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Unter uns Große Leidenschaft beinahe mit dem Leben bezahlt
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60 Jahre Segelflieger mit Leib und Seele: Karl-Ewald Bruns in seinem Arbeitszimmer.
60 Jahre Segelflieger mit Leib und Seele: Karl-Ewald Bruns in seinem Arbeitszimmer. Quelle: Theodoro da Silva
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Wie viele Stunden Karl-Ewald Bruns am Steuerknüppel eines Segelfliegers gesessen hat, weiß er nicht. Es müssen tausende gewesen sein. An sein schönstes Erlebnis kann sich der 81-Jährige indes noch genau erinnern: Es war ein 500-Kilometerflug in Spanien, bei dem er so hoch in den Himmel stieg, dass er die letzten 90 Kilometer keinen Aufwind mehr benötigte und geradeaus auf sein Ziel zusteuern konnte. „Das Wetter war so schön, und ich musste nicht mehr kämpfen. Das war einfach ein Genuss“, schwärmt Bruns noch heute.

Bis dahin jedoch war es ein weiter Weg. Bereits als kleiner Junge träumte Bruns vom Fliegen, und im Alter von zehn Jahren baute er mit seinem Freund Arnold Fricke sein erstes Modellflugzeug. Er war fasziniert. Bei Küster und Johannsen in Göttingen kaufte er sich einen Baukasten für das Modell Knirps. „Aber das hat nie richtig funktioniert“, erinnert er sich. „Ich hatte einfach zu wenig Ahnung.“

Das sollte sich schon bald ändern. Im Jahr 1941 wurde in allen Volksschulen der Flugmodellbau eingeführt. Sein Vater Karl, von Beruf Lehrer, nahm den Sohn mit zu einem Lehrgang. „Dort habe ich dann richtig gelernt, Flugmodelle zu bauen und zu fliegen“, erzählt der 81-Jährige. Bis er selbst in die Lüfte steigen konnte, sollte es aber noch zwei Jahre dauern.

Zuvor absolvierte Bruns eine fliegerhandwerkliche Ausbildung am Fliegerhorst an der Königsallee in Göttingen. „Dort habe ich den Flugzeugbau von Grund auf gelernt“, erzählt er. Dann meldete er sich im April 1943 als Kriegsfreiwilliger für die Luftwaffe. Im Sommer absolvierte Bruns dann auf der Weper, einem Höhenzug bei Hardegsen, seine ersten kurzen Flüge im sogenannten Schulgleiter. Sie dauerten nur Sekunden, doch der damals 15-Jährige war begeistert. Am 29. Juli 1943 bestand Bruns die A-Prüfung mit einer Flugdauer von 32 Sekunden und bekam sein erstes Abzeichen – eine weiße Möwe auf blauem Grund. Heute besitzt er den höchsten Grad dieses weltweit gültigen Segelflieger-Abzeichens.

Zurück in Göttingen machte Bruns seine ersten Windenstarts und brachte es dabei bereits auf zwei bis drei Minuten Flugzeit. „Da hatte ich schon ein bisschen Herzklopfen“, erinnert er sich. Ohnehin gehöre eine gesunde Portion Angst zur Fliegerei dazu, getreu dem Motto: „Es gibt alte und es gibt mutige Segelflieger, aber keine alten mutigen.“

MFV gegründet

Nachdem er die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges mit viel Glück und Geschick überstanden hatte, gründete Bruns nach seinem Abitur im Sommer des Jahres 1947 mit Heinz Waschkowitz und Berthold Petersen die Modellflug-Vereinigung-Göttingen (MFV). Der erste Flugtag wurde im Herbst am Einzelberg in Groß Schneen abgehalten.

1949 nahm Bruns ein Bauingenieur-Studium in Braunschweig auf und schloss sich 1951 der akademischen Fliegergruppe an. Mit Kommilitonen baute er ein „Baby III“, ein Segelflugzeugtyp. Es hatte eine Spannweite von 13 Metern. Am Schäferstuhl bei Salzgitter folgte 1952 der Härtetest – der Bruns beinahe das Leben kostete.

Schon kurz nach dem Start merkte der damals 24-Jährige, dass es knapp werden würde Der Hangwind reichte nicht aus. „Es ging rapide abwärts“, erinnert er sich an die letzten Sekunden vor dem Absturz. Er versuchte noch krampfhaft, die Landewiese zu erreichen. Vergeblich. Mit einer der Tragflächen berührte er einen Baumwipfel, das Flugzeug taumelte und zerschellte schließlich am Hang. Bruns erlitt einen Schädelbruch, brach sich Knöchel, Kniescheibe und Oberschenkel, doch er überlebte. Schon ein Jahr danach – mittlerweile hatte er seine Frau Irmgard geheiratet – saß Bruns wieder in einem Segelflugzeug.

Heute blickt Bruns auf ein ereignisreiches Leben zurück. Er errang Abzeichen um Abzeichen, konstruierte sein eigenes Baby (1972), das er Biene taufte, und etablierte einen Segelflugplatz in Günterode (1991). Das Fliegen hat er zwar vor einigen Jahren aufgegeben. Nicht aber seinen Traum, ein Adler zu sein.

Das Buch von Karl-Ewald Bruns über sein Fliegerleben trägt den Titel „Der Traum ist wahr geworden, ein Adler zu sein“. Es ist bei Fraatz & Partner unter Telefon 0551/600758 oder per E-Mail zu bestellen.

Von Andreas Fuhrmann

Folge vom 24. Januar 2009