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Thema des Tages Schnee, Eis und Streusalz: Wie der Winterdienst die Straßen freihält
Thema Specials Thema des Tages Schnee, Eis und Streusalz: Wie der Winterdienst die Straßen freihält
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07:06 03.12.2019
Sollte das Wetter frostig werden, wird Matthias Bringmann zum Winterdienstler. Sein Unimog steht schon bereit. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Zwischen Herbst und Winter pendeln die Mitarbeiter der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) derzeit hin und her. Die GEB erledigen im Auftrag der Stadtverwaltung den Winterdienst. Der ist in Frostnächten bereits nötig. Dann müssen die Beschäftigten des kommunalen Unternehmens früh aufstehen, sehr früh. Bereits um 3.55 Uhr beginnt die Schicht. Es gilt, die Straßen eisfrei zu halten. Am Tage konzentrieren sich die GEB-Mitarbeiter dann wieder auf die Beräumung des Laubes, das im baumreichen Göttingen noch immer üppig anfällt. Es wird mit Hilfe von Technik aber auch per Hand zusammengetragen und als Bioabfall entsorgt.

Das Salzlager der GEB ist mit 900 Tonnen Salz gefüllt. Bei Eis und Schnee sorgen neun Fahrer mit ihren Winterdienstfahrzeugen und weitere 23 Mitarbeiter der GEB per Hand mit Besen und Schneeschaufel an Bushaltestellen und Fußgängerüberwegen für mehr Sicherheit im Stadtgebiet. „Gleichzeitig können die Kollegen nicht im gesamten Stadtgebiet auftauchen“, sagt Maja Heindorf von den GEB. Insgesamt werden gut 950 Straßen geräumt oder mit Feuchtsalz und Sole von Eis und Schnee befreit. Feuchtsalz ist ein Gemisch aus 70 Prozent Salz und 30 Prozent Sole. Einerseits trägt es zur Reduzierung der Salzmenge insgesamt bei, andrerseits sorgt es für eine bessere und auch punktgenauere Haftung.

Winterdienstfahrzeug breiter als ein Bus

Das schnelle Durchkommen der Winterdienstfahrzeuge müsse jederzeit gegeben sein, heißt es von Seiten der GEB. „Parkende, mitunter auch verkehrswidrig abgestellte Fahrzeuge, können unsere Winterdiensteinsätze erschweren oder sogar unmöglich machen“, gibt Wolfgang Lindner, Disponent für den Winterdienst, zu bedenken. Das große Winterdienstfahrzeug der GEB ist mit seinem knapp drei Meter breiten Schneeräumschild deutlich breiter als ein Omnibus oder normaler Lastwagen mit nur 2,50 Meter Breite. Durch das vorgebaute Räumschild wird auch der Kurvenradius größer.

„Arbeiten alle Verkehrsteilnehmer gut zusammen, sind Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet. Bei starken und anhaltenden Schneefällen bitten wir um Verständnis, dass unsere Kapazitäten begrenzt “, so Maja Heindorf.

Im Notfall Einsatz rund um die Uhr

Das Winterdienst-Team der GEB rückt bei Winterwetter im Schichtdienst aus, das heißt, regulär sind die Winterdienstler von 4 bis 22 Uhr und im Notfall auch rund um die Uhr im Einsatz. Die Räumung von Schnee und Eis auf Gehwegen sei allerdings Sache der Grundstückseigentümer und gehöre zur Verkehrssicherungspflicht. Die Verpflichtung zum Winterdienst müsse werktags von 7 bis 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 8.30 bis 20 Uhr nachgekommen werden.

„Denken Sie auch bitte an unsere Mitarbeiter von der Müllabfuhr und halten Sie die Transportwege für die Abfallbehälter und deren Standplätze eis- und schneefrei“, wendet sich Heindorf direkt an alle Göttinger. Unter der Servicenummer 400-5-400, versichert sie, bekommen interessierte Bürger weitere Infos rund um das Thema.

Eis und Glätte: Wer ist für welche Straße verantwortlich?

Verantwortlich für den Winterdienst auf den Straßen des Landkreises Göttingensind die Kreisstraßenmeistereien Göttingen (Sitz in Groß Schneen) und Osterode. Streusalz wird gelagert in Groß Schneen, 500 Tonnen Salz, in der Entsorgungsanlage Breitenberg 60 und in Osterode 300 Tonnen. Rund 190 Kilometer Kreisstraßen werden in Eigenleistung bearbeitet, rund 240 in Fremdleistung. Bei Bedarf beginnt der Winterdienst um 2.30 Uhr, ansonsten nach Wetterlage. Für jedes Fahrzeug gibt es einen Streckenplan.

