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Thema des Tages Landwirte im Nebenerwerb: Nach Feierabend geht es raus aufs Feld
Thema Specials Thema des Tages Landwirte im Nebenerwerb: Nach Feierabend geht es raus aufs Feld
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11:53 16.03.2019
Jörg Evers, Nebenerwerbslandwirt, auf seinem Hof in Volkerode (Rosdorf). Quelle: Swen Pförtner
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Volkerode

Jörg Evers ist kaufmännischer Angestellter und arbeitet die meiste Zeit der Woche in einem Büro. Doch nach Feierabend holt er seine Gummistiefel raus und setzt sich hinter das Steuer seines Treckers.

Evers ist, wie die meisten Landwirte in Deutschland, Landwirt im Nebenerwerb. Nach Feierabend und an den Wochenenden lässt er den Bürojob hinter sich und kümmert sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Vor zwölf Jahren hat er den Hof seiner Eltern übernommen. „Wenn man keine Leidenschaft für die Landwirtschaft entwickelt hätte, hätte man sich gar nicht dafür entschieden“, sagt Evers. Nach dem Realschulabschluss entschied sich Evers aus gesundheitlichen Gründen für eine kaufmännische Ausbildung. Auch seine Eltern, die den Familienbetrieb führten, hatten nichts dagegen.

Vom Beruf zur Berufung

Nach einiger Zeit, während Evers als Angestellter arbeitete, merkte er jedoch, dass ihm die Landwirtschaft fehlte. Also entschied er sich doch noch für eine landwirtschaftliche Ausbildung, auch weil sein Gesundheitszustand sich besserte. Seine Umwege über den kaufmännischen Bereich zurück zur Landwirtschaft zeigen, wie gern er in der Landwirtschaft tätig ist. „Das macht den Beruf ja auch zur Berufung“, sagt er.

Der Hof der Familie Evers besteht ungefähr seit Anfang des 16. Jahrhunderts. Damit ist er Evers zufolge der zweitälteste Hof in Volkerode. Der 41-Jährige führt den Hof in der zehnten Generation und bewirtschaftet mehr als 75 Hektar, das entspricht 105 Fußballfeldern. Davon sind mehr als zwei Drittel in Familienbesitz, das restliche Land ist gepachtet. Der Großteil der bewirtschafteten Fläche liegt nah am Hof, bis auf zwei Hektar gehört das Land zum Gebiert der Gemeinde Volkerode. Hier baut Evers konventionell Getreide, Raps, Zuckerrüben und Silomais für Biogasanlagen an.

Jörg Evers, Nebenerwerbslandwirt, auf seinem Hof in Volkerode (Rosdorf). Quelle: Swen Pförtner

Gutes Zeitmanagement zeichnet den Landwirt im Nebenerwerb aus

Hauptberuflich ist der Landwirt kaufmännischer Angestellter beim Landvolk Göttingen. Dort hat er beide Berufe kombiniert: Die theoretische Seite der Landwirtschaft am Schreibtisch beim Landvolk, den praktischen Part nach Feierabend und am Wochenende auf seinem Hof. Durch die Verbindung des Bürojobs zur Landwirtschaft sind beide Tätigkeiten gut miteinander vereinbar. Um beidem gerecht zu werden, muss Evers gut organisiert sein, vor allem zeitlich. Gerade zu Spitzenzeiten, beispielsweise wenn im Frühjahr der Pflanzenschutz ansteht, kann es eng werden. „Da muss man schon gucken, dass man das zeitlich gestaltet kriegt. Aber das zeichnet den Nebenerwerbslandwirt aus“, sagt Evers. Er sieht die Grenze zwischen Neben- und Haupterwerb, in der Zeit, die man investiert. Bei einem Hauptberuf, der bis zu 40 Stunden in der Woche Bürotätigkeiten erfordert, bleibt für den Betrieb folglich deutlich weniger Zeit übrig.

Man kennt und hilft sich

Evers Betrieb liegt mitten in der Ortschaft Volkerode. In dem 300-Einwohner-Dorf ist Evers auch Bürgermeister. Nebenan liegen zwei weitere Höfe, von denen einer, wie Evers Hof, im Nebenerwerb und einer im Haupterwerb bewirtschaftet wird. Auch wenn jeder für sich arbeitet, ist gegenseitige Hilfe und Kooperation wichtig. Vor drei Jahren verkaufte Evers seinen Mähdrescher. „Das ist natürlich schon ein Schritt, den man sich dreimal überlegt“, sagt Evers zu seiner Entscheidung. Seitdem ist er bei der Ernte auf die Zusammenarbeit mit einem befreundeten Landwirt angewiesen. Ansonsten bewirtschaftet Evers seine Flächen alleine, Angestellte hat er nicht. „Da könnte man es auch hauptberuflich machen“, sagt er. Für ihn liegt die flächenmäßige Grenze eines Betriebs im Nebenerwerb bei 100 Hektar. „Es muss nämlich auch zeitlich gewuppt werden“, sagt er.

