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Unter uns Mehr als 2000 Kinder auf die Welt begleitet
Thema Specials Unter uns Mehr als 2000 Kinder auf die Welt begleitet
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Traumberuf Hebamme: Stefanie Arend ist stolz auf ihre Arbeit.
Traumberuf Hebamme: Stefanie Arend ist stolz auf ihre Arbeit. Quelle: Hinzmann
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„Jede Geburt ist ein besonderes Erlebnis“, sagt die 38-jährige Hebamme Stefanie Arend. Bereits mit 16 Jahren wusste sie, dass sie diesen Beruf ausüben will. Das sei praktisch über Nacht gekommen. „Ich bin eines morgens aufgewacht und wusste, dass das mein Beruf ist.“ Kontakt zu anderen Hebammen habe sie vorher nicht gehabt, jedoch sei ihr schon immer klar gewesen, dass sie im sozialen Bereich oder im Krankenhaus tätig sein möchte. „Hebamme zu sein, beinhaltet beides. Ich habe einen direkten Kontakt zu den Frauen und betreue sie zu Hause und im Krankenhaus.“

Vor zwölf Jahren fing sie nach einem abgebrochenen Medizinstudium mit der Ausbildung an. Ihre erstes Erlebnis nach dem Abschluss: „Während eines dreimonatigen Türkeiaufenthalts habe ich meine erste Hausgeburt begleitet“, erinnert sich Arend. Die Familie habe kein Wort Deutsch oder Englisch gesprochen, und sie selbst kein Türkisch. „Wenn es um die wesentlichen Sachen geht, dann kann man sich auch ohne Worte verständigen. Ich habe der werdenden Mutter die Sachen, die sie machen sollte, vorgemacht.“ Eine Kommunikation mit Händen und Füßen, die funktioniert hat: „Die junge Frau hat ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht.“

Hausgeburt oder Klinik?

„Hausgeburten mache ich nur, wenn die Schwangerschaft absolut reibungslos verläuft. Aber man muss auch die Frau sehr gut kennen“, so Arend. Prinzipiell ziehe sie aber Geburten im Krankenhaus vor, denn man wisse nie, was alles passieren kann.

In der gesetzlichen Verordnung steht, dass Hebammen einer Geburt beiwohnen müssen, Ärzte dieses können. „Es gibt immer wieder Situationen, bei denen es gut ist, einen Arzt dabei zu haben.“ Wie weit die Aufgabenbereiche der Hebammen in den Krankenhäusern gesteckt sind, hänge von den jeweiligen Einrichtungen ab.

Über 2000 Kinder hat Arend bereits als Hebamme mit auf die Welt gebracht. „Früher habe ich auch ein Hebammentagebuch geführt, in dem ich die einzelnen Geburten beschrieben habe.“ Bei der hohen Anzahl an jungen Müttern haben sich dabei auch Freundschaften entwickelt. „Zu einem Kind habe ich sogar die Patenschaft übernommen. Viele meiner Kleinen sehe ich in der Schule oder in den Vereinen meines Sohnes wieder.“

Dass sie selbst ein Kind hat, habe ihr geholfen, sich in die Gefühlslage der Frauen hineinzuversetzten. „Wenn man die Schmerzen selbst kennt, dann kann man auch besser helfen.“ Bei Entbindungen direkt nach der Geburt ihres eigenen Kindes, habe sie sogar Symptomschmerzen der Wehen bekommen, so Arend. Aber man kenne auch das Glücksgefühl, wenn alles vorbei ist. „Wenn ein neues Leben auf die Welt kommt, ist das immer wieder ein emotionales Erlebnis und ein Adrenalinstoß.“ Besonders ergreifend sei es, wenn auch die Männer anfangen zu weinen, mitatmen oder mitpressen, sagt Arend und bekommt dabei selbst eine Gänsehaut. „Dann bin ich immer sehr gerührt.“

Arend ist Hebamme aus Überzeugung. Sie lebt ihren Job. Ihre Tätigkeiten beschränkt sich daher auch nicht auf die eigentliche Geburtshilfe. Vorsorge und Nachbetreuung gehen über mehrere Monate. „Und während der vier Wochen rund um den Geburtstermin bin ich für die werdenden Mütter in Bereitschaft – permanent erreichbar.“

Immer erreichbar

Sie ist Betreuerin, Kontaktperson und Gymanstikhilfe in einem. Natürlich bringe das Einschränkungen im Privatleben mit sich. „Ich bin in diesen Wochen praktisch jederzeit am Telefon und kann Göttingen nicht verlassen.“ Aber das gehöre nun mal zu ihrem Traumberuf dazu, sagt sie.

Von Dörte Janßen

Folge vom 25. Oktober 2005