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Unter uns Franz Strache reist seit den 70er Jahren
Thema Specials Unter uns Franz Strache reist seit den 70er Jahren
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17:40 07.08.2011
Von Britta Eichner-Ramm
Sucht nach exotischen Reisezielen: Der Göttinger Globetrotter Franz Strache lebt, so sagt er von sich, ein buntes Leben.
Sucht nach exotischen Reisezielen: Der Göttinger Globetrotter Franz Strache lebt, so sagt er von sich, ein buntes Leben. Quelle: Heller
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Göttingen. Als Hippi oder gar Alt-Hippi mag sich Franz Strache – von seinen Freunden Peppi genannt – nicht bezeichnen lassen. Sieht man den 61-Jährigen an, mag man kaum glauben, was er aus seiner Jugend sagt: „Ich war ein schicker Typ im Anzug und bin mit meinem Porsche über den Kudamm gefahren.“ Nach seiner Lehre als Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft in Göttingen von 1966 bis 1969 ging Strache wie viele andere junge Männer in jener Zeit nach Berlin. „Ich hatte keinen Bock auf Bundeswehr,“ gesteht der gebürtige Duderstädter. In Berlin fand er Arbeit in seinem Beruf, genoss das Großstadtleben, die Discobesuche. Die Anti-Vietnamkrieg-Proteste seinerzeit seien ihm egal gewesen. „Mit 19 habe ich noch ,Bild’ gelesen.“ Erst als er als Zuschauer einer Demo einen Polizei-Gummiknüppel über den Kopf bekam, sei er „zum politischen Mensch geworden“. Anzug, Porsche – „das war nicht ich“, sagt er.

In dem jungen Kaufmann reifte die Erkenntnis, dass „das nicht alles im Leben sein kann“. 1976 schmiss er seinen Job, verkaufte den Porsche und bereitete sich mit vier Gleichgesinnten auf die erste große Reise vor: von Berlin nach Goa. Viele waren zu jener Zeit auf dem sogenannten Hippi-Trail unterwegs, auf Selbsterfahrungstrip. Vielen seiner Freunde, erinnert sich Strache, habe der Mut dafür gefehlt. Anfang November 1976 ging es los – mit fünf Leuten im Mercedes-Kastenwagen „über die Autoput in die Türkei, den Iran, Afghanistan und Pakistan nach Indien“. Irgendwo trennte sich Strache von seinen Mitreisenden, reiste allein weiter – so wie auf allen seinen Reisen in all den folgenden Jahren auch. Drei Jahre lang dauerte seine erste Tour. Von Indien aus war er in Nepal, dann in Sri Lanka und später auf dem Landweg zurück ins heimatliche Göttingen, wo er auf 54 Kilo abgemagert zunächst bei den Eltern wohnte und nach einer Weile wieder Fuß fasste in seinem Beruf. Dauerhaft auszusteigen sei für ihn nicht in Frage gekommen. „Ich wollte nie woanders leben als in Deutschland.“

Ein biederer Mensch wurde er, vielleicht abgesehen von seiner Arbeit, nicht wieder. Die langen Haare, das freakige Outfit und die politischen Ansichten hat er bis heute. Seit 1976 verzichtet er aufs Autofahren, seit 1980 auf Fleisch, und geraucht habe er auch nie, sagt er, „auch nicht damals in Afghanistan“.

Die Leidenschaft fürs Reisen hat sich der 61-Jährige bewahrt – stets „Low Budget“, also ohne viel Luxus. Stets wollte er „mal gucken, wie das Leben der Menschen woanders ist“. Auf Reportagen anderer mag er sich nicht verlassen. Deshalb bereite er sich auch nicht vor. „Ich muss das selbst erlebt haben“, beschreibt er das, was ihn antreibt. „Ich setze mich ins Flugzeug, und komme ohne vorgefertigte Meinung an.“ Das sei in Afrika oder Asien viel einfacher als etwa in Frankfurt: „Als Weißer in Afrika brauchst du keine Angst um dein Leben zu haben, als Schwarzer in Deutschland schon.“

Auf Reisen „lernst du viel über dich selbst“, ist sich Strache sicher, „und Menschenkenntnis“, ergänzt er. Er rät jungen Leuten, so früh wie möglich durch Reisen ihren Horizont zu erweitern. „Die Dinge die man erlebt, kann einem keine Uni bieten.“ Reisen in den 70ern war ganz anders als heute – ohne Handy, Internet und E-Mail. „Damals gab es noch ,post restante’“, erinnert sich der Göttinger an postlagernde Briefe, die eine Woche und länger unterwegs waren.

Neben Erkenntnissen über sich selbst brachte Strache zahlreiche Fotos, etwa von den heute zerstörten Buddhastatuen von Bamiyan in Afghanistan oder von vielen Menschen, die er auf seinen Reisen traf, mit nach Hause. Aber auch Erinnerungen an seine Touren als Globetrotter: als er mit Autoschiebern durch Mauretanien zog zum Beispiel, im Kamerun einem 16-jährigen Medizinmann vorgestellt wurde, bei einer indischen Familie in einem abgelegenen Dorf lebte, beobachtete, wie zwei Liberianer die Zöllner an der Grenze nach Guinea mit ihren Schuhen bestachen, als er in Malakka zum Friseur musste, weil man ihn sonst nicht in Singapur ’reingelassen hätte, oder für 25 Dollar neben einem sündhaft teuren Hotel auf Bora Bora wohnte.

Seit Juli ist Strache in der passiven Altersteilzeit. „Ich bin ruhiger geworden“, meint er. Aber nach zwei Monaten zu Hause ist er zurzeit mal wieder weg. Nicht weit, nur in Amsterdam.