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Unter uns Michael Maus und Oliver Wieltsch heiraten nach 25 Jahren Partnerschaft
Thema Specials Unter uns Michael Maus und Oliver Wieltsch heiraten nach 25 Jahren Partnerschaft
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18:20 14.08.2014
„Die Hausmänner“ und ihr schwarzer Mastino: Michael Maus, Mastinorüde Luipold und Oliver Wieltsch (von links). Quelle: Pförtner
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Göttingen

Ob ihr in ganz Weende bekannter Mastino-Napoletano-Rüde namens Luipold dann noch lebt, weiß niemand. Der achtjährige 86-Kilo-Koloss leidet an Knochenkrebs.

Göttingen. Sie führen Gartenarbeiten durch, pflegen Gräber, kümmern sich um Teichanlagen, waschen Gardinen und reinigen Fenster und Treppenhäuser. Weiterhin nehmen sie Renovierungen vor, machen Umzüge, pflegen Terrarien und kümmern sich um den Winterdienst. Ganz nach ihrem Firmen-Motto: „Wir pflegen Ihr Haus von innen und außen“.

Dass sie mit ihrer Tätigkeit nicht dem Klischee eines schwulen Pärchens entsprechen, wissen sie. Aber die beiden sind eben keine schrillen Paradiesvögel, sondern – im Gegenteil – ziemlich bodenständig. Maus (46), ehemaliger Zeitsoldat und gelernte Fachkraft für Lagerlogistik, hat jahrelang beim Saatgut-Unternehmen „van Waveren“ gearbeitet.

Wieltsch (42) ist gelernter Fliesenleger und Kraftfahrer und hat darüber hinaus fünf Jahre lang die Terraristik-Abteilung bei „Schwarz-Angler“ geleitet. Nur einmal waren sie eher außerhalb der bürgerlichen Berufswelt tätig: als sie den Nachtclub „Mausefalle“ (das ehemalige „Remember“) in der Königsallee betrieben.

Jawort im Alten Rathaus

Kennengelernt haben sie sich vor 25 Jahren. Maus, der aus Frankfurt stammt, tat Dienst als Sanitäter in der Zieten-Kaserne, Wieltsch war gerade aus Leinefelde nach Göttingen gezogen. Eigentlich hatte er sich nur auf der Durchreise zu seinem Onkel in Bielefeld befunden, als er sich bei einem einstündigen Aufenthalt die Stadt ansah, völlig begeistert war und einfach dablieb. Auf einer Party lernten sich die beiden Männer kennen: „Wir wurden einander vorgestellt, gaben uns die Hand – und das Thema war durch“, erinnern sie sich.

Eine Woche später zogen sie zusammen, waren seitdem nie mehr als zwei Tage getrennt. Am 29. August wollen sie sich im Alten Rathaus das Jawort geben. „Es wird eine konservative Feier werden“, betonen sie. „Unter anderem werden wir beide einen vornehmen silbergrauen Anzug tragen.“

Ihre Angehörigen werden dabei sein, beide Familien haben sich – nach jahrelangen Schwierigkeiten – mit der Situation arrangiert. „Ich kann das schon nachvollziehen“, sinniert Maus, „beispielsweise werden unsere Eltern nie Enkel haben.“ Der 46-Jährige wird in Zukunft den Namen seines Partners tragen. „Ist praktischer, so“, sagt er, „gerade im Geschäftsleben. Besonders wenn man eine Frau anruft und sich mit „Guten Tag, Maus“, vorstellt, führt das häufig zu Irritationen.“

Eins hoffen die beiden inständig: dass ihr Hund Luipold nicht vor der Hochzeit eingeschläfert werden muss und das große Ereignis von der Trauer über seinen Tod überschattet wird. Vor zwei Monaten stellte die Tierärztin Knochenkrebs bei dem gigantischen Mastino fest.

Der sanfte Riese

„Als wir die Diagnose hörten, waren wir wie betäubt“, erzählt Wieltsch, „haben in den darauf folgenden Tagen viel geweint.“ Mittlerweile haben sie sich an den Gedanken gewöhnt, dass ihr Gefährte, der sie acht Jahre lang treu begleitet hat, in naher Zukunft nicht mehr sein wird. „Aber wirklich realisiert haben wir es immer noch nicht“, sagt Maus.

Auch viele Weender werden den sanften Riesen vermissen. „Er gehört einfach zum Stadtbild dazu“, sagt Martin Hansen, dessen Labrador-Boxer-Mischling Elli manchmal mit ihrem Artgenossen spielt. Trotz seiner Ausmaße hätten die wenigsten Menschen Angst vor Luipold. Sogar Wildfremde würden auf ihn zugehen und ihn knuddeln, erzählt Wieltsch. Zeige jemand Furcht, komme bei dem Vierbeiner allerdings der Macho durch: „Dann bellt er laut und guckt herausfordernd – seiner Stärke ist er sich auf jeden Fall bewusst.“ 

Ein wenig Hoffnung, dass Luipold seine Krankheit überwindet, haben seine Besitzer aber noch. Er fresse weiterhin seine zwei bis zweieinhalb Kilo Fleisch am Tag, die Chemotherapie hätte bislang gut angeschlagen. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, damit er wieder gesund wird“, sagen die beiden Männer, aber wenn es nicht mehr ginge, würden sie die Tierärztin anrufen, damit sie die erlösende Nadel setzt: „Leiden soll Luipold nicht“, auch da sind sich die beiden einig.

Von Hauke Rudolph