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Thema des Tages Wenn Kroemer geht: Stimmen zum UMG-Problem
Thema Specials Thema des Tages Wenn Kroemer geht: Stimmen zum UMG-Problem
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16:15 30.08.2018
Prof. Heyo Kroemer soll die UMG verlassen.
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Göttingen

Bei Kroemer hat das Handy nach Bekanntwerden des Rufes nicht stillgestanden. Dazu sagte er selbst in seiner ihm eigenen Art: „Es ehrt mich sehr, dass in Göttingen und in Hannover nicht alle vor Freude aufspringen, falls ich die UMG verlassen sollte.“ Die Gespräche mit der Charité seien allerdings erst ganz am Anfang, hält sich Kroemer darüber hinaus bedeckt. Zu inhaltlichen Fragen oder auch zum Zeitpunkt eines möglichen Wechsels will er sich ebenfalls nicht äußern.

„Ich schätze ihn sehr."

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur sei bestrebt, Prof. Kroemer in Niedersachen zu halten und sei dazu mit ihm im Gespräch, lässt Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) auf Anfrage mitteilen. Als Medizinmanager mit deutschlandweitem und internationalem Renommee habe Kroemer in den vergangenen Jahren überzeugend demonstriert, dass er komplexe Prozesse erfolgreich managen kann. Vor diesem Hintergrund sei Kroemer auch künftig ein wichtiger Partner für das Land Niedersachsen, wenn es darum gehe, die Geschicke und Belange der UMG zu leiten. „Ich schätze ihn sehr“, fügte Thümler an.

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Björn Thümler (CDU), Wissenschaftsminister Quelle: Inga Schauenberg

„Exzellenter Dekan und Vorstandssprecher“

Für Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel steht fest: „Prof. Heyo Kroemer ist ein exzellenter Dekan und Vorstandssprecher der Universitätsmedizin, den wir unbedingt in Göttingen behalten möchten.“ Und sie fügt an: „Wir würden alles tun, um Prof. Heyo Kroemer zu halten.“

Sollte Kroemer dennoch gehen, „sollte das keine Auswirkungen“ auf das Neubauprojekt haben. Der Umbau der UMG sei eine personenunabhängige Notwendigkeit für die UMG und den Wissenschaftstandort Göttingen. Kroemers Position als Vorstandssprecher und Dekan würde nach den Regularien der Stiftungsuniversität wiederbesetzt.

Prof. Dr. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen Quelle: Christoph Mischke

„Top -Medizin- und Forschungsmanager“

Dass die Charité Kroemer haben möchte, ist verständlich“, sagte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD). Kroemer sei ein Top-Medizin- und Forschungsmanager in Deutschland. Er wäre für Göttingen ein schmerzlicher Verlust, wenn er ginge. Zudem sei Kroemer „ein außerordentlich sympathischer Mensch, der gut zu Göttingen passt“. Ohne ihn wäre die Entscheidung für den Neubau der UMG nicht gekommen. Die niedersächsische Landesregierung müsse alles tun, um Kroemer zu halten. Oppermann weiter: „Ich gehe davon aus, das sich der MP persönlich in die Bleibeverhandlungen einmischt. Es gibt gute Ideen und Angebote, die Kroemer zum Bleiben bewegen könnten “

Thomas Oppermann (SPD), Bundestagsabgeordneter Quelle: r

„Ich hätte große Sorge“

Auch für den Göttinger Landtagsabgeordneten der Grünen, Stefan Wenzel, wäre der mögliche Weggang von Kroemer „ein großer Verlust für Göttingen“. Er habe mit seinem Team entscheidend dazu beigetragen, dass die Pläne und Konzepte für den Neubau des Klinikums auf dem Tisch liegen und die Finanzierung auf den Weg gebracht wurde. Jetzt bestehe die Chance, in Göttingen Maßstäbe für die Universitätsmedizin im 21. Jahrhundert zu setzen, die europaweit ausstrahlen können.

Damit sei allerdings „noch nicht alles in trockenen Tüchern“ für den Neubau. So eine komplexe Herausforderung brauche von der medizinischen Seite, von der bautechnischen Seite und von der strategischen Organisation her eine permanente und hoch kompetente Begleitung. „Ich hätte deshalb große Sorge, wenn Professor Kroemer wegginge“, so Wenzel.

Zugleich hoffe er, dass die zuständigen Minister in Hannover die Entscheidung Kroemers beeinflussen können. Er habe sich bereits an die Landesregierung gewandt und um Unterstützung gebeten, sagte Wenzel weiter und fügte an: „Zudem habe ich Herrn Prof. Kroemer meine Wertschätzung zum Ausdruck gebracht und ihn gebeten zu bleiben. Ich halte es aber auch für notwendig, dass die Unterstützung des Bauvorhabens in Hannover intensiviert wird, damit die ersten beiden großen Bauabschnitte starten können.

