgern zusammengetan, um eine geistliche Perspektive für den historischen Ort in Mündens Altstadt zu entwickeln. Ein ehrenamtlich aufgestellter Trägerverein „Trägerkreis St.-Aegidien-Kirche“ wurde gegründet. „In der Kombination von Kirche und Café sehen wir ein mögliches Modell, in unserer Zeit Glauben neu erfahrbar zu leben“, erklärt der Verein. Und weiter: „Die Aegidienkirche hat zwei Wurzeln, eine kirchliche und eine kulinarische. Wir wollen an beide Traditionen dieses Ortes anknüpfen. Das Alte - die Kirche - wird nicht aufgegeben, sondern wieder in Kraft gesetzt und mit neuem Leben gefüllt. Die jüngere Tradition - das Café – wird im Geist des Projektes weitergeführt.“

Sanierung bis Ende 2019 geplant

Hat neue Eigentümer: Frühere evangelische Kapelle in Westerode. Quelle: Niklas Richter

Für die Kapelle in Westerode war der Grundstein im Jahrt 1900 gelegt worden, geweiht wurde die evangelische Kapelle 1901. Damals gab es eine steigende Zahl evangelischer Gemeindeglieder in den Dörfern um Duderstadt. Aber die Zeiten haben sich geändert, die Zahl der Gläubigen sank merklich und auch die Finanzmittel bei der Landeskirche wurden knapper. Der Verkauf von Sakralgebäuden wurde zur „notwendigen Praxis“.

2016 wurde die kleine Kapelle zum Kauf angeboten, nachdem sie mehr als 20 Jahre nicht mehr für Gottesdienste genutzt worden war. Der Kirchenkreis Harzer Land beschloss, sie aus den Zuweisungen für Baumittel herauszunehmen.

Anfang 2008 ging das neugotische Gebäude ins Eigentum von Gudrun Bernhard-Schmutzer und Michael Schmutzer über. Das Konzept der Duderstädter Eheleute hatte die Landeskirche überzeugt. Es sieht vor, in der früheren evangelischen Kirche „einen überkonfessionellen Raum der Stille“ zu schaffen, kündigte Bernhard-Schmutzer im März 2019 an. Nach dem Vorbild mancher ähnlicher kleiner Kapellen in Süddeutschland oder im Elsass stellte sie sich vor, dass auch in Westerode die Eichentür der denkmalgeschützten Kapelle tagsüber möglichst offen stehen solle. Hier sollen die Menschen die Besonderheit des Ortes und die faszinierende Stimmung im Innern der Kapelle erleben können, sagte Bernhard-Schmutzer. Das Gebäude habe keine größeren Schäden, gab Bernhard-Schmutzer das Urteil ihres Mannes wieder. Der sei Architekt und habe darüber hinaus schon viel für Kirchen gearbeitet und kenne sich mit behutsamer Sanierung von Denkmalen aus. Die Kapelle in Westerode steht unter Denkmalschutz und sollte bis Ende des Jahres saniert werden.

Entwidmete evangelische Kirchen

Entwidmete evangelische Kirchen in Südniedersachsen sind: die Marienkapelle in Relliehausen (2012), einem Ortsteil von Dassel, die Neustädter Kirche St. Marien in Einbeck (wegen Baufälligkeit 1962 abgebrochen), Aegidienkirche in Hann. Münden (2006) und die Martinikirche (1982) in Moringen (heute eine Kerzenfabrik).

Von Brtta Eichner-Ramm

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