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Unter uns Gedichte schreiben ist Weben mit Worten
Thema Specials Unter uns Gedichte schreiben ist Weben mit Worten
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Schreibt seit ihrer Kindheit: Brigitte Rosetz ist Vorsitzende des Autorenkreises Plesse.
Schreibt seit ihrer Kindheit: Brigitte Rosetz ist Vorsitzende des Autorenkreises Plesse. Quelle: Heller
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Mit dem Schreiben und Zeichnen begann Brigitte Rosetz schon früh. „Ich besitze noch Hefte und Büchlein mit Bildern und Gedichten aus meiner Kindheit“, erzählt die 67-Jährige. Sie erinnert sich gern an ihre erste Veröffentlichung in einer Zeitung. „Eines Tages kam ich aus der Schule und mein Vater hat mir gratuliert.“ Sechs D-Mark betrug das Honorar.

An der Pädagogischen Hochschule in Alfeld begann die gebürtige Osnabrückerin ein Lehramtsstudium: Deutsch und Kunst waren ihre Fächer. Dort lernte Rosetz ihren Ehemann Wolfgang, später Erdkundelehrer und Kollege im Fachbereich Kunst, kennen. Sieben Jahre lang arbeiteten beide im Emsland, wenige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. „Die Kinder sprachen fast alle Platt, das konnte ich gar nicht.“

Schon an der Mittelpunktschule rückte Rosetz die musische Praxis in den Mittelpunkt des Unterrichts, „wir haben Theater gespielt“. Was auch der dortige Schulrat bemerkt und ihr daraufhin wohlwollend riet: „Dichten Sie weiter mit Ihren Kindern.“

Die nächste Station war schon Südniedersachsen. Das Ehepaar zog nach Reyershausen, um an der neugebauten Novalisschule im benachbarten Nörten-Hardenberg zu unterrichten. 28 Jahre lang versuchte Rosetz im Deutschunterricht, die Haupt- und Realschüler für das kreative Schreiben zu begeistern: „Die typischen Aufsatzkanons wollte ich vermeiden.“ Stolz ist sie, dass die Schüler mitzogen: „Einige haben sogar Wettbewerbe gewonnen“, erinnert sie sich an die Erfolge von Jugendlichen. 20 Jahre lang war sie in Nörten Fachleiterin für musisch-kulturelle Bildung. Auch den Schulalltag versah sie mit ihrem kreativen Stempel: etwa durch die Innendekoration, die Gestaltung und Organisation von Schulfesten.

„Gedichte schreiben: Weben mit Worten, / aus Stürmen und Brüchen entwirrt. Geglättet, / gezwirbelt herzbunt, gewunden, gebunden, / handtellerklein. Handtellerfein / die eng geschriebenen Lebenslinien: / Träume, Ekstasen, Schmerzen, Wunden./ Eingewoben die Initialen des Schreibers.“ So beschreibt Rosetz, seit sechs Jahren Northeimerin, das Gedichte schreiben. Natur- und Umweltthemen sind ihre bevorzugten Sujets.

Mitglied im Autorenkreis

Berühmt geworden ist sie mit der Lyrik nicht, „Popularität habe ich niemals angestrebt. Dazu fehlte mir auch die Zeit“, erklärt die Pädagogin, warum sie ihre Gedichte allenfalls in Anthologien oder Schriften und Lesungen des Autorenkreises Plesse veröffentlicht, dem sie seit dem Jahre 2000 angehört und seit vier Jahren vorsitzt. Auf den Austausch mit Autorenkollegen möchte Rosetz nicht mehr verzichten: „Da werden meine Sachen wahrgenommen.“

Von Katharina Klocke

Folge vom 5. Februar 2009