Stefan Wenzel, Landtagsabgeordneten der Grünen Quelle: Helge Schneemann

Weggang wäre ein Schlag“

Professor Kroemer gehört zu den besten Köpfen der Universitätsmedizin, das ist auch der Charité nicht verborgen geblieben“, sagt am Tag nach der Veröffentlichung die Göttinger Landtagsabgeordnete und -präsidentin, Gabriele Andretta (SPD). Sein Weggang wäre ein herber Schlag für das maßgeblich von Heyo Kroemer vorangetriebene Neubauvorhaben des Universitätsklinikums. „Ich bin mir sicher, dass das Land alles tun wird, um Professor Kroemer in Niedersachsen zu halten“ fügte sie an – „im Interesse der Universitätsmedizin Göttingen, aber auch des Wissenschaftsstandortes Niedersachsen."

Gabriele Andretta (SPD), Landtagsabgeordnete und -präsidentin Quelle: janvetter.comjanvetter.com

„Zu Recht gelobt“

Der Ruf nach Berlin ist eine Auszeichnung für Heyo Kroemers Arbeit in Göttingen, die zu Recht von vielen Beschäftigten der UMG gelobt wird“, kommentierte der Göttinger FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle die aktuelle Personalfrage an der UMG. Und er fügte an: Das Land Niedersachsen und die regional Verantwortlichen müssen nun mit vereinten Kräften versuchen, Kroemer in Göttingen zu halten. Dazu müssen weitere Verzögerungen bei der Planung des UMG-Neubaus vermieden werden.“

Konstantin Kuhle (FDP), Bundestagsabgeordneter Quelle: Peter Heller

„Für die UMG ein Verlust“

Heyo Kroemer und Kurt Krömer united in Berlin – eine schlechte Nachricht für Göttingen“, kommentiert Jürgen Trittin (Grüne), Mitglied des Deutschen Bundestags, den Ruf an die Charité. „Auch wenn es der Charité gut tut, für die UMG ist es ein Verlust. Doch ich fürchte, gerade weil Charité eine Herausforderung mit offenem Ausgang ist, wird sich Prof. Kremer davon nicht abhalten lassen.“

Jürgen Trittin (Grüne), Bundestagsabgeordneter Quelle: picture alliance

„Er ist immer voll dabei“

Für Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) ist das Berliner Angebot an Kroemer „ein zweischneidiges Schwert“. Zum einen sei der Ruf an die Charité „eine riesige Auszeichnung“. Sie bestätige, dass das, was er macht, eine hohe Wertigkeit habe – auch weit über seine Arbeit an und für die UMG hinaus. Zum anderen wäre sein Weggang „ein Riesenverlust – für die medizinische Entwicklung in Niedersachsen, nicht nur in Göttingen“.

Kroemer mache sich immer wieder Gedanken über die gesamte medizinische Grundversorgung und entwickle Ideen, die auch die Wertigkeit der Medizin verbessern. Er sei ein hervorragender Organisator und ein renommierter wie gern gesehener Diskussionspartner auf vielen Fachebenen.

„Ich schätze Professor Kroemer sehr“, sagte Köhler, besonders seine „sehr menschliche, anpackende und pragmatische Art, mit Sachen umzugehen“. Mit seiner Art habe er es zum Beispiel geschafft, dass eine uralte Konkurrenz zwischen den beiden großen Unikliniken in Göttingen und Hannover aufgelöst werden konnte.

Rolf-Georg Köhler, Oberbürgermeister Göttingen Quelle: Christina Hinzmann / GT

Ob Kroemers Weggang dem UMG-Neubau schaden würde, könne er nur begrenzt einschätzen, so Köhler. Dabei verweist er auf die beiden weiteren Vorstände, „die tief im System stecken“. Ihre Leistungsfähigkeit dürfe durch die Würdigung Kroemers „nicht klein gemacht werden“.

Allerdings sei der Vorstandssprecher sicher die treibende Kraft. „Ich persönlich würde es sehr bedauern, wenn Professor Kroemer nicht mehr in Göttingen ist“, fügte Köhler an. „Wir verlieren dann im Wissenschafts- und Medizinbereich einen großen Fürsprecher für Göttingen, der durchdringt mit seinen Ideen. Und das ist eindeutig eine Schwächung für uns“. Und: „Er bringt sich niemals halb ein, er ist immer voll dabei. Solche Menschen brauchen wir in Göttingen.

Unabhängig von Kroemers Entscheidung müsse sich aber auch das Land „endlich darum kümmern, dass das gefühlte Sandeinstreuen in die Abläufe endlich aufhört“. Das gelte für die Medizin, für den Gesundheitscampus und die UMG, alles Bereiche, in denen Kroemer involviert sei.

