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Feuerwehrhistoriker: Wolfgang Kreter faszinieren alte Einsatz-Gerätschaften.
Feuerwehrhistoriker: Wolfgang Kreter faszinieren alte Einsatz-Gerätschaften. Quelle: Heller
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Gebaut wurde die „KS 25“, „das steht für Kraftzugspritze“, 1938 im Werk Hermann Koebe in Luckenwalde. Kreter, gebürtiger Reyershäuser und „waschechter Plessaner“, lernte das auf ein Mercedes-Fahrgestell montierte Gerät 1970 kennen, als er nach Schule und Ausbildung zum Kfz-Handwerker seinen Berufsweg bei der Berufsfeuerwehr Göttingen fortsetzte. Dort wird der fast sieben Jahrzehnte alte Oldtimer nach wie vor liebevoll gehegt und gepflegt („ich habe selbst auch daran rumgeschraubt“) und bei besonderen Anlässen vorgezeigt.

1987 beschrieb Kreter, mittlerweile wohnhaft in Bovenden, die ehemals für das Reichsluftfahrtministerium produzierte und auf dem Göttinger Flugplatz eingesetzte Spritze in einer Fachzeitschrift – und legte damit den Grundstein für ein zeitaufwändiges Hobby. Denn wenig später meldete sich ein Nachfahre der 1948 in der DDR enteigneten Koebe-Dynastie, selbst passionierter Forscher in Sachen Feuerwehr- und Werksgeschichte. Aus diesem Kontakt heraus entstand 1988 die „Interessengemeinschaft zur Pflege der feuerwehrhistorischen Erinnerung an das Werk Luckenwalde der Familie Hermann Koebe“.

450 Standorte

Kreter, Vorsitzender der IG, sammelt seitdem mit Unterstützung von Ehefrau Lucie bundes- und auch europaweit Informationen über Feuerwehrgerätschaften, die seit 1895 in dem Luckenwalder Werk produziert wurden. Rund 570 Veteranen an 450 Standorten sind mittlerweile aufgenommen – und es werden immer mehr. „Ich warte gerade auf die Bestätigung einer Dampfspritze, die in Japan aufgetaucht ist“, berichtet der 55-Jährige, der bei der Berufsfeuerwehr als stellvertretender Schichtführer Dienst in der Leitstelle versieht.

Sämtliche Geräte sowie zahlreiche Fotografien und technische Unterlagen aus der Firmenproduktion hat Kreter registriert. In den jeweiligen Gerätewarten hat er Mitstreiter gefunden. „Wir sind aber eher ein lockerer Zusammenschluss“, sagt der Bovender. Der Informationsaustausch funktioniert überwiegend auf dem Postweg oder per E-Mail.

Bei den technischen Forschungsobjekten macht Kreters historische Wissbegier nicht halt. Auch die Familiengeschichte der Luckenwalder Produzenten-Familie sowie die 100-jährige Geschichte der Göttinger Feuerwehr halten ihn in Atem. Er fährt zu Treffen mit anderen Feuerwehrhistorikern, hält Vorträge und besucht Ausstellungen. Für zwei Bücher über die Firmengeschichte hat er Rechercheergebnisse zugeliefert.

Glücklich ist Kreter über den Rückhalt seines Arbeitgebers – und besonders über das Engagement seiner Ehefrau. „Wenn sie nicht mitmachen würde, ginge das alles nicht.“ So ist ein Ende der feuerwehrhistorischen Aktivitäten vorerst auch nicht abzusehen, „mit Koebe werde ich weiter machen, das ist wie ein Bazillus“.

Von Katharina Klocke

Folge vom 15. Mai 2006