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Unter uns Gleichener Tim Huntgeburth radelt von New York nach Miami
Thema Specials Unter uns Gleichener Tim Huntgeburth radelt von New York nach Miami
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13:29 27.02.2014
Von Andreas Fuhrmann
Mit dem Rad 2300 Kilometer die amerikanische Ostküste hinunter: Tim Huntgeburth. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Einmal wurde es richtig brenzlig für Tim Huntgeburth auf seiner Radtour durch die USA.

Er fuhr durch ein heruntergekommenes Ghetto in Washington, als der Schlauch in seinem Hinterrad platzte. Kaum hatte er sich ans Reparieren gemacht, kreisten ihn „acht Jungs in Bomberjacken“ ein. „Ich habe ganz schön geschwitzt“, erinnert er sich. Dabei hatten die Jugendlichen gar keine bösen Absichten.

Drogen angeboten

Sie fragten ihn lediglich, ob er ein Handy oder Drogen kaufen wolle. Der 24-Jährige lehnte dankend ab. „Aber vor lauter Nervosität habe ich den kaputten Schlauch wieder reingepackt“, erzählt er. Also pumpte er den Reifen notdürftig auf, um erst einmal an einen sichereren Ort zu kommen. Dort störte ihn dann auch niemand bei der Reparatur.

Flicken musste Huntgeburth seine Reifen noch häufiger. Immerhin legte er täglich mehr als 200 Kilometer zurück. Immer an der Ostküste entlang. Neun Tage lang, gut 2300 Kilometer. Von New York bis nach Miami in Florida. Ein Traum, den er allerdings ein ums andere Mal verschieben musste.

Eigentlich hatte Huntgeburth schon vor einem Jahr aufbrechen wollen. Doch bei einer Routineuntersuchung stellten die Ärzte bei ihm Hautkrebs fest. „Das war ein Schock für mich.“ Sofort wurde er operiert. Im Frühjahr dieses Jahres begann er wieder mit dem Training. „Ich wollte noch vor dem Sommer los“, erzählt der 24-Jährige. Doch dann stellten die Ärzte wieder Hautkrebs fest. Die nächste OP. Wieder warten. Wieder anfangen bei null. Doch diesmal gaben die Ärzte grünes Licht. „Ich sollte mich nur vor der Sonne schützen.“

Überall eine Attraktion

In New York begann seine außergewöhnliche Reise. Außergewöhnlich schon deswegen, weil die meisten Amerikaner das so empfanden. „Überall, in New York, Philadelphia oder Baltimore, war ich eine Attraktion“, erzählt der 24-Jährige. Er war weit und breit der einzige Radrennfahrer. Überall wurde er angesprochen, sogar an der Kreuzung aus dem Auto heraus. Und in Washington am Capitol fotografierten ihn nicht nur die Asiaten, sondern auch die Lokalzeitung.

Ruhiger wurde es erst im weiteren Verlauf in Georgia und North Carolina. „1000 Kilometer durchs Nichts“, sagt Huntgeburth. „Ich war schon froh, wenn ich mal ein Haus gesehen habe.“ Besonders nervig wurde diese Einöde immer dann, wenn er eine Brücke erreichte. „Da darf man nämlich nicht mit dem Rad drüber fahren“, erklärt Huntgeburth, auch wenn er bis heute nicht weiß, warum.

Also musste er jedes Mal auf einen Pickup warten – und das konnte dauern. Einmal wurde er ungeduldig  und wurde prompt von einem Polizisten gestoppt. „Er hat dann aber seinen Bruder angerufen, der mich auf die andere Seite gebracht hat“, sagt der 24-Jährige kopfschüttelnd. So freundlich seien alle Amerikaner zu ihm gewesen.

Von Sandy nicht viel mitbekommen

Glück hatte er mit dem sonst so verheerenden Sturm Sandy, von dem er nicht viel mitbekam außer einigen Ausläufern. Die brachten allerdings noch so viel Wind mit sich, dass er drei Tage kaum in die Pedale treten musste. „Zum Glück kam der Wind von hinten. So bin ich ab und zu 50 Stundenkilometer gefahren“, erzählt er und strahlt. Auch sein 15 Kilogramm schwerer Rucksack kam ihm an diesen Tagen leichter vor.

Zurück in Deutschland will Huntgeburth jetzt erst einmal pausieren und sich auf seine Ausbildung bei Carl Zeiss und das Fernstudium an der Privaten Fachhochschule konzentrieren. Im Frühjahr will er sich dann auf Mallorca auf die Tour d‘Energie vorbereiten. Und auf Hautkrebs muss er sich wieder untersuchen lassen. Angst habe er aber nicht, sagt der 24-Jährige. „Ich schütze mich und mache, was die Ärzte sagen. Den Rest kann ich nicht ändern.“

Huntgeburth und sein Rennrad.