„Verlust auch für die Gesundheitsregion

Für Heyo Kroemer sei es eine absolute Auszeichnung, an eines der führenden Universitätskrankenhäuser berufen zu werden. Das zeige, wie leistungsstark Kroemer sei und wie gut er andere „mitnehmen kann“. Das zeige aber auch, dass es für Göttingen und den Landkreis „ein herber Verlust sein wird“, so Landrat Reuter. Es sei nicht zu bezweifeln, dass zum Beispiel der Umbau der UMG mit über einer Milliarde Euro vom Land ohne Kroemers Engagement nicht so gelungen wäre. Er gelte als konzeptionell sehr stark und habe sich Zugang bis zum Ministerpräsidenten verschafft.

„Ich habe die Hoffnung, dass Göttingen für Kroemer ein so attraktiver Standort ist, dass er bleibt“, sagte Reuter weiter. Und er hoffe, dass die Landesregierung „sich anstrengt, ihn zum Bleiben zu bewegen“.

Bernhard Reuter, Landrat Quelle: Christina Hinzmann

Auch für die Gesundheitsregion Südniedersachsen wäre Kroemers Weggang sehr bedauerlich. Auch sie lebe stark von seinem persönlichen Engagement. Und auch dort handle und argumentiere Kroemer immer ohne persönliche Eitelkeit und nie mit einseitigem Blick auf die Interessen der UMG. Sein Weggang würde „eine Lücke reißen, die nicht so schnell zu füllen sein wird“.

Persönlich habe es ihn überrascht, „mit welcher Lockerheit“ Kroemer selbst in einer privateren Runde beim Bürgerfrühstück „auf die Menschen zugeht“: „Das ist für jemanden, der so einen Job hat, auch nicht selbstverständlich.“

„Voll im Thema“

Das ist zunächst natürlich eine große Auszeichnung für Heyo Kroemer“, kommentierte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) den Ruf an die Charité. Es zeige, welche große Anerkennung Kroemer in Göttingen und darüber hinaus genieße. Er beobachte schon lange, dass Kroemer in Berlin „in aller Munde ist – und das von Hochachtung geprägt“. Seine Kompetenz sowie zielführende, uneitle Aufgabenwahrnehmung werde hoch geschätzt, so Güntzler.

„Ich könnte es natürlich nachvollziehen, wenn Kroemer dem Ruf folgt, aber ich würde es äußerst bedauern“, fügte Güntzler an. Er habe mit dem UMG-Vorstandssprecher seit 2012 schon als Landtagsabgeordneter „sehr vertrauensvoll und gut zusammengearbeitet – auch in schwierigen Phasen“. Mit sachlicher und ruhiger Hand gelinge es ihm immer wieder, andere – auch parteiübergreifend – für eine gute Sache mitzunehmen. Auch für die Gesundheitsregion sei Kroemer als Vorstand der wesentliche Motor und es gelinge ihm immer wieder, „Türen aufzubrechen“.

Fritz Güntzler (CDU), Bundestagsabgeordneter Quelle: Swen Pförtner

Es habe in damals überrascht, dass Kroemer bei seinem Dienstantritt 2012 von sich aus zu den Politikern im Landtag gekommen sei, um gemeinsam das Beste für Göttingen und die UMG zu erzielen. Daraus habe sich eine sehr vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit entwickelt. Sollte Kroemer gehen, werde „der Zug UMG-Neubau auch mit einem anderen Lokführer weiterfahren“, aber mit ihm wäre es sicher einfacher, sagte Güntzler und fügte an: „Er ist voll im Thema.“ Und es würde schwer werden, einen adäquaten Nachfolger zu finden.

„Ich hoffe, dass er bleibt“, sagte Güntzler weiter. Und er hoffe, dass die Landesregierung Kroemer motivieren kann, in Niedersachsen zu bleiben.

„Eine schwierige Entscheidung“

Er hat das Angebot, und das ist nicht unattraktiv“, sagte Rüdiger Strehl, Vorsitzender des Stiftungsausschusses der Universitätsmedizin Göttingen zu Kroemers Ruf an die Charité, „denn Berlins Wissenschaftsszene hat durchaus eine erotisierende Wirkung.“ Aber die Charité und Berlin hätten auch große Probleme, fügte er an. Damit stehe Kroemer vor einer schwierigen Entscheidung.

Noch habe der Vorstandssprecher einen Vertrag mit der UMG. Und bisher sei an ihn noch kein Auflösungswunsch herangetragen worden, ergänzte Strehl. Er sei aber sicher, dass es keine große Lücke geben werde, sollte Kroemer gehen. „Wir werden dann in Gespräche zu den Modalitäten für eine Vetragsauflösung eintreten.“

Rüdiger Strehl, Vorsitzender des Stiftungsausschusses der Universitätsmedizin Göttingen Quelle: r

Von Ulrich Schubert

18.08.2018