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Unter uns Fridola und Plumpkerquatsch als Mitbewohner
Thema Specials Unter uns Fridola und Plumpkerquatsch als Mitbewohner
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Farbenfrohe Pappmaché-Figur: Elke Walther bei der Arbeit im Sonnenzimmer ihres Ateliers „Schatzinsel“.
Farbenfrohe Pappmaché-Figur: Elke Walther bei der Arbeit im Sonnenzimmer ihres Ateliers „Schatzinsel“. Quelle: CR
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Beim Rundgang durch das Haus von Elke Walther begegnet man allerlei skurrilen und farbenfrohen Mitbewohnern: Fridola und Fridolin, Waltrude, dem kleinen Fischer Fritzchen und Plumpkerquatsch, dem Wassermann. Sie alle sind Pappmaché-Figuren, die Walther aus allerlei Materialien liebevoll gestaltet hat, unter anderem aus Toilettenrollen, Pappe, Joghurtbechern, Draht, Muscheln und Wollresten.

Denn Kunst ist die große Leidenschaft der 50-jährigen Dransfelderin. Sie fertigt nicht nur Pappmaché-Figuren, sondern auch Porträts und sie bearbeitet Speckstein. Dazu hat sie sich in ihrem Haus ein Atelier eingerichtet, das „Schatzinsel“ heißt und in dem in vielen Behältern Materialien aller Art lagern. Das Atelier ist aufgeteilt in das Sonnen- und das Meerzimmer.

Schon als Kind habe sie viel gezeichnet, berichtet die 50-Jährige. Mit Walt-Disney-Figuren habe sie angefangen zu üben. Einmal habe sie auch ein Plakat für eine „Karnickel-Schau“ gemalt, erinnert sie sich. Bei ihrer späteren Arbeit im Kindergarten konnte die Kinderpflegerin ihre Kreativität im Umgang mit Kindern einsetzen. Im Kindergarten Pastorenberg in Dransfeld hat sie auch die Wände mit Janosch-Motiven bemalt.

Mit Kunst aus der Krise

Seit vier Jahren widmet sich Walther nun ausschließlich ihrer künstlerischen Tätigkeit. Das hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Vor neun Jahren bekam Walther Angst- und Panikzustände. Sie hatte seitdem Probleme, unter viele Leute zu gehen, in kleinen Räumen oder fremden Umgebungen. Erst hat Walther noch weitergearbeitet, vor vier Jahren ist sie in Rente gegangen. Wegen der Krankheit hat sie ihre Werke bisher auch noch nicht in einem größeren Rahmen ausgestellt.

Der Weg aus einem Tiefpunkt der Krankheit heraus führte auch über die Kunst. Wenn sie sich damit beschäftige, gehe es ihr gut, fühle sie sich frei: „Ich bin ich.“ Unterstützt wird sie von ihrem Mann Werner, der als Straßenwärter bei der Autobahnmeisterei Göttingen arbeitet. Er besorgt ihr Materialien und ist ihr „größter Kritiker“. Von ihm hatte sie vor 19 Jahren zum ersten Hochzeitstag ein Porträt aus dem Kopf gemalt. 70 bis 80 Porträts habe sie bislang gemalt, schätzt Walther.

Im Augenblick beschäftigt sie sich aber vor allem mit der Bearbeitung von Speckstein. Bei dem, was sie daraus macht, lässt sie sich vom Material inspirieren: „Der Stein sagt mir das selber.“ Das Kunstwerk entwickele sich von alleine, je nach Maserung und Gestalt des Steins. Einen kleinen Säugling, der sich ankuschelt, hat sie so geschaffen, ein Mädchen, das sich vor einem Hund versteckt, und eine ruhende Frau. Dennoch malt sie auch immer noch Porträts, die man bei ihr auch in Auftrag geben kann (Telefon 05502/1387).

„Seelenbilder“

Walther malt aber nicht nur Porträts, sondern in verschiedenen Techniken wie Bleistift, Pastell, Kohle, Aquarell, Acryl entstehen auch andere Bilder, die auf Phantasiereisen zurückgehen. Oft mischt sie die Materialien. Nur Öl mag sie nicht so gerne: „Das stinkt zu sehr.“ Sie habe sich alle Techniken selbst beigebracht: „Ich habe einfach alles ausprobiert.“ Wiederkehrende Motive in ihren Werken sind Wald, Steine, Wasser.

Gemeinsam mit Pastorin Petra Schulze-Presting bietet Walther regelmäßig unter dem Titel „Seelenbilder“ an mehreren Abenden Treffen zu religiösen Themen an. Es seien Abende, „um zu sich zu finden“ – durch Farben: „Es ist enorm, was in Menschen so drinsteckt.“ Es gehe darum, sich auszudrücken. Dazu müsse man keine speziellen künstlerischen Fähigkeiten haben. Sie sei jedesmal erstaunt, was für Bilder zustandekommen. Wichtig sei ihr auch der Glaube an Gott, betont Walther: „Für mich spielt Religion eine große Rolle.“

In der Schatzinsel ist eine weitere Pappmaché-Figur mit Sommersprossen entstanden, die noch keinen Namen hat: ein Geschenk zu Weihnachten für die 20 Monate alte Enkeltochter Merle Ernst. Die malt bei Oma auch schon gerne und soll sich dann selbst einen Namen für die Figur ausdenken.

Von Jörn Barke

Folge vom 5. November 2005