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Unter uns Göttinger Alex Franke hat viele Talente und in vielen Berufen gearbeitet
Thema Specials Unter uns Göttinger Alex Franke hat viele Talente und in vielen Berufen gearbeitet
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19:33 16.09.2014
Vielseitige berufliche Stationen: Kampfsporttrainer, Matrose, Personenschützer, Türsteher, Lkw-Fahrer, Zimmermann und Autor Alex Franke. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust, zur See fahren“, erzählt der Sohn eines Berufssoldaten. Doch in seiner Heimat Ostfriesland herrschte Mitte der 80er-Jahre eine hohe Arbeitslosenquote, Lehrstellen waren rar – also absolvierte der junge Mann auf einem Stückgutfrachter eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker. Mit viel Mühe hielt er die drei Jahre durch – „die Einsamkeit auf See, die enge, muffige Kabine sowie die strenge Hierarchie an Bord waren für mich der blanke Horror“, sagt Franke.

Er sagte der Seefahrt ade, ließ sich zum Zimmermann umschulen und eröffnete eine Firma, die er vier Jahre lang betrieb. „Mal liefen die Geschäfte, mal weniger“, sagt er. Seine nächste Tätigkeit: Lkw-Fahrer. Acht Jahre lang war er für einen Hamburger Schiffsausrüster unterwegs, fuhr nach Marseille, Kopenhagen und Antwerpen, wo er Schiffe mit Proviant und Ersatzteilen belieferte.

Eins war Franke in all den Jahren nie abhanden gekommen: seine Begeisterung für den Kampfsport. Im Alter von sechs Jahren hatte er mit Judo begonnen, um sein Selbstbewusstsein zu stärken: „Ich war als Kind ziemlich unsicher.“ Er hatte Talent – „ich war sogar mal ostfriesischer Meister“, erinnert er sich lachend – sowie Disziplin und Enthusiasmus.

Karate, Boxen, Thaiboxen, Wing Tsun (eine Form des Kung Fu): Er probierte alles. Erwies sich als gut. Richtig gut sogar. So dass er sich schließlich dazu entschloss, seine Fähigkeiten beruflich einzusetzen: Er wurde Türsteher. Aber: Türsteher sei kein cooler, glamouröser Job, sagt Franke. Im Gegenteil: „Morgens aufzuwachen und als erstes daran zu denken, dass du heute Abend wieder in die Disco musst, wo es immer knallt, ist ziemlich belastend“, erinnert er sich an seine Zeit im Kasseler Nachtleben.

Ausbildung im israelischen Camp

Eins kam ihm dabei zugute: seine schauspielerischen Qualitäten. Er sei mit 1,80 Meter zwar nur durchschnittlich groß, könne aber verdammt böse gucken: „Das hat viele, die auf Krawall aus waren, abgeschreckt.“ Und wenn es doch mal brenzlig wurde, habe er die Situation meist verbal lösen können.

Franke spricht ruhig und bedächtig, sein ostfriesischer Tonfall ist einnehmend. Doch er kann auch anders: „Ab und zu muss ein Türsteher eingreifen, um die Gäste zu schützen.“ Viele Schlägereien habe er nicht erlebt. Die gefährlichste Situation, in die er geriet: Als ein abgewiesener Besucher mit einem Bratspieß bewaffnet wiederkam, um sich zu rächen. „Der wollte mich durchbohren – also  warf ich ihm einen Stuhl an den Kopf. Da sah er nicht mehr rot, sondern nur noch die Sterne.“

Als Franke den Türsteher-Job an den Nagel hängte, war er „froh, dass es vorbei war“. Den anschließenden Beruf als Personenschützer hat er gerne ausgeübt. „Leider hatte ich nicht so viele Aufträge, dass ich von ihnen leben konnte.“ Franke begleitete Geschäftsleute auf Reisen und sorgte für ihre Sicherheit. Die notwendigen Kenntnisse hatte er sich in einem israelischen Trainingscamp angeeignet, dass von einem Ex-Elitesoldaten geleitet wurde. 

„Da mache ich mir keine Illusionen“

Vor sieben Jahren hat Franke geheiratet, seine Frau und er haben eine sechsjährige Tochter. Er arbeitet als Kampfsportlehrer im Sportstudio seiner Frau, ist außerdem Deutschland-Repräsentant der Verbände für Krav Maga Survival (ein vom israelischen Militär entwickeltes Selbstverteidigungssystem) sowie Panantukan (eine philippinische Box-Variante).

Vor einiger Zeit hat die „Leseratte“, als die er sich selbst bezeichnet, eine neue Passion entdeckt: das Schreiben. Zwei Bücher hat er verfasst, beide sind  im Göttinger Debux Verlag erschienen: der Krimi „The Doorman“ sowie der Ratgeber „Das Gesetz der Straße – realistische Selbstverteidigung“. Für sein Hörbuch wird er in Kürze nach Berlin reisen, um es, „von der Außenwelt  abgeschnitten“, in einem Tonstudio selbst zu sprechen.

Ob er sich ein Leben als Schriftsteller vorstellen kann? „Da mache ich mir keine Illusionen.“ Schreiben sei eine wunderbare Erfahrung, aber bei rund 100 000 Neuerscheinungen im Jahr sei es wohl klüger, „wenn ich weiter auf meinen Unterricht setze“.

Von Hauke Rudolph