Für Landes- und Bundesstraßenist die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau, Geschäftsbereich Gandersheim, zuständig. Unterhalten werden Autobahnmeistereien in Göttingen, Hildesheim und Seesen sowie vier Straßenmeistereien in Einbeck, Göttingen, Northeim und Uslar. Die Winterdienstfahrzeuge für den Bereich Göttingen sind in Göttingen und Hedemünden stationiert. Zur Verfügung stehen mehr als 7000 Tonnen Streusalz, davon 1500 Tonnen für den Bereich Göttingen und 900 für den Bereich Northeim. Der Verbrauch an Streusalz ist natürlich vom Wetter abhängig, er hat allerdings in den vergangenen Jahren im gesamten Geschäftsbereich Gandersheim nach Angaben der Behörde bei 5000 bis 10.000 Tonnen jährlich gelegen.

Rund 1170 Kilometer Autobahn, Bundes- und Landesstraßen müssen bearbeitet werden (darunter auch einige Kreisstraßen im Landkreis Northeim und Radwege). 48 Fahrzeuge, davon 19 externe Unternehmerfahrzeuge, sind im Einsatz: Für die Autobahn rund um die Uhr, bei den Straßenmeistereien von 3 bis 22 Uhr, bei Bedarf auch länger. Es stehen 173 eigene Mitarbeiter und entsprechendes Personal der Fremdunternehmer für den Winterdienst zur Verfügung. Die Meistereien haben Räum- und Streupläne erarbeitet, Kriterien sind die Verkehrsbelastung, Busverkehr, Steigungs- und Gefällstrecken. Zum Streuenhat sich Feuchtsalz bewährt. Dabei wird normales Kochsalz (Natriumchlorid) ausgestreut und mit 30 % Salzsole angefeuchtet. Durch die Salzsole haftet das Salz auf der Straße und wird nicht so schnell fortgeweht. Außerdem löst sich das angefeuchtete Salz schneller auf und kann seine Wirkung früher entfalten.

1170 Kilometer Straße müssen im Landkreis geräumt werden. + Quelle: dpa

Situation in Duderstadt:

In Duderstadt müssen Straßen und öffentliche Bereiche auf einer Fläche von 281000 Quadratmetern auf einer Strecke von 58000 Metern gestreut beziehungsweise geräumt werden.

Wer ist in Duderstadt (einschl. Ortsteilen) für den Winterdienst zuständig?

Grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine freiwillige Leistung der Stadt Duderstadt, diese wurde an den Bauhof übertragen.

Wie viele Kilometer städtischer Straßen müssen gestreut/geräumt werden?

Die zu streuende Fläche umfasst 281.000 m² auf einer Strecke von 58.000 m. Für die Räumung von Verkehrswegen gibt es eine Prioritätenliste:

1. Priorität Bundes- und Landesstraßen: Hierfür sind die entsprechenden Bundes- und Landesstraßenbauämter zuständig. 2. Priorität Verkehrsbedeutsame Bereiche im Stadtgebiet Duderstadt: Hierfür liegt Zuständigkeit beim Bauhof der Stadt Duderstadt. Für die Straßen und Wege in den Ortslagen der einzelnen Ortschaften wurden durch die Ortsräte eigene Prioritätenlisten aufgestellt. 3. Priorität 50-60 cm Schneefall: dann liegt Zuständigkeit für alle Straßen und Wege beim Bauhof der Stadt Duderstadt.

Wie rüsten sich die Mitarbeiter des Bauhofes und wie flexibel sind die Dienstpläne, um gegebenenfalls kurzfristig auf entsprechende Witterung zu reagieren?

Es gibt eine Winterdienstbereitschaft von 4.30 bis 19 Uhr. In diesem Zeitraum wird sofort ausgerückt. Insgesamt sind 32 Mitarbeiter mit Aufgaben des Winterdienstes betraut.

Gibt es ein Lager mit Streumaterial? Wenn ja, welches Streugut wird wo eingesetzt?

Es gibt einerseits ein 76-Tonnen-Streusalzlager auf dem Bauhof der Stadt Duderstadt, andererseits hält dieser noch eine Reserve von 25 Tonnen Sackware vor.

Wie viele Maschinen/Fahrzeuge stehen für den Winterdienst zur Verfügung?

