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Unter uns „Das Schönste in meinem Beruf sind die Kinder“
Thema Specials Unter uns „Das Schönste in meinem Beruf sind die Kinder“
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Findet den Abschied „ganz furchtbar“: Anne Riemann im Kreise ihrer geliebten Kindergarten-Kinder.
Findet den Abschied „ganz furchtbar“: Anne Riemann im Kreise ihrer geliebten Kindergarten-Kinder. Quelle: Hinzmann
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„Lisa, komm. Soll ich dir beim Anziehen helfen? Christiane, das kannst du doch alleine.“ Anne Riemann sitzt auf ihrem kleinen Stuhl, Auge in Auge mit den Kindern, und hilft einem nach dem anderen, sich fertig zu machen. Hier müssen die Schuhe zugebunden werden, dort klemmt der Reißverschluss – ein Kindergartenvormittag geht zu Ende. Für die 61-Jährige geht in dieser Woche mehr als nur ein Vormittag zu Ende: Heute, am 27. Januar, wird Abschied gefeiert. Fast 25 Jahre hat Anne Riemann mit viel Fröhlichkeit den Kindergarten in Billingshausen geleitet. Mit ihrem Mann, Udo Riemann, will sie nun den dritten Lebensabschnitt genießen.

Anne Riemann ist zunächst in Ellrich, dann in Braunschweig aufgewachsen. Nach Göttingen führte sie der Berufsweg ihres Mannes, den sie schon durch ihre Liebe zu Kindern kennen lernte. Auf einer Familientagung für Polizei- und Zollbeamte wurde eine Betreuerin gesucht. Damals noch Schülerin sprang Anne ein, weil sich die Erzieherin das Bein gebrochen hatte. Udo Riemann war unter den Tagungsteilnehmern.

Arbeit fand die junge Erzieherin zunächst bei der Arbeiterwohlfahrt in Geismar, dann in der Thomasgemeinde. In Bovenden arbeitete sie im kirchlichen Kindergarten, bevor die Wahl-Reyershäuserin mit dem Wechsel vom Billingshäuser Spielkreis zum gemeindlichen Kindergarten dort als Leiterin eingestellt wurde. Einige Kinder, die sie damals betreute, sieht sie heute wieder im Kindergarten – als Eltern. Die Jugendlichen im Ort hat sie im Kindergarten gehabt: Anne Riemann fühlt sich als Teil des Dorfes.

Vertrauen als Basis

Vertrauen ist für sie die Basis ihrer Arbeit. Dabei denkt sie nicht allein an die Kinder. Auch die Eltern müssten zufrieden sein, ihre Kinder ohne Sorge abgeben können. Vertrauen als Konstante im Wandel der Zeit: „Das Elternsein ist heute einfach anders.“ Während vor 25 Jahren die meisten Frauen zu Hause waren, stünden heute meist beide Eltern im Berufsalltag. Der Kindergarten musste auf diesen Wandel reagieren. „Am Anfang war es schwierig, bis 13 Uhr offen zu haben“, sagt Riemann. Heute müsse man wieder über andere Öffnungszeiten nachdenken. Was pathetisch klingen könnte, ist bei Riemann stimmig. „Menschen sind mein Hobby“, sagt sie. Das Schönste im Beruf? „Das sind die Kinder. Sie sind so offen, so neugierig, möchten so viel wissen.“

Wie die Kinder ist die dreifache Mutter und Großmutter neugierig geblieben. „Ich finde es einfach spannend und schön, dazu zu lernen, sich etwas zu erarbeiten“, beschreibt sie. So werde ihr der Austausch mit Kollegen fehlen. Und sie, die jedes Jahr Abschied nehmen musste von den Schulkindern, die im Kindergarten flügge wurden, findet auch jetzt wieder den Abschied „ganz furchtbar“. Doch ob ihrer Plänen, Akkordeon spielen zu lernen, weiterhin in Reyershausen Theater zu spielen und mit ihrem Mann im Wohnmobil viel zu reisen, freut sie sich auf den neuen Lebensabschnitt.

Von Ute Lawrenz

Folge vom 27. Januar 2006