Von kleinen Veränderungen auf dem Hof zum großen Strukturwandel

Früher hatte Evers’ Betrieb auch Schweine. Doch durch steigende Transportkosten und einer Mindestanzahl an Schweinen, die Spediteure zu den Schlachthöfen bringen, erwog Evers, die Tierhaltung aufzugeben. „Nicht, dass ich das nicht gern gemacht hätte“, sagt Evers zur Tierhaltung. Aber als dann Baumaßnahmen zum Erhalt der Stallungen nötig wurden, entschied sich Evers dazu, künftig nur noch Ackerbau zu betreiben. Dieser Strukturwandel an seinem Hof zeigt sich auch an anderen Höfen der Umgebung. „Das hat sich hier im Ort in den vergangenen Jahren sehr gewandelt“, betont Evers. Nicht zuletzt, weil viele Landwirte ihren Betrieb aus Altersgründen einstellen.

Hof in Volkerode (Rosdorf). Foto: Swen Pförtner Quelle: Swen Pförtner

Die rechtliche Seite der Nebenerwerbslandwirtschaft

Mehr als die Hälfte der Landwirte Deutschlands führen ihren Beruf im Nebenerwerb aus. Dabei gilt es rechtlich einiges zu beachten.

Bernd von Garmissen, Fachanwalt für Agrarrecht und Nebenerwerbslandwirt, definiert seine Nebentätigkeit so: „Nebenerwerbslandwirt ist, wer aktiv und mit Gewinnerbringung Landwirt ist.“ Dabei dürfen allerdings nicht mehr als 50 Prozent des Einkommens aus der Landwirtschaft kommen, denn dann gelte die Landwirtschaft als Hauptberuf und Vollerwerb. Die Größe des Betriebes oder der bewirtschafteten Fläche spielt keine Rolle. Umso wichtiger ist die Art der Bewirtschaftung, denn die Absicht des Landwirts, einen Gewinn erzielen zu wollen, sei entscheidend.

Christian Mühlhausen, Agrarjournalist und Landwirt im Nebenerwerb, betont die Relevanz von Landwirten im Nebenerwerb zur Erhaltung einer Vielfalt und als stabilisierender Faktor neben Großbetrieben. „Es soll ein faires und gutes Miteinander der Betriebe geben“, sagt Mühlhausen. Nebenerwerbslandwirte bewirtschaften zudem häufig Flächen und Gebiete, die für Großpächter und für die Verpachtung uninteressant sind. Sie bewahren bäuerliche Traditionen wie Kirmes und Osterfeuer und stellen nicht zuletzt eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft dar. Beispielsweise erzählt der Nebenerwerbslandwirt dann seinen Kollegen im Büro von den Entwicklungen in der Landwirtschaft.

Rente aus der Alterskasse als „Taschengeld“

Von den 80 000 Mitgliedern des Landesbauernverbands Landvolk Niedersachsen gehören etwa 1500 Mitglieder zum Verband Landvolk Göttingen, der 1947 gegründet wurde und einen Ansprechpartner und Dienstleister für Landwirte darstellt. Zu den Aufgaben des Bauernverbands gehören unter anderem die landwirtschaftliche Beratung von Betrieben und Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation mit der Politik, Gremienarbeit wie der Trinkwasserschutz und die Übersicht über Bauplanungen wie den Verlauf von Stromtrassen über landwirtschaftliche Felder.

Nebenerwerbslandwirte, deren Betriebe größer sind als acht Hektar, müssen Beiträge an die landwirtschaftliche Alterskasse zahlen. Von der Rentenkasse bekommen Landwirte im Ruhestand 550 Euro im Monat, sofern sie 15 Jahre Beiträge gezahlt haben. Dies soll nur ein Taschengeld sein, da der Betrieb den Gewinn und die eigentliche Altersvorsorge ausmachen soll. Bei Landwirten im Nebenerwerb ist dies schwierig. Sie können sich daher unter bestimmten Bedingungen befreien lassen. Vorteil einer Mitgliedschaft ist, dass die Alterskasse im Krankheitsfall einen Betriebshelfer für die nötigen Arbeiten auf dem Hof stellt. Wer kein Mitglied ist, hat im Ernstfall keinen Anspruch auf eine solche Hilfe.

Buchführung bei kleinen Betrieben nicht sinnvoll

Ob Landwirte im Nebenerwerb Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse oder der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) sind, ist oft eine Einzelfallentscheidung. Allerdings müssen alle Landwirte, deren Betrieb größer ist als 1200 Quadratmeter, Mitglied in der Berufsgenossenschaft sein. Auch für das Finanzamt ist die Größe des Betriebs entscheidend: Ab einer Größe von 20 Hektar haben Betriebe eine Buchführungspflicht. Bei kleineren Betrieben ist die Buchführung in den meisten Fällen sinnlos.

Von Lisa Marie Bohlander

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