Es stehen ein Lkw und ein großer Trecker sowie fünf Kleingeräte (selbstfahrend), ein Kleingerät (handbetrieben) und fünf Handtrupps zur Verfügung.

Gibt es in einigen Bereichen auch Fremdvergaben?

Die einzige Fremdvergabe ist der Einsatz von zwei Großgeräten im Bereich der Bergdörfer.

Was muss der Bürger beachten in Bezug auf Winterdienst beziehungsweise Räum- und Streupflicht?

Grundsätzlich ist jeder Grundstückseigentümer gemäß Straßenreinigungssatzung der Stadt Duderstadt verpflichtet, Gehwege und Gossen, falls nicht vorhanden 1,5 Meter in Richtung Straßenmitte freizuhalten.

In Duderstadt steht auch ein Trecker zur Verfügung. Quelle: Niklas Richter

Zahlen zum Winterdienst in Göttingen

Werden auch stumpf machende Mittel gestreut, Schotter oder Sand?Basaltsplitt, jedoch nicht auf Fahrbahnen.

Wie viele Kilometer Straßen müssen die GEB bearbeiten? Etwa 350 Kilometer.

Wie viele Mitarbeiter stehen für den Winterdienst maximal zur Verfügung? 36.

Welchen Arbeiten gehen die Winterdienstler im Sommer nach?Straßenreinigung.

Wie viele Fahrzeuge können zum Einsatz kommen?Neun gleichzeitig.

Was sind das für Fahrzeuge? Vom Schmalspurgeräteträger bis zum Drei-Achs-Lkw.

Wann beginnt die Frühschicht beim Winterdienst?Um 3.55 Uhr.

Wie lange brauchen die GEB erfahrungsgemäß, um an einem Wintertag einmal alles abgefahren zu haben?Die Straßen der 1. Priorität (Klasse A) sollten innerhalb von drei Stunden abgearbeitet sein.

Woher bekommen die Verantwortlichen der GEB die Wetternachrichten? Ganz normal über TV, Radio und Internet oder gibt es einen gesonderten Service?Ein gesonderter Service. Der Wetterdienst wird speziell eingekauft.

Gibt es eventuell eine den GEB zur Verfügung stehende Langzeitvorhersage, die den Dezember (oder den ganzen Winter) umfasst? Nein, weil eine Vorhersage über drei Tage unseriös ist.

Welche Vorschriften gelten für das Salzstreuen?Es gibt dazu eine konkrete Verordnung. Motto: Soviel wie nötig, sowenig wie möglich.

Winterdienst in Hann. Münden

Für den Winterdienst in Hann. Münden werden 34 Mitarbeiter eingesetzt.

Wer ist in der Stadt Hann. Münden (und ihren Ortsteilen) für den Winterdienst zuständig?

Bereich 4 Kommunale Dienste, Stadt Hann. Münden.

Wo ist die Zentrale?

Baubetriebshof, Vor der Bahn, Stadt Hann. Münden.

Wie viel und welches Streugut steht bereit beziehungsweise wird im Durchschnitt verbraucht?

Je 150 Tonnen werden eingelagert, je nach Witterung. Für den Winterdienst ca. 500 Tonnen je nach Witterung (Winterdienst ab 15. November). Grundsätzlich Feuchtsalz, zusätzlich für empfindliche Flächen (zum Beispiel Sandstein) Sonderstreumittel auf Harnstoffbasis.

Wo und auf wie vielen Kilometern Länge wird gestreut/geräumt?

116.415,52 Meter (Reinigungsklassen 1, 2 und 4) in Kernstadt, Stadtteilen und Ortschaften.

Wie viele Mitarbeiter werden für den Winterdienst zur Verfügung?

34 Mitarbeiter (besondere Regelung für das Personal um stets einsatzbereit zu sein!)

Wie viele und welche Fahrzeuge sind im Winterdienst im Einsatz?

5 Straßenfahrzeuge für Streu- und Räumdienst, 8 Fahrzeuge für den Transport der Mitarbeiter (Handstreudienst u.a.).

Wann beziehungsweise in welchen Zeiten wird gestreut/geräumt?

Hauptverkehrsstrecken 5 bis 20 Uhr, Fußwege und Nebenstrecken 7 bis 20 Uhr.

In welcher Reihenfolge wird gestreut/geräumt?

Es werden zuerst die Hauptverkehrsstraßen und die Busverkehrsstrecken befahren, für die die Stadt die Zuständigkeit hat. Anschließend die Nebenstrecken, Plätze und Wege.

Von Ulrich Meinhard und Britta Eichner-Ramm

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